• Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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AMUSICALS – Musicalmelodien mit Herz zur Unterstützung von Flüchtlingskindern ethnischer Minderheiten

Michael Bednarek von AMUSICALS © Stephan Drewianka
Michael Bednarek von AMUSICALS © Stephan Drewianka
Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Im Gespräch mit Michael Bednarek über die jährliche Benefiz-Musical-Gala in Gelsenkirchen-Erle

Musical-Darsteller Michael Bednarek stand nach seiner Künstlerausbildung vor der entscheidenden Frage, ob er tatsächlich 8 x wöchentlich in Großproduktionen auf immer wieder wechselnden Bühnen stehen wollte oder sich für den finanziell sichereren Weg des Studienreiseleiters und Produktmanagers im touristischen Bereich entscheiden sollte. Nicht zuletzt aus privaten Gründen entschied er sich zunächst gegen das Rampenlicht und den Applaus. So ganz auf Kunst und Kultur verzichten wollte er definitiv nicht. Er erfuhr von einem Kinder-Patenschaftsprogramm, welches in Entwicklungsländern aktiv ist und von Lehrern und Schülern seiner ehemaligen Schule gefördert wurde. Die Entscheidung, seine künstlerischen Fähigkeiten in den Dienst der guten Sache zu stellen, fiel ihm nicht schwer. Zusammen mit seinem ehemaligen Lehrer Herbert Fox und seinem künstlerischen Wegbegleiter Heiko Herrmann organisierte das Trio die erste „Benefiz Musical Gala“ (BMG) im Jahr 2001. Die als einmaliges Event geplante Show mit nur fünf Darstellern, Michael Bednarek, Heiko Herrmann, Sonja Turowski, Gudrun Ehrbar und Britta Ziegler, war ein Riesenerfolg und das begeisterte Publikum wollte mehr!

Auch die Organisatoren, zu denen die ehemalige Gerhart Hauptmann Realschule (die heutige Gesamtschule Erle) gehörte, wollten die Idee im jährlichen Veranstaltungskalender fest etablieren.
Nach positivem Feedback von allen an der Show beteiligten Darstellern, wurde ein neuer Name gesucht und gefunden: „AMUSICALS“ - Kurzform für „to Amuse with Musicals“. Das noch junge Ensemble blieb bestehen und sollte weiter wachsen. Michael Handwerk und Kerstin Ehrbar bereicherten das Ensemble und die Schule unterstützte die AMUSICALS mit künstlerisch ambitionierten Kindern und Jugendlichen. Michael Bednarek und Heiko Herrmann machten mit Hilfe aller Beteiligten die AMUSICALS zu einer wichtigen Talentschmiede des Ruhrgebiets. Mit einem Cast von über 30 Akteuren wurde die 2. AMUSICALS-Benefizgala mit Ticketanfragen überrannt und man entschied sich alljährlich 3 Shows an einem Wochenende zu spielen, was bis heute so geblieben ist.

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Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Für die folgenden 2 Jahre unterstützte das Ensemble die Hilfsorganisation „Plan International“. In Kooperation mit Schalker Fußball-Profis oder auch mit Unterstützung der Firma Hafermann Reisen und anderen Sponsoren wie z. B. des Disney-Konzerns, der das Ensemble als Dank für die Arbeit mit den Jugendlichen und Kindern sowie seines sozialen Engagements nach Disneyland Paris einlud und hierfür 100 Eintrittskarten zur Verfügung stellte, konnten im 3. Jahr bereits 25.000 Euro an „Plan International“ gespendet werden. Doch offensichtlich galten die AMUSICALS, sehr zum Verdruss von Michael Bednarek und Heiko Herrmann trotz dieser hohen Summe wohl nicht als “Großspender”, so wurde das innovative Hilfsprojekt in einer Fernsehgala von Plan noch nicht einmal erwähnt und auch die Informationen über den Verwendungszweck der Spendensumme der AMUSICALS waren ziemlich spärlich, wodurch schließlich die Motivation für eigene Hilfsprojekte erwachte.

