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Interview mit Musical Darstellerin Florence Kasumba

Florence Kasumba: Vom Ensemble zur Hauptrolle AIDA

Die 27-jährige Florence Kasumba, die in Essen aufgewachsen ist, spielt seit dem 05. Oktober 2003 in ihrer Heimatstadt im Elton-John Pop-Musical überzeugend die Titelrolle der AIDA. Musical-World besuchte die gebürtige Uganderin, für die diese Engagement nach Ensemblerollen in der BB Promotion-Tourneeproduktion von Die Schöne und das Biest, Evita (Klagenfurt), Jesus Christ Superstar (Bad Hersfeld), West Side Story (Linz) und Mamma Mia! (als Lisa in Hamburg) die erste große Hauptrolle ist. 

Auswahlprozedur für die Erstbesetzung der Aida

Musical-World: In Holland gab es eine schwere Vorentscheidung für die Hauptrolle mit drei Kandidatinnen. Wie wurde die Entscheidung für AIDA in Essen getroffen?

Florence Kasumba: Weniger spektakulär. Wir waren nach der Vorausscheidung nur zu zweit. Das heißt, wir hatten im Februar 2003 unser Finals in Hamburg und da wurde beschlossen, dass Oceana und ich die AIDA spielen. Aber das Team konnte sich noch nicht entscheiden, wer die Erstbesetzung und wer die alternierende AIDA sein sollte. Dann begann ebenfalls in Hamburg 3 Monate lang der Unterricht für Gesang, Sprache, Schauspiel usw... Anschließend flogen wir nach New York zum Workshop und im Juni war dann die Endauswahl. Nach Vorsingen und Vorsprechen zum Teil in Englisch und, soweit die Dialoge und Texte schon fertig übersetzt waren, auch in Deutsch, wurde uns die Rolle zugesagt: Ich als Erstbesetzung und Oceana als alternierende AIDA.

Musical-World: Gab es nur 2 Kandidatinnen oder haben sich viele  um die Rolle beworben?

Florence Kasumba: Da gab es jede Menge Bewerberinnen. Aber die Rolle kann ja leider nur einer Erstbesetzung und einer Alternierenden zugeteilt werden. Wir sind hier in Essen mit vier AIDAs vertreten. Für Oceana und mich stand die Besetzung von vornherein fest aber die anderen beiden bekamen auch die Zusicherung, dass sie die AIDA spielen werden.

Musical-World: Hat sich das Verhältnis zu Oceana nach dieser Entscheidung verändert?

Florence Kasumba: Nein überhaupt nicht. Zum Glück gibt es keinen Konkurrenzkampf. Wir Kolleginnen können uns alle gut leiden.

Musical-World: Macht es einen Unterschied ob man Erst- oder Zweitbesetzung ist?

Florence Kasumba: Ich hatte urspünglich die Audition gemacht für das Ensemble. Als man mir dann sagte, ich werde die AIDA spielen, war das für mich eigentlich schon mehr, als ich erreichen wollte. Wau, ich hatte es geschafft, ob zwei oder sechs mal die Woche war mir egal. Natürlich hatte ich drei Monate Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, wie das sein wird. Es ist schon ein Unterschied ob man die Rolle zwei mal oder sechs mal spielt. Die Erstbesetzung hat sechs Wochen Zeit, um die Rolle zu lernen. Natürlich ist auch die Alternierende zum Zeitpunkt der Preview mit dem Einstudieren fertig. Aber es gibt schon einen Unterschied, wie man lernt. Spielt man öfter, hat man die Gelegenheit, einfach viel schneller in die Rolle hineinzuwachsen.

Musical-World: Wie lange braucht man dazu?

Florence Kasumba: Unterschiedlich. Ich wusste ja schon von vornherein worum es ging, weil ich mir die Show im Februar in New York angesehen hatte. Ich brauchte gar nicht so viel Zeit.

Unterschiede zwischen Aida am Broadway und in Essen

Musical-World: Wie viel nimmt man von einer AIDA am Broadway mit?

Florence Kasumba: Fast gar nichts. Natürlich ist der Hauptunterschied, dass am Broadway in Englisch gespielt wird und wir in Deutsch spielen. Das Stück ist dann auch noch adaptiert worden aber im Endeffekt hat man uns sehr viel Freiheit gegeben. Wenn man sich die vier AIDAs hier im Haus anschaut, sieht man, wie unterschiedlich die Dinge interpretiert werden. Dazu hat man uns die Eigenständigkeit gelassen.

