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Interview mit Anne Görner: Musical Phantom der Oper

Anne Görner: Eine Christine für vier Phantome

Musical-World: Welche drei Begriffe fallen Ihnen zum Musical Phantom der Oper ein?

Anne Görner: Tolle Musik, spannend und emotional.

Musical-World: Sie kommen aus dem Klassikbereich. Wenn sie sich jetzt hier in ein Musical verirren, ist das ein Ausrutscher oder machen Sie das immer mal ganz gerne?

Anne Görner: Am Stadttheater werden ja auch Musicals gespielt. Ich bin nach dem Studium durch Zufall in eine Audition hineingeraten und das erste Musical, das ich gemacht habe, war Ludwig II in der ersten Fassung. Die neue Version, die jetzt gespielt wird, habe ich aber noch nicht gesehen.

Musical-World: Beim Phantom geht es um Geisterglauben im Theater. Gibt es heute bei den Darstellern auch Aberglauben?

Anne Görner: Bei den Darstellern weiß ich das nicht. Das Thema hatten wir hier noch nicht. Es ist schwierig, da muss man Aberglauben definieren. Ich denke schon, dass das vorhanden ist, dass man an Übersinnliches oder Phänomene glaubt. Das wird wohl nie aussterben.

Musical-World: Und wie ist es mit speziellen Bräuchen?

Anne Görner: Am Theater gibt es schon einige Regeln, die auch technisch bedingt sind – man soll nicht pfeifen, weil das ein festes Zeichen ist, bei toi, toi toi soll man nicht Danke sangen, weil das Unglück bringt usw. Man glaubt nicht wirklich daran, aber irgendwie hält man sich doch daran.

Anne Görner über den Film Phantom der Oper

Musical-World: Wenn man vom Phantom der Oper spricht, muss man auch mal über die Verfilmung sprechen.

Anne Görner: Den Kinofilm habe ich gesehen. Ganz tolle Bilder, wirklich sehr schön. Mir hat es nur nicht so gefallen, weil die Charaktere ein bisschen blass waren. Hier auf der Bühne ist es ganz anders – das kann man auch nicht vergleichen. Etwas live zu erleben, ist wirklich was anderes. Und ich hoffe, dass die Leute diesen Unterschied sehen.

Musical-World: Das Phantom wird jetzt 20 Jahre alt. Sollte nicht mal was verändert werden z.B. mit dem neuen Song aus dem Film oder sollte das Phantom so bleiben wie es ist?

Anne Görner: Von der Musik her finde ich, sollte es so bleiben wie es ist, weil ich es phantastisch finde und auch dramaturgisch finde ich es toll. Sicher gibt es einige Sachen, die mit den 20 Jahren inzwischen verstaubt sind. Es ist schauspielerisch sehr festgefahren. Da würde man sich manchmal mehr Freiheiten wünschen, damit man selbst mehr einbringen kann. Aber es funktioniert ganz gut so, wie es ist.

Musical-World: Und wenn Sie noch ein Lied mehr singen würden so wie in der Kinofassung – „Dein Weg ist einsam“?

Anne Görner: Ich hätte nichts dagegen, wenn ich noch ein Lied mehr singen würde, aber ich finde das braucht es nicht.

Musical-World: Auf dem Filmplakat steht der Slogan „fatale Begierde“. Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Christine und dem Phantom?

Anne Görner: Begierde klingt zu einseitig, das Phantom möchte eigentlich Liebe und Zuwendung haben und nicht nur reine Begierde.

Musical-World: Ist das Phantom der Lehrer, die Vaterfigur oder der Liebhaber?

Anne Görner: Alles zusammen. Zunächst ist er der Lehrer und dann erweckt er in ihr Emotionen, die sie noch nicht kannte. Sie verehrt ihn sehr weil er ihr hilft und der Engel der Muse ist, was ihr Vater ihr gesagt hat. Insofern ist er auch irgendwie eine Vaterfigur für sie.

Musical-World: Fänden Sie es toll einen zweiten Teil vom Musical Phantom der Oper auf die Bühne zu bringen?

Anne Görner: Ich finde zweite Teile sind immer ein Abklatsch. Wenn es ein guter zweiter Teil ist, O.K., habe ich nichts dagegen. Aber nee, ich finde das nicht gut. Es ist schön, dass das Ende offen bleibt, da kann man selbst die Phantasie spielen lassen, was mit dem Phantom passiert.

Musical-World: Was fasziniert Sie an der Rolle der Christine?

Anne Görner: Sie ist sehr facettenreich. Christine fängt ja als naives Ballettmädchen an und entwickelt sich in dem Stück. Sie wird erwachsen und löst sich vom Vater. Die Rolle kann sehr viel zeigen – sie ist zunächst die Naive und später in Don Juan die Verführerin – das macht sehr viel Spaß.

Musical-World: Hätten Sie gerne den Film synchronisiert?

Anne Görner: Ja, das hätte ich gerne gemacht. Ich war dafür ins Studio eingeladen, da wurden Takes gemacht, die gesammelt nach Amerika geschickt wurden, mit mir hat es dann aber leider nicht geklappt.

Musical-World: Das ist doch sicherlich eine ganz andere Arbeit.

Anne Görner: Auf jeden Fall. Studioarbeit sowieso.

Musical-World: Sie haben die Rolle ja auch schon früher gespielt. Was ist denn hier in Essen anders?

Anne Görner: Die Bühne ist etwas anders und im Grossen und Ganzen sind Kleinigkeiten verändert worden. Es gibt ja die Hamburger Fassung und die Stuttgarter Fassung, da sind es nur winzige Kleinigkeiten, die sehen wohl nur Kenner. Das Ensemble ist eine andere Zusammensetzung - das ist dann immer wieder ein anderes Gefühl.

