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Musical Thrill Me im Theater
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Musical Thrill Me im Katielli Theater Datteln © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater Datteln © Ilona Voss
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Musical Thrill Me im Katielli-Theater Datteln - Das perfekte Verbrechen aus Leidenschaft

Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Alexander Arnold
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Alexander Arnold
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Alexander Arnold
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Ilona Voss
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Alexander Arnold
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Stephan Drewianka
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Stephan Drewianka
Musical Thrill Me im Katielli Theater © Stephan Drewianka

Thrill Me – Ich brauch den Kick! Die Leopold & Loeb Story als deutsche Erstaufführung 2012 im Katielli-Theater Datteln

In den 20er Jahren lebten in Chicago die eng befreundeten wohlhabenden Jura-Studenten Nathan Leopold und Richard Loeb. Bereits mit 19 Jahren hatte Nathan das College abgeschlossen und sprach fünf Sprachen. Richard war der jüngste Absolvent auf der University of Michigan. Als Anhänger von Friedrich Nietzsche glaubten sie daran, intelligenter als die Gesellschaft zu sein und so planten sie ehrgeizig einen Mord als das perfekte Verbrechen im Sinne der Kunst. Ihr Opfer wurde am 21.05. 1924 der 14-jährige Bobby Franks aus ihrer direkten Nachbarschaft. Doch die Täter wurden gefasst und der Prozess wurde zum Medienspektakel. Am Ende wurden beide zu lebenslanger Haft mit weiteren 99 Jahren verurteilt. Noch heute spielt das Jahrhundertverbrechen eine Rolle bei der Diskussion um die Todesstrafe in Amerika.

Von der Realität zur Fiktion

Aus der traurigen Realität wurde Fiktion: In Verfilmungen wie „Der Zwang des Bösen“ von 1959 hielt Orson Wells als Verteidiger die längste Rede der Filmgeschichte und schon 1948 inspirierte der Stoff Alfred Hitchcock für „Cocktail für eine Leiche“ während 2002 Sandra Bullock in „Mord nach Plan“ als Detektivin in einem ähnlichen Fall ermittelte.

Premiere des 2-Personen Musicals 2005 in New York

Stephen Dolginoff verarbeitete die Geschichte als Komponist, Autor, Texter und Hauptdarsteller (Nathan Leopold) für den Off-Broadway als intimes Zwei-Personen Musical Thrill Me und brachte die Produktion erstmals 2005 im York Theatre zur Aufführung. Das Musical erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u.a. den New York Drama Desk Award für das beste Musical und die beste Komposition), ging auf eine erfolgreiche Amerika-Tournee und wurde sogar in Tokyo und Seoul konzertant aufgeführt. In diesem Jahr nahm sich Bernd Julius Arends der Leopold & Loeb-Story an und kreierte für das Katielli-Theater in Datteln die deutsche Fassung des Musicals Thrill Me. Am Off-Broadway von Germany, wo schon Tick, tick, …BOOM! und King Kong spielten, feierte am 05.10.12 Thrill Me im 114 Personen fassenden Katielli-Theater seine äußerst gelungene Deutschlandpremiere.

Bernd Julius Arends als Nathan und Dominik Schulz als Richard

Bernd Julius Arends (Lefou in Die Schöne und das Biest, steht selbst als Nathan Leopold auf der Bühne. Er ist ein eher unscheinbarer Intellektueller mit Brille, der sich freut, seinen alten Kameraden, den glänzend aussehenden Richard Loeb, gespielt von Dominik Schulz (Ensemble/Rocky in Rocky, Sky in Mamma Mia!,  Sir Lancelot in Spamalot, Johnny Castle in Dirty Dancing, Ranger in Der Schuh des Manitu) wiederzusehen.

