• Yesterdate in Essen © Matthias Jung / Aalto-Theater Essen
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Uraufführung der Musical-Revue „Yesterdate – Ein Rendevous mit den 60ern“

Yesterdate in Essen © Matthias Jung / Aalto-Theater Essen
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Die Swinging Sixties und eine Hymne auf Zeche Zollverein

Die 60er Jahre hatten es in sich: die Antibabypille kam auf den Markt, der Kassettenrekorder und das PAL-Farbfernsehen wurden erfunden, Kennedy, Che Guevara und Martin Luther King wurden ermordet, der Mensch landete auf dem Mond, Vietnam wurde bombardiert und Woodstock gefeiert. Die Stadt Essen im Ruhrgebiet erlebte 1965 die Bundesgartenschau im 60 ha großen Grugapark, 1966 fanden im Rahmen der Bravo-Beatles-Blitztournee zwei Konzerte der Pilzköpfe vor 16.000 kreischenden Fans in der Grugahalle statt, 1967 starb Alfried Krupp, 1968 wurde Essen Zentrum der klinischen Krebsforschung, das erste Autokino im Ruhrgebiet eröffnete in Essen-Bergeborbeck und die „Internationalen Essener Songtage“ fanden als Festival für Rock, Pop und Chansons statt.

Diese Ereignisse verarbeiten Marie-Helen Joël (Inszenierung und Bühne) und Heribert Feckler (musikalischer Leiter) in ihrer Musicalrevue „Yesterdate“, die am 08.02.2020 im Aalto-Theater Essen Premiere feierte. Historische Schwarz-Weiß-Dias dokumentieren authentische Szenen aus Essen zur instrumentalen Ouvertüre, einem Medley der 60er Jahre Welthits von The Beatles, Simon & Garfunkel, The Who und Cat Stevens, die das fünfköpfige United Rock Orchestra pfiffig arrangiert kraftvoll spielt. 1966 erlebten die fünf Freunde Bärbel (Marie-Helen Joël), Gunda (Brigitte Oelke), Lutz (Albrecht Kludszuweit), Rolf (Alexander Franzen) und Kenneth (Henrik Wager) das legendäre Beatles-Konzert und verlieren sich danach aus den Augen.

30 Jahre später plant 1996 der Chefarzt Lutz, mittlerweile glücklich mit Hausfrau Bärbel verheiratet, ein Benefizkonzert zugunsten unverheirateter, minderjähriger Mütter als Revival seiner ehemaligen Band „Dropping Softice“. Und dazu reist seine ehemalige Clique aus aller Welt an. Musik-Manager Rolf bringt seine Ehefrau, die Jazz-Sängerin Penny (Christina Clark) mit. Kenneth ist immer noch Single, Hippie und betreibt in der Londoner Carnaby Street einen Klamottenladen. Gunda ist Unternehmensberaterin und hat eine Überraschung mit im Gepäck: ihren fast 30-jährigen Sohn Alexander (Thomas Hohler), der nie erfahren hat, wer sein Vater ist. Im stylischen Wohnzimmer im Stil der 60er Jahre schwelgt man zu Mettigel, Toast Hawaii und rotem Heringssalat in Erinnerungen an den gelben VW-Bulli „Yellow Submarine“, die sexuelle Revolution und Studentenrevolten der Essener Stadtgeschichte und plant zu Bowle, Eierlikör, Caro-Kaffee und Götterspeise die Songauswahl für das anstehende Konzert.

