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Musical Tanz der Vampire im Theater
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Musical Tanz der Vampire bei Wikipedia

2018 tanzen die Vampire am Rheinufer

Tanz der Vampire © Stage Entertainment
Der Boss aus dem Schloss: Düster, verschlagen, lüstern und durstig. In der schönen Wirtstochter Sarah findet der Graf ein williges Opfer. Doch er müsste dringend mal zum Friseur und zur Maniküre.
Tanz der Vampire © Stage Entertainment
Den Gräbern entstiegen bittet Krolocks Fußvolk 2018 auch in Köln zum Tanz.

Darf's ein Biss(chen) mehr sein? Totale Finsternis im "Blauen Müllsack" in Kölle

Sie haben schon (fast) überall zugebissen, in vierzehn verschiedenen Ländern, in unzähligen Städten. U.a. In Wien, Stuttgart, Hamburg, Oberhausen, Berlin, München, Warschau, Tokio, Budapest, Osaka, St. Petersburg, Paris, Antwerpen, St. Gallen und Helsinki. Nur in Kölle waren die Untoten bisher noch nicht. Das wird jetzt nachgeholt. Derzeit noch in der Krawallstadt an der Elbe im Blutrausch, machen Draculas Erben im Rahmen ihrer Deutschlandtournee vom 14. Februar bis zum 30. Juni 2018 am Rheinufer Station. In der Gruft mit blauem Dach, die eigentlich schon vor Jahren hatte abgerissen werden sollen, aber zu den schönsten und außergewöhnlichsten Spielstätten des Michel-Landes zählt: dem Musicaldome. Der "blaue Müllsack" mutiert zum temporären Erstwohnsitz des Grafen von Krolock.

Die Vampire, dem  Vernehmen nach unsterblich, formieren sich im Schatten der Kölner Kathedrale zum Schwof. Motto: "Darf's ein Biss(chen) mehr sein?“ Ein Ringelpietz, der an  wechselnden Schauplätzen seit 1997 andauert und dessen Ende immer noch nicht abzusehen ist. Wenn sich die steilen Zähne in der rheinischen Jecken-Metropole ausgetobt haben, zieht die Karawane weiter, in die nächste transsilvanische Kolonie. In Köln bittet bb-promotion, europaweit der bedeutendste Live-Entertainment-Anbieter, zum Tanz. Der Kartenvorverkauf für diese von der Stage Entertainment verantwortete Tour-Produktion hat inzwischen begonnen. Der Einlass schlägt mit zwischen 31.50 und 116.50 Euro plus Gebühren zu Buche,  je nach Blutspendetermin und Platzkategorie. 

Einen kleinen Vorgeschmack auf die vampirische Orgie vermittelt der folgende Trailer der Veranstalter. Ein  teilweise düsteres Fest aus Musik, Tanz und Farben:  

Tanz der Vampire © Stage-Entertainment
Die Rolle des Ober-Grufties aus Transsylvanien ist für jeden Musicalkünstler eine echte Herausforderung. Viele haben sich auch schon dran verhoben. Dazu zählt Jan Ammann allerdings nicht. Er machte 2008 in Oberhausen eine exzellente Figur.
Tanz der Vampire © privat
Auch schon länger her: Backstage mit Graf „Maddin“ (Berger). Mein persönlicher Krolock-Favorit. Das österreichische Multitalent spielte den Ober-Vampir von 2001 bis 2002 in Stuttgart. Die beiden Herren auf dem Foto sind inzwischen in Würde gealtert.

Spritzig, witzig, comedyhaft und etwas gruselig

"Tanz der Vampire" basiert auf Roman Polanskis gleichnamigem Film aus dem Jahre 1967. Dessen Storyline dürfte ja bekannt sein. Wer diese Horrorfilm-Parodie mochte, wird "TdV", so das gängige Kürzel, lieben. Die Show ist spritzig und witzig, comedyhaft und gruselig zugleich. Selten hat ein Musical die Besucher so mit- und hingerissen. Über acht Millionen weltweit haben es schon gesehen.
Das Kult-Stück besticht vor allem (aber nicht nur) durch eine eingängige, abwechslungsreiche, zwischen wucherndem, treibenden Bombast-Rock und einschmeichelnden Popballaden angesiedelte Partitur. Eines der besten und bis heute unerreichten Beispiele für den gelungenen Einsatz von symphonischem Rock-Pop auf einer Theaterbühne. Die Musik stammt von Jim Steinman, dem "Wagner des Rock". Buch und Texte sind das Werk von Deutschlands Libretto-Papst Dr. Michael Kunze ("Mozart!", "Elisabeth", "Marie Antoinette").

