Cinderella in Wuppertal © Bjoern Hickmann
Cinderella in Wuppertal © Bjoern Hickmann
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Premiere des Rodgers & Hammerstein Musicals Cinderella an der Oper Wuppertal

Plötzlich Prinzessin

Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, da lebte in Wuppertal die junge Ella, die von ihrer Stiefmutter Madame zur Hausarbeit angehalten und von ihren Stiefschwestern Gabrielle und Charlotte gemobbt wurde, und nur die alte, verrückte Marie war freundlich zu ihr. Die einsame Ella zieht sich in ihrem Zimmer von der realen Welt zurück und träumt sich in ihr Märchen mit dem drachentötenden Prinz Christopher, der als angehender Regent die Hose allerdings gestrichen voll hat,Regierungsangelegenheiten seinem korrupten Verwalter Sebastian überlässt und vor den Problemen seiner Untertanen die Augen verschließt. Gegen diese Ignoranz demonstriert der junge Rebell Jean-Michel. Von dem Aufruhr möchte Sebastian durch einen rauschenden Ball ablenken, bei dem Prinz Chris seine Braut aus den Gästen wählen soll. Madame möchte ihre Tochter Gabrielle gerne mit dem Prinzen verkuppeln. Für Ella ist auf dem Ball natürlich kein Platz und Madame zerreißt Ellas Eintrittskarte. Doch die verrückte Marie entpuppt sich als gute Fee, die Ella nicht nur ein schickes Make-Over als Traum-Prinzessin verpasst, sondern mit der Belebung zweier Plüschtiere auch eine exotische Dienerschaft erschafft, die Ella bis Mitternacht in einem coolen Gefährt auf den Ball begleiten, wo sie durch ihre Freundlichkeit die Gunst des Prinzen gewinnt. Aber um 12 Uhr droht der Zauber zu schwinden und Ella verliert bei ihrer Flucht einen gläsernen Schuh, den sie wieder an sich nimmt.
Der Prinz veranstaltet ein Festmahl, um seine geheimnisvolle und geflohene, potenzielle Braut wiederzufinden. Gabrielle freundet sich mit Ella an, gesteht ihr, dass sie in Jean-Michel verliebt ist, und stellt sich krank, damit Ella in ihrem Kleid zum Festmahl gehen kann. Doch Madame zerreißt das Kleid und Ella muss erneut auf den Zauber von Marie vertrauen. Beim Festmahl überzeugt Ella Chris davon, seinem Volk zuzuhören und Sebastian nicht weiter blind zu vertrauen. Doch auch diesmal kommt Mitternacht viel zu früh, und Ella hinterlässt jetzt absichtlich ihren gläsernen Slipper. Mit diesem Indiz sucht Chris im ganzen Land, doch keiner Dame scheint der Schuh zu passen, bis Chris endlich seinem Aschenputtel in einfacher Kleidung begegnet…

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Deutsche Fassung - Cinderella mit lokaler Rahmenhandlung

Die Oper Wuppertal präsentiert „Cinderella“ seit dem 09. Dezember 2023 in der Inszenierung von Christian Thausing mit der ungewöhnlichen Rahmenhandlung, die sich mit dem Bühnenbild von Hana Ramujkic eines Kinderzimmers konsequent an den Realitätsbezug klammert. Wenn Ella in ihrem Hochbett während der Ouvertüre einschläft, erwacht das Märchen mit der eigentlichen Fassung von Rodgers und Hammersteins Musicaladaption auf der Bühne zum Leben und die Charaktere betreten wie in Narnia durch Schränke die Bühne und nutzen die Möblierung des Kinderzimmers als Requisiten der Handlung. Wer als Zuschauer „nur“ ein phantastisches Märchenspiel in entsprechender Kulisse erwartet hat, könnte von mit diesem Regieeinfall enttäuscht sein.
Von der Ursprungsfassung des als Fernsehproduktion 1957 entstandenen Musicals mit der jungen Julie Andrews in der Titelrolle ist in der späteren Bühnen-Adaption von Douglas Carter Beane für das Broadway-Revival 2013 nicht viel geblieben, denn die Modernisierung umfasste nicht nur die grundlegende Überarbeitung und Neuimplementierung von Charakteren, sondern auch bisher nicht verwendete Songs aus dem Repertoire des Komponistenteams u.a. mit einem gestrichenen Lied aus „South Pacific“. Nach der Europapremiere 2018 im Münchener Prinzregententheater und einer Fassung 2020 in Dresden zeigt Wuppertal die deutsche Version von Jens Luckwaldt erst als dritte Produktion in Deutschland.

