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Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
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Premiere „Heute Abend: Lola Blau“ im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski
Musical Heute Abend: Lola Blau im Musiktheater im Revier © Pedro Malinowski

Du nimmst den Koffer wieder in die Hand

In der letzten Spielzeit feierte „Cabaret“ im kleinen Haus des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen fulminante Erfolge. Nun inszenierte Regisseurin Sandra Wissmann nach „Adam Schaf hat Angst“ ihr zweites Stück von Georg Kreisler. „Heute Abend: Lola Blau“ war erstmals vor 26 Jahren in Gelsenkirchen zu sehen und ist erneut ein Musical zum Thema „Theater während des Nationalsozialismus“. Nach der Premiere am Freitag, dem 13. Februar 2015 ist das Solo-Frauenstück zunächst in acht Vorstellungen bis zum 26. Juni zu sehen. 

Heute Abend: Lola Blau - Ein-Frau-Musical von Georg Kreisler

Im Gegensatz zu Kander und Ebbs „Cabaret“ bestreitet Sängerin Christa Platzer quasi im Alleingang den kompletten Liederabend. Nach ihrem Gesangsstudium in Kassel war Christa Platzer seit 1983 am Staatstheater Kassel engagiert und kam über Landshut, Meiningen, Passau und Weimar ab 2008 ans MIR nach Gelsenkirchen, wo sie neben ihrem eigenen „Piaf“-Abend u.a. in den Musicalproduktionen „Im weißen Rössel“, „Anatevka“ und “Cabaret“ zu sehen war. Christa Platzer trägt den Abend als Schauspielerin Lola Blau in Wien 1938, deren jüdische Abstammung ihr erstes Engagement in Linz verhindert. Mit gepackten Koffern gelangt Lola über die Schweiz nach Amerika, wo sie sich mit frivolen Chansons als Nachtklub-Sängerin durchschlägt und nach dem Krieg zurück nach Österreich kommt, um festzustellen, dass sich nach der Entmachtung der Nationalsozialisten an der politischen Lage in Wien nur wenig geändert hat. Dank ihrer einnehmenden Bühnenpräsenz ist Christa Platzer nie „allein“ auf der ausladenden Bühne von Britta Tönne, die die verschiedenen Spielstätten eines Wiener Mietzimmers, Künstler-Garderoben, Schiffdecks, Nachtklub-Bühne und Hinterhof geschickt mit Videoprojektionen und Soundkulisse in einem Gesamtbild kombiniert. Platzer kommuniziert mit imaginären Liebhabern, Verehrern oder Vermietern am Telefon oder über Gesprächseinspielungen, ohne dass diese Personen wirklich auftreten. Einzig ein realer Interaktionspartner ist ihr mit dem Pianisten und musikalischen Leiter Thomas Rimes gegeben, der nicht nur die beiden Klaviere auf der Bühne bespielt und so gekonnt für die musikalische Hintergrunduntermalung des Stückes sorgt, sondern er schauspielert als Whiskey trinkender Pianist mehr als es ein normales „Ein-Mann-Orchester“ üblicherweise tut und unterhält so das Publikum in den Szenen, in denen Platzer in ein neues Kostüm von Mark Alfred Pearson schlüpfen darf. Während Bühne und Kostüm zu einem schönen Bilderbuch der ausklingenden Charleston-Zeit während des zweiten Weltkriegs verschmelzen, bleibt die sparsame Choreografie von Daniela Günther ein untergeordnetes i-Tüpfelchen der Inszenierung. 

Lieder über Konflikt zwischen Mann und Frau

Wer übrigens politisch brisante Aussagen einer Jüdin auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus sucht, wird bei Lola Blau nicht fündig. Lola selbst bezeichnet sich als unpolitisch und möchte eigentlich vom Nationalsozialismus und den Folgen für sie nichts wissen. In ihren Liedern dreht sich alles nur um den Konflikt zwischen Mann und Frau („Die Wahrheit vertragen sie nicht“, „Der zweitälteste Frauenberuf“, „Sie ist ein herrliches Weib“, „Sex is a wonderful habit“). Und natürlich hadert Lola mit ihren verflossenen Liebschaften („Ich hab dich zu vergessen vergessen“, „Ich liebe dich“), ihren entgangenen Engagements („Im Theater ist nichts los“) oder trauert der guten alten Zeit hinterher („Wo sind die Zeiten hin“). Freunde des deutschen Lieds kommen bei Kreislers gesellschaftskritischen Texten, die wichtiger sind als einschmeichelnde Melodien, auf ihre Kosten, denn auch der feinsinnige Humor kommt nicht zu kurz. Zuschauer, die von einem Musical mehr Action verlangen und sich nicht voll auf die Songtexte einlassen möchten, werden hingegen nicht glücklich werden. „Heute Abend: Lola Blau“ im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen ist anspruchsvolle Unterhaltung, geschickt verpackt in der vermeintlich oberflächlichen Lebensgeschichte einer einsamen Nachtklubsängerin.

© Stephan Drewianka, dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical-Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 75, 02/15 März-Mai 2015