Unstillbare Gier beim Mitternachtsball

Die Inszenierung versetzt die Besucher auch durch eine rasante Abfolge pompöser Szenenfolgen, die in nahezu filmischer Dichte daher kommen, in Erstaunen. Und es gibt Ohrwürmer en masse. Die dürften selbst jenen, die normalerweise einen großen Bogen um Musicalaufführungen machen, irgendwie bekannt vorkommen. Beispielsweise die "Totale Finsternis". Im Original heißt bzw. hieß  der Song "Total Eclipse of the Heart". Damit hatte  Bonnie Tyler 1983 einen Welt-Hit gelandet. Oder die "Unstillbare Gier", die Meat Loaf für "Closer than they are" als Vorlage diente. Der frühere Fettkloß feierte weiland auch mit "Original Sin" Charterfolge. Daraus entnommen sind die Lieder "Gott ist tot", "Einladung zum Ball" und "Tanzsaal". Und das Finale schließlich, "Tanz der Vampire", entstammt dem Soundtrack  zum Film "Straßen in Flammen". Dort hieß das Stück "Tonight is what it means to be young".

TdV war Sprungbrett für viele Musicalkünstler

Für viele namhafte Darsteller der deutschsprachigen Musicalszene sollte ein TdV-Engagement zum Karrieresprungbrett werden. Und das Privileg, die anspruchsvolle Rolle des "Grafen von Krolock" übernehmen zu dürfen, kam einem Ritterschlag gleich. Eine Aufgabe, der nur die Besten ihres Fachs gewachsen waren und sind. Steve Barton ist da unvergessen, aber auch Kevin Tarte, Martin Berger, Thomas Borchert, Felix Martin, Ian Jon Bourg, Jan Ammann, Drew Sarich und zuletzt Mathias Edenborn machten  als Gruftie-Bosse eine exzellente Figur.
Jetzt freuen sich die Fans auf ein bissiges Wiedersehen mit dem ujnheimlichen und lüsternen Grafen, der schönen Sarah, Professor Abronsius, dessen Gehilfen Alfred, Koukol, dem Buckeligen, dem Wirtsehepaar Chagal und Rebecca sowie deren Magd Magda. Die Einladung zum Mitternachtsball steht.

Text: Jürgen Heimann

Tanz der Vampire in Köln © Patrick Fouad
Noch haben von Krolock und Co. In Köln gar nicht zugebissen, da sind schon alle Karten für den transsilvanischen Volkstanz im Musical Dome verkauft. Doch es gibt neue Blutspende-Termine. Die Laufzeit von „Tanz der Vampire“ wurde vorsorglich bis Ende September verlängert. Den Fürst der Finsternis gibt am Rheinufer David Arnsperger. Foto: Patrick Fouad
Tanz der Vampire in Köln © Patrick Fouad
Der Graf ist scharf, aber der Herr neben ihm wird noch gebraucht. Cornelius Baltus, die rechte Hand von Roman Polanski, zeichnet in Köln als Co-Regisseur verantwortlich. Foto: Patrick Fouad

Die steilen Zähne müssen nachsitzen: Vampire tanzen bis Ende September 2018 in Köln

Verlängerung um drei Monate, weil die Nachfrage nach Blutspenderausweisen so groß ist 

Die steilen Zähne haben noch gar noch gar nicht mit ihrem Tanz begonnen – und schon müssen sie nachsitzen. Die Ticket-Nachfrage nach dem Tournee-Gastspiel der Vampire im Kölner Musical Dome ist derart immens, dass sich die Produzenten zu einer dreimonatigen Nachspielzeit entschlossen haben. Ursprünglich hatten Graf von Krolock und die Seinen am hiesigen Rheinufer von Mitte Februar bis Ende Juni ihren Blutdurst stillen sollen. Jetzt dürfen sie es  bis zum 29. September tun. Dann ist aber definitiv  Schicht im transsilvanischen Schacht. Der Musentempel mit dem blauen Dach wird in Folge ab 2. Oktober die Rhythmus-Performance Show „Stomp“ und danach vom 10. Oktober bis 18. November das Abba-Musical „Mamma Mia“ beherbergen. Deshalb ist eine nochmalige und über diesen Termin hinaus gehende TdV-Verlängerung nicht möglich. 