Musical-World: Nach sechs Monaten waren kürzlich Disney-Leute zu Besuch  und haben Ihnen genau auf die Finger geschaut, ob noch alles stimmt, was vorgegeben wurde oder ob etwas anders gespielt wird. Denkt man da nicht, jetzt ist die Rolle ein Teil von mir geworden und warum soll ich das jetzt wieder anders spielen?

Florence Kasumba: Ich muss es ja nicht anders spielen. Es ist so: Wir haben sechs Wochen Proben und dann kommt die Premiere. Zu dem Zeitpunkt der Premiere steht das Stück so, wie es sein soll. Wenn man jetzt aber jeden Tag spielt, ich habe die AIDA bestimmt schon 200 mal gemacht, dann verändern sich Sachen und das ist normal. Dinge entwickeln sich zum positiven aber auch zum negativen. Wenn man aber jeden Tag spielt, merkt man das gar nicht. Und dafür ist das Creative Team da. Und die waren halt vor 2 Wochen da und haben uns daran erinnert, wie die Dinge waren und das finde ich positiv. Für mich ist das Kritik, mit der ich unheimlich viel anfangen kann, denn ich kann mich von außen nicht sehen. Es kommt auch darauf an, wie ich mich fühle. Im Endeffekt soll die Show aber eigentlich immer gleich sein. Es ist ein Disney-Musical und egal ob es in Japan, am Broadway oder hier spielt, es soll sich nur in der Sprache unterscheiden. Aber manchmal ändern sich einfach die Dinge. Ich war z.B. total froh als das Team da war. Ich habe zwar drei Stunden lang Notes bekommen, was ich ändern muss und was gut ist usw. aber das gehört dazu.

Vorbereitung auf die Rolle der Aida

Musical-World: Wie bereitet man sich auf so eine tragende Rolle vor. Sie sagten, Sie waren bis jetzt immer im Ensemble. Was ist jetzt der große Unterschied wenn man Hauptdarstellerin ist.

Florence Kasumba: Für mich ist der große Unterschied, dass ich 13 Songs in einer Show singe. Zum Glück haben die Stage Holding und Disney perfekt zusammen gearbeitet. Da musste unheimlich viel gemacht werden. Und wie gesagt, wir haben 3 Monate lang Unterricht bekommen. Ich wollte mich auch technisch vorbereiten, dass, wenn es sein muss, ich auch 8 mal die Woche auftreten kann.

Musical-World: Wird man da auch etwas ins kalte Wasser geschmissen, dass gesagt wird, jetzt stehst du hier und jetzt geht’s los.

Florence Kasumba: Überhaupt nicht. Ich hatte natürlich auch Angst gehabt und dachte oh Gott, wie soll das gehen 3 Stunden auf der Bühne stehen und wer die Show kennt, weiß, AIDA ist die ganze Zeit auf der Bühne. Aber wir sind so gut vorbereitet worden, dass ich zum Zeitpunkt der Preview, schon gar nicht mehr aufgeregt war. Weil ich einfach wusste was ich zu machen habe. Da hat mich keiner ins kalte Wasser geworfen. Im Gegenteil, wenn ich mich für ein Stück vorbereite oder wenn ich Audition für ein Stück mache, das ich vorher nicht gesehen habe, dann versuche ich, mir entweder die Musik zu besorgen oder ich versuche, dorthin zu reisen, wo ich mir das Stück ansehen kann.

Umgang mit der deutschen Übersetzung

Musical-World: Wie war das mit den Übersetzungen. Michael Kunze hat ja zwei Versionen geschrieben: eine fast wörtliche und eine sehr freie Version, die jetzt auch aufgeführt wird.
 
Florence Kasumba: Es war nicht so, dass man uns die beiden Scripte zum durchlesen in die Hand gegeben hat. Diese andere Fassung habe ich weder gesehen noch zu Ohren bekommen. Und das ist auch gar nicht schlimm. Als wir Anfang August hier loslegten bis zur 1. Preview und dann noch mal bis zur Premiere hat sich unsere freie Version in vielen Punkten geändert. Wenn man sich das Script anschaut, hat es sich total weiter entwickelt. Mit Durchstreichen und Drüberkleben hat man teilweise ganze Sätze geändert. Man hat einfach geschaut, wie wir mit der Sprache umgehen und wie es beim Zuschauer ankommt. Zwischen dem Vorsprechen im Februar und später im Juni hatte sich schon einiges geändert. Und wenn man das vergleicht mit dem, was wir jetzt machen, also da liegen schon Welten dazwischen.

