• Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
    Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
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    Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
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  • Jesus Christ Superstar im MIR © Martin Möller
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Jesus Christ Superstar im MIR © Martin Möller
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
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Jesus Christ Superstar am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Martin Möller
Jesus Christ Superstar im MIR © Martin Möller
Jesus Christ Superstar im MIR © Pedro Malinowski
Jesus Christ Superstar im MIR © Stephan Drewianka
Jesus Christ Superstar im MIR © Stephan Drewianka

Essen aufgewärmt, aber neu angerichtet

Vor rund 25 Jahren gab es die Rockoper Jesus Christ Superstar von Andrew Lloyd Webber schon einmal am Musiktheater Gelsenkirchen. Damals war Jesus als Menschenfischer im gelben Regenmantel unterwegs, doch mir blieb diese Inszenierung vor allem durch das grandiose Symphonieorchester in Erinnerung, das auf einem Kreuz in der Mitte der Bühne eine einmalige Klangkulisse lieferte. Als das Stück nun wieder seit dem 23.12.17 passend zu Christus Geburt auf dem Spielplan des MIR stand, hoffte ich insgeheim wieder auf eine symphonische Vertonung des Musicals, die es nun sehr selten im Theater zu hören gibt. Stattdessen gab es ein Wiedersehen mit der spektakulären Inszenierung von Michael Schulz aus dem Aalto-Theater Essen von 2006. Schon vor 12 Jahren spaltete die moderne Inszenierung eingefleischte Musicalfans mit ungezügeltem Weihnachtskonsum als Metapher für die Vertreibung aus dem Tempel, übergewichtigen Fast-Food-Junkies statt Lepra-Kranken, Bier statt Wein zum Abendmahl und vielen künstlerischen Gemälden und Skulpturen als historische Verklärung des „Heiligen“ Jesus, die darin gipfelte, dass nicht Henrik Wager als Jesus im Finale ans Kreuz genagelt wurde, sondern ein Double, der dem vergötterten Kunst-Jesus viel ähnlicher sah. Wenn die Inszenierung damals auch zum Stirnrunzeln anregte, so wurden die beiden Hauptdarsteller Henrik Wager als Jesus und Serkan Kaya als Judas zu Recht gefeiert und gelobt. Und so war es wohl selbstverständlich, dass dieses Dream-Team auch in Gelsenkirchen wieder auf der Bühne stehen sollte.

Nach 12 Jahren passte Regisseur Michael Schulz seine moderne Inszenierung aus Essen mit kleinen Modifikationen an die neuen Zeiten an. So wurden die fetten Fast-Food Junkies durch Handy-Zombies ersetzt, die das Geschehen gerne in sozialen Netzwerken teilen und das Suchbild der 7 Todsünden beim Showstopper „I Don`t Know How To Love Him“ wurde gestrichen. Die triste Garagen Hinterhof-Bühne von Kathrin-Susann Brose trifft erneut auf die Kostüm-Katalog-Kollektion von Klaus Bruns und Kathrin-Susann Brose. Henrik Wager und Serkan Kaya sind in den vergangenen Jahren in ihren Rollen weiter gereift und verkörpern die Hauptfiguren noch stärker, denn zu der gesanglichen Spitzenleistung gesellt sich jetzt eine schauspielerische Präsenz, die es in Essen in dieser intensiven Form noch nicht gab. Judas ist in vielen Inszenierungen des Stückes die stärkere Figur, in Gelsenkirchen sind beide Protagonisten völlig gleichwertig, was sich auch in einem handgreiflichen Streit manifestiert, der unentschieden ausgeht (und das, obwohl beide immer wieder die Bibel als Drehbuch lesen, wo doch Jesus eigentlich friedvoll die andere Wange hinhalten sollte). Neben diesen beiden starken Charakteren werden alle anderen Darsteller zu Randfiguren. Theresa Weber als junge und naive Maria Magdalena und Edward Lee als sympathischer Pilatus überzeugen mit angenehmen Stimmen. Als Highlight schwebt, ebenfalls aus der Essener Zeit übernommen, der kleinwüchsige Rüdiger Frank als gefallener Engel vom Himmel herab, bis er sich zu dem kleinen Teufel Herodes verwandelt. Heribert Feckler hat seine Band musikalisch bestens im Griff, auch wenn das MIR diesmal nicht auf sein voll besetztes Orchester zurückgreift. Paul Kribbe sorgt mit seiner Choreografie insbesondere im Finale mit den Soulgirls für Disco-Feeling, arrangiert aber auch die „Massenszenen“ mit dem großen Opernchor als optische Highlights. 

Eine weitere Kleinigkeit ist übrigens ebenfalls verschwunden: die Pause. Als Einakter wirkt die Inszenierung nun tatsächlich wie aus einem Guss, Zuschauer mit schwacher Blase sollten allerdings vor den 105 Minuten Non-Stopp Musical unbedingt die Toilette besuchen. Nach 2006 in Essen kann man „Jesus Christ Superstar“ nun mit zwei noch besser gewordenen Musical Superstars in Gelsenkirchen erleben. Auch wer mit der Inszenierung seine Schwierigkeiten hat, erlebt im MIR einen Musicalabend, den man nicht verpasst haben möchte. 

© Text: Stephan Drewianka, Bühnenfotos: Pedro Malinowski, Martin Möller, Schlussapplaus-Fotos: Stephan Drewianka; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Zeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 93 (02-18, März-Mai 2018)