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Musical Jekyll & Hyde in Dresden

Ein Fall für Zwei - Musical Jekyll & Hyde in der Staatsoperette Dresden

Im letzten Jahr feierte die Staatsoperette Dresden ihren 60. Geburtstag. Doch wer bei dem Namen des Hauses vermutet, weit im Osten Deutschlands wird ausschließlich der Kunstform Operette gehuldigt, der irrt gewaltig. Das traditionelle Haus galt schon zu DDR-Zeiten als >Musical-Biotop<, das sich immerhin 1997 die deutschsprachigen Rechte von Andrew Lloyd Webbers Romantik-Musical »Aspects Of Love« sichern konnte und danach auch sein Fußball-Musical »The Beautiful Game« aufführen durfte. Selbst Uraufführungen (2000 das Opernmusical »Rasputin« sowie 2007 die Musical-Comedy »Kiss Me, Cole!«) sind keine Seltenheit und sprechen für die hohe Qualität der Produktionen, die im Juni 2007 mit Bernsteins »Candide« einen weiteren Höhepunkt erleben durften.

Bevor am 26. Juni 2008 mit Benny Andersons und Björn Ulvaeus »Chess« ein weiteres Musical-Highlight seinen Weg nach Sachsens Landeshauptstadt finden wird, präsentierte Intendant Wolfgang Schaller am 25. Januar eine Neuinszenierung des Frank Wildhorn-Hits Jekyll & Hyde. Das Musical von Leslie Bricusse nach der Novelle »The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde« ist dem deutschen Publikum sicher am stärksten aus den Großproduktionen in Bremen (1999-2000) und Köln (2003-2004) in Erinnerung geblieben. Danach konnte man sich des Musical-Thrillers in diversen Freilichtaufführungen und anderen Stadttheaterinszenierungen erfreuen.

Dresden wartet jetzt mit Musical-Star Chris Murray, der zuletzt als Priester Konrad von Marburg in der Eisenacher Premiere von »Elisabeth – Legende einer Heiligen« gefeiert wurde, in der Doppelrolle des ehrgeizigen Wissenschaftlers auf. Murray wurde dieser Charakter bereits während der Spielzeit der Großproduktionen angeboten, doch er lehnte die Angebote damals mit der Begründung ab, er könne diese anspruchsvolle und anstrengende Verwandlung vom Arzt zum Massenmörder nicht achtmal wöchentlich in gleichbleibender Qualität präsentieren. Für die Dresdener Produktion mit seinen unregelmäßigen Aufführungsterminen und den längeren Pausen sagte Murray für diese Traumrolle gerne zu.

Davon darf nun der Zuschauer profitieren, denn Chris Murray spielt den schizophrenen Menschen mit den zwei so unterschiedlichen Charakteren mit einer beeindruckenden Intensität. Da ist zunächst Henry Jekyll, dessen Vater an einer Geisteskrankheit gestorben ist und der nun als Forscher die Genehmigung erhalten will, diese Krankheit zu studieren. Als dies durch ein Gremium aus sechs einflussreichen Menschen aus Kirche und Kultur untersagt wird, greift er zur Spritze und injiziert sich im Selbstversuch die Formel >HJ7<, die das Gute vom Bösen im Menschen trennen soll. Zum Vorschein kommt der unheimliche Mr. Hyde, der so ganz anders als Jekyll nicht die Heirat mit der reichen Emma sucht, sondern lüstern die Bordelle Londons besucht und sich grausam an seinen Feinden rächt, die er allesamt auf spektakuläre Weise ins Jenseits befördert. Als Hyde immer mehr die Oberhand gewinnt und selbst bei Jekylls Hochzeit zum Vorschein kommt, nimmt sich Henry das Leben, indem er sich in das gezogene Schwert seines Freundes stürzt. Chris Murray versteht es perfekt, die leisen Töne Henry Jekylls in die krächzenden Misstöne eines Edward Hydes zu verwandeln. Am eindrucksvollsten gelingt ihm dies in der »Konfrontation«, bei der er in beiden Rollen mit zwei völlig unterschiedlichen Stimmen ein Duett schmettert, wie man es so bisher selten gesehen und gehört hat.

