• Musical Jesus Christ Superstar in Remscheid
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Musical Jesus Christ Superstar in Concert - Wiederauferstehung eines Superstars – 500 Akteure geleiteten den Messias zum Kreuz

Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Mit einem schon persiflierend wirkenden Falsett setzte Michael Kargus als „Annas“ einen stimmlichen Kontrapunkt zum Keller-Bass des Hohepriesters „Caiphas“ (Herbert Feckler).
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
„Annas“ (Michael Kargus, links) und „Caiphas (Herbert Feckler) haben düstere Pläne.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Voller Einsatz: 120 Sänger und Sängerinnen umfasste der große Chor pro Vorstellung. 430 Vokalisten waren insgesamt in das Projekt involviert.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Nachtigall aus dem Land der Tulpen: Nicole Berendsen als „Maria-Magdalena“. Ein Part, der ihr auf den Leib geschrieben scheint.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Whoww“ Dieser „Jesus“ wird noch lange in Erinnerung bleiben: Rob Fowler gab alles.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Mit diesem Herrn scheint auch nicht gut Kirschen essen: Claus Dam als römischer Statthalter Pilatus.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Caiphas (Heribert Feckler) und Annas (Michael Kargus) haben überzeugende, bare Argumente, um Judas als „IM“ zu rekrutieren.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Mary & - nein , nicht Gordy! Michael Eisenburger war in doppelter –Jünger-Mission im Teo-Otto-Theater unterwegs – als Petrus und Simon Zelotes.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
„Annas“ dankt ab. Im Hintergrund Christoph Spengler, der Maitre de Plaisir des Projektes „J.C. 2013“.
Jesus Christ Superstar in Remscheid © Detlef Krentscher
Der Rasta-Man als Messias-Verräter: „DMJ“ David-Michael Johnson lieferte als „Judas“ einen fulminanten Job ab.

Golgatha im Bergischen Land: Jesus Christ Superstar in Remscheid und Solingen

Und wieder einmal ist Jesus im Bergischen Land ans Kreuz geschlagen worden. Sir Andrew Lloyd Webbers zeitloses Rock-Oratorium Jesus Christ Superstar um die letzten Tage des Messias auf Erden dürfte ja inzwischen in jedem Theater Deutschlands und bei jeder Bühne mindestens einmal auf dem saisonalen Spielplan gestanden haben, mindestens. In Remscheid hat dieses epochale, aber nicht unumstrittene Werk des geadelten britischen Musical-Papstes und seines Partners Tim Rice (Libretto) schon immer einen besonderen Stellenwert genossen. Anno 2000 hatte der „Superstar“ hier erstmals geleuchtet und gelitten, allerdings in konzertanter, nicht in szenischer Form. Und so sollte es auch bleiben.  Drei Jahre später schrieb der Musiker, Dirigent und Chorleiter Christoph Spengler als treibende Kraft dahinter mit einer weiteren, noch eindrucksvolleren und äußerst prominent besetzten Aufführungsreihe in der hiesigen Versöhnungskirche ein kleines Stückchen deutsche Musical-Geschichte (Rezension siehe hier!). Davon zeugt übrigens auch eine packende Live-Einspielung, die als Doppel-CD veröffentlicht wurde.

2013 – höchste Zeit für ein Revival des Musicals Jesus Christ Superstar

Gesagt, getan. Hosianna! Spengler hat noch mal nachgelegt und dafür gesorgt, dass auch viele Auswärtige zu der Erkenntnis gelangen mussten, die zwischen Wuppertal und Solingen gelegenen 121.000-Einwohnerstadt Remscheid habe mehr zu bieten als Röntgenmuseum, Müngstener Brücke oder den Steffenshammer. So war es denn auch – zumindest am zweiten Oktober-Wochenende. Mit fünf ausverkauften Vorstellungen im Teo-Otto-Theater mit über 3000 Besuchern durfte das Ganze als Erfolg verbucht werden. Chapeau! Eine Woche zuvor hatte es im benachbarten Solingen zwei ebenfalls proppenvolle Aufführungen gegeben.