Musical-World: Ist diese Übersetzung nicht schwierig zu singen? Es gibt doch gar keinen Refrain. Man singt doch immer was anderes.

Florence Kasumba: Ja, das finde ich aber gut so und total schön. Aber ich muss ehrlich sagen, am Anfang waren das einfach nur Texte, die ich auswendig gelernt habe. Und als ich das geschafft hatte ging es mir darum, die Sachen gut zu interpretieren. Wenn ich jetzt jeden Tag spiele, kann ich mir vielmehr Gedanken darüber machen und ich liebe diese Texte. Also alles, was er geschrieben hat, ob es die Sprechtexte oder die gesanglichen sind, er ist so gut mit der Sprache umgegangen, dass es mir einfach durchweg Spaß macht und für mich auch eine Herausforderung ist.

Identifikation mit der Rolle als Sklavin und nubische Prinzessin

Musical-World: Was ist AIDA für ein Mensch. Wie identifiziert man sich mit so einer Person, die ja im Prinzip gar nicht mehr in unsere Zeit passt oder vielleicht doch?

Florence Kasumba: Ja und nein. AIDA ist eine nubische Prinzessin. Sie wird aus ihrer Heimat verschleppt und versklavt und verliebt sich in Ägyptens Heerführer Radames, der aber schon der Pharaonentochter Amneris versprochen ist. Ich finde diese Dreiecksgeschichte sehr aktuell. Viele junge Menschen wachsen heute in verschiedenen Ländern auf. Gut, man wird nicht mehr versklavt aber es gibt heute noch sehr viel Fremdenfeindlichkeit und gewisse Dinge, die im Stück vorkommen habe ich selber erfahren. Deshalb kann ich mich auch leicht mit der Rolle identifizieren. Für mich haben die drei Menschen nicht nur vor Jahren gelebt.

Interaktion mit wechselnden Musical Darsteller-Kollegen

Musical-World: Wie schon erwähnt, geht es in dem Stück hauptsächlich um drei Personen, die auf der Bühne sehr präsent sind. Spielen Sie Ihre Rolle mit unterschiedlichen Partnern immer anders?

Florence Kasumba: Wir wechseln die Partner sehr oft in diesem Haus und ich spreche auf jeden Partner anders an, weil ich ja reagiere auf das, was mir entgegengebracht wird. Selbst wenn ich eine ganze Woche mit Mathias spiele, wir sind ja keine Maschinen, machen wir einige Dinge ganz anders obwohl wir den gleichen Text sprechen, die gleichen Wege gehen. Schauspielen ist eben reagieren und das hängt immer davon ab, was einem gerade rübergebracht wird. Dadurch kommt immer wieder Frische in die Rolle.

Musical-World: Gibt es manchmal Konstellationen, die gar nicht zusammen passen?

Florence Kasumba: Kann ich nicht sagen. Natürlich hat man Partner, mit denen man am liebsten spielt. Aber wir sind alle so gut vorbereitet, dass jeder gut ist, der auf die Bühne geht. Jeder interpretiert seine Rolle zwar anders aber im Endeffekt ist es wichtig, dass sie glaubwürdig rüberkommt. Und wenn ich persönliche Probleme mit jemandem haben sollte, dann wäre das eine private Sache. Auf der Bühne funktioniert es immer. Zumal man den ganzen ersten Akt hat, um sich dorthin zu arbeiten. Denn anfangs besteht zwischen den beiden so eine Art Hassliebe.

Fitness und körperliche Beanspruchung

Musical-World: Geht so eine bühnenpräsente Rolle nicht sehr an die Substanz?