Handlung des Musicals Thrill Me

Nathan verehrt den selbstverliebten Richard (‚Alle Wollen Sie Richard‘), der immer wieder den besonderen Kick im Leben braucht. Wie früher ziehen beide als Brandstifter los (‚Nichts Ist Wie Ein Feuer‘)  oder brechen als Diebe in Wohnungen ein, selbst wenn die Hauseigentümer im Nachbarzimmer schlafen. Ein mit Blut besiegelter Pakt verbindet die beiden Freunde (‚Vertraglich Sicher‘): Richard braucht Nathan zum Schmiere-stehen und als seelischen Verbündeten, Nathan vergöttert Richard und sehnt sich nach körperlicher Zuneigung von seinem Partner, die er wohldosiert immer nach einem gelungenen Coup bekommt (‚Reiz Mich‘). Richard will seine Überlegenheit über die Gesellschaft demonstrieren, indem er eine Entführung vortäuscht, aber das Opfer ermorden will (‚Der Plan‘). Trotz größter Bedenken willigt Nathan schließlich in den Plan ein (‚Viel Zu Weit‘). Richard lockt einen Jungen aus der Nachbarschaft mit seinem Charme in ein gestohlenes Auto und ermordet den 14-jährigen brutal mit einem Brecheisen. Sie verätzen das Gesicht des Jungen und werfen die unkenntlich gemachte Leiche nur zwei Straßen entfernt in die Kanalisation (‚Grandios Überlegen‘). Den Erpresserbrief über 10000 Dollar schreiben die Mörder gemeinsam auf Richards alter Schreibmaschine (‚Erpresserbrief‘).

Das perfekte Verbrechen?

Eigentlich sieht alles danach aus, dass die beiden Männer tatsächlich das perfekte Verbrechen verübt haben. Doch kaum vermisst Nathan seine Brille, finden auch schon Bauarbeiter die Leiche, die schneller als vermutet identifiziert werden kann (‚Meine Brille / Bleib Ganz Ruhig‘). Während eine extravagante Brille neben dem Tatort auf Nathan hinweist, kann der Erpresserbrief durch fehlerhafte Buchstaben der Schreibmaschine von Richard zugeordnet werden (‚Ich denke kurz nach‘). Es wird schwer für die Beiden, Ihren Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen und Richard beginnt, Nathan die Schuld in die Schuhe zu schieben (‚Denk An Deinen Deal Mit Mir‘), doch der hat dafür gesorgt, dass die belastenden Beweise auch eindeutig auf Richard hinweisen, und Richard bekommt zum ersten Mal in seinem Leben ‚Angst‘ vor der drohenden Todesstrafe. Nach der Verurteilung zu lebenslanger Haft in einer gemeinsamen Zelle gesteht Nathan sein wahres Motiv (‚Lebenslänglich Plus Neunundneunzig Jahre‘) und erst jetzt wird Richard klar, was das perfekte Verbrechen in Nathans Augen tatsächlich ist.

Bedrückte Stimmung im Publikum

Die Handlung des Musicals Thrill Me verspricht alles andere als einen vergnüglichen und unterhaltsamen Abend, den ein Zuschauer vielleicht von einem Musical erwartet. Und wenn Bernd Julius Arends erstmals auf der schlichten, in kaltes, blaues Licht getunkten Bühne unter eine von der Decke herabhängende, flackernde Glühbirne tritt und fast schüchtern vor einer Kommission (Stimmen aus dem Off), die sich nach 34 Jahren mit der Begnadigung des Gefangenen Nathan Leopold befasst, beginnt mit dem Song ‚Warum‘ seine Geschichte zu erzählen, herrscht auch im Zuschauerraum eine bedrückte Stimmung.

Zuschauer als Geschworene

In Rückblicken rollt Nathan den Kriminalfall auf und tritt immer wieder aktiv in die Handlung der Vergangenheit ein, um zum ersten Mal die komplette Wahrheit ans Licht zu bringen. Der Zuschauer wird zum Geschworenen und entscheidet sich recht schnell dafür, dass die beiden befreundeten Studenten eigentlich recht sympathisch sind, auch wenn Richards arrogantes Weltbild sicherlich zu weit geht. Die Stimmung kippt, wenn aus den harmlosen Jungenstreichen wie brennenden Scheunen, deren Feuerschein romantische Gefühle weckt, blutiger Ernst wird.

