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Zorro in Tecklenburg © Stephan Drewianka
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Musical Zorro feiert Premiere auf der Freilichtbühne Tecklenburg

Zorro in Tecklenburg © Stephan Drewianka
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Der Mann mit der Maske und der scharfen Klinge

Die Brüder Ramon und Diego wachsen 1805 in Südkalifornien als Söhne des Alkalden Don Alejandro auf und könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Diego hilfsbereit mit Freundin Luisa spielt, trachtet Ramon schon als Junge nach dem Erbe des Bürgermeisteramts seines Vaters. Doch der Papa zieht Diego vor und schickt ihn zum Studium nach Barcelona. Als Jugendlicher schließt sich Diego den Zigeunern an und spielt Straßentheater, da er sich in die Gipsy Queen Inez verliebt hat. Doch dann taucht Luisa auf und berichtet ihrem Jugendfreund, dass in der Heimat Los Angeles nach dem Tod des Vaters sein Bruder Ramon als grausamer Statthalter sein Volk unterdrückt und ausbeutet. Diego kehrt mit seinen Zigeunerfreunden, Inez und Luisa in seine Stadt zurück und überzeugt sich selbst von der Gewaltherrschaft seines Bruders. Ramon hält Diego immer noch für einen Schwächling und deshalb legt sich Diego eine Verkleidung als mysteriöser Rächer mit der schwarzen Maske zu, um inkognito die Bürger als „Zorro“ zu retten und die Macht seines Bruders zu brechen. Luisa verliebt sich in den Helden, ohne zu erkennen, wer der „schlaue Fuchs“ eigentlich wirklich ist. Immer wieder funkt Zorro bei den Geschäften Ramons dazwischen und zeichnet ihm sogar mit seinem Degen ein blutiges Z auf die Brust. Zorro wird gejagt und Ramon will ihn mit einer Zwangsheirat mit Luisa aus der Reserve locken. Als Zorro vom Sergeanten Garcia, der ein Auge auf die rassige Inez geworfen hat, erfährt, dass sein Vater nicht tot ist, sondern seit Jahren von Ramon in einer verlassenen Mine gefangen gehalten wird, kommt es zur letzten Konfrontation der beiden Brüder, die tödlich enden wird. Aber Ramon hat auch noch ein Ass im Ärmel…

Der Volksheld Zorro hat eine lange Tradition in Literatur und Film. 1919 taucht der Kämpfer für Witwen und Waisen erstmals in einem Groschenroman auf, schon 1920 folgt ein Stummfilm. Den Mann mit der Maske spielten Filmgrößen wie Douglas Fairbanks, Tyrone Power und Antonio Banderas. Einer ersten Musicaladaption des Stoffes mit dem Titel „Z - The Musical Of Zorro“ von Robert W. Cabell aus dem Jahre 1997 war kein großer Erfolg beschieden, obwohl es von diesem Musical am 13.06.13 die deutsche Erstaufführung bei den Clingenburg-Festspielen in Klingenberg am Main gab.

Isabel Allende schrieb 2005 einen Roman, der sich mit der Jugend Zorros beschäftigt und wichtige Inspiration für die Musicalfassung von „Zorro“ von 2008 war und hauptsächlich die Musik der Gipsy Kings um den berühmten Flamenco Gitarristen Jose Reyes enthielt. Die Welthits der Gipsy Kings „Baila Me“, „Djobi Djoba“ und natürlich „Bamboleo“ wurden um weitere Songs aus der Feder von John Cameron ergänzt und mit den Texten von Stephen Clark mit handlungstragenden Songtexten versehen. Nach der Premiere von Zorro im West End machte das Musical Stationen u.a. in Paris, Moskau, den Niederlanden und in Tschechien, bevor die deutsche Fassung in der Übersetzung von Holger Hauer und Jürgen Hartmann am 13.06.15 auf der Freilichtbühne in Tecklenburg Premiere feierte und für 18 Vorstellungen bis einschließlich 21.08.15 Open Air zu sehen ist.

Während andere Inszenierungen das Musical Zorro sehr authentisch zur Originalmusik der Gipsy Kings hauptsächlich durch Gitarren vertonen, wird schon bei der Ouvertüre in Tecklenburg deutlich, dass der musikalische Leiter Klaus Hillebrand auf den satten Sound eines kompletten Orchesters setzt. Und so kommen die spanischen Flamenco-Rhythmen so gut beim Publikum an, dass es nicht selten passiert, das während der Vorführung geklatscht wird, so sehr geht der Beat der Musik ins Blut. Und natürlich überträgt sich die spanische Energie auch auf das gesamte Ensemble, egal ob Hauptdarsteller oder Statist, jeder ist angesteckt von den stampfenden Füßen und klatschenden Händen, die von Kati Heidebrecht auch noch stilvoll choreografiert wurden, bei der besonders die beiden Gipsy Kings Zoltan Fekete (Dance Captain) und Shane Dickson tänzerische Höhepunkte setzen.

