The Greatest Show © Dita Vollmond
The Greatest Show © Dita Vollmond
Sie befinden sich hier: Theater / Tournee / Konzerte / The Greatest Show
Theater
1911_KDL_HAM_300x250
Anzeige


This Is The Greatest Show

Konzert mit Film-Musicals

Der Konzertveranstalter „Sound Of Music Concerts“ unterhält die Musicalfans aus Deutschland seit 2006 mit „Entertainment in Premiumqualität“. Was mit einzelnen Top-Darstellern aus der Musicalszene als Solo-Konzert mit Klavierbegleitung der Reihe „Musicalstars in Concert“ begann, entwickelte sich über das Vierergespann der „Musical Tenors“ und des „Milestone Project“ mit kleiner Band bis zu großen Gala-Abenden wie „When Musical Meets History“ oder dem jährlichen 6 Stunden Mega-Event „Mitternachtsball“, bei dem auch Studenten der Musicalhochschulen für Chor und Tanz gecastet werden. Mit dem Partner „Semmel Concerts“ kreierte Andreas Luketa seit 2016 erfolgreich Konzerte wie „Die größten Musicalhits aller Zeiten“ und „Hollywood Dreams“. Mit „This Is The Greatest Show“ entwickelte er ein neues Konzert rund um die berühmtesten Filmmusicals der 70er Jahre bis heute, das am 12. März 2020 glanzvolle Premiere im Capitol-Theater Düsseldorf feiern durfte. Doch bereits nach zwei Vorstellungen war Schluss mit dieser großen Show, denn Covid19 verzögerte alle weiteren Tourneetermine um ganze zwei Jahre.

The Greatest Show 2022

Und so konnte dieses Konzert erst am 09. April 2022 seinen Siegeszug durch Deutschland, beginnend in Aachen, fortsetzen. Wir besuchten die zweite Vorstellung am 10. April in der Esperantohalle in Fulda, aber dort kündigte eine Mitteilung am Einlass davon, dass der Virus leider immer noch aktuelle Spielpläne durcheinanderbringen und Vorstellungen ausfallen lassen kann. Die Vorstellung in Fulda konnte zwar stattfinden, Publikums-Liebling Jan Ammann wurde jedoch krankheitsbedingt von Jonas Hein vertreten.
Wenn mal als Zuschauer die Halle betritt, fallen auf der Bühne zunächst einige runde Plattformen auf, auf denen sich zum Showbeginn die Band versammelt. Dies sind am Keyboard Philipp Gras, Florian Bölker und Sebastian Hartung, an der Gitarre Roman Spilek und Matthias Lüdke, an den Drums Matthias Plewka und am Bass Christian Niehues und Julian Walleck. Und diese Band sorgt für den richtigen Wumms, die eine Show für fast 3 Stunden von Höhepunkt zu Höhepunkt führen will. Die instrumentale Grundlage ist also gegeben. Die 16 Darsteller betreten die Bühne durch einen doppelten Lichtring wie eine Manage im Zirkus und das soll die Bühne ja auch beim Namensgeber der Show „The Greatest Showman“ sein. Mehr Requisiten benötigt man nicht, setzt ansonsten komplett auf das farbenfrohe Lichtdesign von Matthias Vierjahn und auf die zahlreichen Kostüme von Beate Schlüter und Judith Seliger, die die Filmszenen live zum Leben erwecken sollen.

