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Musical Les Miserables Open-Air in Bad Hersfeld

Musical Les Miserables in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Les Miserables: Regen fällt, die Bühne glänzt wie Silber…

Der Romanklassiker Die Elenden (Les Miserables) von Victor Hugo konnte in Deutschland in der Musical-Version von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Text) als Megaproduktion nur mäßige Erfolge feiern. Nach der Spielzeit in Duisburg 1996-1999 im eigens für dieses Musical gebauten Theater am Marientor und der Berliner Produktion im Theater des Westens 2003-2004 hatte die Stage Entertainment kein Interesse mehr an den original Londoner Lizenzrechten von Cameron Mackintosh. Das Musical Les Miserables wurde daraufhin in Deutschland für die Stadttheater freigegeben, wo es sich seither in neuen Inszenierungen einer hohen Beliebtheit erfreut. Im Sommer 2006 schickte man die Rivalen Jean Valjean und Inspektor Javert erstmals unter freiem Himmel auf der Felsenbühne Staatz in Niederösterreich und auf der Freilichtbühne in Tecklenburg auf die Barrikaden.  Am 14. Juni 2007 folgte die Premiere des Musicals Les Miserables bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Dunkle Wolken über Premiere des Musicals Les Miserables

Diese Produktion des Musicals Les Miserables schien von Beginn an unter einem schlechten Stern zu stehen: Publikumsliebling Yngve Gasoy-Romdal, der die Hauptrolle des Jean Valjean übernehmen sollte, erkrankte während der Proben und bekam wegen einer Thrombosegefahr für seine Augen striktes Spielverbot. Festspielintendantin Elke Hesse konnte den Norweger schnell durch den Ukrainer Olegg Vynnyk ersetzen, der Les Miserables Fans bestens aus über 300 Vorstellungen in Berlin bekannt sein dürfte, bei denen er bereits eindrucksvoll den Jean Valjean spielte. Doch am Premierenabend zogen sprichwörtlich weitere dunkle Wolken am Himmel auf, stand das Barometer auf Gewitter mit ergiebigem Niederschlag. Zwar sitzt das Publikum in der Stiftsruine unter einem schützenden Zeltdach, jedoch sind die Darsteller und das Orchester auf der Freilichtbühne komplett oben ohne den Wetterkapriolen gnadenlos ausgesetzt, was wegen des stark geneigten Bühnenbodens auch sicherheitstechnische Risiken birgt und bei stärkerem Regen zur Unterbrechung der Aufführung zwingt. Aber am Premierenabend zeigte sich Petrus von seiner gnädigen Seite und ließ es nur während des Epilogs zu Beginn der Show regnen, sowie später sehr stimmungsvoll auf den Barrikaden und in der Kanalisation. Wie von der Regie bestellt, erhellte genau bei Javerts Selbstmord ein ferner Blitz die Szene. Erst als der Schlussapplaus vorbei war, setzte der sintflutartige Regen ein. Doch nun genug vom Wetter geredet: »The show must go on!«

Die Inszenierung des Musicals Les Miserables in Bad Hersfeld

Schauspieler und Regisseur Helmuth Lohner inszenierte das Musical Les Miserables aufgrund der räumlichen Gegebenheiten der Stiftsruine Bad Hersfeld in einem Guss ohne Pause. Eigentlich sollte die ursprüngliche Mammutspielzeit von 195 Minuten der Originalproduktion auf ca. zwei Stunden gekürzt werden, doch hat man sich wohl aufgrund der dramaturgischen Verständlichkeit des durchkomponierten Werkes auf satte 150 Minuten geeinigt, die schon sehr nah an die Spielzeit der deutschen Aufführungen heranreicht. So gibt es nur geringe Abstriche bei einigen Reprisen zu verzeichnen. Die Gerichtsszene, in der Valjean seine wahre Sträflingsidentität vor Javert bezeugt, wurde vereinfacht und die Barrikadenschlachten sind wesentlich straffer inszeniert worden. Die Freilichtbühne kommt von Natur aus mit anderen Gegebenheiten daher wie eine fest installierte Bühnenproduktion in einem eigens für diesen Zweck umgebauten Theater. Umso mehr Respekt kann der Bühne von Paul Lerchenbaumer gezollt werden, dem es mit einfachen Mitteln und der natürlichen Architektur der Stiftsruine gelingt, immer wieder das passende Sujet zu den häufig wechselnden Bildern zu kreieren. Hier wird deutlich, dass »Les Miz« nicht die obligatorische Drehbühne der Großproduktion benötigt, sondern mit den geschickt zum Einsatz kommenden Seitenbühnen viel Raum für die Handlungsorte schafft. Das passende Licht von Lukas Kaltenbäck taucht die Bühne niemals in komplettes Dunkel, so dass es eine weitere Herausforderung war, die zahlreichen Leichen handlungsgebunden von der Bühne verschwinden zu lassen. In die rund drei Meter hohen Barrikaden schließlich waren zwar zu viele Türen eingebaut, dafür erstreckten sie sich imposant über die gesamte Breite der Hauptbühne.