Bei der Besetzung hatte Regisseur Ulrich Wiggers ebenfalls ein gutes Händchen. Allen voran steht ein in meinen Augen als Hauptdarsteller oft unterschätzter Musical-Darsteller in der Titelrolle des Zorro. Armin Kahl (Elisabeth – Legende einer Heiligen, Aida, Natürlich Blond, Gefährliche Liebschaften, Fast Normal –Next To Normal) überzeugt als Diego vom Scheitel bis zur Tanzsohle. Er beherrscht die Doppelrolle des tuntigen Schauspielers genauso perfekt wie den düsteren Rächer mit der Maske. Seine butterweiche Stimme reicht von liebevoll zart bis schmetternd kräftig, seine Fecht-Szenen (Fight Choreografie: David Pellerin, Fight Captain: Shane Dickson) sind teilweise so realistisch, dass man sich Sorgen um die Gesundheit seiner Kollegen macht. 

Sein Bruder und Widersacher Ramon wird von Kaspar Holmboe (Les Miserables, Mozart, Elisabeth, Jekyll & Hyde) ebenso energiegeladen und überzeugend verkörpert. Vater Alejandro wird vom Tecklenburg Veteranen Reinhard Brussmann (Bonifatius, Phantom der Oper, Schuh des Manitu, Joseph, Sunset Boulevard) gespielt, dem man in dieser Rolle viel mehr Gesangstitel gewünscht hätte, doch allein mit seinem Wiegenlied punktet der Darsteller ungemein. Benjamin Eberling als Sergeant Garcia mutet in seiner Rolle wie Don Jose in der Oper Carmen an, was aber durchaus passt und sehr sympathisch über die Bühne kommt. 

Den starken Herren stehen „nur“ zwei weibliche Hauptdarstellerinnen gegenüber, die aber mit Ausstrahlung und Spielfreude die Waagschale ausgleichen können. Patricia Meeden (Sister Act, Aida, Jesus Christ Superstar, Cabaret) überzeugt in der Rolle der Zigeuneranführerin Inez nicht nur mit ihrem südländischen Äußeren, sondern natürlich auch mit ihrer Power-Stimme. Maxine Kazis (Romeo & Julia von Peter Plate, Die letzten 5 Jahre, The Rocky Horror Show) ist (wie in der Oper Carmen die Rolle des Mauerblümchens Micaëla) eher zurückhaltender angelegt, bis sie im zweiten Akt ihr wahres Potential zeigen kann. Sie berührt während den Hochzeitsvorbereitungen mit Ramon – einer der stärksten Sequenzen im Musical beim getrennten, aber doch zeitgleichen Anziehen der Hochzeitsgarderobe durch die Diener und Freundinnen – mit echten Tränen, kann aber bei "Djobi Djoba" im Duett mit Patricia Meeden ohne Probleme mithalten und liefert hier ebenfalls eine feurige Darbietung ab.

Ein Lob auch an das restliche Ensemble, bei dem insbesondere die starke Leistung des weiblichen Ensembles beim Unterdrückerlied "Libertad" hervorsticht, das mit der Stuhl-Choreografie zu einem weiteren Gänsehaut Höhepunkt des Stückes wird. Und natürlich darf man die talentierten Kinderdarsteller der jugendlichen Versionen von Diego, Ramon und Luisa nicht vergessen sowie den wie immer beindruckenden Chor und die Statisterie der Freilichtspiele, die in den bunten Kostümen von Karin Alberti im ansonsten eher zurückhaltenden, in einzelnen Szenen aber umso überraschenderen Bühnenbild von Susanna Buller inklusive brennendem Zorro-Z-Logo beim Finale des ersten Aktes agieren.

So spielt sich das Musical Zorro vollkommen zurecht in die Herzen der Zuschauer der Freilichtspiele in Tecklenburg. Die Robin Hood Story wird flüssig erzählt und nimmt sich dabei nie zu ernst. Dazu gehört auch der Running-Gag mit Diegos inkognito Namenswahl, der sich eigentlich für den „Puma“ entschieden hatte, aber mit „Zorro“ von seinen Freunden als „schlauer Fuchs“ betitelt wird. Es stört nicht, dass die Handlung mit längeren Dialogpassagen einen Großteil des Stückes für sich einnimmt, auch wenn man am Ende fast bedauert, dass gefühlt zu wenig gesungen und getanzt wurde. Die Megamix-Zugabe lässt keinen Zuschauer auf dem Platz sitzen und man tritt mit den Ohrwürmern der Gipsy Kings mit leichten Schritten nach einem rundum gelungenen Musical-Abend den Heimweg an.

Alles zum Musical Zorro bei Sound Of Music!

© Text & Fotos: Stephan Drewianka, www.musical-world.de

Zorro in Tecklenburg © Stephan Drewianka
Zorro in Tecklenburg © Stephan Drewianka
Zorro in Tecklenburg © Stephan Drewianka