Imaginärer Mord als Höhepunkt

Holzpaneele und Paletten, die auch ein hartes Bett bilden, sind die schlichte Kulisse, die durch einige Projektionen auf die hintere Wand von Vogelschwingen, Verträgen, Übersichtskarten oder Gitterstäben aufgewertet wird. Das multifunktionale Holzbett wird umgedreht und mit zwei Lampen zum ‚Roadster‘, in den Richard den imaginären Jungen lockt und mit zärtlicher und einschmeichelnder Stimme brutal ermordet. So schrecklich diese Szene auch ist, sie bildet einen grandiosen Höhepunkt und ist perfekt schauspielerisch und szenisch umgesetzt. Spätestens jetzt hat Richard alle Sympathiepunkte des Publikums verloren, aber durch den geschickten Erzählstil will man nun wissen, wie Richard seine gerechte Strafe bekommt.

Verurteilung und überraschende Auflösung des wahren Plans

Um den Spannungsbogen nicht zu verlieren, hat sich Bernd Julius Arends dazu entschlossen, das 90 Minuten Musical Thrill Me als Einakter ohne Pause durchzuspielen und so geht die Geschichte lückenlos bis zur Verurteilung der Protagonisten weiter. Das Publikum findet während der Vorstellung keine Lücke zum Klatschen, bei einigen Szenen wäre dies auch sicher unangebracht. Die überraschende Auflösung von Nathans wahrem Plan versöhnt das Publikum, denn Nathans Motive sind ehrlicher und überzeugender als Richards Arroganz.

Grandiose Darsteller im Musical Thrill Me

Dank der straffen Regie von Nico Rabenald, der schon erfolgreich die Titanic versenkte, der exzellenten Übertragung der Dialoge und Songtexte von Bernd Julius Arends ins Deutsche, der grandiosen schauspielerischen Intensität von Dominik Schulz und Bernd Julius Arends und der musikalischen Unterstützung von Jan Wolf am Klavier, ist die deutsche Erstaufführung des Musicals Thrill Me in Datteln ein kleines Meisterwerk musikalischer Unterhaltung und bestes Beispiel dafür, dass gute Theaterunterhaltung auch mit wenigen gestalterischen Mitteln aufregend umsetzbar ist. Die Kostüme von Karin Alberti beschränken sich auf wenige, schicke Utensilien im Stil der 20er Jahre, die Bühne wird kalt im Licht von Gerd Beckmann und Niels Kastner ausgeleuchtet und mit wenigen, pfiffigen Requisiten und Projektionen von Alexander Arnold ausgestattet. Nichts lenkt von der fesselnden Handlung und den beiden starken Charakteren ab, genauso sollte es sein.

Stürmischer Schlussapplaus und positive Reaktionen

Die Spielzeit des Mörder-Musicals Thrill Me war nach 10 Vorstellungen bereits am 28.10.12 beendet. Für alle diejenigen, die das Psycho-Kammerspiel nicht live erlebt haben, bleibt zu hoffen, dass das Musical Thrill Me 2013 wieder auf dem Spielplan des Katielli-Theaters stehen wird. Der stürmische Schlussapplaus und die durchweg positiven Zuschauerreaktionen im Anschluss an die Vorstellung zeigen, dass das Musical Thrill Me einen tiefen Eindruck hinterlässt und Diskussionsbereitschaft auslöst. Es wäre wirklich zu schade, wenn diese kurze Aufführungsserie schon das Ende der Leopold & Loeb Story in Deutschland gewesen sein sollte.

KATiELLi THEATER
Castroper Str. 349
45711 Datteln (RE, NRW)

Weitere Inforationen und Kartenbestellung für das Musical Thrill Me unter www.katielli-theater.de

© Text: Stephan Drewianka, Musical-World.de; Fotos: Ilona Voss, Alexander Arnold, Stephan Drewianka; dieser Artikel zum Musical Thrill Me erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift BLICKPUNKT MUSICAL, Ausgabe 61, 06/12, November 2012 - Januar 2013

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