Florence Kasumba: Finde ich gar nicht. Nur wenn man zwei Vorstellungen hintereinander spielt ist das ganz schön anstrengend. Ich bin dann gesanglich kaputt, körperlich nicht, weil ich ja noch fit bin. Wenn man aber die ganze Woche spielt und nebenbei noch Unterricht hat, muss man mit seinen Kräfte schon richtig umgehen. Aber die Stimme wird stärker und mit einer guten Technik kann man eine Show wie AIDA sogar zweimal hintereinander spielen! Meine Partnerin Maricel hat so eine Hammerstimme mit einer Supertechnik und die hatte sie bereits, bevor sie hierhin kam. Maricel hätte die AIDA gleich zu Beginn locker achtmal in der Woche singen können und da habe ich wahnsinnigen Respekt! Ich lerne auf jeden Fall noch weiter. Denn je besser ich bin, desto besser ist es für die Show. Und Gesangsunterricht ist etwas, womit ich gar nicht aufhören möchte.

Musical-World: Hätten Sie gerne so viele aufwendige Kostümwechsel wie Maricel?

Florence Kasumba: Ich finde meine Skavengewänder total bequem – die würde ich sogar privat tragen, wenn sie nicht lila wären! Nein, traurig über meine schlichten Kostüme bin ich nicht, ganz im Gegenteil. Mir kann man auch einen Kartoffelsack geben, wenn es die Rolle verlangt, ich stehe ja nicht als Florence auf der Bühne. Ich sehe mir lieber nette Kostüme bei anderen an. Wenn ich selber eins anhätte, müsste ich ja immer an mir herunterschauen. Meine Kollegen rennen ja förmlich von der Bühne, um sich umzuziehen. Die haben richtig Stress und müssen sich innerhalb von 20 Sekunden umgezogen haben.

Missgeschicke und Improvisationen auf der Bühne

Musical-World: Ist schon mal was schief gegangen, was das Publikum gar nicht mitbekommen hat?

Florence Kasumba: Es passieren viele Dinge, die das Publikum nicht mitbekommt. Das ist auch ganz gut so. Vielleicht hat man einmal bemerkt, dass Radames nicht aufgetauchte, als ich im Ankleidezimmer mit Amneris sang, ich mich umdrehte und kein Radames da war. Im nachhinein kann man darüber lachen aber in diesem Moment denkt man, mein Gott, was nun? Da muss man dann improvisieren. Und weil ich ja deutsch spreche, macht mir so eine Verlegenheit nichts aus. Schwieriger wird es, wenn jemand spielt, der die Sprache nicht gut beherrscht. Das kann dann unangenehm für die Person werden. Ansonsten passieren häufiger lustige Sachen. Ich bin darin ganz offen und reagier dann schnell. Und der Zuschauer bekommt das gar nicht mit.

Umgang mit der Bühnentechnik

Musical-World: Bringt die Bühnentechnik Gefahren mit sich?

Florence Kasumba: Nein, man bekommt eine Bühneneinweisung. Die bekommt jeder, der im Haus arbeitet und mit der Bühne was zu tun hat. Ich weiß auch, wenn ich abends auf die Bühne gehe, dass theoretisch was passieren kann. Aber ich trete deshalb nicht mit Angst auf. Drei Stunden vor der Show wird von den Technikern alles kontrolliert, damit nichts schief geht. Ich weiß es zu schätzen, dass es viele Leute gibt, die hierfür große Verantwortung tragen. Da mache ich mir keine Sorgen.

Musical-World: Haben Sie als Farbige Probleme, Rollen, die Sie interessieren, zu bekommen?

Florence Kasumba: Es gibt keine Rollen, die mich interessieren. Ich möchte keine Elisabeth und auch keine Evita sein. Ich bin jemand, der sich in der Gruppe wohlfühlt. Das war auch vor AIDA so. Vor 4 Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen und bin seitdem immer auf der Bühne gewesen.

Musical-World: Ist nicht Chicago Ihr Lieblingsmusical?

Florence Kasumba: Ja und das würde ich auch spielen. Da wäre es völlig egal, wie man aussieht.

Unterschiede zwischen Musical-Bühne und Film

Musical-World: In Holland haben Sie 2001 in dem Spielfilm „Ik ook van Jou“ als Silke mitgewirkt. Worin liegt der Unterschied vom Film zur Bühne?