Musical aus einem Guss

Christoph Spengler als Maitre de Plaisir hatte eine stattliche und klangvolle Streitmacht zusammen gezogen. 120 Mitwirkende, tolle, von ihm dirigierte Musiker, ambitionierte Sänger und herausragende Solisten, standen schließlich auf der Bühne. Ein Mix aus Profis und Amateuren, die jedoch, als es galt, mit viel Enthusiasmus, Stimm- und Körpereinsatz als homogenes, geschlossenes Ganzes agierten.  Ein Team aus einem Guss. Das Publikum quittierte die mit wiederholtem Zwischenapplaus.

Jesus Christ Superstar in der Premium-Variante

Von der Partitur gibt es ja drei Versionen: eine für großes Orchester, eine mit reduzierter Orchesterbesetzung und eine nur für Rock-Band. Der Musikalische Leiter hatte sich natürlich für die „XL-„Premium“-Variante entschieden und führte eine  große, hochkarätige Instrumental-Streitmacht, die sich im Wesentlichen aus den Bergischen Symphonikern rekrutierte, ins Feld. 58 Musiker, die Kollegen der Rockband-Fraktion mitgezählt,  hörten auf sein Kommando. Das weitere Aufgebot umfasste nicht weniger als 430 Sängerinnen und Sänger, die sich aus verschiedenen Formationen wie dem Jugendchor der Lutherkirche, dem Jungen Chor „Upto date“ sowie den „Mixed Generations“ rekrutierten. Pro Show kamen jeweils 120 zum Einsatz, zuzüglich acht Soul-Girls. Welch ein eindrucksvoller Aufmarsch!

Die Cast entsprach, von einigen Ausnahmen abgesehen, der von 2003. Und die Akteure sind älter, erfahrener – und besser geworden. Hatte damals ein auf allen Ebenen überzeugender Alex Melcher den Titelpart gesungen, hatte man dafür diesmal Rob Fowler gewinnen können, der zuletzt bei den Frankenfestspielen in Röttingen bei „Dracula“ den selbigen gespielt hatte.  Und der Brite lieferte einen exzellenten Job ab, zeichnete den dem Kreuztod geweihten Gottessohn innig, ergreifend und zweifelnd. Sein großer Widerpart, Judas, war, wie auch schon vor zehn Jahren, bei „DMJ“ David-Michael Johnson bestens aufgehoben, während die Rolle der Maria-Magdalena Nicole Berendsen auf den Leib geschrieben scheint.  Die sympathische und stimmgewaltige Niederländerin hat in Remscheid ob ihrer beliebten  X-mas-Tree-Konzert-Reihe sowieso Heimvorteil.

Hochkarätige Cast für Jesus Christ Superstar Remscheid

Heribert Feckler als Hohepriester „Caiphas“ holte seinen gewaltigen, vollen  Bass aus den tiefsten Kellergewölben, Michael Kargus hielt als „Annas“, dessen Kollegen und Bruder im Geiste, mit einem fast schon persiflierend wirkenden Falsett dagegen.  Claus Dam glückte es, die Unsicherheit des römischen Statthalters Pilatus, was er denn nun mit dem vermeintlichen König der Juden anfangen soll, akzentuiert zu vermitteln, während die „Jews“  in dem ach so wandlungsfähigen Leon van Leuwwenberg einen ebenso albernen wie selbstverliebten König gefunden hatten: Herodes. Michael Eisenburger schließlich  gab in Personalunion die beiden Jünger Simon Zelotes und Petrus, und er machte das richtig gut.

Auch ohne Kostüme oder Maske, in Räuber-Zivil und Alltagsklamotten, gelang es den Protagonisten, ihre Charaktere und deren Intentionen akzentuiert, scharf und stimmig zu vermitteln. Vor den beiden Sonntags-Vorstellungen hatte es, ein Novum in der Geschichte des Teo-Otto-Theaters, daselbst einen Gottesdienst gegeben, in dem das besondere, ambivalente  Verhältnis zwischen Jesus und Judas thematisiert und durch eine Dialog-Predigt von Hartmut Demski, dem Super-Intendenten des ev. Kirchenkreises Lennep, und Pfarrer Axel Mersmann sowie Ausschnitte aus der konzertanten Aufführung  verdeutlicht worden war.  Hinter dem ehrgeizigen Jesus Christ Superstar Projekt 2013 stecken Tausende und Abertausende Stunden an Planungen, Vorbereitungen und Proben. Aber das alles hat sich sicht- und hörbar gelohnt. Dickes Kompliment!

© Text: Jürgen Heimann; Fotos: Detlef Krentscher

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