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Großes Interview mit Gaines Hall: Bühne und Tanz

Gaines Hall: US-Amerikaner mit Leidenschaft für Stepptanz

Musical-World: Wie hat Deine Karriere begonnen?

Gaines Hall: Mit zwei Jahren stand ich zum ersten Mal auf einer Bühne in Alabama und mit drei Jahren fing ich ernsthaft an zu Tanzen. Es war eine ganz kleine Bühne innerhalb der Tanzschule meiner Mutter.

Musical-World: Hat Deine Mutter Dich darin beeinflusst, Tanzen zu lernen?

Gaines Hall: Insofern, dass sie mir einfach beigebracht hat, was sie konnte, ja. Aber sie hat es überhaupt nicht von mir verlangt. Sie hatte ja jeden Tag Tanzstunden zu geben und mit zwei Jahren hat sie mir ein paar Schritte gezeigt, so wie Kinder das lernen können. Ich habe es angenommen und so ging es immer weiter. Es gab auch Phasen in meinem Leben, wo ich nicht mehr weiter tanzen wollte. Es kostete so viel Zeit oder ich bekam Ärger mit den Freunden. Dann hat sie gesagt, ich solle es lassen, von ihr bekam ich keinen Druck. Ich musste immer selber zum Tanzen zurückfinden.

Musical-World: Hat Deine Kindheit darunter gelitten?

Gaines Hall: Im Gegenteil, meine Kindheit hat davon profitiert. Durch Musik und Tanz war meine Phantasie von Anfang an im Vorlauf. Ich habe zu Hause alles, was ich im Fernsehen gesehen habe, vor dem Spiegel in der Tanzschule nachgespielt. Es war ja auch nicht eine professionelle Kindheit auf der Bühne, sondern wirklich nur Auftritte in der Tanzschule. Ich musste dafür nichts aufgeben.

Musical-World: Würdest Du sagen, dass es notwendig ist, als Tänzer früh zu beginnen?

Gaines Hall: Nein, würde ich nicht sagen. Beim Ballett ist das anders. Das hat viel damit zu tun, wie der Körper gebaut ist. Manche haben einfach einen Körper, der für den Tanz geschaffen ist, und andere müssen früh anfangen, viel zu trainieren, bis sie die Beine weiter auseinander drehen können. Ballett, Stepp, Jazz und alles, was dazu gehört, habe ich gelernt. Außerdem habe ich auf der Universität Modern Dance und afrikanische Tänze gelernt, einfach ein bisschen von allem studiert.

Musical-World: Bei Deinen letzten Shows stand der Stepptanz im Mittelpunkt. Ist Steppen Deine Leidenschaft?

Gaines Hall: Es gibt viele Stücke, wo ich gar keinen Schritt Steppen muss und es gibt Musicals, wo überhaupt nicht getanzt wird. Aber meine Vorliebe ist der Stepptanz. Das kommt wahrscheinlich daher, weil Steppen die Leidenschaft meiner Mutter war. Damit haben wir die meiste Zeit verbracht. An der Uni war es eine neue Welt für mich, neben allem anderen auch Modern Dance und afrikanische Tänze studieren zu müssen. Plötzlich habe ich zum ersten mal in meinem Leben barfuss ohne Ballett- oder Steppschuhe getanzt. Aber schließlich gehören alle Tanzstile zusammen. Doch dieser spezielle Rhythmus beim Steppen ist das, was mich so anspricht. Es gibt viele Leute, die sogar hauptsächlich ganz ohne Musik, nur mit ihrem Körper, steppen. Meine Liebe zur Musik hat mich immer geführt. Ich möchte durch mein Gefühl von Rhythmus und durch meine Körpersprache die Musik durch meine Füße ausdrücken.

Von Amerika nach Deutschland

Musical-World: Wie bist Du vor genau 10 Jahren mit dem Musical 42nd Street von Alabama nach Deutschland gekommen?