Florence Kasumba: Das ist ein großer Unterschied. Egal was man hier macht ob AIDA, Die Schöne und das Biest, Mamma Mia usw., man hat immer eine Probeperiode. In dieser Zeit lernt man sich kennen. Und beim Film ist das eine ganz andere Arbeit. Ich spielte die Freundin von dem Hauptdarsteller, den ich überhaupt nicht kannte. Ich bekam das Buch, bin nach Frankreich geflogen und hatte dort 10 Drehtage. Dann bekommt man die Anweisung jetzt werdet ihr Kanu fahren und dann werdet ihr euch küssen und dann kommt das und das. Und dazu stehen noch ungefähr 20 Leute um einen herum. Das war schon sehr komisch, weil man sich noch so fremd war. Aber heutzutage würde ich auch damit ganz anders umgehen, denn inzwischen habe ich viel mehr Erfahrung gesammelt. Der Film war ja mein allererster Job, für den ich damals sogar die Schule 3 Monate früher abgebrochen habe.

Musical-World: Würden Sie das gerne noch mal machen?

Florence Kasumba: Auf jeden Fall. Mir hat das großen Spaß gemacht und deshalb kann ich mir gut vorstellen, das wieder zu machen.

Musical-World: Was halten Sie von der Musical-Verfilmung Chicago. Wie fanden Sie den Film?

Florence Kasumba: Ich fand ihn klasse. Mir hat er total gefallen, vielleicht auch, weil es mein Lieblingsmusical ist. Ich bin auch nicht so kritisch. Ich habe das Stück  in London gesehen, in Holland und Deutschland mehrmals und ich gehe nicht mit der Einstellung darein, das muss jetzt so und so sein. Ich finde es traurig, wenn Leute so kritisch sind und sich ein Musical bereits voreingenommen ansehen. Und Film ist ein anderes Medium als die Theaterbühne.

Musical-World: Könnten Sie sich vorstellen, mal in einem Musical-Film mitzuwirken?

Florence Kasumba: Ich habe die Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspiel gemacht. Ob ich diese Sachen jetzt live auf der Bühne mache oder ob  gefilmt wird oder hinter den Kulissen arbeitet wird ist mir völlig egal. Ich habe einfach diesen Beruf ergriffen, weil er mir Spaß macht. Und deswegen kann ich mir vorstellen auch wieder einen Film zu drehen oder nur ein Schauspiel ohne Tanz und Gesang zu machen. Ich bin da für alles offen.

Schwerpunkt ist der Tanz, Singen eine Herausforderung

Musical-World: Was mögen Sie am liebsten?

Florence Kasumba: Tanz ist mein Schwerpunkt. Das habe ich in den letzten vier Jahren auch gemacht. Bei AIDA vermisse ich schon den Tanz aber das hole ich dann privat nach. Für mich ist das Singen bei AIDA eine Herausforderung. Anfangs war ich sehr unsicher, weil ich noch nie so viel an einem Stück gesungen hatte. Ich habe es gelernt und ich strenge mich an und arbeite weiterhin an mir. Letztendlich ist das, was ich hier lerne, die beste Schule.

Umgang mit negativer Kritik

Musical-World: Wie empfindet man eine schlechte Kritik?

Florence Kasumba: Da muss man durch. Zum Zeitpunkt der Premiere war ich total überanstrengt. Im nachhinein denke ich, wie habe ich das nur  geschafft, tagsüber 8 Stunden geprobt und abends die Show gespielt. Das ist etwas, worauf ich stolz bin. Und wenn mal ein falscher Ton gesungen wird – mein Gott, wir sind halt Menschen. Ich finde es gut, dass jeder seine eigene Meinung hat. Wir vier AIDAs haben total unterschiedliche Stimmen und spielen auch ganz anders. Wenn jemand sagt, die andere Stimme gefällt mir besser finde ich das o.k.. Denn es gibt bei mir auch Dinge die ich mehr mag und weniger mag. Ich glaube nicht, dass jemand sagt, das ist eine schlechte Schauspielerin oder schlechte Sängerin. Sonst würde keiner von uns hier auf der Bühne stehen. Man darf nicht vergessen das ist eine Disney und Stage Holding Produktion. Und die stellen keinen aufs Podest wo man sagen könnte, die Person ist schlecht. Wenn ein Kritiker sagt, die Person ist schlecht, ist das seine persönliche Meinung. Natürlich ist das sein Job aber man darf nicht vergessen, es geht um eine Person. Trotzdem finde ich negative Kritiken teilweise ganz interessant.

Musical-World: Schauen Sie sich Ihre Kolleginnen auf der Bühne kritisch an und nehmen vielleicht das eine oder andere für sich mit?

