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Theater
Musical Vom Geist der Weihnacht im Theater
Musical Vom Geist der Weihnacht im Theater

Ein Geist der Weihnacht, der keinem auf denselbigen geht: Rattendreck, Gutmenschentum und Tränen

Musical Vom Geist der Weihnacht 2013 in Düsseldorf © BB Promotion
Musical Vom Geist der Weihnacht 2013 in Düsseldorf © Guido Ohlenbostel
Flotter Dreier (v.l.) Marley (Peter Trautwein), Belle (Stefanie Hertel) und Scrooge (Kristian Vetter) geistern durch das Düsseldorfer Capitol

Geizhals oder Menschenfreund: Scrooge und das Personal-Coaching aus dem Jenseits

Es ist, von der christlichen abgesehen, die berühmteste Weihnachtsgeschichte der Welt. Und dieser Geist geht keinem auf den selbigen, obwohl er, mal da, mal da, seit 2001 herum spukt. Und inzwischen hat er mal wieder in Düsseldorf zur Landung angesetzt, wo auch Engel Belle noch bis zum 29. Dezember 2013 über dem Capitol-Theater seine Platzrunden dreht. Dirk-Michael Steffans wunderschönes, auf der Charles-Dickens-Erzählung A Christmas Carol basierendes Adventszeit-Märchen Vom Geist der Weihnacht bezaubert, wie bereits 2011, in diesen Tagen wieder das Publikum in der Erkrather Strasse. 

Ein farbenprächtiger, eingehender und gefühlvoller Spaß für die ganze Familie. So war das Ganze ja auch von Anfang an angelegt. Und es bestand im Laufe der Zeit eigentlich auch kein Anlass, hier viel an den Regieschrauben zu drehen. Von ein paar marginalen Änderungen abgesehen, ist die Show geblieben wie sie war. Und das ist auch gut so.

Die Storyline des Musicals Vom Geist der Weihnacht dürfte hinlänglich bekannt sein. Kotzbrocken und Menschenschinder Scrooge – und wer kennt einen solchen in seinem weiteren Bekanntenkreis nicht - mutiert zum Gutmenschen, nachdem ihm sein verstorbener Partner Jakob Marley und seine ebenfalls all zu früh verblichene Flamme erscheinen, um ihn mit Hilfe eines didaktisch und psychologisch ausgefeilten Coaching-Systems auf den Pfad der Tugend zurück zu lotsen. Das kostet den Geizhals mitunter schon einiges an Nerven und Selbstüberwindung, aber, das Happy-End ist ja sowieso vorprogrammiert.

Kristian Vetter als Scrooge beim Musical Geist der Weihnacht

Kaum ein anderen im deutschen Musical-Business scheint die Rolle des berufsmäßigen Unsympathen Ebenezer Scrooge so auf den Leib geschrieben zu sein wie Kristian Vetter. Was der stimmstarke Däne da an Exzessivität und fieser Wucht in seine Figur legt, ist schon ganz großes Kino. Dieser Korsholm zählte als gewissenloser Geldverleiher ja bereits 2001 zur Premierenmann- und -frauschaft und wird seitdem immer wieder gerne für diesen Part gecastet. Wer ihn darin erlebt hat, weiß warum. Ein Mann der ersten Stunde ist auch sein Astral-Leib Co, der Spinnennetz umrankte Jenseits-Touri Jakob Marley, in dessen morbide Klamotten in der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt einmal mehr Peter Trautwein schlüpft. Beide geben ein perfekt aufeinander eingespieltes Team ab. 


Musical Vom Geist der Weihnacht im Capitol Theater © BB Promotion
Musical Vom Geist der Weihnacht im Capitol Theater © BB Promotion

Stefanie Hertel: Weiße Lichtgestalt der Volksmusik

Die weiße Lichtgestalt des Engels „Belle“ ist in der Vergangenheit bereits mit vielen bekannten Gesichtern besetzt worden – meist mit solchen von außerhalb der Musicalecke. Ob das nun Patricia Kelly (Kelly Family), Jasmin Wagner  („Blümchen"), Sandy Mölling (No Angels) oder Christina Klein (LaFee) waren. In diesem Jahr haben sich die Produzenten im volkstümlichen Lager bedient und mit Stefanie Hertel eine Gastkünstlerin verpflichtet, die, so das Kalkül, dem Stück durchaus auch neue Besucherschichten erschließen könnte. solche aus ihrem ureigenen Genre nämlich.  Für sie warces das berühmte erste Mal überhaupt – auf einer Musicalbühne. 

