Osmans Töchter © Sascha Kreklau, MIR
Osmans Töchter © Sascha Kreklau, MIR
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Osmans Töchter – Kochshow wider Willen 2025 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Wenn die Tomate im Salat ein Liedchen trällert

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Aber ein gutes Essen kann viel mehr sein: Geruch, Verführung, Geheimnis, Vorfreude. So ist die Philosophie von Restaurantchef Osman Özer, für den seine Küche ein magischer Ort ist, bei dem das Gemüse singt und der Oktopus Küchenchef werden möchte, um nicht auf der Speisekarte zu landen. Und Osman hat drei Töchter: Cemre ist furchtlos und stark, Nilüfer ist besonnen und realistisch und Petra als älteste Tochter lebt noch in Istanbul. In Osmans Küche passieren mysteriöse Dinge. Des Nachts erklingen alte Gesänge und rufen Osman in seine alte Heimat. Und dann ist Baba Osman plötzlich verschwunden und unter den drei Töchtern beginnt ein Kampf um die Vorherrschaft im Restaurant und die Suche nach der Zukunft. Da ist es nicht hilfreich, wenn sich auch noch Journalisten, Gerichtsvollzieher, Gesundheitsamt und Altkanzlerin Merkel ankündigen. Es herrscht der ganz normale Wahnsinn hinter den Kulissen eines kulinarischen Tempels…

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Musical-Telenovela mit türkischer Kochshow-Ästhetik

2024 arbeitete Das Helmi, eine Theatertruppe aus Berlin mit exzentrischen Puppen aus Schaumstoff, erstmals beim Nick-Cave-Musical „Death Is Not The End“ mit dem MiR-Puppentheater zusammen. Am 30.11.25 feierte die zweite Kooperation mit dem Musiktheater im Revier GelsenkirchenOsmans Töchter“ Premiere im Kleinen Haus. Die ersten sechs Vorstellungen der Musical-Telenovela mit türkischer Kochshow-Ästhetik und epischem Familiendrama fanden bereits Anfang November als Koproduktion des Saarländischen Staatstheaters in Saarbrücken statt, dort in einer Eventlocation, bei der die Zuschauer an Tischen saßen und in der Pause auch kulinarisch verwöhnt wurden. Dem Gelsenkirchener Publikum wurde mit Gang 7 die Show, die von den kreativen Köpfen immer als „Stückentwicklung“ präsentiert wird, bei dem sich die Show mit jeder Performance weiterentwickeln soll, als „reiferer“ Einakter ohne Pause serviert und nur zwei Tische vor der Bühne erinnern an den „Dinner-Show“-Charakter, mit der es zunächst konzipiert wurde.

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Schräge Puppen-Show mit Rapperin addeN

Als Brücke zwischen zwei Kulturen präsentieren sich Dialoge und Songs in deutscher und türkischer Sprache ohne Übertitel, trotzdem ist es Besuchern beider Kulturkreise leicht möglich, der Handlung problemlos zu folgen. Wer den Begriff „Osmans Töchter“ bei einer Internetsuche eingibt, findet als ersten Eintrag ein echtes Berliner Restaurant am Prenzlauer Berg, in der direkten Nachbarschaft von Das Helmi, bei dem die Autoren Jakob Dobers, Florian Loycke, Neda Pourbakhshayeshi und Emir Tebatebai gerne zu Gast sind. Trotzdem ist die Handlung rein fiktiv, hat aber viele Parallelen zu dem, was türkischen Auswanderern auch in zweiter und dritter Generation in Deutschland passieren kann und beschreibt auch die Zugehörigkeitsprobleme zur deutschen oder türkischen Kultur. Die Besetzung ist wie das Stück selbst divers mit u.a. Daniel Jeroma als Tochter Nilüfer Özer, der starken Performerin und Rapperin addeN (Neda Pourbakhshayeshi) und der bei der Premiere verletzten und aus dem Rollstuhl agierenden, interdisziplinären Tänzerin/Performerin, Choreografin und Schauspielerin (Av mevsimi - Zeit der Jagd (2010), Kayip (2013) und Dream (2016)) Gizem Akman. Ob als Puppe oder reale Menschen agieren die Darsteller überzeugend-sympathisch, so dass man leicht in die groteske Phantasiewelt um Osmans Küche eintauchen kann. Die Musik ist auch für deutsche Ohren ein unterhaltsamer Mix aus orientalischer Feinkost gewürzt mit einem Schuss Ruhrpott-Püree. Die Zuschauer an den Tischen wurden mit einer türkischen Kulinarität abgespeist, die sie nach einem Rezept im Programmheft selbst zubereiten durften. 

„Osmans Töchter“ ist wesentlich leichter verdaulich als die zahlreichen Morde bei „Death Is Not The End“ und könnte vor allem bei unseren türkischen Mitbürgern, die im Publikum kräftig mitgesungen haben, einen Musical-Stern als Auszeichnung erhalten.

© Text: Stephan Drewianka, Bühnenfotos: Sascha Kreklau, MIR

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