Titanic FME © Stephan Drewianka
Titanic FME © Stephan Drewianka
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Titanic - Musical bei den Freilichtspielen Tecklenburg

S.O.S. Titanic

Den Begriff „Titanic“ verbinden viele mit dem gleichnamigen Kinohit von James Cameron aus dem Jahr 1997, der vom Untergang des britischen Passagierschiffes auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York durch eine Kollision mit einem Eisberg am 14. April 1912 als dramatische Liebesgeschichte zwischen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio mit dem Titelsong „My Heart Will Go On“ von Celine Dion erzählt. Am 14. Dezember 1997 feierte der Film über das bekannteste Schiffsunglück der Geschichte, das 1500 Menschenleben forderte, Kinopremiere in den USA, der deutsche Kinostart war am 8. Januar 1998. Rund 8 Monate bevor die Titanic mit Camerons Filmversion Kinogeschichte schrieb, stach bereits am 23. April 1997 am Lunt-Fontane Theatre am New Yorker Broadway die Musicalfassung von „Titanic“ in See. Während James Cameron die fiktionale erste Klasse Lady Rose DeWitt Bukater und den mittellosen dritte Klasse Passagier Jack Dawson als Liebespaar immer an den dramatischten Orten des sinkenden Ozeanriesen agieren ließ, setzt das Buch von Peter Stone der Musicalfassung teilweise auf historisch belegte Persönlichkeiten und erzählt deren Geschichten in vielen Einzelschicksalen, die sich wie ein Kaleidoskop zur wunderschönen Musik und Texten von Maury Yeston (Komponist von u.a. „Nine“, „Phantom“ und „Goya: A Life in Song“) entfalten. Das Musical „Titanic“ hat deshalb keine echten Hauptdarsteller, sondern ist vielmehr ein Ensemblestück mit vielen hervorstechenden Einzelfiguren. Nach der Deutschlandpremiere am 7. Dezember 2002 in der Neuen Flora Hamburg war das Musical auch gerngesehener Gast auf Freilichtbühnen wie dem Domplatz Magdeburg (2008/2009), den Thuner Seespielen (2012), der Felsenbühne Staatz (2012) und den Bad Hersfelder Festspielen (2017). In diesem Jahr sank die „Titanic“ nicht nur bei den Schlossfestspielen Zwingenberg, sondern in der Regie von Ulrich Wiggers vom 25. Juli bis 14. September 2025 vor rund 1800 gebannten Zuschauern in 22 plus 2 Zusatzvorstellungen auch bei den Freilichtspielen Tecklenburg