Gaines Hall: Schritt für Schritt. Zunächst war ich in Washington D.C. 6 Jahre lang auf der Uni. Während dieser Zeit habe ich professionell gearbeitet. Dann bin ich nach New York gezogen. Es gab ein riesiges Casting für die Europäische Tournee von 42nd Street mit über 150 Männern, obwohl nur zwei gebraucht wurden. Nach zwei Tagen Singen und Tanzen wurde mein Kopf vermessen und nach meiner Hosengröße gefragt um zu sehen, ob ich in die Kostüme passe. Ich hatte die richtigen Masse für die originalen Broadway-Kostüme und so kam ich auch nach Deutschland.

Musical-World: Wo wir gerade beim Musical 42nd Street sind, das jetzt von der Stage Holding in Stuttgart produziert wird: Warst Du für diese Neuproduktion bei einer Audition?

Gaines Hall: Ja, ich wurde eingeladen und habe für die jugendliche Hauptrolle, die ich damals noch nicht gespielt habe, vorgesungen. Vom Choreographen aus New York wurde ich angesprochen, ob ich das Stück vielleicht wieder in Amerika machen würde, denn gleichzeitig wurde auch für den Broadway und eine Amerika-Tournee gecastet. Das hat mich sehr überrascht, hier in Deutschland auf eine Show in New York angesprochen zu werden. Ich habe mich noch nicht ganz entscheiden können. Mein Terminkalender ist prallvoll. Deswegen habe ich die Amerika-Tournee abgesagt. Aber wenn man mich für New York engagieren sollte, würde ich auf jeden Fall zusagen. An einem Ort in Amerika zu spielen ist natürlich viel einfacher als ständig hin und her zu fliegen. Zu einem Vertrag für die erste Runde bei 42nd Street in Deutschland kommt es wahrscheinlich nicht. Ich habe keine Absage bekommen, aber man hat sich für einen anderen entschieden, doch in bin auf der Liste für zukünftige Besetzungen. Das passt auch besser in meinen Terminplan, da ich schon anderen Projekten zugesagt hatte, die ich für 42nd Street hätte absagen müssen. Es ist eigentlich richtig gelaufen, wie das halt im Leben ist.

Kulturschock und anfängliche Sprachprobleme

Musical-World: Wie fühlt man sich, wenn man als Amerikaner zum ersten Mal nach Deutschland kommt?

Gaines Hall: Es war ein Kulturschock. Bei meinem ersten Engagement war die komplette Crew natürlich im Hotel zusammen untergebracht und alle sprachen Englisch miteinander. Aber trotzdem mussten wir einkaufen gehen und das Essen bestellen. Das war für uns lange ein Rätsel, weil wir kein Wort verstanden: dann geht man sehr oft zum Italiener, denn da kennt man sich ein wenig mit Pizzen aus. Wir kamen mit der Tournee 42nd Street auch nach Berlin und da bot sich mir die Chance, am Theater des Westens vorzusingen. Aus My Fair Lady habe ich „In der Straße, mein Schatz, wo Du lebst“ rein phonetisch gelernt und es vorgesungen. Ich kannte nur die englische Fassung und die Frauen in der Maske bei 42nd Street waren alle Deutsche, die mir bei der Aussprache und vom Inhalt geholfen haben zu verstehen, was ich da gerade singe. Rückblickend ist das sehr lustig, denn vier oder fünf Jahre später habe ich die Rolle des Freddy im Theater des Westens tatsächlich gespielt und im kommenden Sommer werde ich in Bremen vier Vorstellungen My Fair Lady in der Inszenierung von Helmut Baumann spielen. Die Rolle des Freddy ist nicht sehr groß - zwei Szenen und ein Song -, aber sein Lied ist sehr schön, weil es jeder kennt. Außerdem sind viele Freunde dabei, die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Somit ist das ein bezahlter Besuch zu Freunden. Damals habe ich zunächst ein anderes Engagement in Berlin bekommen und ich sagte mir, o.k., eine Show und dann wieder ab nach Hause. Aber es kam immer wieder ein neues Angebot in Deutschland, mit Angelika Milster habe ich „Hello Dolly“, „Blue Jeans“, usw. gemacht. Es gab für mich nie eine richtige Entscheidungsmöglichkeit, in Deutschland zu bleiben; es ist einfach passiert!

Gaines Hall beim Musical Sunset Boulevard

Musical-World: Und dann bist Du zur Andrew Lloyd Webber Musical-Megaproduktion Sunset Boulevard in Niedernhausen bei Wiesbaden gekommen?

