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Technische Daten:

Original Besetzung Musical Crazy for you: Anke Sielhoff und Gaines Hall; Spielort: MIR - Musiktheater im Revier Gelsenkirchen; Musik: George und Ira Gershwin; Texte: George und Ira Gershwin; Aufführungsdauer: ca.180 min; Premiere: 27.Oktober 2002; Vorstellungen: 19.01., 01.02., 02.02., 08.02., 22.02., 28.02., 01.03., 07.03., 22.03., 30.03. und 04.04.2003

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Musical Crazy for You in Gelsenkirchen

Musical Crazy For You in Gelsenkirchen © Foto Majer-Finkes
Musical Crazy For You in Gelsenkirchen © Foto Majer-Finkes
Musical Crazy For You in Gelsenkirchen © Foto Majer-Finkes
Musical Crazy For You in Gelsenkirchen © Foto Majer-Finkes
Musical Crazy For You in Gelsenkirchen © Foto Majer-Finkes

Gershwin Musical Crazy for You am Musiktheater im Revier

Einige Klassiker des Musicals Crazy for You sind von der Bühnenpräsentation des Stückes weitgehend unbekannt, während ein Song praktisch in aller Munde ist. Ein Beispiel: Sie kennen doch sicher das Lied „I Got Rhythm“, vielleicht wissen Sie sogar, dass der Song aus der Feder von George und Ira Gershwin stammt. Doch wissen Sie auch, dass dieser Showstopper aus dem Broadwaymusical „Girl Crazy“ stammt, welches bereits am 14. Oktober 1930 im Alvin Theatre in New York seine Premiere feierte?

Handlung Musical Crazy for You

Die amerikanische Komödie Crazy for You handelt von Playboy Danny, der von seinem vermögenden Vater nach Arizona in das Provinznest Custerville verbannt wird, um ihm die Flausen und Affären mit mondänen Frauen auszutreiben. Doch der geschäftstüchtige Sohnemann eröffnet eine Westernranch für Touristen inklusive Broadway-Tänzerinnen und Spielcasino. Der Taxifahrer Gieber Goldfarb, der Danny in das Wüstendorf brachte, will ihn zum Sheriff des Ortes machen, gerät jedoch mit dem heimlichen Herrn von Custervill Lake Sanders sowie diversen Gangstern in Konflikt, die ihn bis nach Mexiko jagen. Gieber Goldfarb wird schließlich selber Sheriff und Danny findet seine Liebe in der Postmeisterin Molly, die ihn zu einem verantwortungsvolleren Leben anleitet.

Filme von 1930 mit Ginger Rogers, 1943 mit Judy Garland und 1965 mit Connie Francis

Trotz der kaum zu verschleiernden Mängel in der dramaturgischen Gestaltung des haarsträubenden Buches von Autor Guy Bolton war die Gershwin-Musik von „Girl Crazy“ ein Erfolgsgarant für die damals noch unbekannten Broadway- und Hollywood-Stars Ethel Merman (als Kate Fothergill) und Ginger Rogers (als Molly Gray in der Uraufführung von 1930). Songs wie das eigentlich für das nicht produzierte Musical Ming Toy produzierte „Embraceable You“, „Biddin´ My Time“, „Could You Use Me?“, „But Not For Me“ und natürlich das weltberühmte „I Got Rhythm“ sorgten für einen durchschlagenden Erfolg des Stückes, so dass der eigentlich banale Stoff gleich drei mal - 1932, 1943 mit Judy Garland und Mickey Rooney sowie 1965 unter dem Titel „When The Boys Meets The Girls“ mit Connie Francis - von Hollywood verfilmt wurde.

Broadway-Revival des Musicals Crazy for You 1992

1991/92 wurde das Musical von Ken Ludwig und Mike Ockrent unter der strengen Aufsicht der Gershwin-Erben komplett mit neuer Rahmenhandlung für die unvergänglichen Songs von George und Ira Gershwin überarbeitet und feierte unter dem Titel Crazy For You am 19. Februar 1992 im Shubert Theatre sein Broadway-Revival.

Neue Handlung: Western-Parodie statt Provinzposse

Aus der flachen Provinzposse wurde eine Western-Parodie: Bobby Child schlägt leider nicht so sehr nach seiner im Bankgeschäft erfolgreichen Mutter. Ihn zieht es auf die Bühne, um neben den berühmten Zangler Follies, der liebevollen Persiflage auf die authentischen Ziegfeld-Follies, zu steppen. Durch seine Bühnenerfahrung soll Bobby im Auftrag seiner Mutter dem zahlungsunfähigen Pächter eines Vaudeville-Theaters in Deadrock/Nevada Everett Baker die Kündigung aushändigen. Natürlich verliebt sich Bobby auf der Stelle in die Tochter des Theaterleiters Polly, der er vorgibt, Broadway-Produzent Bela Zangler persönlich zu sein, der eine aufwendige Show in Deadrock auf die Beine stellen will. Kritisch wird die Situation, als Bobbys Mutter mit seiner Verlobten aufkreuzt und obendrein auch noch der wahre Bela Zangler im Wilden Westen auftaucht. Multiple Happy-Ends später ist Bobbys Verlobung geplatzt, Zangler produziert die Cowboy- und Western-Revue, deren finanzieller Erlös Everett Baker rettet und Bobby und Polly ein glückliches Paar werden lässt.