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Titanic in Tecklenburg 2025

Die riesige Open-Air Bühne von Jens Janke zeigt die vier gelb-schwarz-weißen Schornsteine des Schiffes auf seiner gesamten Breite, dazu agieren die Darsteller auf den bekannten drei Ebenen, wobei die oberste die Kommandobrücke darstellt, auf der Benjamin Eberling als ruhiger und bedachter Kapitän E.J. Smith das Regiment führt. Alexander di Capri kann als Konstrukteur Thomas Andrews stolz auf „sein“ Schiff sein, dass er als Meisterleistung der Menschheit und als das gewaltigste, bewegliche Objekt der Welt sieht. Felix Martin als Eigner J. Bruce Ismay hat allerdings Interesse an einer möglichst werbewirksamen Presse zur Jungfernfahrt des Schiffes und drängt den Kapitän immer wieder Fahrttempo und Route zu optimieren, um als schnellste Passage zwischen alter und neuer Welt in die Geschichtsbücher einzugehen. Kapitän Smith gibt den Befehl, schneller zu fahren an den besorgten Heizer Frederic Barett (Til Ormeloh) weiter. Davon bemerken die Passagiere der ersten, zweiten und dritten Klasse recht wenig. Ganz unten im Schiff träumen die irischen Auswanderer Kate McGowan (Laura Araiza Inasaridse), Kate Murphy (Hannah Miele) und Kate Mullins (Gioia Heid) gemeinsam mit Jim Farrell (Michael B. Sattler), der sich in eine der drei Kates trotz deren Schwangerschaft verliebt, von einem wohlhabenden Leben in Amerika. So ausgelassen feiert man in der ersten Klasse bei weitem nicht, wenn der Ragtime auch dort moderne Akzente setzt. Bedient von Steward Henry Etches (Gerben Grimmius) speist man das Kapitäns-Dinner mit den Millionären Ida und Isidor Straus (Masha Karell und Anton Rattinger), die sich mit ihrem ersten Kaufhaus Katalog ebenfalls in neue Gewässer wagen wollen. In der zweiten Klasse überrascht die mysteriöse Charlotte Cardoza (Esther-Larissa Lach) in der bisher nur von Männern dominierten Poker-Runde, während Alice Beane (Bettina Meske) neugierig und eifersüchtig auf die wohlhabendere erste Klasse blickt, zu der sie auch so gerne gehören möchte und ihr Mann Edgar (Patrick L. Schmitz) sie kaum beruhigen kann. Trotz der Eiswarnungen, die Funker Harold Bride (Tobias Bieri) empfängt, fährt die Titanic im Rekordtempo weiter durch die spiegelglatte See, bis Ausguck Frederick Fleet (Nicolai Schwab) den riesigen Eisberg zu spät bemerkt und eine Kollision unausweichlich ist, so dass Funker Bride erstmalig das noch sehr neue Signal S.O.S. in die kalte Nacht aussendet.



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Bühne, Technik, Kostüme und Musik - Highlights und Fazit

Obwohl schon 2017 beim Niedergang der De Winter Residenz von „Rebecca“ Flammen als Projektion verwendet wurden, ist man 2025 in Tecklenburg stolz, eine verbesserte Projektionstechnik präsentieren zu können, die den Schiffsuntergang nicht nur mit geborstenem Schiffsrumpf und Wellen authentischer werden lässt, sondern auch Passagiere als Schatten Treppen heraufeilen und die Schiffspläne beim Requiem der ertrunkenen Passagiere wie eine Decke über die gesamte Kulisse ausbreitet. Überhaupt ist das Auge des Zuschauers im ganzen Stück gefordert, passiert doch an allen Ecken und Enden unglaublich viel gleichzeitig. Die opulenten Kostüme von Fabienne Ank tragen ebenfalls dazu bei, dass diese „Titanic“-Produktion zu einem optischen Leckerbissen wird, der so fasziniert, dass ich bei der grandiosen Opening-Sequenz, bei der alle später toten Passagiere voller Lebensmut an Bord gehen, ganz vergesse, in Tränen auszubrechen, was mir sonst bei jeder anderen „Titanic“-Produktion passiert. Doch auch wenn diesmal das Taschentuch trocken blieb, ist „Titanic“ in Tecklenburg ein Highlight der Musicalsaison 2025. Juheon Han hat als musikalischer Leiter die symphonische Partitur von Maury Yeston bestens unter Krontolle und die schauspielerischen und gesanglichen Leistungen aller Darsteller überzeugen, sei es beim harmonischen Funk-Duett von Bieri und Ormeloh, der amüsanten Stakkato-Aufzählung der ersten Klasse Passagiere von Meske oder der dramatischen Schuldzuweisung der Katastrophe zwischen Kapitän, Eigner und Konstrukteur (Eberling, di Capri und dem „Erzbösewicht“ Martin). Als i-Tüpfelchen muss noch die herrliche Choreografie von Francesc Abós erwähnt werden, die nicht nur im Ensemble bei Ragtime oder Irisch Folk, sondern auch als Zwei-Personen Ballett die Jugendzeit des Straus-Paares repräsentiert, die Handlung als wichtiges Element mitträgt. Die „Titanic“ geht zwar auch in Tecklenburg unter, als Musicalproduktion schwimmt sie aber definitiv ganz oben!

© Text & Fotos by Stephan Drewianka, Musical-World.de; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical Fachzeitschrift BLICKPUNKT MUSICAL 05-Ausgabe 137, 05-2025

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