Gaines Hall: Als mein Deutsch besser wurde, hatte ich im Theater des Westens schon angefangen, kleinere Rollen zu spielen. Aber Joe Gillis einzustudieren war schon ein Sprung ins Feuer. Da hatte ich wirklich Angst gehabt. Anfangs war ich zwar die dritte Besetzung, aber ich wusste schon von Anfang an, wann meine erste Vorstellung sein würde. Es war nicht, wie es oft passiert, dass man eine Hauptrolle einstudiert und nicht weiß, wann man drankommt. Ich wusste, im Juni geht es los mit der Vorstellung und deshalb musste ich das hinkriegen. Mit großer Hilfe, viel Geduld und Schweiß und auch Tränen habe ich es geschafft. Mit Helen Schneider hatte ich bereits im Theater des Westens gespielt. Und weil wir uns durch diese Zusammenarbeit schon kannten, hat es mir und auch ihr sehr geholfen. Die Rolle der Norma Desmond ist gewaltig und Helen musste wirklich volles Vertrauen zu ihrem Partner haben, und das hat sie anscheinend gehabt.

Musical-World: Gab es bei Sunset Boulevard auch Situationen, in denen etwas besonderes passierte?

Gaines Hall: Ach, Tausende. Wenn man das Stück monatelang acht mal die Woche spielt, kommt immer wieder mal etwas Komisches oder auch Gefährliches vor. Das Bühnenbild war ungeheuerlich, mit einem Haus, das komplett hochgefahren werden konnte und Türmen, die sich drehten und verschoben. Als ich einmal spielte, war meine Mutter zu Besuch und saß in der ersten Reihe. Nach dem Liebesduett von Joe und Betty im zweiten Akt fährt ein Bühnenteil von hinten nach vorne, öffnet sich zu einer Treppe und die unterste Stufe kippt vorne einen haushohen Turm um, der über den Orchestergraben bis in die erste Zuschauerreihe praktisch vor das Gesicht meiner Mutter kracht und das nur, weil ein Techniker zu früh den Knopf gedrückt hat. Die Vorstellung wurde nur unterbrochen und dann ging es ganz normal weiter. Dann gab es eine Situation, mit einer guten Freundin von mir, die oben auf einer Plattform eine Harems-Tänzerin spielte. Als sie die Treppe runterkam, klappte diese zusammen. Ja, das hört sich wie eine Komödie an aber meine Freundin war mit ihrem Daumen eingeklemmt und hing daran bis jemand kam und sie abstützte und sie befreite. Ein halbes Jahr war ihre Hand in Gips...

Musical-World: Vor kurzem ist bei Mamma Mia ein großer Unfall passiert.

Gaines Hall: Ja, auch eine sehr gute Freundin von mir, Annika Bruhns, ist in den Orchestergraben gefallen.

Musical-World: Als Joe Gillis musstest Du auch jeden Abend kopfüber in den Orchestergraben stürzen.

Gaines Hall: Ja, aber auf mich wartete ein Bett, das knapp unterhalb der Bühnenebene stand und dann mit Hydraulik nach unten gefahren wurde! Das passierte so schnell und etwas im Dunkeln, das bekam der Zuschauer gar nicht mit. Es gab eine Reihe roter Lampen und es hieß von der Regieanweisung, wenn du die roten Lichter nicht siehst, auch wenn sie an sein sollten und du sie trotzdem nicht siehst, sollte ich auf keinen Fall springen. Auch der Dirigent hatte Anweisung, „Nicht springen!“ zu schreien, wenn das Bett nicht da sein sollte – doch es war, Gott sei Dank, immer da!

Solo-Konzerte und Stepp-Shows

Musical-World: Bei Deinem Solo-Konzert in Gelsenkirchen hast Du Sunset Boulevard als Zugabe gesungen. Als Deine Mutter Dir mit einer Blume gratulieren wollte und Dich von hinten berührte, bist Du total zusammengezuckt. Wo warst Du in diesem Augenblick?