Die gerechtfertigten Bravo-Rufe des Premierenpublikums teilte sich Murray mit Susanna Panzner (Elisabeth in Essen und Wien, Mamma Mia! in Berlin und Hamburg, 3 Musketiere in Berlin) als leichtes Mädel Lucy Harris sowie Ilonka Vöckel (Anything Goes, Das Tagebuch der Anne Frank, Die Fledermaus in Dresden) als emanzipierte Emma Carew. Beide Damen vereinen ähnlich wie Jekyll und Hyde zwei Pole weiblicher Gegensätzlichkeit, die aber in ihren Duetten harmonisch zusammenfließen. Lucy Harris träumt als Prostituierte von einem »neuen Leben«, bevor es im »gefährlichen Spiel« von Mr. Hyde grausam beendet wird. Susanna Panzner versteht es dabei, die Hure liebenswürdig mit Würde und Hoffnung zu spielen, der das harte Leben letztendlich jedoch immer einen Strich durch ihre Träume macht. Ihr mentaler Gegenpol ist das behütete, mit dem goldenen Löffel im Munde aufgewachsene Adelskind Emma, das sich jedoch ganz entgegen ihres Standes in den leicht wunderlichen Wissenschaftler verguckt hat. Ilkona Vöckel präsentiert hier in der Inszenierung von Winfried Schneider und der Dramaturgie von André Meyer erstmals eine erwachsene Emma, die ihren Dickkopf gegenüber ihrem Vater und ihren ehemaligen Verehrern mit Selbstbewusstsein durchsetzt, etwas, das dieser Rolle bisher immer gefehlt hat.

Nicht nur dadurch erscheint die gesamte Geschichte in Dresden wesentlich runder und besser verständlicher als in früheren Versionen. Viele kleine Änderungen in den Text- und Gesangspassagen kommen der Gesamtinszenierung zu Gute, wenn auch viele der Songs, die nicht zuletzt durch die CD -Veröffentlichungen bekannt sein dürften, durch die veränderten deutschen Texte von Susanne Dengler in den teilweise neuen Arrangements von Jason Howland etwas fremd klingen. Eine beeindruckende Wandlung hat z.B. die Hurenhymne »Komm schaff die Männer ran!« erfahren, die an der Staatsoperette mit längerem Instrumentalmittelteil und schmissiger Choreografie zur unterhaltsamen Tanznummer mutiert ist. Ebenfalls interessanter als in anderen Versionen sind die »Fassade«-Reprisen des Ensembles geworden, die hier nicht nur zur Überbrückung von Umbauphasen dienen, sondern in stärkerer Variation durchaus die Handlung weiterbringen. Leider fehlen neben einer »Fassaden«-Reprise auch die emotionale Einstiegssequenz Jekylls »Ich muss erfahr´n«, die rührende Mähr der »Mädchen der Nacht« und das aufpeitschende »Die Welt ist völlig irr« des übermütigen Hydes. Trotz dieser Kürzungen, die einige Zuschauer schmerzlich vermissen werden, kommt das Stück im ersten Akt doch etwas zäh in Gang. Wenn aber Jekyll in seinem schön alchemistisch anmutenden Minilabor (Ausstattung: Ella Späte) zu »Dies ist die Stunde« endlich seine Verwandlung zum Bösen erfährt, sind die wenigen Längen schnell vergessen.

Natürlich kann eine Stadttheater-Aufführung im Vergleich zu einer Großproduktion nicht mit dem bombastischen Drumherum einer imposanten Bühnenkulisse punkten. Hier beweist Dresden jedoch, dass »Jekyll & Hyde« auch mit einfacheren Mitteln zu realisieren ist. Einige Spiegel und ein Kronleuchter deuten einen Ballsaal auch ohne große Freitreppe an, ein Licht und entsprechende Geräusche reichen auch, um eine Dampflok heraufzubeschwören, gemalte Bücherregale verbreiten die Wärme einer Bibliothek, die im krassen Gegensatz zu den kargen Räumlichkeiten von Lucys Zimmer steht. Und trotzdem muss der Zuschauer nicht auf so manche pyrotechnische Effekte verzichten, die in diesem Umfeld umso verblüffender wirken. Die Kostüme sind operettenhaft der viktorianischen Zeit passend eingesetzt und sehr geschmackvoll.
Ein Pluspunkt in Dresden ist ebenfalls der große Chor und das weitere Ensemble, das immer wieder auch in den kleineren Rollen überzeugen kann. Musikalisch vermengt Andreas Henning die zahlreichen Balladen -Ohrwürmer der lyrischen Wildhorn-Partitur durch Unterstützung des doch recht großen Orchesters der Staatsoperette mit der schlüssigen Spielhandlung zu einem harmonischen Ganzen. Neben den Stars der Premierenbesetzung spielen Marcus Günzel (Jekyll/Hyde), Gabriele Rösel (Emma) und Femke Soetenga (Lucy) alternierend die Hauptrollen und prägen diese spannenden Charaktere mit ihren eigenen, individuellen Zügen.

Fazit: Dresden hat als historische Stadt mittlerweile viel an touristischen Attraktionen zu bieten und das Musical Jekyll & Hyde rückt den äußersten Osten Deutschlands einmal mehr ins Zentrum der Welt des Musicals. Dies macht eine Reise nach Sachsen durchaus lohnenswert für den Freund guter Musical-Unterhaltung.

Alles zum Thema Jekyll & Hyde bei Sound Of Music.

© Text & Fotos by Stephan Drewianka; Dieser Bericht erschien auch in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 02/08, März-April 2008

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