In die Neufassung des Musicals flossen neben den bekannten Stücken weitere beliebte Gershwin-Songs aus anderen Musicals und Hollywoodfilmen ein, z.B. die romantische Ballade „Someone To Watch Over Me“ aus dem Musical Oh, Kay! von 1926, das verruchte „Naughty Baby“ aus dem Musical „Pimrose“ von 1924, „They Can´t Take That Away From Me“ und „Shall We Dance“ aus dem gleichnamigen Fred Astaire Film von 1937, dem schmissigen „Nice Work If You Can Get It“ aus dem 1937 gedrehten Film A Damsel in Distress und dem patriotischen „The Real American Folk Song Is A Rag“ aus dem Musical Ladies First von 1918.

Vorstellung des Musicals Crazy for You und der Beteiligten

Trotz ihres gehörigen Alters haben diese Klassiker der Musicalgeschichte ihren Reiz für das Publikum nicht verloren. Dies dachte sich auch Peter Neubauer, Geschäftsführer des Musiktheaters im Revier MIR in Gelsenkirchen und holte das neue Gershwin-Musical für die Theatersaison 2002/2003 in das Ruhrgebiet. Wie sehr er von diesem Musical-Projekt überzeugt war bewies er zusammen mit dem musikalischen Leiter Kai Tietje, Dramaturgin Wiebke Hetmanek und Matthias Davids, der sich für die Inszenierung verantwortlich zeigte, in einer Soiree und einer öffentlichen Probe zehn Tage vor der offiziellen Premiere am 27. Oktober 2002. Vor dem interessierten Publikum spielte Dirigent Tietje am Flügel einige Highlights des Musicals Crazy For You an und berichtete über die bewegende Entstehungsgeschichte der Songs. Nach weiteren Hintergrund-Informationen der Beteiligten über die aufwendige Produktion, bei der neben den üblichen Schauspielern und Sängern das komplette Ballett Schindowski und das gesamte Symphonieorchester Gelsenkirchen (insgesamt rund 80 Beteiligte!) anwesend waren, ging es in den Bühnenraum, wo die Hauptdarsteller zum ersten Mal in der fertigen Kulisse und mit komplettem Orchester ihre Solo-Nummern in der Mikro-Probe einstudierten.

Beeindruckende Klangkulisse durch das Symphonieorchester

Dirigent Titje hat sich strikt an die original Orchestrierung des Stückes von 1930 gehalten. Das glanzvoll aufspielende Symphonieorchester schafft mit Mundharmonika, Banjo und einem pfeifenden Chor eine beeindruckende Klangkulisse zwischen amerikanischen Rag, Swing und großem Broadway-Sound, der dem Publikum direkt in die Beine fährt und nicht im geringsten angestaubt wirkt.

Hauptdarsteller Gaines Hall und Anke Sieloff

Gaststar Gaines Hall, der in Wiesbaden 14 Monate lang den Joe Gillis im Musical Sunset Boulevard verkörperte, schlüpft in die Rolle des Bobby Child. Der Sonnyboy hat als gebürtiger Amerikaner und ausgebildeter Stepptänzer den klassischen Broadwaystil eines Fred Astaire im Blut und fühlt sich bei den ausgedehnten Tanzsequenzen – der Song „I Got Rhythm“ ist als 13 Minuten-Sequenz der Höhepunkt der Show – ganz in seinem Element, weiß aber auch gesanglich und darstellerisch zu überzeugen. Eine Überraschung an seiner Seite ist die mehrfach ausgezeichnete Opern-erfahrene Mezzosopranistin Anke Sielhoff als Polly Baker, die tänzerisch wirklich perfekt mit Gaines mithalten kann. Auch ihre Stimme ist eine Bereicherung für die Gershwin-Lieder.

Während der öffentlichen Probe waren die vier aufwendigen Bühnenbilder (New Yorker Broadway, Wüstennest Deadrock, ein Saloon und das Theaterinnere mit einer zusätzlichen Kulisse im Garderobenraum) noch eine echte Herausforderung für die Kulissenschieber, doch während der endgültigen Vorstellung klappte der fliegende Wechsel der Bühnenbilder einwandfrei.

Regisseur Davids, der schon Deep in der Schweiz und Saturday Night Fever in Köln erfolgreich in Szene gesetzt hat und demnächst auch Miss Saigon in St. Gallen an ein Stadttheater bringt, erzählt im Hintergrund viele kleine Geschichten der Nebenpersonen, so dass das Ballett Schindowski, das in dieser Show neben den zahlreichen Steppeinlagen mehr als üblich singen und schauspielern muss, perfekt in die Handlung eingebunden wird und von den echten Hauptpersonen, die häufiger als sonst auch tanzen müssen, gar nicht mehr zu unterscheiden ist. Ständig entwickeln sich kleine Rahmenhandlungen, die konsequent während der Show weiterverfolgt und ausgebaut werden, so dass der Zuschauer immer wieder neue Details erkennen kann – so fallen die Mängel  der Hauptgeschichte, mit der die Western-Klamotte auch nach der Neubearbeitung des Buches immer noch zu kämpfen hat, weniger ins Gewicht. Eine nette Idee ist sicherlich auch die Anspielung auf die Großproduktionen der Musical-Branche wie Das Phantom der Oper, die den Insider-Fan sicherlich schmunzeln lassen werden.

Fazit: Das Musical Crazy For You im Großen Haus des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Theaterabend, den man mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

Lesen Sie auch das ausführliche Interview mit Hauptdarsteller Gaines Hall!

© Text: Stephan Drewianka, Musical-World.de; Fotos: Musiktheater Gelsenkirchen (Produktion), Stephan Drewianka (Premierenpressekonferenz)

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