Disney In Concert © Stephan Drewianka
Disney In Concert © Stephan Drewianka
Sie befinden sich hier: Theater / Tournee / Konzerte / Disney in Concert
Theater

Konzertauftakt „Disney In Concert – Dreams Come True“ in der Owl Arena in Halle

Disney macht Träume wahr

Der Markenname Disney steht seit dem ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ aus dem Jahr 1937 für hochwertige Familienunterhaltung. Aus dem reichhaltigen Repertoire unvergesslicher Filmmusik-Klassiker lassen sich mit Leichtigkeit unterhaltsame Konzertprogramme erstellen, die Jung und Alt gleichermaßen in den Bann ziehen. Und so füllte Veranstalter „Semmel Concerts Entertainment“ große Stadien und Konzerthäuser in Deutschland und Österreich mit bisher drei Konzertreihen „Disney In Concert“: 2016/2017 mit „Magic Moments“, 2018/2019 mit „Wonderful Worlds“ und 2020 sollte eigentlich mit „Dreams Come True“ die dritte Konzert-Tour starten, doch die Träume platzten aufgrund der Corona-Pandemie und mussten mehrfach bis zum 06. Mai 2022 verschoben werden.

Disney in Concert

Für den Konzertauftakt in der OWL Arena in Halle Westfalen fanden sich rund 4000 Zuschauer in der Tennis-Halle ein. Nach der zum Motto passenden Showeröffnung mit „When You Wish Upon A Star“ aus „Pinocchio“ und „Million Dreams“ aus „The Greatest Showman“ stellte TV-Moderator Daniel Boschmann sympathisch und publikumsnah den eigentlichen Star des Abends vor, das wundervolle Hollywood-Sound-Orchestra unter der Leitung von Wilhelm Keitel. Die zahlreichen, recht jugendlichen, Mitglieder des Orchesters stammen nicht, wie es der Name fälschlicherweise andeutet, aus der Filmmetropole Amerikas, sondern vielmehr aus dem Orchester der Odessa Opera, wie eine dezent angebrachte ukrainische Nationalflagge verrät. Die minutenlange Standing Ovation des Publikums ließen bei Dirigent und Moderator Tränen der Rührung fließen, denn es sei nicht einfach gewesen, das Orchester aus der Ukraine zu evakuieren. 

Klangvolle Solisten

Doch nicht nur der instrumentale Background ist erstklassig, auch die Gesangssolisten tragen klangvolle Namen, die man gerne auf der Bühne hört und sieht. Elisabeth Hübbert („Mary Poppins“, „Tarzan“), die ab 21.05. durch Judith Caspari („Anastasia“, „Wicked“) ersetzt wird, Judith Lefeber („Aida“, „Hair“), Roberta Valentini („Wicked“, „Ghost“) und Sängerin Mandy Capristo stellen das weibliche Ensemble. In den männlichen Rollen sehen wir Philipp Büttner („Aladdin“, „Goethe“), in drei Städten von Richard-Salvador Wolff („Aladdin“, „Flashdance“) vertreten, Enrico De Pieri („Kein Pardon“, „Aladdin“) und Anton Zetterholm („Tarzan“, „Paramour“).

Da das Musical „Aladdin“ bei einigen Solisten in der Vita aufgeführt wird, verwundert es nicht, dass der Dieb aus Agrabah, der Dank des Flaschengeistes zum Juwel eines Prinzen geschliffen wird, Thema des nächsten musikalischen Blocks ist, wobei neben dem Animationsfilm (1992) auch die Realverfilmung mit Will Smith (2019) zitiert wird. Während Philipp Büttner sein „Stolz auf mich sein“ originalgetreu interpretiert, präsentiert Mandy Capristo eine Eigeninterpretation von „Speechless“, bevor es für beide im Duett heißt „Ein Traum wird wahr“. Enrico De Pieri darf bei „Einen Freund wie ich“ tänzelnd mit Pyroeffekten die Bühne rocken. Mit Judith Lefeber bleibt es jazzig im „Küss den Frosch“-Teil, während sich Elisabeth Hübbert und eine Geigerin des Orchesters bei „Touch The Sky“ aus „Merida“ ein schottisches Highlander-Duell liefern. In Tarzans Dschungel führt Anton Zetterholm, der „Fremde wie ich“, „Zwei Welten“ zusammen, bevor das gesamte Ensemble als Affenfamilie „Trashin' The Camp“ zelebriert. Beim wilden Topfschlagen, das allen Darstellern sichtlich Spaß bereitet, der sich auf das Publikum überträgt, darf auch eine freiwillige Zuschauerin als Statistin mitwirken, denn Disney lässt in dieser Show eben Träume wahr werden. Bei „Coco“ feiert man bunt den „Día de los Muertos“ und gedenkt der Toten mit „Denk stets an mich“. 

Mit „Pomp And Circumstance“ aus „Fantasia“ zeigt das Symphonieorchester, dass es rein instrumental ebenfalls satt und wohlklingend unterhalten kann, bevor Roberta Valentini mit Elisabeth Hübbert ein beindruckendes „Into The Unknown“ aus „Die Eiskönigin 2“ schmettern, während die Herren der Schöpfung mit einem Augenzwinkern doch sehr „Verlassen im Wald“ sind und alle gemeinsam mit „Zeige dich“ den ersten Akt beschließen. 