Yesterdate in Essen © Matthias Jung / Aalto-Theater Essen
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Yesterdate in Essen © Matthias Jung / Aalto-Theater Essen
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Die Musical-Revue „Yesterdate“ ist wie eine übliche Theaterproduktion zweigeteilt mit einer Pause, aber selten unterscheiden sich erster und zweiter Akt dermaßen inhaltlich und von der Grundstimmung wie in dieser Produktion. Der erste Teil mutet fast wie ein Theaterstück an. Extrem dialoglastig mit viel zu wenigen musikalischen Höhepunkten plätschert die Vorstellung der einzelnen Charaktere wie in einer Fernseh-Soap im zugegeben fantastischen Bühnenbild dahin. Die Lehrstunde über Essens historische Vergangenheit enthält zwar einige wirklich nette und interessante Fakten im Diaschau-Rückblick, jedoch werden sie trocken und „leblos“ wie in einer öden Dokumentation präsentiert – hier ist noch viel Potential nach oben, textlich wie darstellerisch. Songs sind im ersten Akt eher Mangelware, so dass man sich unweigerlich fragt, warum so grandiose Musicaldarsteller besetzt wurden, wenn sie viel zu selten singen dürfen. Aber wenn mal ein Lied geschmettert wird, hört man sofort fasziniert zu. Da gibt es ein grandioses A-Capella Medley von Beatles-Songs und eine eigens von Heribert Feckler und Marie-Helen Joël geschriebene Hymne auf Essens Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein, die unweigerlich zum Mitsummen animiert und auch über diese Show hinaus bestehen könnte. Trotzdem dauert es weit über eine zähe Stunde, bis jedem Premierengast klar sein dürfte, wer Alexanders Vater ist.

Nach der Pause war der Saal leider etwas ärmer an enttäuschten Zuschauern – aber im zweiten Akt ging die wilde Sixties-Sause so richtig ab! Konzert pur, ein Highlight an englischen und deutschen Welthits reiht sich ohne auch nur ein weiteres Dialog-Wort aneinander. Die Live-Band sitzt hinten sichtbar auf der Bühne und die modernen Arrangements, die aber nie den Charme des Originals übertünchen, machen Band, Darstellern und Publikum gemeinsam Spaß. Spätestens bei Tom Jones „Delilah“ höre ich hinter mir einen Herrn lautstark den Refrain mitsingen, der „Pinball Wizard“ rockt gewaltig und die deutschen Hits „Schuld war nur der Bossa Nova“, „Ich will keine Schokolade“ und „Für Dich solls rote Rosen regnen“ erzählen wunderschön inszenierte Mini-Geschichten im Benefizkonzert. Tenor Albrecht Kludszuweit überrascht bei „Marmor, Stein und Eisen bricht“ nicht nur, weil er seine klassisch ausgebildete Gesangsstimme an der Garderobe abgibt, sondern auch noch mit einem perfekten Spagat. Zu „Father and Son“ kommen sich Vater und Sohn im gleichen Outfit näher (ach, dafür musste man nun die Vorgeschichte im ersten Teil „ertragen“). Überhaupt wechseln die Darsteller für jeden Song ihre Kostüme (Ulrich Lott), die zwischen Star Trek, Gelsenkirchener-Barock-Tapete, Twiggy, Elvis, Sergeant Pepper und Hippie Stilikonen der Zeit darstellen. Und für Musical-Fans gibt es zwei Flower-Power-Songs aus „Hair“, welches am 17.10.1967 Vorpremiere am Broadway feierte. Aber egal ob Musical, Rock oder Schlager-Schnulze: hier sind die „glorreichen Sieben“ Darsteller in ihrem Element und unterhalten glänzend das Publikum, das sich zum virtuosen Finale mit bunten Luftballons, verteilten Blumen, Luftschlangen und Konfetti jeglicher Gehhilfen entledigt und stehend mitfeiert, tanzt und singt. Zugaben werden gefordert und gerne gegeben. Warum nicht gleich so?

„Yesterdate“ würde eine Straffung im ersten Teil wirklich guttun, aber jeder Zuschauer, der „durchhält“ wird mit einer glänzenden Party im zweiten Akt belohnt. Und keine Angst vor den vermeintlich alten Song-Kamellen, selbst jüngeres Publikum wird die gespielten 50-60 Jahre alten Welthits schon einmal gehört haben und wiedererkennen. Schön, dass man sich beim Verlassen des Theaters eigentlich nur noch an das geniale Happening des zweiten Aktes erinnert!

© Text: Stephan Drewianka, www.musical-world.de dieser Artikel erschien ebenfalls in der Zeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 105 (02/2020), Fotos: Matthias Jung / Aalto-Theater Essen

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