Maske und Kostüme

Die Maske von Anja Kietzmann verunstaltete manche attraktive Darstellerin mit künstlichen Zahnlücken zu heruntergekommenen Bettlern und wilden Huren. Einzig das Kunstblut hätte sparsamer eingesetzt werden können: Im feinen Nieselregen spritzten beim Sturm der Barrikaden im Gegenlicht viele rote Fontänen auf, die eigentlich eine FSK-Jugendschutzfreigabe von 18 Jahren erforderten, und auch beim Tod von Eponine haftete so viel Blut an den Händen des geliebten Marius, dass er bei der anschließenden Hochzeitsszene mit Cosette noch deutlich rosa Hände hatte. Gelungen war das Spektrum der Kostüme von Tina Hinteregger, das sich von heruntergekommen-ärmlich der Elenden über schlicht-zweckdienlich der Studenten bis hin zu elegant-glamourös der Hochzeitsgesellschaft und herrlich-schrill bei dem violetten Kleid von Mme. Thenardier als Möchtegern-Adlige spannte.

Hochkarätige Musical Darsteller hauchen der Les Miserables Produktion Leben ein

Doch der eigentliche Pluspunkt der Bad Hersfelder Produktion sind die hochkarätigen Darsteller, die den Charakteren Leben einhauchen. Wie bereits erwähnt, verkörpert Olegg Vynnyk erneut bravourös den Titelhelden Jean Valjean. Im Gegensatz zu anderen Produktionen ist Valjean hier jedoch ein durch seinen 19 jährigen Gefängnisaufenthalt wegen des Diebstahls von einem Brot schwer gezeichneter Mann, der keinerlei Lebensfreude verspürt und den Kampf ums Überleben eigentlich schon längst aufgegeben hat. Durch seine Besinnung zur christlichen Nächstenliebe durch den Bischof von Digne (Jon Geoffrey Goldsworthy) sieht er den Sinn seines Lebens nur noch in der Unterstützung seiner ehemaligen Arbeiterin Fantine (eine glänzende Barbara Köhler), die durch seine unterlassene Hilfe ins Hurenmilieu gedrängt wird. Auf ihrem Totenbett schwört er ihr, sich ihrer Tochter Cosette anzunehmen. Hier kommt es zur Auseinandersetzung mit Inspektor Javert, der sein Leben der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung gewidmet hat und deshalb jeden Sträfling hinter Gitter bringen will, insbesondere wenn sich ein Ex-Knackie gar das Amt des Bürgermeisters ergaunert hat. Musical Kennern wird Robert Lamla sicher noch als unnahbarer Diener Max aus dem Andrew Lloyd Webber Musical Sunset Blvd. in Niedernhausen unvergessen sein und auch die Rolle des unnachgiebigen Kommissars spielt Lamla mit einer distanzierten Gefühlskälte, die Gesetzestreue über jegliche menschliche Regung stellt. Im krassen Gegensatz dazu steht die aufwühlende Dreiecksliebesgeschichte zwischen dem Studenten Marius (Patrick Schenk als gefühlvoller Herzensbrecher ), seiner Freundin Eponine (Janina Goy als stimmgewaltige verschmähte Geliebte) und der zunächst unerreichbar scheinenden eleganten Cosette (Eva Aasgaard). Beide junge Frauen wuchsen gemeinsam in Rivalität bei den Wirtsleuten Thenardier auf, die in jeder Les Miserables Musical Produktion der ernsten Haupthandlung einen humoristischen Touch verleihen. Als Mme. Thenardier unüblich schlank präsentiert Sunni Luis ein wahres Feuerwerk an abgrundtiefer Boshaftigkeit und gibt ihrem Mann, der von Heinz Kloss als »Herr im Haus« gespielt wird, ordentlich Paroli.

Les Miserables bietet jedem Darsteller zumindest eine ganz große Ballade, in der er oder sie das ganze Können präsentieren kann und alle Sänger nutzen diese Chance bis an ihre Grenzen. So präsentiert Olegg Vynnyk ein bis in die höchsten Töne lupenreines »Bring ihn heim«, sinniert Barbra Köhler in »Ich hab geträumt« emotionsgeladen von einem besseren Leben, besingt Robert Lamla in tiefem Bariton seinen »Stern« (leider wegen der zugezogenen Wolkendecke unsichtbar am Firmament), stirbt Janina Goy mit einem fantastischen »Der Regen fällt« (passend zur Wetterlage) und verzweifelt Patrick Schenk mit »Dunkles Schweigen an den Tischen« am gescheiterten Studentenaufstand. Für das weitere Ensemble bietet das Musical Les Miserables sehr stimmungsvolle Chornummern, die in Bad Hersfeld durch den großen Cast beeindruckend wiedergegeben werden. Der gute Gesamteindruck der Gesangsleistung wurde am Premierenabend jedoch oftmals durch ein zu spätes Öffnen der Mikrofone der Protagonisten getrübt, während die gefühlvolle Interpretation von Olegg Vynnyk, der den kränkelnden Valjean mit viel Flüstern in der Stimme darstellte, oftmals einfach zu leise war, um verständlich für jeden Zuschauer zu sein. Doch diese Kinderkrankheiten lassen sich in den weiteren Aufführungen sicher schnell beheben. Das Orchester unter der musikalischen Leitung von Christoph Wohlleben ist mit 25 Musikern besser besetzt als manche Großproduktion und trägt dazu bei, dass das Musical Les Miserables in der Stiftsruine Bad Hersfeld zu einem nachhaltig in Erinnerung bleibendem Ereignis wird – egal bei welchem Wetter!

© Text & Fotos: Stephan Drewianka, Musical-World.de; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 04/07; Juli-August 2007

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