Gaines Hall: Am Ende – meine Solo-Steppshow Out of Hell ist körperlich eine Strapaze! Aber Spaß beiseite, während des Liedes ist man schon irgendwie wieder in der Show. Besonders bei dem Song „Sunset Boulevard“ kann ich mir eine Ablenkung überhaupt nicht leisten, weil der Text so sauschwer ist: jede Strophe hört sich gleich an und man kann einfach jede Strophe vertauschen, ohne es zu merken. Wenn ich dieses Lied singe, muss ich mir immer wieder vorstellen, ich bin im Rhein-Main-Theater und die erste Strophe habe ich gesungen als ich auf dem Stuhl saß und bei der zweiten Strophe ging ich rechts und bei der nächsten Strophe stand ich auf der Treppe. Das muss ich mir immer wieder vor Augen halten, sonst bringe ich alles durcheinander! Ein Refrain, der bei jeder Strophe anders ist, ist auf jeden Fall schwierig. Aber normalerweise komme ich von dieser Trance zurück, sobald der Applaus einsetzt, dann schalte ich Sunset aus und bin wieder im Raum! Aber dadurch, dass ich mich wegdrehte und von der Bühne gehen wollte und beim Weggang hoffte, dass gleich ein Schluck Wasser auf dich wartet, war ich echt erschrocken durch die Berührung meiner Mutter.

Musical-World: Nach Sunset Boulevard hast Du noch einmal eine Tournee gespielt: Die Schöne und das Biest. Welche Version war das?

Gaines Hall: Das war eine deutsche Originalversion von einem Komponisten aus Köln. Es gibt von diesem Stück aber mehrere Versionen. Ich habe in der letzten Version gespielt, die noch weitere Jahre nach mir weiter tourte. Es war wirklich schön, alles war wesentlich dunkler und nicht so kunterbunt wie die Disney-Version in Stuttgart und meines Erachtens nach viel gefühlvoller.

Musical-World: Wie wichtig sind Deine Soloauftritte und Deine CDs, die Du selber produzierst?

Gaines Hall: Ich war immer heiß auf Soloshows. Schon auf der Highschool und der Universität habe ich immer wieder neue Shows für mich zusammengebastelt. Ich wollte irgendwann mal dahin kommen, eine Show alleine durchzuziehen. Und Step out of Hell kam direkt hinter Die Schöne und das Biest weil ich keinen Anschlussvertrag hatte. Sunset Boulevard und das Die Schöne und das Biest waren keine tanzenden Rollen und ich sehnte mich einfach danach, wieder zu tanzen.

Musical-World: Liegen Dir deshalb eher die klassischen Musicals?

Gaines Hall: Ich will nicht sagen, dass ich sie lieber mag, ich glaube, die liegen mir einfach am nähersten. Ich meine, der Freddy in Chess, den ich im letzten Jahr in der deutschsprachigen Premiere in Kassel gespielt habe, ist natürlich was völlig anderes – er ist ein schreiendes Arschloch und weil ich auch ein ausgebildeter Schauspieler bin, kann ich in so einer Rolle diese Fähigkeiten einsetzen und das als schauspielerische Herausforderung nutzen. Das Stück ist auch nicht einfach zu singen. Eine Rolle wie in Crazy for You spricht mich ganz anders an mit einer völlig anderen Art, zu arbeiten. Natürlich muss tänzerisch und schauspielerisch alles auch charakterlich stimmen, doch das war nicht soviel Hausaufgabenarbeit wie bei Chess.

Musical-World: Entwirfst Du schon mal die Choreographie selber?

Gaines Hall: Für die großen Shows gibt es immer einen Choreographen. Eine Zusammenarbeit gibt es natürlich auch. Melitta King hat die Choreographie zu Crazy schon im Kopf gehabt. Wir kennen uns inzwischen sehr gut, wir hatten schon im Ensemble Im Theater des Westens zusammen getanzt. Wir haben eine gute Beziehung, deshalb kann man schon gemeinsam was zustande bringen und zusammen an der Choreographie basteln. Oder sie hat den Rhythmus im Kopf, aber sie kann es noch nicht richtig in die Füße bekommen und dann setze ich das um, was ihr im Kopf rumschwebt.