Durch seine Arbeit als Studienreiseleiter erlebte Michael Bednarek die Flüchtlingsszene im Thailändisch-Burmesischen Grenzgebiet hautnah und schlug dem Ensemble vor, hier ein eigenes Projekt zu begründen. Alle waren hellauf begeistert, immerhin konnte man mittlerweile über beachtliche jährliche Spendensummen verfügen. Auf der Suche nach einem passenden Projekt schlossen sich die AMUSICALS über mittlerweile gefestigte Bekanntschaften mit der Bischofskonferenz in Bangkok zusammen, wodurch man Father Suwat kennenlernte, der über die DISAC (Diocesan Social Action Centre) gegen Menschenhandel und die Verfolgung der ethnischen Minderheiten in Myanmar kämpfte. Zunächst unterstützten die AMUSICALS mit kleineren Summen zwischen 1.000 und 6.000 Euro pro Jahr verschiedene Projekte zum Schutz ethnischer Minderheiten im Grenzland, so kaufte man z.B. Boote für einen Tempel, um Flüchtlingskinder den Transport zur Schule zu ermöglichen, doch leider war es sehr schwer all diese kleinen Projekte zu kontrollieren, denn mit den Mönchen verschwanden auch die angeschafften Boote. Man suchte also eine engere Kooperation mit der „DISAC“, wodurch man die Kontrollstrukturen der kirchlichen Institution nutzen konnte. So wurden vor über 10 Jahren zwei langfristige Schulprojekte in Thailand und Myanmar ins Leben gerufen und mittlerweile durch eigene Projektleiter begleitet. Michael Bednarek und Heiko Herrmann sowie Rosemarie Braun (Kostümdesignerin der AMUSICALS) besuchen regelmäßig die schulischen Einrichtungen. Das „Learning Centre für Burmese migrant children“ der AMUSICALS in Suksamran ermöglicht heute bei einem jährlichen Spendeneinsatz von ca. 9.000 Euro (zuzüglich Spenden deutscher Paten)  45-50 Flüchtlingskindern eine schulische Ausbildung und wenn die eigenen Eltern den elterlichen Anteil des Schulgeldes von ca. 8 Euro/Monat nicht zahlen können, springen deutsche Paten ein, denn die AMUSICALS haben mittlerweile auch ein Patenschaftsprogramm in Thailand und Myanmar ins Leben gerufen. 

Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Während die Kinder in Suksamran bei ihren Eltern im Grenzland leben, geht das „Harmony Orphanage Center“ in Myanmar für Waisenkinder noch einen Schritt weiter und bietet eine komplette Versorgung für die zumeist elternlosen Kinder. In beiden Einrichtungen sollen die Kinder lesen und schreiben lernen, seit kurzem aber auch die englische Sprache, um später bessere Jobaussichten zu haben. Das langfristige Ziel ist, dass die so aufgewachsenen Kinder ihren eigenen Kindern in Zukunft auch den Besuch einer Schule oder die Aufnahme einer Ausbildung zu ermöglichen. Deutsche Paten können für 15 bis 25 Euro im Monat die Schulausbildung für ein spezifisches Kind übernehmen und sollte dieses Kind nicht mehr in der Schule erscheinen, weil die wanderarbeitenden Eltern weiterziehen, werden die Paten kontaktiert und man entscheidet individuell, wie mit dem weiteren Spendengeld verfahren wird. In den meisten Fällen übernehmen die Paten dann die Patenschaft eines neuen bedürftigen Kindes. Darüber hinaus unterstützen die AMUSICALS auch Projekte in Deutschland und das befreundete Schulprojekt „Watoto“ in Kenia.

