Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren © Stephan Drewianka
Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren © Stephan Drewianka
Sie befinden sich hier: Theater / Musicals T-Z / Waschbär-Alarm am Herkules
Theater
Anzeige


Waschbär-Alarm am Herkules - Uraufführung der neuen Musicalsatire 2026 am tic Kassel

Der Waschbär ist los!

Professor Grzimek hätte Waschbären in seiner ARD-Fernsehserie "Ein Platz für Tiere" (1956-1980) sicherlich "ganz possierliche Tierchen" genannt. Die Bewohner der Stadt Kassel sehen das nach 92 Jahren Waschbären in Hessen mittlerweile anders. Wer hätte gedacht, dass nach der ersten gezielten Aussetzung zweier Waschbär-Paare am 12.04.1934 am Edersee, zur Bereicherung der heimischen Fauna und mit Genehmigung der damaligen Jagdbehörde, die Stadt Kassel mit ihren idealen Lebensbedingungen (alte Bäume, viel Nahrung, keine natürlichen Feinde) zur Waschbären-Hauptstadt Deutschlands werden sollte. Hier leben mittlerweile über 100 Waschbären auf 100 Hektar (25-mal mehr als anderswo in Europa), und insgesamt über 10 000 Exemplare im Stadtgebiet! Während der Waschbär Casanova im Rotlichtbezirk der Stadt bei den diensthabenden Damen sehr beliebt war, zerlegen andere Racker Dachböden von Privathäusern, Museen und Theatern oder brechen Mülltonnen auf. Es soll sogar aggressive Einzeltiere geben, die für Schlagzeilen wie "Killer-Waschbär beißt zu" in der Regionalpresse gesorgt haben.

Anzeige


Waschbär-Satire mit legendären Rock- und Pop-Hits

Fabian Joel Water (Autor und Regie) macht Kassels Waschbären-Problem zum Thema seiner neuen Musicalkomödie „Waschbär-Alarm am Herkules“, die zunächst in 26 Aufführungen vom 13.02.26 bis 12.04.26 auf der kleinen Bühne des Theaters im Centrum tic gespielt wird. Anja Dorrer, Annabelle Nebe, Michael Chadim, Dominic Jarmer und Matthias Kopetzki schlüpfen dabei in 24 unterschiedliche Rollen und präsentieren die überdrehte Satire mit legendären Rock und Pop-Hits wie „Material Girl“, „Bad Moon Rising“ oder „Sweet Home Alabama“, zitieren Charaktere aus „Star Wars“ mit Sprachfehlern, heißen alle irgendwie Meyer, Meier oder Maier und sind Kasseler (jemand, der nach Kassel gezogen ist), Kasselaner (in Kassel geboren) oder Kasseläner (jemand, dessen Eltern bereits in Kassel geboren wurden). Es gibt viel zu lachen, insbesondere für alle Zuschauer, die den Lokalkolorit jeden Tag am eigenen Leib erleben.

Anzeige




Anzeige


Waschbär-Alarm - Die Handlung

Im Bergpark Wilhelmshöhe vor der Herkulesstatue passieren gruselige Dinge. Komische Geräusche, rote, leuchtende Augen und gewaltige Kratzspuren lassen den Parkwächter eine Sitzung im Stadtrat einberufen. Der Bürgermeister will die Sache aussitzen und lieber gar nichts tun, der Umweltaktivist möchte den Park schließen, um den vermeintlichen Riesenwaschbär zu erforschen, und die Marketingfrau möchte durch gezielte Werbung und Aktionen noch mehr Besucher in den Bergpark locken, um Geld in die leere Stadtkasse zu spülen. Tatsächlich zieht das Gerücht von mörderischen Waschbär-Bestien Reporterinnen und Influencerinnen in den eigentlich gesperrten Park, denen dann wirklich unheimliche Begegnungen der dritten Art bevorstehen, bevor sich das Rätsel um den Riesenbären auflöst.

Oliver Doerr hat ein geometrisches Felsenpanorama mit Blick auf den Herkules geschaffen vor dem die fünf Darsteller gekonnt mit viel Spielfreude in die unterschiedlichen Rollen in den abwechslungsreichen Kostümen von Lara Jackel schlüpfen. Die Produktion kam beim Premierenpublikum ungeheuer gut an und ist praktisch bis zum Ende der ersten Spielzeit ausverkauft. Trotz der pointenreichen Dialoge hätte sich der Musicalfan sicherlich einige mehr Songs gewünscht, so wie bei den fantastischen Zugaben mit der Choreografie von Jessica Krüger. Aber dieser Waschbär-Knaller kehrt sicherlich noch einmal auf die Bühne des tics zurück!

Text und Fotos © Stephan Drewianka; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe

Anzeige