Bei On the Town gibt es eine große Steppeinlage für mich, die quasi für mich eingebaut wurde und normalerweise nicht in dem Stück vorkommt. Die Nummer im Nationalmuseum mit dem urzeitlichen Stammestanz der Neandertaler passt dramaturgisch und funktioniert prima - das habe ich selbst choreographiert. Weil keine Steppnummern in dem Stück vorkommen, gab es keinen Stepp-Choreographen. In Zusammenarbeit mit einem Tänzer aus dem Ensemble haben wir uns den ganzen Rahmen ausgedacht. Das Stück war ursprünglich mit sehr viel Tanz beladen. Es gibt viele, viele Tanzpassagen, worüber es seitenweise Noten gibt, also wirklich nur instrumentale Musikstücke. Ein paar davon sind aus dieser Inszenierung rausgeschnitten worden. Der Regisseur Hartmut Forche war der Meinung, dass das die Action zu sehr stoppt und den Handlungsfluss stört. Natürlich ist das eine Geschmacksfrage. Auch bei Chess haben wir viel Kritik von Zuschauern bekommen, die Chess überhaupt nicht kannten und einfach fanden, dass in diesem Musical viel zu wenig getanzt würde.

Musicals Crazy for You und Anything Goes in Gelsenkirchen

Musical-World: Warum kommt nach Crazy for You in der nächsten Spielzeit Anything Goes nach Gelsenkirchen?

Gaines Hall: Weil der Erfolg so groß war. Eigentlich war Cabaret geplant. Das habe ich schon in Amerika gemacht und das würde ich hier auch wieder gerne machen. Aber weil das altmodische Crazy for You so wahnsinnig gut ankam, wurde umdisponiert und mit „Anything Goes“ angeknüpft. Ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte - ich habe natürlich zugesagt. Anything Goes habe ich schon gemacht, aber nicht in der Hauptrolle und so ist das auch wieder etwas Neues. Die Rolle ist wunderschön, ich habe eine hervorragende Musik zu singen.

Musical-World: Hast Du mal Miami Nights gesehen?

Gaines Hall: Nein, leider nicht. Eine gute Freundin von mir spielt die Hauptrolle und ich habe es immer noch nicht gesehen.

Musical-World: Wenn Du gerne steppst, was hältst Du dann von Produktionen wie Riverdance?

Gaines Hall: Die langweilen mich zu Tode! Es kommt von keinem, höchstens vielleicht vom Erfinder Flatley selbst, Ausdruck rüber. Vom Gesicht, vom Oberkörper, ist alles nur steif. Es ist wahnsinnig, was die Tänzer mit den Füssen machen können, das wirft mich um. Aber nach einer Viertelstunde habe ich alles gesehen. Ich habe es nie geschafft, eine Show einmal ganz durchzusehen. Der Ausdruck fehlt mir. Rein technisch gesehen ist das Können aber unglaublich.

Musical-World: Du hast doch auch noch andere Projekte?

Gaines Hall: Ja, Gaines Hall in concert, das ist ein reiner Musical-Abend. Da wird nur ein wenig in der Mitte gesteppt, weil das Publikum das erwartet. Es ist überhaupt nicht auf Stepp aufgebaut, sondern nur auf Gesang und Darstellung. Ich werde live begleitet von meinem musikalischen Leiter und im ersten Teil singe ich verschiedene Lieder aus Stücken, die ich nicht gespielt habe, aber teilweise gerne einmal machen würde – Kuss der Spinnenfrau, Jekyll & Hyde, Elisabeth, Miss Saigon und Tanz der Vampire.
Im zweiten Teil singe ich Highlights aus Produktionen, in denen ich schon mitgewirkt habe, auch Sachen, die ich in Amerika gemacht habe, von Cabaret bis La Cage aux Folles und natürlich Sunset Boulevard. Es ist ein Querschnitt altmodischer und neuer Stücke, teils englisch, teils deutsch. Dann gibt es noch mein Sommer-Spaß-Programm Seaside: Ich steppe auf dem Surfbrett, singe Songs von Madonna mit Meerjungfrauschwanz und präsentiere ein deutsches Urlauber-Medley mit Schlagern wie „Pack die Badehose ein“. Das kommt auch im Sommer nach Gelsenkirchen.