Die AMUSICALS erwuchsen also über die Jahre zu einem immer größer werdenden Ensemble. Aus dem anfänglich von der Schule initiierten Kinderchor wurde nach 3 Jahren dann die ersten “AMUSICALS-Teens”, die stolz waren, nun auch zum festen Ensemble zu gehören. Die “kleinen” Teens bekamen erste Soloauftritte und gingen in ihrer Rolle auf. Die Möglichkeit sich künstlerisch zu verwirklichen und seine eigene Persönlichkeit festigen, band die jungen Ensemblemitglieder an die Künstler und AMUSICALS wurde zu einer großen Familie. Katharina Schiller, Marei Werner und Jens Hopfinger, einst Mitglieder der ersten Gruppe der “AMUSICALS-Teens”, sind dem Ensemble bis heute treu geblieben und haben sich zu künstlerischen Persönlichkeiten und tragenden Säulen des Ensembles entwickelt. Während man sich Anfangs vornehmlich auf den Gesang konzentrierte, bot nach einigen Jahren eine Tanzlehrerin an, mit ihrer Tanzschule Choreografien zu entwickeln und die AMUSICALS  erwuchsen durch diese externe Dance-Company auf etwa 75 Personen. Doch schnell stellte man fest, dass ein “Outsourcen” einiger Show-Elemente nicht gerade zur Bildung einer homogenen Gruppe beitrug. So wurde die “AMUSICALS-Dance-Company” ins Leben gerufen, maßgeblich geführt von den Tänzerinnen Nadine Waschkowsky und Linda Bäcker. Das Duo übernahm fortan die Choreografien für das Ensemble. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Tanztalente hinzu, die bereit waren, choreografische Aufgaben zu übernehmen.  Zu nennen sind hier insbesondere Thorben Hecks und Julia Steeger.

Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Bis heute ist den AMUSICALS die Kooperation mit der Gesamtschule Erle in Gelsenkirchen sehr wichtig. Durch diese Kooperation können Kosten für Proberäume, Helfer vor und hinter der Bühne sowie GEMA-Gebühren für die Songs sehr geringgehalten werden. Die Tickets für alle Shows sind generell kostenlos. Zwar muss man sich als Zuschauer für den Erhalt von Tickets auf der AMUSICALS-Ticketseite Eintrittskarten reservieren, da nur ca. 2000 Sitzplätze für die 3 Shows einer Saison zur Verfügung stehen, die “Spende” ist jedoch jedem selbst überlassen. Tickets für die Shows sind äußerst beliebt, bereits 30 Minuten nach Freigabe sind meist alle Eintrittskarten vergriffen. Trotz des freien Eintritts ist der Spendenerlös alljährlich gestiegen, so dass die AMUSICALS in den letzten 19 Jahren etwa € 350.000,- an Spendengeldern zusammentragen konnten (inklusive monatlicher Patenschaftsbeiträge und hoher Einzelspenden). Seit 2010 beobachtete das Auswärtige Amt das Ensemble, denn die Initiatoren der AMUSICALS wurden wegen der Charity-Unterstützung und der Jugendarbeit zur musikalischen und künstlerischen Entfaltung als für die Verdienstmedaille des Bundesverdienstkreuzes auszeichnungswürdig angesehen. Herbert Fox, Heiko Herrmann und Michael Bednarek bekamen die Verdienstmedaille in Anerkennung der von Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste von Bundespräsident Joachim Gauck am 07.08.2013 verliehen.

Als Hauptstimme der AMUSICALS ist Michael Bednarek für die dramaturgische Umsetzung der Show verantwortlich und führt gemeinsam mit Heiko Herrmann Regie. Da er über 300 Tage im Jahr weltweit unterwegs ist, sieht er viele aktuelle Stücke am Broadway oder im West End und bringt so Ideen für die AMUSICALS aus erster Hand mit. Professionelle Playbacks wurden früher vor Ort in New York eingekauft oder speziell für die AMUSICALS erstellt. Die aufwändige Technik, die für die professionelle Darbietung der Show wichtig ist, wird zum Selbstkostenpreis von überzeugten Unterstützern des Ensembles gesponsert und ist in den letzten Jahren mit exzellentem Ton, Licht und Videoprojektionen wirklich erstklassig geworden. Die Profis, die hinter den Kulissen arbeiten, sind vom Projekt überzeugt und stellen ihre Arbeitskraft ehrenamtlich zur Verfügung. Die Arbeit mit den ersten “AMUSICALS-Teens” war sehr familiär. Neben anstrengenden Proben wurde im Garten gegrillt und geklönt. Heiko Herrmann zeichnete sich für das Kids-Training verantwortlich und investierte viel Zeit in die Proben und deren Vorbereitung. Wenn jemand aus den unterschiedlichsten Gründen die Gruppe verließ, war es ein sehr persönlicher Einschnitt. Heute ist das Ensemble zu groß und man muss die Proben in wesentlich ausgeprägteren Strukturen einteilen.  Verschiedene langjährige Ensemblemitglieder übernehmen heute spezifische Aufgaben während der Proben, wobei Michael Bednarek sich weitestgehend auf den Gesang und Heiko Herrmann auch auf die Choreografien konzentriert.

