Heldenreise © Westdeutscher Rundfunk
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Livestream-Konzert „Heldenreise“ des WDR-Funkhausorchesters

Heldenreise: I Need A Hero

Am 14.01.2021 präsentierte das WDR-Funkhausorchester unter der Leitung von Frank Strobel live aus dem WDR Funkhaus am Wallrafplatz in Köln ein 90-minütiges Neujahrs-Konzert mit großen Film- und Musicalhits. Zu hören im Radio und zu sehen auf der WDR-Homepage wurde das Konzert aufgrund der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW ohne Publikum gezeigt und von Julia Schöning moderiert. Im Fokus standen u.a. Zeichentrick-Helden aus dem Hause Disney, wie Hercules, Vaiana, die Eiskönigin, der König der Löwen, Tarzan, der Glöckner von Notre Dame, Arielle, Aladdin, die Schöne und das Biest und Toy Story, aber auch die grünen Helden aus Wicked und Shrek und einer Prise La La Land. Für die stimmliche Untermalung der Songs, die allesamt überregional-weltoffen in englischer Originalversion interpretiert wurden, was eigentlich bei den guten deutschen Übersetzungen einiger Songs eher bedauerlich war, verpflichtete man die renommierten Musical-Darsteller Bettina Mönch (u.a. Prinzessin Fiona in „Shrek“, Sally Bowles in „Cabaret“) und Dominik Hees (u.a. Charlie Prince in „Kinky Boots“, Helmut Rahn in „Das Wunder von Bern“).

Das Konzert startet mit einer frisch und leicht arrangierten Instrumental-Ouvertüre von "Under The Sea" aus „Arielle“, die das WDR-Funkhausorchester als Star des Abends gleich ins rechte Licht setzt und mit E-Gitarre und schwingenden Querflöten auch einzelne Mitglieder des Orchesters in netten Close-Ups in den Mittelpunkt stellt. Als Überraschung gibt es tosenden Applaus eines nicht vorhandenen Publikums, was von der Moderatorin des Abends auch gleich erklärt wird. Tatsächlich ist die Stille im Konzertsaal bei Streaming-Events ohne Publikum am Ende einer Darbietung unnatürlich und ungewohnt, und so hatte der WDR beschlossen, den aufgezeichneten Applaus vergangener Live-Konzerte im WDR-Funkhaus einzuspielen, was später häufig ein Lächeln auf die Gesichter der Darsteller zaubert und die sterile Atmosphäre eines leeren Konzertsaals mit Leben füllt. Trotzdem wirken die Einspielungen beim Zuschauer wie die künstlich hinzugefügten Lacher einer amerikanischen Sitcom. Was für Radiohörer gut funktioniert, ist für die Zuschauer des Livestreams mit Blick auf leere Zuschauerreihen dann doch etwas befremdlich.

Aber zurück zur „Heldenreise“, die mit einer jugendlich-unschuldigen Interpretation von „How Far I’ll Go" aus Vaiana und einem witzig-pointierten "Popular" aus Wicked von einer bezaubernden Bettina Mönch an Fahrt aufnimmt. Dominik Hees übernimmt anschließend das Ruder souverän mit seiner kraftvollen Helden-Hymne "Go The Distance" aus Hercules und dem Country-Song „You’ve Got A Friend In Me" aus Toy Story. Dass beide Stimmen nicht nur als Soli, sondern auch im Duett harmonisieren, zeigt sich bei „Someday" aus Der Glöckner von Notre Dame und "Beauty And The Beast" aus Die Schöne und das Biest in der Oscar-Jazz-Version. Dazu wechselte Frau Mönch das rote Kleid ihrer ersten beiden Songs gegen ein weißes Outfit, in dem die hochgewachsene Sirene wie die griechische Göttin Aphrodite wirkt. Doch leider stößt die ansonsten so versierte Sängerin bei ihrer eigenen Interpretation von "Defying Gravity" aus Wicked tatsächlich fast an ihre Grenzen – was sie nach dem Lied auch mit einem erleichterten Blick zum Dirigenten quittiert. Obwohl der folgende Song "Let It Go" aus Die Eiskönigin gesanglich ebenfalls eine Herausforderung darstellt, ist Bettina Mönch hier wieder voll in ihrem nun eher eisigen Element und kann restlos überzeugen. Mit Partner Dominik Hees folgen zwei romantische Liebes-Duette "Can You Feel The Love Tonight" aus Der König der Löwen und "You’ll Be In My Heart" aus Tarzan. Im verrückten "Friend Like Me" aus Aladdin darf Hees sogar mal rappen.

Ein kleiner Final-Block ist ganz dem grünen Oger Shrek gewidmet und hier zeigt sich, dass es immer von Vorteil ist, wenn ein Sänger eine Rolle tatsächlich auf der Bühne interpretiert hat, denn Bettina Mönch kann hier auf ihre Erfahrung als Fiona zurückgreifen, was ihr bei "Holding Out For A Hero" und der Alles-was-Du-kannst-das-kann-ich-schon-lange (und hatte es viel schlechter als du) Oger-Version "I Think I Got You" sichtlich viel Freude bereitet. Aber alle Achtung vor Dominik Hees, der zwar nie in die grüne Ogerhaut schlüpfte, aber mit  "I’m A Believer" den gut gelaunten Rock`N`Roller gibt, bei "Who I’d Be" aber genauso überzeugend die verletzliche Seite eines Außenseiters zeigt. Der Abend endet mit einer instrumentalen Hommage an das La La Land mit dem fetzigen "Another Day Of Sun".

Wer das Konzert Live im Radio oder Stream verpasst hat und die 30 Tage online-Abruf-Frist der WDR-Homepage ebenfalls verstreichen ließ, findet das Konzert-Video noch auf dem YouTube-Kanal bei WDR-Klassik – hier wurde aber die eher belanglose Moderation komplett herausgeschnitten und es blieben 61 Minuten und 9 Sekunden unterhaltsam-kurzweilige Konzertmusik übrig, die man auch jetzt noch entdecken kann (das Konzert finden Sie weiter unten auf dieser Seite).

© Text: Stephan Drewianka, Bildschirm-Screenshots mit freundlicher Genehmigung des Westdeutschen Rundfunks; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical-Fachzeitschrift Blickpunkt Musical 02-21 - Ausgabe 111.

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