Die Aktrice macht ihre Sache gut. Wenngleich: Mit Volksmusik hat die Partitur des Weihnachtsgeistes nur wenig, oder besser, überhaupt nix zu tun. Hier wechseln sich treibende, eingängige Ensemblenummern mit an Herz und Gemüt gehenden Balladen ab, die überwiegend eins gemein haben: sie krallen sich in den Gehörgängen fest. Anspieltipps: Das als Reprise immer wieder auftauchende „Folge mir“, das wunderschöne „Ein Leben lang“, das eindringliche „Scrooge, wach‘ endlich auf“, das zynische (Weihnachten ist)“Rattendreck“ oder das überschäumende, burleske „Oops, das tut uns leid“.

Der richtige Musical-Mix in Vom Geist der Weihnacht

Und es wirkt nie kitschig oder überzogen. Genau der richtige Mix für ein solches mal hoch emotional, mal heiter, aber auch etwas traurig daherkommendes Werk. Da darf ab und an schon mal gemeinsam eine heimliche Träne geweint werden. Die Kostüme sind prächtig und geschmackvoll, Licht und Bühnenbild entsprechend. Nicht zuletzt aus seinem ausgeklügelten, durch Laser- und Videoprojektionen unterstützten Lichtdesign bezieht die Show einen großen Teil ihrer visuellen Spannung und Dichte. 

Aus der Cast, die sich sowohl aus erfahrenen, als auch noch weitgehend unbekannten Namen speist, mögen Ex-Vampir-Gastronom James Sbano (Mr. Fezziwig / Mr. Beavis) und seine bessere Bühnenhälfte Isabella Prühs als Kochgranate Mrs. Fezziwig) herausstechen, deren turbulenter Rezept-Rap „Nur eine Kleinigkeit“ ein veritabler Showstopper ist. Ihre Vorgängerinnen, beispielsweise eine Anne Welte oder Heike Schmitz, habe ja in dieser pfundigen Rolle ziemlich große Spuren hinterlassen.

Neuer Song: Du bist ein Wunderwerk der Liebe

Gegenüber den Vorjahresversionen erwartet die Besucher der Weihnachtsgeist-Ausgabe 2013 ein zusätzlicher Song: „Du bist ein Wunderwerk der Liebe“. Diesen hat Komponist Dirk-Michael-Steffan spendiert, um damit die Kooperation, die seine Musicalproduktion mit der “Arche Düsseldorf“ eingegangen ist, klangvoll zu dokumentieren. Das 1995 gegründete Hilfswerk kümmert sich um von Armut betroffene Kinder, die jenseits der Düsseldorfer Glitzerwelt im Schatten der Wohlstands-und Kosumgesellschaft leben. Einige von ihnen standen selbst mit dem Ensemble auf der Bühne, um das Lied zu intonieren. Es soll künftig zum Abschluss einer jeder Vorstellung angestimmt werden. 

Scrooge, Marley und Co. machen im Musical Vom Geist der Weihnacht noch bis einschließlich 29. Dezember 2013 das Düsseldorfer Capitol-Theater unsicher.

© Text: Jürgen Heimann, Fotos: BB Promotion / Guido Ohlenbostel


Backen für den guten Zweck © bb-promotion
Es ist nicht bewiesen, dass viele Bäcker den Teig verderben: Volksmusik-Star Stefanie Hertel (Mitte), die in der jüngsten Aufführungsreihe des Weihnachtsgeistes in die Rolle des Engels „Belle“ geschlüpft war, und Marley-Geist Peter Trautwein (links) schlugen sich beim weihnachtlichen Plätzchen backen mit ihren kleinen Freunden in der „Arche“ in Wersten wacker.
Vom Geist der Weihnacht für den guten Zweck © Rüdiger Fessel
„Stille Nacht, Heilige Nacht“ auf Dänisch: „Scrooge“ Kristian Vetter (rechts) schmetterte anlässlich eines Besuchs im Christkind-Postamt in Engelskirchen das berühmteste Weihnachtslied der Welt in seiner Muttersprache. Kollege Peter Trautwein (links) und „Engel“ Stefanie Hertel (rechts neben ihm) konnten da nicht mithalten.