2001_TIN_STU_300x250
Anzeige


Programm und Ensemble

Und wie sollte es anders sein, beginnt das Konzert mit dem gesamten Ensemble mit „This Is The Greatest Show“. Wie bereits erwähnt, stand Frontmann Jan Ammann in Fulda nicht auf der Bühne, sondern wurde von Jonas Hein vertreten. Wer die vielseitige Stimme des Folkwang-Absolventen kennt, der bei der Casting-Show „The Voice“ 2021 mit Xavier Naidoo zusammenarbeitete und danach im „Glöckner von Notre Dame“ über „Sunset Boulevard“, „Tanz der Vampire“ bis aktuell „Jane Eyre“ brillierte, wird über diese würdige Vertretung nicht wirklich traurig gewesen sein. Doch gerade ein P.T. Barnum war nicht der perfekte Einstand für Jonas Hein, da es seiner Stimme hier etwas an der nötigen Tiefe fehlte. Später in der Show konnte Hein jedoch immer wieder angenehm und vielseitig überraschen, sei es als zuckersüß-erotischer „Sweet Transvestite“, als „Nature Boy“ in „Moulin Rouge“ oder als klassischer Gentleman im „Phantom der Oper“. Bei „Come Alive“ und „From Now On“ aus dem finalen „Greatest Showman“-Block hatte Heins Stimme dann auch den echten Barnum oder vielmehr Hugh Jackman-Touch.
Mark Seibert moderierte galant-humorvoll die einzelnen Showblöcke an, die sich im ersten Akt chronologisch über die Filmhighlights der 70er Jahre bis 2009 erstreckten, während nach der Pause die aktuelleren Musicals der letzten Dekade zitiert wurden. Im Vergleich zum ursprünglichen Showkonzept mussten Songs u.a. von „Lala Land“ zugunsten von „The Prom“ und dem neuen Berliner Kultmusical „Ku´Damm 56“ weichen. Aber eigentlich kennt der Musicalfan auch ohne kurzweilige Moderation die Welthits aus „Saturday Night Fever“, „Grease“, „Footloose“, „Fame“, „Rent“, „Moulin Rouge“, „Mamma Mia“ und „Bohemian Rhapsody“. Und es wird schnell klar, dass das gesamte Konzert ein durchgängig hohes Niveau an rhythmischen Titeln bereithält, bei dem man als Zuschauer gerne mitklatscht oder sogar mitsingt. Nicht zuletzt sorgt die mitreißende Choreografie von Yara Hassan für ausgelassene Party-Stimmung bei den Darstellern, die sich auf das Publikum überträgt. Bei „I Had The Time Of My Life“ aus „Dirty Dancing“ bekommen wir die komplette Original-Tanzsequenz von Claudia Artner und Sergey Mishchurenko inklusive Hebefigur präsentiert, während Mishchurenko bei „Rewrite The Stars“ einen Pole-Dance abliefert, der fast vollständig vom bezaubernden Liebesduett zwischen Claudia Artner und Friedrich Rau ablenkt. Da zuckelt es auch in den Beinen des Publikums, die natürlich bei „We Will Rock You“ kräftig zum hämmernden Tackt aufstampfen dürfen.
Das Ensemble mit Anna-Julia Rogers, Sophie Alter, Clarissa Gundlach, Charlotte Katzer, Christian Rosprim, Simon Staiger und Moritz Weber-Jaenichen geben neben ihren klangvollen Stimmen auch tänzerisch vollen Köpereinsatz, wie es für ähnliche Konzertformate eher unüblich ist. Ewas weiter aus dem Ensemble herausheben können sich Michael Moore als Travolta-Diskokönig mit dem Samstag-Nacht-Fieber und Friedrich Rau als Travolta-Herzensbrecher mit Schmalzlocke. Karolin Konert trifft gleich zweimal voll ins Schwarze und sorgt mit ihrer soulig-gefühlvollen Power-Ballade „I Will Always Love You“ aus „Bodyguard“ für Gänsehaut, während ihr „Never Enough“ aus „Greatest Showman“ selbst die Original-Künstlerin Loren Allred in den Schatten stellt. Und als Satine in „Moulin Rouge“ beweist sie mit „One Day I´ll Fly Away“ und im „Come What May“-Duett mit Mark Seibert, dass Nicole Kidman eben doch eine bessere Schauspielerin als Sängerin ist.

1911_TDV_STU_300x250
Anzeige


Die Stars des Abends

Fehlen noch die wahren „Stars“ des Abends, deren Namen im Programmheft etwas größer gedruckt sind als die der übrigen Darsteller. Jan Ammann beweist auf der bereits im Jahr 2020 erschienenen live aufgenommenen Konzert-CD, dass er seine zugeteilten Rollen perfekt beherrscht, auch wenn er in Fulda, wie bereits erwähnt, würdevoll von Jonas Hein vertreten wurde. Mark Seibert darf neben seiner Rolle als Moderator natürlich auch singen und findet mit „Your Song“ aus „Moulin Rouge“ sein verdientes Solo, während er in Duetten mit Roberta Valentini ein beindruckendes „The Shallow“ aus „A Star Is Born“ abliefert oder eben auch verspielt rockig bei „Footloose“ und „Mamma Mia“ mitmischt.
Roberta Valentini, deren Part ab Mai zeitweise von Annemieke Van Dam übernommen wird, darf im Disney-Medley zwischen „König der Löwen“ und „Die Eiskönigen“ alle Register ziehen, während sie auf dem Ku`Damm „Ich tanz allein“ zelebriert und sicher über das „Tightrope“ des „Greatest Showman“ balanciert. Sound Of Music-Publikumsliebling Michaela Schober überzeugt mit dem eher unbekannten „Gabriellas Song“ aus „Wie im Himmel“, bevor sie mit Michael Moore „Don´t Stop Believing“ aus „Rock Of Ages“ oder alternativ der Serie „Glee“ schmettert oder mit charmantem Damenbart die Hymne „This Is Me“ zu einem Showstopper werden lässt.
This Is The Greatest Show“ kommt mit dem Gute-Laune-Spaß-Konzept tatsächlich sehr nah an das Motto einer „größten Show“ heran und kann das Publikum über die gesamte Spielzeit sehr gut unterhalten. Vielleicht wird dieser Effekt auch von der langen Konzert-Abstinenz während einer Pandemie verstärkt und wir sehnen uns in Krisenzeiten ganz besonders nach Ablenkung und kultureller Zerstreuung, wie sie schon ein P.T. Barnum vor rund 170 Jahren einem staunenden Publikum präsentierte, das davon „never enough“ haben konnte.

© Text: Stephan Drewianka, dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical-Fachzeitschrift Blickpunkt Musical 03-22, Ausgabe 117, Fotos: Dita Vollmond und Markus Werner

Alles zu The Greatest Show bei Sound Of Music!

Anmerkung: Das THIS IS THE GREATEST SHOW-Ensemble folgt einer Einladung zu "Die große Silvester Show" der ARD und ist gleich mit drei Songs vertreten! Ausgestrahlt wird die Show am Silvesterabend in der ARD, auf ORF2 und SRF1. Francine Jordi und Hans Sigl moderieren, weitere Gäste sind u.a. Chris de Burgh, Marianne Rosenberg und Gitte Haenning. Vom 22.02.2023 bis 25.03.2023 ist THIS IS THE GREATEST SHOW! wieder auf Tournee.

Anzeige