Anne Görner über die Zusammenarbeit mit den Musical-Stars Borchert, Bourg, Freeman und Kröger

Musical-World: Sie werden im ersten Jahr mit vier Schauspielern als Phantom zusammenkommen: Borchert, Bourg, Freeman und Kröger. Was ist das für ein Gefühl, mit so großen Darstellern in Deutschland zusammen zu arbeiten?

Anne Görner: Ich freue mich darauf. Jeder wird’s anders machen, weil die alle sehr unterschiedlich sind. Ich habe jetzt bei der Premiere Ion kennen gelernt, den ich vorher noch nicht kannte.

Musical-World: Freuen Sie sich jetzt auf einen Kollegen besonders, oder sagen Sie, ich nehme sie alle so wie sie kommen.

Anne Görner: Ich nehme sie, so wie sie kommen, weil ich mit Uwe und Ethan noch nicht gearbeitet habe. Ion kenne ich aus Stuttgart, da weiß ich, dass es mit ihm schön ist, zusammen zu spielen. Mit Thomas macht es auch viel Spaß, der bringt sehr viel Energie auf die Bühne. Und auf die anderen bin ich einfach erstmal gespannt, weil ich mit denen noch nicht gearbeitet habe. Da lass ich mich echt überraschen.

Musical-World: Also ist das durchaus doch immer was Neues?

Anne Görner: Ja, denn jeder macht es doch einen Tick anders. Jeder bringt seine Persönlichkeit rein. Jeder reagiert anders, worauf ich dann wieder anders eingehen muss. Von daher ist es sehr spannend.

Unterschiede zwischen Oper und Musical

Musical-World: Viele Kritiker behaupten, Musicals wären nichts für Leute, die aus dem Opernfach kommen, weil dann die Stimme ruiniert würde. Stimmt das oder meinen Sie, das kann man alles singen?

Anne Görner: Die Grundtechnik, was Atem und Singen angeht, ist gleich. Sicher ist es eine Umstellung, man muss unterscheiden zwischen klassischen Musicals, wie es Phantom der Oper ist, und West Side Story, eben die älteren Musicals, die werden natürlich anders gesungen wie jetzt Aida von Elton John z.B., das ist schon mehr Pop, das würde ich mir auch nicht zutrauen zu singen. Aber wer weiss, ich habe es noch nicht ausprobiert, vielleicht geht’s ja doch. Wie gesagt, bei diesen Rock/Pop Musicals ist es schon etwas anderes. Aber ich denke, grundsätzlich ist das machbar, und gerade fürs Phantom denke ich, braucht man eine klassische Ausbildung, weil es sehr anspruchsvoll ist.

Private Musik Favoriten von Anne Görner

Musical-World: Welche Musik hören Sie gerne privat?

Anne Görner:
 Alles Querbeet, bis auf Volksmusik. Heut habe ich mal wieder Arien und Lieder gehört. Und dann gibt es Tage, wo ich Prince, Gorillas, alles Mögliche höre, je nach Stimmung. Es beschränkt sich nicht nur auf Klassik.

Musical-World: Was spielen Sie lieber, klassische Oper oder Musicals?

Anne Görner: Das kann ich gar nicht sagen. Mir macht Singen und Spielen auf der Bühne Spaß. Ich mache da keinen großen Unterschied. Ob Oper oder Musical man muss bei beiden gut Singen und Spielen können und die machen mir beide Spaß.

Musical-World: Was kommt nach dem Phantom? Schon irgendwelche Pläne?

Anne Görner: Nein, das lass ich auf mich zukommen. Ich habe hier ja gerade erst angefangen. Schauen wir mal. Ich möchte stimmlich weiterkommen. Ich hoffe, dass ich auch auf beiden Schienen weiterhin fahren kann, weil mir beides sehr viel Spass bringt.

Musical-World: Hat es bei der Premiere eine Panne gegeben?

Anne Görner: Ach ja, das war nicht so schlimm. Da gab es technische Probleme bei der Spiegelszene. Da fuhr ein Fahrwerk nicht, die Kulissen verkeilten sich und die Szene musste für eine Viertelstunde unterbrochen werden. Das war natürlich für uns hinter der Bühne ein bisschen unangenehm, weil dadurch die Spannung etwas absackte. Im Nachhinein habe ich mit Leuten gesprochen, die fanden das eher aufregend so live das mitzuerleben.

Musical-World: Sie kommen ursprünglich aus Kiel, fühlen Sie sich hier in Essen wohl, so ganz ohne Wasser?

Anne Görner: So ganz ohne Wasser nicht. Ich habe es endlich mal geschafft, nach der langen Probenzeit, zum Baldeneysee zu fahren. Das ist dort wirklich sehr, sehr schön. Ich hoffe, dass ich das öfter machen kann. Natürlich ist Essen kein Vergleich zu Berlin, wo ich jetzt wohne. Aber in diesem Ensemble sind es echt nette Kollegen mit denen die Arbeit viel Spaß macht.

Musical-World: Wie oft wollen Sie diese Rolle spielen – 500 oder 600 mal? Wäre das ein Traum oder Alptraum?

Anne Görner: Da bin ich selbst gespannt. Ich habe bis jetzt noch keine Rolle über ein Jahr lang durchgespielt. Bisschen beängstigend ist es schon. Man denkt, hoffentlich bleibe ich immer dran, hoffentlich kann ich immer die Energie geben und alles zeigen. Von daher ist es mit den vier Phantomen spannend, weil man dafür immer neu wach bleiben muss.

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© Interview & Fotos by Stephan Drewianka; weitere Fotos: Stage Entertainment

Alles von und mit Musical-Darstellerin Anne Görner bei Sound Of Music!