Der ursprünglich nur als Provisorium errichtete Musical Dome zählt zu den schönsten Bühnenstätten der Republik und wird seit fast 20 Jahren bespielt. Kaum eine große Produktion, die hier nicht schon zu sehen war. Aber noch nie in  der langen Geschichte des von den Fans liebevoll „Blauer Müllsack“ genannten Musentempels war der Run auf Karten vor einer Premiere derart groß. Binnen kurzer Zeit nach Vorverkaufsstart hatten die Veranstalter bereits  über 100.000 Billetts abgesetzt. Und die Nachfrage nach entsprechenden Blutspenderausweisen hält ungebremst an. Ab 15. Januar gehen die Tickets für die Verlängerungsperiode in den Vorverkauf. 

Die Gier ist unstillbar

Die Cast in Kölle entspricht im Wesentlichen der von Hamburg. Dort, im Stage-Theater an der Elbe treiben die Blutsauer noch bis 28. Januar ihr Unwesen. Und danach müssen ganz schnell die Koffer gepackt werden. Davor war das spritzige und witzige Kult-Grusical in Stuttgart zu erleben. Eigentlich sind die Untoten, seitdem sie 1997 in Wien erstmals aus ihren Särgen gehopst waren, permanent auf der Suche nach neuen Opfern. Getrieben von der unstillbaren Gier. Irgendwo rund um den Globus steht und stand diese packende Bühnen-Adaption der gleichnamigen Polanski’schen Horror-Film Parodie immer auf dem Spielplan, ob nun in Warschau, Tokio, Budapest, Osaka, St. Petersburg, Paris, Antwerpen, St. Gallen oder  Helsinki.  Neben Stuttgart und Hamburg waren Oberhausen, Berlin, München die bisherigen deutschen Stationen. 

David Arnsperger als Fürst der Finsternis

Das Geheimnis, wer in der rheinischen Jecken-Metropole den „Maitre de Plaisir“ geben und zum Mitternachtsball bitten soll, ist inzwischen auch längst gelüftet. David Arnsperger. Ein völlig neues Gesicht in der ikonischen Rolle des düsteren Grafen. Doch wie es aussieht, wird der Freiburger dem Fürst der Finsternis schon die Flötentöne beibringen. Eine gute Wahl, wie einige Kostproben bei der offiziellen Ensemblevorstellung im Herbst vergangenen Jahres gezeigt haben. Das Publikum wird ihn lieben:   

Graf Krolock für Köln © Stephan Drewianka
Der will nur spielen. David Arnsperger mimt in Köln den Blut-Grafen. So unheimlich gefährlich sieht der Künstler in Zivil gar nicht aus. Foto: Stephan Drewianka

Arnsperger ist keinesfalls ein unbeschriebenes Blatt im hiesigen Musical-Business, hat eine beeindruckende Bühnenpräsenz  und bringt sich mit viel Verve und Stimmeinsatz in seine Rollen ein. Was der Mann dahingehend  drauf hat, zeigte er bereits in so anspruchsvollen Parts wie Jekyll & Hyde in Kassel, Sweeney Todd oder als Erstbesetzung des Opern-Phantoms in Oberhausen. Und was das blutige Sujet angeht, ist er so ein blutiger  Anfänger auch wieder nicht. Mit Rhesus Negativ und Kell positiv kennt sich der Künstler aus und war dahingehend als Dracula in Nordhausen auf den Geschmack gekommen. Zuletzt hatte er im vergangenen Jahr bei den Festspielen in Bad Hersfeld der Titanic eingeheizt.  

Die kleine Kneipe von Jerzy Jeszke 

In Köln werden neben ihm folgende Künstler antreten: Maureen Mac Gillavry als SARAH, Victor Petersen als PROFESSOR ABRONSIUS, Tom van der Ven als ALFRED, Jerzy Jeszke als CHAGAL,  Sara Jane Checchi als MAGDA, Christian Funk als HERBERT, Paolo Bianca als Koukol und Yvonne Köstler als REBECCA. Wobei der Pole Jerzy Jeszke zu den transsilvanischen Urgesteinen zählt. Der 59-jährige Allrounder  hatten als verschlagen-lüsterner Pensionswirt schon 2003 in der Neuen Flora Zimmer vermietet und war als auf seine Dienstmagd scharfer Kneipier in Folge auch in Oberhausen, Stuttgart und Berlin dabei.  Dem deutschen Publikum ist der mit dem Tony Award dekorierte Künstler als „Jean Valjean“ der Uraufführung von Les Misérables in Duisburg unvergessen. 

Der offiziellen Premiere am 17. Februar 2018 vorgeschaltet sind drei Preview-Shows ab 14. Februar. Von den Montagen abgesehen, an denen jeweils spielfrei ist, geht es über die gesamte Aufführungszeit voll durch. Sonntags gibt es jeweils zwei Shows. 

Text: Jürgen Heimann