• FrühlingsErwachen © Bettina Stöß
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Theater
Musical FrühlingsErwachen im Theater
Musical Frühlingserwachen bei Wikipedia


FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß

Musical FrühlingsErwachen am Theater Bielefeld

FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Bettina Stöß
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Stephan Drewianka
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Stephan Drewianka
FrühlingsErwachen in Bielefeld © Stephan Drewianka

Frühlingsgefühle und erwachende Leidenschaft

Das 130 Jahre alte Skandalstück von Frank Wedekind „Frühlingserwachen“ adaptierten Steven Sater (Buch, Texte) und Duncan Sheik (Musik) 2006 als Rock-Musical über die pubertären Sehnsüchte, sexuelle Neugier und Versagensängste jugendlicher Schüler im ewigen Konflikt mit den erwachsenen Autoritätspersonen Eltern und Lehrern.

Premiere 2018 in Bielefeld

Christian Müller wagte bei seiner Inszenierung für das Theater Bielefeld, die am 18. Mai 2018 Premiere feierte, neben den ausgebildeten Musicaldarstellern in den Hauptrollen alle weiteren Charaktere mit jungen Talenten aus der Bielefelder Region zu besetzen, die ein authentisches Gefühl für ihre Rollen einbringen sollten. Michaela Duhme („Avenue Q“ und „John und Jen“, Bielefeld) spielt die unaufgeklärte Wendla, die erst durch ihren Freund Melchior (Benedikt Ivo – „Bonnie & Clyde“, Bielefeld) im praktischen Selbstversuch erfährt, wie Kinder gemacht werden und von ihrer konservativen Mutter (Melanie Kreuter – „Hochzeit mit Hindernissen“, Bielefeld) zur lebensbedrohenden Abtreibung gedrängt wird. Moritz (Marvin Kobus Schütt – „Goethe - Auf Liebe und Tod“, Essen) hingegen treibt die Angst, von Direktor Knochenbruch (Martin Christoph Rönnebeck – „Das Phantom der Oper“, Hamburg) nicht in die nächste Klasse versetzt zu werden, in den Selbstmord. Neben diesen fünf hauptberuflichen Schauspielern machen die weiteren neun „Laien“ auf der Bühne eine erstaunlich gute Figur, sei es bei der flotten Choreografie von Isabelle von Gatterburg oder beim Gesang der abwechslungsreichen Partitur, die durch die achtköpfige Band unter der versierten Leitung von William Ward Murta kraftvoll aus dem Orchestergraben erschallt.

Handlung und Inszenierung

Während das gesamte Ensemble eine überzeugend solide und bestens unterhaltende Leistung hinlegt, darf der Zuschauer etwas länger über die Inszenierung selbst nachsinnen. Das Stück spielt in Deutschland im Jahr 1891 – zwar haben sich viele Probleme mit dem Erwachsenwerden in den letzten 100 Jahren kaum verändert, in der heutigen Zeit gehen wir aber trotzdem anders mit ihnen um. Mit Internet und Fernsehen erscheint die Naivität Wendlas beim Ohrwurm „Mama“ heute praktisch undenkbar und auch eine Abtreibung endet in der Neuzeit selten tödlich. Wedekinds Drama kann nicht komplett ins Hier und Jetzt transformiert werden und bleibt in seiner Zeit verankert. Das Musical will trotzdem aktuell und zeitlos sein und schafft dies mit masturbierenden Jungs, Mobbing in der Schule, erotischen Gewalt-Phantasien und einem glücklichen, homosexuellen Pärchen. Die Sprache der Jugendlichen in der deutschen Übersetzung von Nina Schneider ist mit einigen Kraftausdrücken sehr modern („So´n verficktes Leben“, „Völlig im Arsch“). Die Bühne von Zahava Rodrigo beherrscht ein schräger, rechteckiger und steril wirkender Aufbau, der multifunktional mit Videoprojektionen von Dennis Böddicker eingesetzt wird. Alle Jugendlichen tragen moderne Klamotten und Sportschuhe, während die Erwachsenen in die strenge Mode des letzten Jahrtausends gepresst sind, abgesehen von glänzenden Plateauschuhen und anonymisierenden Clownsmasken frei nach Stephen Kings Horrorfilm „Es“, was der Tatsache geschuldet ist, dass die zwei „Erwachsenendarsteller“ in insgesamt 14 Rollen schlüpfen.

Fazit: Historische Geschichte im modernen Gewand

Somit fühlt sich „FrühlingsErwachen“ in Bielefeld wie eine modern inszenierte Oper an mit dem Konflikt einer historisch verankerten Geschichte in ultra-modernem Gewand. Wie weit dies den persönlichen Geschmack trifft, muss jeder Zuschauer selbst beurteilen. Musical-Liebhaber schätzen die kraftvollen Hits der Show, die längst nicht mehr ein Geheimtipp sind und schon deshalb einen Besuch am Stadttheater Bielefeld lohnenswert machen. 

Text & Fotos Schlussapplaus © Stephan Drewianka, Bühnenfotos: Bettina Stöß; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 95 (4/18), Juni-September 2018© Stephan Drewianka

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