Premiere „Monthy Python´s Not the Messiah“ 2025 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
Jeder nur ein Kreuz
Typisch für die Adventszeit hagelt es im Dezember Weihnachtsgeschichten, und wir schreiben das Jahr 0 vor bzw. nach Christus. In Palästina werden zeitgleich in benachbarten Ställen zwei Jungen geboren. Der erste heißt Jesus Christus und bekommt neben einer Rockoper auch Händels Oratorium „Der Messias“ spendiert. Den anderen Knaben nennt man Brian Cohen, und Eric Idle und John Du Prez, die bereits beim Musical-Hit „Spamalot“ erfolgreich zusammenarbeiteten, spendieren ihm nach dem Kultfilm „Das Leben des Brian“ im Jahre des Herrn 2007 die Oratorienparodie „Not the Messiah“ – passt irgendwie.
Chor, Orchester und Solisten
Auf der Bühne des großen Hauses des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen findet sich am 13.12.2025 zunächst die üppig besetzte Neue Philharmonie Westfalen unter der virtuosen Leitung von Mateo Peñaloza Cecconi ein, dann stellt sich hinter dem Orchester in Doppelreihe der Opernchor auf, und schließlich tritt Daniel Jeroma als „Erzählerin“ Betty auf, die quietschvergnügt und quirlig in wechselnden Kostümen von Anna von der Heide durch die Handlung des szenisch von Carsten Kirchmeier inszenierten Abends führt. Die weiteren Protagonisten sind Brians Mutter Mandy (Almuth Herbst, Alt), die sich anders als die Jungfrau Maria einem Römer wollüstig hingab, um Brian (Adam Temple-Smith, Tenor) zu zeugen, dessen wahre Liebe Judith (Katherine Allen, Sopran) heißt. Als sich Brian einer Splittergruppe von fanatischen Partisanen der Volksfront von Judäa anschließt, hält der Pöbel ihn für den Messias, was ihn schließlich nach einigen Irrungen und Wirrungen mit Reg und Ben (Dirk Weiler, Bariton) oder Sten und Schwanzus Longus (Philipp Kranjc, Bass) ans Kreuz bringt. Es ist schön zu erleben, wie klassische Opernsängerinnen und Sänger völlig losgelöst von ihrem sonstigen Schaffen Humor und Satire wie selbstverständlich präsentieren, als wären sie Stand-Up-Comedians. Insbesondere Philipp Kranjcs ständige Bemühungen, im richtigen Takt zu klatschen und seinen Einsatz nicht zu verpassen, sind Perlen, die man in keiner Oper finden könnte.
Britischer Humor vom Feinsten
Während Betty sich von einem Fummel in den nächsten schmeißt und einen Gandalf-Zauberstab trägt, der mächtig rumst, und der Chor mal Schafe und Hirten oder Bergleute im Gelsenkirchener Ruhrpott-Lokalkolorit sein dürfen, bewahren die klassischen Operndarsteller in Frack und eleganten Abendkleidern zumindest optisch ihre Würde, doch wenn sie zu den 25 grandiosen Songs zwischen monumentaler Filmmusik, Gospel, Barock, Mariachi, Operette, Salsa, Tango und Dudelsackspiel singen und spielen, bleibt bei dem begeisterten Premierenpublikum kein Auge trocken. Britischer Humor, der in der genialen deutschen Übersetzung von Thomas Pigor nichts von seiner Absurdität und Schärfe verliert, paart sich mit einem musikalischen Highlight nach dem anderen. Und selbst die deutschen Übertitel führen zeitweilig ein Eigenleben und kommentieren das Geschehen, ohne den exakten Wortlaut des Gesanges zu zitieren.
Natürlich beantwortet das Oratorium auch alle wichtigen Fragen der Menschheit, z.B. ob ein Leben ohne Schafe möglich ist, warum Sandalen anbetungswürdig sind oder wem der letzte Song gebührt. Religiöser Fanatismus und blinde Verehrung waren selten so unterhaltsam wie im Musiktheater im Revier. Sehr bedauerlich, dass der Spaß nach rund 90 Minuten (und zusätzlicher Pause für alle diejenigen, die ihr Wasser nicht so lange halten können) bereits wieder vorbei ist. Und selbstverständlich darf auch das Publikum beim Finalsong „Always look on the bright side of life“ klangvoll mit einstimmen.
© Text: Stephan Drewianka; Fotos: Pedro Malinowski; dieser Bericht erscheint ebenfalls in der Fachzeitschrift blickpunkt musical 01-2026 – Augabe 139


