Musical-World: Wie stellst Du Dein Soloprogramm zusammen. Machst Du das alleine?

Gaines Hall: Ja, ganz alleine, was wahrscheinlich mutig und dumm gleichzeitig ist. Weil natürlich immer die Gefahr besteht, dass man das selbst alles ganz toll findet, aber es vom Publikum nicht angenommen wird. Aber ich bin lange genug im Geschäft, dass ich ziemlich gut abschätzen kann, was gut ankommt und was nicht. Ich bin selbst ein ganz kritischer Zuschauer und weiß, was ich sehen möchte und was mir gefällt und das alles versuche ich einzubauen. Ich setze mir eine Zeit von sechs Wochen, gehe jeden Tag ins Sportstudio mit Krafttraining und dann in die Tanzschule. Meine Musik ist meist schon ausgewählt, ich fange mit einem Lied an und dann stellt sich langsam heraus, wo welches Lied hingehört. Bei „Seaside“ spielen auch die Kostüme eine große Rolle, da muss man schon genau planen, wann man Zeit hat, sich in eine Meerjungfrau zu verwandeln. Das klappt nur durch Probearbeit.

Musical-World: Wie suchst Du Deine Rollen aus?

Gaines Hall: Ich tue das nicht. Wer kann das schon? Ich bin soweit gekommen, dass ich genügend Angebote habe und mir keine Sorgen machen muss. Natürlich will man gerne Hauptrollen spielen. Nachdem du diese Rollen gespielt hast, möchtest du nicht wieder ins Ensemble zurück. Trotzdem würde ich das für manche Stücke wir 42nd Street sofort wieder machen, weil das einfach tierisch Spaß macht. Als Schauspieler willst du so viele Sachen ausprobieren, wie du kannst. Natürlich wusste ich nicht, ob ich ein Biest in mir hatte aber das war meine Aufgabe und Regisseur und Produzent haben anscheinend ein Biest bei meinem Vorsingen gesehen und dann ist das meine Aufgabe, das auch rauszubringen. Manchmal gelingt das und manchmal nicht. Schließlich muss man immer noch die Miete bezahlen können. Wenn mehrere Angebote kommen, kann man auswählen und das ist wirklich ein Luxus, den nicht jeder hat.

Musical-World: Gehst Du häufig zu Auditions?

Gaines Hall: Nicht oft, weil ich Gott sei Dank auf einer Stelle stehe, wo man mich auch einfach anspricht und fragt, z.B. ob ich On the Town machen würde. Bei Crazy for You lag der Fall genauso. Diese Produktion geht für die nächste Spielzeit nach Linz und ich hätte mitgehen können. Ich musste mich entscheiden, ob ich weiter Bobby Child spiele oder ob ich Anything Goes machen will. Für mich war es dann schöner, in Gelsenkirchen zu bleiben, eine neue Rolle zu spielen mit einem neuen Regisseur, mit dem ich noch nicht gearbeitet habe. Da habe ich wirklich den Luxus gehabt, auszuwählen, aber das ist nicht oft der Fall.

Musical-World: Und wann beginnen die Proben für das Musical Anything Goes?

Gaines Hall: Mitte September. Im November ist Premiere und sechs bis acht Wochen Probezeit ist normal. Für mich ist das eine Herausforderung mit den Leuten des Hauses zu spielen. Es ist wie bei Staatstheater Musical-Produktion On the Town in Kassel, wo ich neben der Taxifahrerin Hildy alias Katharina Koch der einzige männliche Gast bin. Ansonsten sind alle Leute vom Haus. Viele aus dem Ballet, dem Chor und selbst die Hauptdarsteller kommen aus dem Opernfach und machen zum ersten Mal ein Musical. Sich zu bewegen und gleichzeitig zu singen ist für diese Leute was Neues und sie machen das super, finde ich. Meine Partnerin Alexandra Klose hat sich in die Rolle der Claire regelrecht reingeschmissen und macht alles mit. Ist eine phantastische Darstellerin und Schauspielerin. Ich bin hocherfreut und wir verstehen uns alle sehr gut.

© Interview & Fotos by Stephan Drewianka, Musical-World.de

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