Florence Kasumba: Ich gucke mir unheimlich gerne meine Kolleginnen an, weil die alle tolle Stimmen haben. Und manchmal denke ich mir, aha so funktioniert es auch. Aber ich gehe dann nicht beim nächsten mal raus und sage das will ich jetzt auch so machen. Nein das mache ich nicht. Weil wir einfach auch zu unterschiedlich sind. Jede hat einen anderen Background und bringt andere Erfahrungen mit.
 
Musical-World: Haben Sie schon mal eine CD-Aufnahme gemacht?

Florence Kasumba: Jesus Christ haben wir aufgenommen und noch ein paar andere Sachen.

Musical-World: Ist das ein Unterschied, wenn man nur in einem Tonstudio steht und dann die Rolle singen muss?

Florence Kasumba: Ja, ein großer Unterschied und ich hasse es. Wir haben versucht, die AIDA-CD so aufzunehmen, wie wir sie auch abends singen. Das heißt, ich habe mir schon vorgestellt was dann und dann passiert wenn ich bestimmte Sachen singe. Aber es ist viel schwieriger. Man hat ja niemanden vor sich. Im Studio ist es sehr eng und ungemütlich und dazu kommt noch, dass ich Studioarbeit hasse. Ich habe es einfach überhaupt nicht gemocht aber es musste ja aufgenommen werden.

Musical-World: Ist man stolz darauf?

Florence Kasumba: Was heißt stolz darauf? Bei mir hat es schon einen Monat gedauert, bis ich sie mir angehört habe. Denn ich höre mich nicht gerne singen. Und ich sehe mich auch nicht gerne. Ich glaube ich bin mein größter Kritiker. Die Scheibe ist für mich ein schönes Andenken  und auf jeden Fall bin ich Stolz, dass man mich gewählt hat und ich das Glück hatte das einzusingen. Wir haben die CD zudem in einem sehr frühen Stadium direkt nach den Proben im Oktober letzten Jahres aufgenommen, wo ich auch ungeheuer müde war. Wenn wir die CD jetzt aufnehmen würden, wäre das Ergebnis sicher anders, aber man kann die Zeit ja nicht zurückdrehen.

Musical-World: Würden Sie gerne mal ein Soloalbum aufnehmen?

Florence Kasumba: Ganz bestimmt nicht, ich sehe mich nicht als Solo-Performerin. Ich schätze meinen Job hier, den ich unheimlich gerne mache. Man weiß ja nicht, was in ein paar Jahren passiert und welche Türen mir jetzt offen stehen, aber heute kann ich mir das nicht vorstellen. Und wenn ich mal meine eigene CD machen sollte, dann müsste wirklich alles von mir kommen. Wie bei Maricel, die ihre eigene Musik komponiert und dann im Studio aufnimmt. Das macht sie total gerne. Aber mich kann man damit jagen. Ich möchte aber nicht sagen, dass ich kein Talent dazu habe, nur mich interessiert das so gar nicht.

Private Musik-Favoriten der Florence Kasumba

Musical-World: Welche Musik hören Sie gerne?

Florence Kasumba: Ich höre gerne R&B und sehr gerne unterschiedliche Musicals, wovon ich auch eine ganze Kollektion zu Hause habe, weil das ja mein Beruf ist und weil ich mich dabei noch schlau machen kann.

Musical-World: Es gibt Musical-Darsteller, die privat keine Musicals hören.

Florence Kasumba: Dazu gehöre ich nicht. Bei mir gibt es Phasen. In der Probenzeit habe ich mir die Broadwayversion von AIDA oft angehört und die holländische auch und jetzt möchte ich AIDA weniger hören, weil ich das ja jeden Abend spiele. Ich höre mir sehr gerne Kollegen an, die ihr eigenes Album rausgebracht haben. Mir bedeutet das mehr, als wenn ich mir eine CD von irgend jemandem kaufe, den ich aber gar nicht kenne.

Musical-World: Wie stehts mit Autogrammstunden?

Florence Kasumba: Was AIDA betrifft machen wir Promotions mit Autogrammstunden. Oder es kommen Gruppen, die wir durchs Haus und hinter die Kulissen führen.

Musical-World: Ist das eine Belastung?

Florence Kasumba: Es kommt drauf an. Durch die Presseabteilung, die alle Termine sehr gut organisiert,  weiß ich, wann ich das machen muss. Das ist wahrscheinlich nicht in jedem Haus so.
Wenn mir jemand sagen würde du musst das und das und das machen und jenes machen wir dann und dann, das wäre natürlich Stress für mich. Ich werde immer gefragt wann ich Zeit habe.