Nach der Pause geht es mit dem aktuellen Kinohit „Encanto“ weiter. In dem Block überrascht bei „Nur kein Wort über Bruno“ Moderator Daniel Boschmann mit einer Lin-Manuel Miranda typischen Rap-Einlage, während bei „Dos Oruguitas“ Philipp Büttner auch auf Spanisch eine gute Figur abgibt. Mit „Arielle die Meerjungfrau“ kehren wir zu den Klassikern zurück. Valentinis „Ein Mensch zu sein“ und Büttners „Unter dem Meer“ erstrahlen dabei in der originalen Textfassung von 1989, was die Fans zu schätzen wissen. Überraschend gibt Enrico De Pieri die böse Meerhexe Ursula und lässt „Arme Seelen in Not“ zu einem Highlight werden, bevor er als Krabbe Fabius „Küss sie doch“ den Paartherapeuten gibt. Bei „Mulan“ phrasiert Mandy Capristo ihre „Reflections“, bevor „Hercules“ u.a. mit „Ich werd´s noch beweisen“ und „Jedes Wort ist wahr“ in olympisch-göttliche Höhen geht. 
Hanz Zimmers Meisterwerk „Fluch der Karibik“ wird in einen Instrumental-Medley vom Hollywood-Sound-Orchestra gefeiert, bevor Anton Zetterholm mit „Der ewige Kreis“, Pieris „Sei bereit“ und der Ensemble-Hymne „Can You Feel The Love Tonight“ aus dem „König der Löwen“-Block das Hauptprogramm abrundet. Aber natürlich dürfen Orchester und Solisten die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen und hier darf Roberta Valentini noch mal zeigen, was eine Elsa draufhaben muss. Ihr „Lass jetzt los“ wird zum krönenden Abschluss eines wundervollen Disney-Abends.

War der Abend in Halle ein traumhafter Tour-Auftakt? Wenn ich ehrlich sein darf, leider nicht ganz. Die „Disney In Concert“-Konzertreihe lebt von den Originalfilmsequenzen, die auf einer riesengroßen Leinwand passend zur Musik eingespielt werden. Die OWL-Arena besitzt als Tennis-Austragungsort ein weißes, transparentes Dach, welches Anfang Mai die Sonnenstrahlen noch bis 21:00 Uhr hereinlässt und so die Leinwand während des ersten Teils fast komplett weiß erstrahlen und die Trickfilmfiguren nur als Schemen erkennen ließ. Dem Veranstalter ist dies nur bedingt anzulasten, war der Tourstart eigentlich im dunklen Winter geplant, doch wegen Corona musste er immer weiter in den Frühling verlegt werden. Auch die kurzzeitige Verlegung des Konzertbeginns von 18:00 Uhr auf 19:00 Uhr (mit künstlicher Hinauszögerung auf 19:20 Uhr) hat leider erst zum 2. Teil den erwünschten Effekt gebracht, denn ab 21:00 Uhr konnte die Disney Magie mit Lichtdesign, Pyrotechnik und Filmsequenzen endlich ihren vollen Zauber entfalten. Dies wird bei den weiteren Veranstaltungsorten sicherlich keine Rolle spielen, für den Tourauftakt war es leider ein holpriger Start. Während der Sound im „Parkett“ der Arena tadellos ausgesteuert war, musste man in den hinteren Reihen der Ränge bautechnisch leider auch Abstriche beim so wichtigen Hörerlebnis machen, da hier ein dumpfer Bass vorherrschte und der Schall die Textverständlichkeit schmälerte. Und obwohl Daniel Boschmann ein wunderbarer Moderator war, der ganz natürlich und ohne Peinlichkeiten „sein“ Publikum im Griff hatte und insbesondere vom Geräusch fasziniert war, den 4000 Zuschauer nach einer Standing Ovation verursachen, wenn sie gleichzeitig ihre Plastiksitze zurückklappen, kann man sich nicht ganz des Eindrucks einer permanenten Werbeveranstaltung entziehen, wenn bei Filmsequenzen ein „Jetzt im Kino“ nicht fehlen darf, die Hinweise „zu sehen auf Disney+“ omnipräsent sind und während des Konzerts ein Fotowettbewerb stattfindet, bei dem der präsentierte Gewinner zu Disneyland Paris reisen darf. 
Aber selbst mit diesem leichten Aufstoßen bekommt man bei „Disney In Concert“ ein Erster-Klasse-Menü serviert, dass allein schon wegen des großartigen Symphonieorchesters einen Michelin-Stern verdient hat und bei dem man gerne mit „Sei hier Gast!“ begrüßt wird. 

© Bericht & Fotos by Stephan Drewianka; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Zeitschrift BLICKPUNKT MUSICAL, Ausgabe 03-22 - Ausgabe 117

Alles zu Disney bei Sound Of Music!

Anzeige eventim Tickets
Anzeige