„Scrooge“ und Co. sammelten 35.000 EUR für die „Arche“ in Düsseldorf

Dass es in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland überhaupt Kinderarmut gibt,  ist schon Schande genug. Skandalös ist die erschütternde hohe Zahl der Betroffenen: 1,1 Millionen.  Diese Zahlen stammen von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Einem aktuellen Bericht zufolge haben, unglaublich,  8,6 Prozent aller Heranwachsenden hierzulande langjährige Armutserfahrungen gemacht – was fatale Auswirkungen auf ihre weitere Entwicklung haben kann.  Mehr zum Thema hier.

Das ist ein soziales und gesellschaftliches Problemfeld  von enormer Sprengkraft. Und das kann auch der Weihnachtsgeist nicht alleine lösen. Aber immerhin haben der stimmgewaltige, von Charles Dickens erdachte Wiedergänger und seine Kollegen aus dem Düsseldorfer Capitol-Theater dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und ihr Scherflein dazu beigetragen, dass ein paar Buben und Mädels weiterhin jenes Maß an Zuwendung und Unterstützung erfahren, das  ihnen sonst ob des notorisch klammen Elternhauses versagt geblieben wäre.  

Dirk Michael Steffans prächtiges, auf der weltberühmten Erzählung  „A Christmas Carol“ basierendes  Familienmusical  rührt und begeistert seit zwölf Jahren an wechselnden Standorten die Menschen, passenderweise jeweils in der Vorweihnachtszeit. Im vergangenen Jahr kehrte die Inszenierung an den Rhein zurück, wo die fidele Spuk-Truppe bereits 2011 Eindruck geschunden hatte.  Komponist Steffan, Veranstalter (bb-promotion) und Produzenten (MB Event & Entertainment GmbH) hatten sich lange vor dem ersten Vorhang mit der „Arche“, einem  christlichen Kinder- und Jugendwerk, zusammengetan, das im Stadtteil  Wersten für die erwähnte Zielgruppe eine Betreuungs-  sowie eine Kindertagesstätte unterhält. Das Angebot ist für die Nutzer kostenfrei und reicht von einem warmen Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und gezielter Einzelförderung bis hin zu einem abwechslungsreichen Freizeitprogramm. Die Besucher erfahren hier die Art von Nestwärme und  Zuwendung, die ihnen zu Hause vorenthalten bleibt. Mehr über die Arbeit in dieser Einrichtung hier.

Gute (Weihnachts-)Geister setzten ein Zeichen zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland 

Jeweils nach den Vorstellungen - die Aufführungsreihe in der Erkrather Straße lief vom 26. November bis zum 29. Dezember 2013 – hatten die Ensemblemitglieder mit den Spendenbüchsen geklappert und die Besucher um Unterstützung für dieses  beispielhafte Projekt ersucht.  Die Künstler rannten offene Türen ein. 35.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Eine stattliche  Summe, die  1:1 an die „Arche“ überwiesen wurde.  Das ist angesichts der thematischen Gesamtproblematik zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber  auch eine deutliche Zeichensetzung.  So manifestierte sich die dem Stück, aber auch die dem Weihnachtsfest als solchem innewohnender Botschaft  in Heller und Pfennig und erreichte jene, die am dringendsten auf Hilfe angewiesen sind. 

Angenehmer Neben- und Begleiteffekt des Ganzen:  Für sechs „Arche“- Kids im Alter zwischen 7 und 12 Jahren  erfüllte sich ein persönlicher (Musical-)Traum.  Sie waren für Kinderrollen in der Show gecastet worden – und machten ihre Sache hervorragend. Gemeinsam mit  den übrigen Darstellern hatten sie zudem eigens die für diesen Zweck vom Komponisten geschriebene und „spendierte“ Hymne „Du bist ein Wunderwerk der Liebe“ eingesungen. Besser und treffender kann man die Idee, die dahinter steckt, nicht rüber bringen.  Und es entwickelten sich auch persönliche Bindungen und Kontakte, was Besuche der Künstler im Werstener Feld, beispielsweise zum adventlichen Plätzchenbacken, und Gegenvisiten der Kinder  im Theater, um einmal hinter die Kulissen zu schauen,  einschloss. 

© Jürgen Heimann