Musical-World: Wie finden Sie eine Joop van den Ende Akademie?

Florence Kasumba: Ich kann dazu gar nichts sagen, weil ich diese Schule nicht kenne. Was wichtig ist, sind die Dozenten die es gibt. Ich hatte zwar in der Speicherstadt in Hamburg Unterricht von Dozenten, die dort unterrichten, aber ich kann nicht beurteilen wie, an dieser Akademie der Tanz- oder Gesangsunterricht abläuft. Es gibt viele Schulen z.B. die Folkwang Hochschule hier in Essen. Ich selber war vier Jahre auf der Fontys Dansacademie in Tilburg. Ich finde es gut, dass es diese Schulen gibt, denn irgendwo muss man ja was lernen. Ich hätte mir nicht einen Privatlehrer leisten können. Heute kostet die Stunde 60 Euro. Ich hatte täglich 8 Sunden und das 5 mal die Woche, das kann man ja gar nicht bezahlen.

Musical-World: Was sagen Sie zur Fernsehserie „Deutschland sucht den Superstar“?

Florence Kasumba: Okay, die Sendung würde es ja gar nicht geben, wenn die Leute das nicht sehen wollten. Auf keinen Fall wäre das was für mich. Ich bin der Meinung, das ist ein Beruf, den man erlernen muss, theoretisch und praktisch. Man darf nicht vergessen, wir spielen 8 Shows die Woche und das ist sehr anstrengend. Dazu kommen Promotions und die Proben und das geht nur mit einer gewissen Disziplin. Auch eine gesunde Ernährung gehört dazu. Es ist nicht nur auf der Bühne stehen und denken alle kennen einen ja. Ich hätte keine Lust Pop-Star zu sein. Immer Leute um einen herumzuhaben, wäre mir zu stressig. Hier beim Theater mache ich meinen Job und kann nach Hause gehen. Und wenn manchmal Fans vor der Tür stehen, bekommen die ein Autogramm. Ich möchte auch keinen Florence Kasumba-Fan-Club haben. Denn ich finde, dass man dann auch die Fans pflegen muss, d.h. man muss sich Zeit nehmen und für die Leute da sein. Das ist mir zu anstrengend.

Zukunftspläne von Florence Kasumba

Musical-World: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Florence Kasumba: Natürlich möchte ich irgendwann eine Familie haben. Mir ist es sehr wichtig, dass für die Familie noch Zeit bleibt. Dass ich hier in Essen wohne und gleichzeitig arbeite ist purer Luxus. Das gibt es normalerweise nicht. Auf eine Tournee zu gehen hätte ich keine Lust. Das habe ich vor 4 Jahren mal gemacht und das ist so anstrengend, dafür habe ich keine Energie. Damals war es mein erstes Musical, da hat es mir noch Spaß gemacht. Das war mehr ein Abenteuer, von Hotel zu Hotel ziehen und abends immer in die Bar. Das vermisse ich nicht.
Ansonsten plane ich beruflich überhaupt nichts. In den letzten Jahren kamen die Engagements ohne groß vorzuplanen.

Musical-World: Wenn fürs Ausland ein Angebot käme, würden Sie das annehmen?

Florence Kasumba: Wenn es ein gutes Angebot ist, ja auf jeden Fall, aber eine Rolle am Broadway wird es für mich definitiv nicht geben. Ich fühle mich hier sehr wohl und für mich ist auch das Umfeld wichtig. Wenn ich nette Mitarbeiter und Kolleginnen habe, könnte das Haus auch in Bremen stehen.

Musical-World: Ob man ein nettes Umfeld antrifft, weiß man doch anfangs nicht.

Florence Kasumba: Das weiß man nicht, aber dann muss man selber was dazu beitragen. Ich kann natürlich schlecht gelaunt hier hereinkommen und jeden anmuffeln. Das bringt keinem was. Ich kann mich aber auch zusammenreißen und mir positive Energie von anderen Leuten holen. Es ist egal, wo man arbeitet, ob hier oder in einer Bank, jeder kann dazu beitragen, dass man sich wohl fühlt, indem man selbst für eine gute Arbeitsatmosphäre sorgt.