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Musicalstars in Konzert Andreas Bieber und Paul Kribbe: You walk with me

You walk with me - Faszinierende und persönliche Mischung melodiöser Perlen aus Musical und Pop

Andreas Bieber und Paul Kribbe servieren ihre Favoriten „in Concert“ und auf CD

Um es vorweg zu sagen: Es wäre schade, wenn es bei diese beiden Konzerten bleiben würde – auch auf die Gefahr hin, dass dadurch der Anstrich des ganz Besonderen etwas blättern sollte. Für Andy Bieber und Paul Kribbe, zwei der beliebtesten Musicalstars hier zu Lande, war es eine Präsentation nach Maß, für „Sound of Music“ aus Essen, repräsentiert durch Andreas Luketa und Markus Tüpker, der gelungene Einstieg als Konzertveranstalter. Schauplatz des Ereignisses: Der intime Club des Düsseldorfer Capitol-Theaters. Zwei ausverkaufte Shows mit einem euphorisierten und begeistert mit gehenden, Publikum, was will man mehr?

Überschrieben war der Abend mit „You walk with me“ (aus „The Full Monty“). Und das ist zugleich auch der Titel der ersten gemeinsamen, auf dem SOM-Label erschienen CD der beiden Künstler. Letztendlich dienten die Live-Gigs natürlich dem Zweck, die erlesene und innovativ produzierte Langrille zu promoten, und das geht völlig in Ordnung. Die Fans, und jene, die es vielleicht gerade durch diese Auftritte erst geworden sind, erlebten zwei blendend disponierte Entertainer, die, begleitet von einer exzellenten Band unter der Leitung von Deimos Virgillito, mit Stimmpower, Charme Witz und Schlagfertigkeit eine ganz persönliche Auswahl ihnen am Herzen liegender Songs servierten.

Fließende Grenzen zwischen Musical und Pop

Dabei erwiesen sich die Grenzen zwischen Musical und Pop (Rock) als fließend. Beide Genres greifen an mehr Stellen ineinander und haben mehr Berührungspunkte, als man gemeinhin glauben mag. Und es war eine recht eigenwillige, aber nichts desto trotz faszinierende Mischung, bei der die Protagonisten nicht nur ihre ganze stilistische Bandbreite ausleben und offenbaren konnten, sondern ihre Zuhörer auch in Werke und Gefilde entführten, die abseits des normalen Musical-Mainstreams liegen. Während auf  der 14-Track -CD die überwiegend akustisch gehaltenen Arrangements dominieren, durfte es bei der Live-Performance auch schon mal eine Spur erdiger zugehen. 

Gut’ Ding will Weile haben

Geboren worden war die Idee, ein gemeinsames Ding zu drehen, bereits zu seligen Tabaluga & Lilli -Zeiten, als Andy Bieber als Magier und Paul Kribbe als Mond und Baum im TheatrO CentrO in Oberhausen agierten. Aber da gut’ Ding halt Weile haben will, dauerte es noch geraume Zeit, bis das Projekt konkrete Gestalt annahm. Ursprünglich hatte es ja eine reine Pop-Scheibe werden sollen. Produzent Andreas Luketa hatte die Beiden mit über 100 möglichen Songs zugeschüttet und sie gebeten, aus diesem Fundus ihre persönliche Favoriten-Auswahl zu treffen. Dabei heraus kam ein exzeptionelles Konglomerat an melodiösen Kleinoden. Und siehe da, die meisten Lieder entpuppten sich, auch wenn auf den ersten Blick bzw. dem ersten Hören als solche nicht erkennbar, als Musical-Stücke. Nun haben die Künstler zu allen 14 Songs einen ganz persönlichen Bezug; es gibt da eine durchgehende Identifizierungskomponente, die ihren Ausdruck natürlich durch die individuelle Akzentuierung in der Interpretation findet.

Klangvolle Melange

Ein weiteres hervorstechendes Merkmal dieser klangvollen Melange ist, dass sie Lichtjahre von dem gecoverten Einheitsbrei dieser Tage entfernt ist. Das fängt bei dem eingängigen country-seligen „River in the rain“ aus „Big River“ an, erstreckt sich über „Stranger in this World aus „Taboo“ bis hin zu “The Journey home aus „Bombay Dreams“ – und hört bei dem romantischen „Cindy“ (aber ohne Bert) aus dem gleichnamigen französischen Musical noch lange nicht auf. Und dazwischen noch mehr aus der Raritätenkiste, Seltenes und Unbekanntes, beispielsweise „I am“ aus dem noch gar nicht aufgeführten und lediglich als Konzeptalbum vorliegenden Musical „Hero“, dass das J.C.-Motiv aufgreift, Christus aber in das New York der Neuzeit stellt, oder halt „Nothing Sacred“, eine zusätzliche, schließlich aber wieder gestrichene Jim Steinman-Komposition aus der gefloppten US-amerikanischen Vampir-Tanz-Produktion.

Aber man begegnet durchaus auch populären Ohrwurmklassikern, freilich alle in verändertem Gewand bzw. neuem Arrangement. Freddie Mercury und Co. lassen mit „Killerqueen“ ebenso grüßen wie Maffays Peter mit dem „Lied des Mondes“ aus Tabaluga & Lilly oder ABBA mit dem fetzigen  „Does your mother know“ aus „Mamma Mia“. Die Haus-Nachbarn des Capitol-Clubs von „Miami Nights” sind mit einer unorthodoxen Fassung des Gloria Estefan-Hits „The rhythm is gonna get you“ vertreten, zeigten während der beiden Konzerte aber auch personell Flagge. Hauptdarstellerin Talita Angwarmasse und ihre Kollegin und Laura-Stellvertreterin Kara Tremel begnügten sich als vokale Background-Verstärkung zwar meist mit einem Platz in der zweiten Reihe, sorgten andererseits als gemischte Doppel mit den Gastgebern („Dangerous Game“ /Jekyll &Hyde, „Written in the stars“/Aida) für zwei weitere veritable Highlights des kurzweiligen Abends.

Der Reiz des Außergewöhnlichen

Mag ja sein, dass die produktionstechnisch auf dem neuesten Stand gehaltende CD ihre Ausgereiftheit (auch) dem Know-How cleverer Tontechniker verdankt, in der Virtuosität der livehaftigen Umsetzung des Materials zeigte sich aber erst deutlich, dass die Sänger keine Auffangnetze aus der elektronischen Sound-Trickkiste benötigen. Andy Bieber und Paul Kribbe zeigten sich bei ihrem ersten gemeinsamen Konzertprogramm als ein perfekt aufeinander eingespieltes und sich gegenseitig prächtig ergänzendes Tandem, wobei die stimmliche Harmonie  zwischen ihnen wie aus einem Guss erschien. Ein Eindruck, der durch das perfekte Zusammenspiel der Band noch verstärkt wurde. Das schreit nach Wiederholung – und eine solche ist in zurückhaltender Dosierung auch angedacht. Bieber und Kribbe in concert – möglicherweise demnächt in Wien oder in einigen wenigen ausgesuchten deutschen Städten. Der Reiz des Außergewöhnlichen soll bewahrt werden – und das ist auch gut so.

© by Jürgen Heimann

Das Interview mit Andy Bieber lesen Sie hier.

Die CD zum Konzert: "You Walk With Me"  heisst auch die erste gemeinsame CD,die soeben bei Amazon.de erschienen ist.

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