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Interview mit Musical-Regisseur Gil Mehmert

Professor Gil Mehmert über das Abschlussprojekt seiner Studenten im Studienfach Musical The Wild Party

Gil Mehmert studierte Musik und Regie, arbeitete an der Theaterakademie in München und wechselte im Oktober 2003 als Professor an die Folkwang Hochschule in Essen Werden. Wir fragten den Regisseur von The Wild Party, warum er dieses Abschlussprojekt mit seinen Studenten im Studienfach Musical ausgesucht hat.

Der Auswahlprozess eines Abschlussprojektes durch die Studenten der Folkwang Hochschule

Gil Mehmert: Unser Hauptkriterium für die Auswahl des Abschlussprojektes war die Präsentation von sechs Studenten. Deshalb haben wir ein drittes Pärchen, unser Buffo-Pärchen Eddie und Mae, etwas stärker herausgearbeitet. Die Studenten haben mir dieses Stück vorgeschlagen und ihr ganzes Herzblut hinein gesteckt. Wir haben gewittert, dass dieses Thema unseren Jahrgang in allen Sparten der Ausbildung, Musik, Tanz und Schauspiel, gut repräsentieren kann, wenn wir unsere eigenen Ideen mit hineinbringen. Wichtig war mir, dass die Studenten auch psychologisch gut spielen können. Zwar gibt es nur wenige gesprochene Zeilen, aber die müssen eben richtig unter die Haut gehen. Auf den ersten Blick ist die Show nur ein einfaches Musical, bei dem sich eine Musiknummer an die nächste reiht. Aber manchmal reicht es schon, wie jemand auf der Bühne ein einfaches ›Ja‹ oder ›Nein‹ sagt, um das darstellerische Potential zu erkennen und den Zuschauer zu fesseln. Einige Studenten meinten, sie hätten zu wenige Solos oder Monologe, aber meiner Meinung nach ist das viel besser als wenn der Zuschauer den Eindruck bekommt, von einer Person zu viel zu sehen.

Off-Broadway in der Weststadthalle Essen

Wir hatten die Möglichkeit, in der Weststadthalle zu spielen und das ist vom Gefühl her wie echtes Off-Broadwaytheater. Mir war es wichtig, vom Standort Essen-Werden herauszukommen, damit die Studenten mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Unser Standort in Werden hat gegenüber anderen Musicalhochschulen wie Wien, Leipzig und München den Vorteil, dass man sich zwei Jahre lang intensiv konzentrieren kann. Studenten in München sind bereits nach einem Jahr in ihrer Persönlichkeit durch die vielen Außeneinflüsse wesentlich weiterentwickelt. Im Studiengang Musical ist Persönlichkeit, Aussehen und Selbstdarstellung immens wichtig. Da ist die Gefahr groß, dass wir uns in unserem schnuckeligen Kleinstädtchen Werden selbst genügen. Nachdem wir in der Weststadthalle einmal eine Gala hatten, kam mir die Idee, hier auch unser Abschlussstück zu präsentieren.

Das Abschlussprojekt als wichtige Erfahrung für die Studenten in der Ausbildung zum Musical-Darsteller

The Wild Party passt mit seiner 80er Jahre Loftsituation auch perfekt in diese Halle. Wir haben hier nur eine Grundbühne, die wir mit Farbe und Elementen erweitert haben, aber wir brauchen auch nicht mehr. Wir haben mit unseren beschränkten Mitteln versucht, das Beste daraus zu machen. Die Presse war bei der Premiere stärker als in Werden vertreten, wir haben Theaterleute hier, die mit uns kooperieren wollen und Interesse an dem Stück haben. Es ist Kern meiner Arbeit, die richtigen Leute im Publikum sitzen zu haben. Wenn man im Theater der Hochschule spielt, wo alle Studenten gratis Eintritt haben, spielt man vor 1000 Zuschauern, die alles dufte finden. Hier haben wir ein sehr viel kritischeres Publikum, dem sich die Studenten stellen müssen. Die Ausbildung zum Musicaldarsteller dauert vier Jahre. Wir spielen unser Abschlussprojekt nicht wie üblich am Ende des 8. Semesters, sondern zu Beginn des 7. Semesters. Dadurch haben die Studenten nach der hier gewonnenen Erfahrung noch ein halbes Jahr Zeit, mit diesem Kulturschock fertig zu werden. Ihnen werden hier ihre Grenzen aufgezeigt und sie bekommen die Möglichkeit, ihre Ausbildung auf diese Schwächen zu fokussieren – ich halte das für ein sehr gutes System! 

Gil Mehmert über die Inszenierung des Musicals Wild Party

Bei der Auswahl von Stücken sind die Verlage Hochschulen gegenüber sehr aufgeschlossen, eben weil sie auch wissen, dass man dort ganz andere Freiheiten hat. Am Theater könnte ich nicht einfach die halbe Personage herausstreichen und The Wild Party mit einem 5-Mann-Orchester spielen. Das Problem beim Musical ist, dass es irgendwo in Amerika mit einem bestimmten Ensemble auf ihre individuellen Fähigkeiten in Bezug auf stimmliche Einzelleistungen und eine exakte Orchestrierung entwickelt wird. Wenn ich dann an ein Stadttheater gehe, finde ich dort ganz andere Leute, muss aber das mir vorgegebene Korsett ausfüllen und habe dazu noch unheimliche Knebelverträge. Als Regisseur will man nicht alles neu erfinden, aber man muss die Möglichkeit haben, mit den zur Verfügung stehenden Leuten ein gutes Stück inszenieren zu dürfen. Das merkt man auch bei The Wild Party: Ich hatte keine 24 Leute zur Verfügung, dafür haben meine Schüler choreographisch viel mehr drauf und so habe ich die Geschichte angepasst. 

Eine Steppnummer, wie wir sie heute auf der Bühne gesehen haben, kann ich an einem Stadttheater gar nicht machen, weil mir die passenden Leute dazu fehlen. Bei großen En-Suite Produktionen habe ich drei Schauspieler für eine Rolle, da wird zwangläufig die Schnittmenge immer kleiner, denn jeder muss austauschbar sein. Wenn dort jemand einen Ton auf besondere Weise singen kann oder Weltmeister im Rollschuhlaufen ist, kann ich mit dem in der Rolle nichts mehr anfangen, denn er wäre etwas Besonderes. Was wir hier treiben, ist Off-Broadway und Rock ´n Roll-Theater. Mit einem Ensemble gemeinsam ein großes Stück zu erzählen, das interessiert mich!

© Interview & Fotos by Stephan Drewianka

Eine gekürzte Version dieses Interviews lesen Sie ebenfalls in der Zeitschrift BLICKPUNKT MUSICAL, Ausgabe 05/05, September-Oktober 2005

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