Darsteller und Rollen bei Cinderella in Wuppertal

Als royales Paar präsentieren sich die Folkwang-Absolventen Jonas Hein als stimmstarker, aber schüchterner Prinz Christopher, der Ungeheuer problemlos um die Ecke bringt, in Staats- und Herzensangelegenheiten aber zunächst hilflos überfordert ist, und die bezaubernde Susann Ketley, die erst im Sommer 2023 ihren Hochschulabschluss absolviert hat, als emanzipierte Ella, die zwar ihre realen Probleme mit in ihre Traumwelt nimmt, sie dort aber souverän-sympathisch löst und den Zuschauer hoffen lässt, dass ihr diese positive Energie auch nach ihrem Erwachen in der realen Welt erhalten bleibt. Stefanie Smailes (alternierend Tamara Peters) ist eine herrlich böse Stiefmutter Madame, die an eine Mischung aus Disneys „Cruella De Vil“ und Miranda Priestly aus „Der Teufel trägt Prada“ erinnert. Edith Grossmann als Tochter Charlotte ist ein reiner Comedy-Charakter und bleibt im Schatten ihrer Schwester Gioia Heid als Gabrielle, die sich vom mobbenden Terrorbiest in Ellas Verbündete verwandeln darf.
Ein weiterer düsterer Charakter ist mit Mark Bowman-Hester als Verwalter Sebastian besetzt, der Dustin Smailes (alternierend Nils Karsten) als Jean-Michel das Leben als Reformer des Reiches schwer macht. Jason Lee präsentiert als Graf Dingelstein alle wichtigen Ankündigungen des Landes zwar akzentbelastet, dafür aber mit trockenem Humor.
Das achtköpfige Tanzensemble in der Choreografie von Evamaria Mayer schafft gemeinsam mit dem Jugendclub immer wieder neue und abwechslungsreiche Bilder. Gundula Hintz präsentiert als gute Fee Marie ihre Songs mit klassischer Stimme, die mit dem Opernchor der Wuppertaler Bühnen gut harmoniert. Das Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Johannes Witt lässt die vielleicht etwas angestaubten Klassiker, die sich erst nach mehrmaligem Hören als Ohrwürmer entpuppen, in ihrem alten Glanz erstrahlen. Die Kostüme von Devi Saha sind verspielt bunt, wie es dem Traum einer Teenagerin gebührt, und die Verwandlung von Marie von der Verrückten zur Fee und insbesondere von Ellas Schlabberlook in eine elegante Abendgarderobe sind sehenswerte Theatermagie.

Es mag sein, dass „Cinderella“ für moderne Musicalfans etwas altbacken daherkommt und musikalisch nicht so abwechslungsreich wie modernere Musicals ist. Wer sich aber neben all den aktuellen Compilation-Shows auf echte Kompositionen eines alten Dream-Teams, aus deren Feder so zeitlose Musicals wie „The Sound Of Music“, „Oklahoma!“ und „The King And I“ entsprungen sind, einlassen kann, wird von der Produktion in Wuppertal nicht enttäuscht sein.

Nach der Premiere sorgte die regionale Zeitung „Wuppertaler Rundschau“ für einen handfesten Skandal mit einer Premierenkritik, die neben zahlreichen unzutreffenden Kritikpunkten an der Show auch die Hauptdarstellerin persönlich angriff. Das beleidigende „Body Shaming“ wurde von Kollege Jonas Hein, Intendantin Rebekah Rota und zahlreichen schockierten Zuschauern auf allen Online-Plattformen aufs Schärfste verurteilt und kritisiert, bis sich Zeitung und Autor gleich zweimal öffentlich für die unangebrachten Worte entschuldigten. Hoffen wir, dass Susann Ketley genauso stark damit umgehen kann wie Ella mit ihren mobbenden Mitmenschen und sie weiterhin und zurecht den Traum einer talentierten Musical-Darstellerin lebt.

© Text und Fotos Schlussapplaus: Stephan Drewianka; Bühnenfotos: Bjoern Hickmann;
Dieser Bericht erschien leicht gekürzt ebenfalls in der Musical Fachzeitschrift Blickpunkt Musical 01-24 – Ausgabe 127

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