Benefiz-Show AMUSICALS © Stephan Drewianka
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Es gibt mittlerweile 3 musikalische Reisen und eine komplette Solo-CD von Michael Bednarek, die das AMUSICALS-Ensemble aufwändig selbst produziert hat. Die eigenen CDs sind als Dankeschön an die Fangemeinde zu verstehen, die teilweise seit Jahrzehnten die Live-Shows begleiten. Jede neue CD ist auch eine musikalische Zusammenfassung der vergangenen Jahre bis zur Vorgänger-CD, die so die Entwicklung des Ensembles in Bezug auf Qualität und Schwierigkeit der präsentierten Songs repräsentiert. Es ist auch der Lohn für die harte Arbeit jedes einzelnen Ensemblemitglieds nach 4-8 Jahren Treue. Die Produktionskosten tragen sich über den Verkauf nach ca. 1 Jahr. Eine gekaufte CD ist eine Zusatzausgabe und soll kein Ersatz für die Spende bei der Show sein!

Die Suche nach neuen Stücken, die man dem Publikum in Gelsenkirchen bei der jährlichen AMUSICALS-Gala als Programm präsentieren könnte, gestaltet sich nicht immer einfach. Eine Auswahl an Musicals und Songs wird in einer Liste geführt, die Solisten können ihre Stücke auswählen und danach beginnt ein Vorsingen für eben diese geplanten Songs. Beim Vorsingen passt manchmal die eigene Wahrnehmung bei der Songauswahl nicht mit dem eigenen Talent oder der Stimmlage überein und es gibt ehrliches Feedback für alte und neue Darsteller. Die Entscheidung wer welchen Part übernehmen wird, wird letztendlich von den langjährigen AMUSICALS-Mitgliedern mit der größten gesanglichen Erfahrung und natürlich von Michael Bednarek und Heiko Herrmann entschieden. Während der Show sind den “Machern” Zuschauerreaktionen sehr wichtig. Bei Songs aus „Sweeney Todd“ z.B. befürchtete man vor der Show, dass die Musik für das Publikum zu düster sein könnte. Doch der große Applaus ließ diese Befürchtung schnell verfliegen. Zu jedem Showblock gibt es einleitende Texte, damit das Publikum versteht, worum es bei vielleicht etwas unbekannteren Stücken inhaltlich geht. Wenn dann bei „Finding Neverland“ oder „Hamilton“ die richtigen Songs ausgewählt werden, springt der Funke beim Publikum über, auch wenn diese Musicals in Deutschland kaum bekannt sind. Ein Musicalblock wird maximal 2-3 Mal in den Folgejahren gespielt, dann wird er ersetzt und auch beliebte Blöcke wie „Tanz der Vampire“ dürfen erst nach 2-3 Jahren wiederkehren. Als semiprofessionelles Ensemble ist man sehr gut aufgestellt, seltene falsche Töne werden gerne verziehen, wenn mit dem Herzen gesungen wird.

Momentan wird für die 20. AMUSICALS-Gala geprobt, da aufgrund der aktuellen Situation die Show von März 2020 um ein ganzes Jahr verlegt werden musste. Bei der großen 20. Jubiläumsgala im März 2021 sind natürlich viele alte Highlights dabei. Im ersten Jahr z.B.  hat Michael Bednarek „Sweet Transvestite“ aus „Rocky Horror“ ganz persönlich interpretiert und diese Performance wurde für die nächsten 10 Jahre zum Running-Gag der Gala. Die AMUSICALS waren immer das Ensemble zum Anfassen. Die hohe Professionalität des Ensembles soll die Nähe zum Publikum jedoch nicht ersetzen.

Wir freuen uns auf das nächste Jahrzehnt „Singen für den guten Zweck“!

© Text und Fotos: Stephan Drewianka, Musical-World.de; dieser Bericht erschien gekürzt ebenfalls in der Blickpunkt Musical Ausgabe 108, Nr. 05/20

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