Jekyll und Hyde - Musical aufgeführt vom Freien Musicalensemble Münster 2025
Zwei Seelen – Gut und Böse – in einem Körper vereint
„Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson aus dem Jahr 1886 handelt vom ambitionierten Wissenschaftler Dr. Jekyll, der mit seiner Formel HJ7 das Böse und das Gute der menschlichen Persönlichkeit voneinander trennen will, um das Leben seines erkrankten Vaters zu retten. Doch die medizinische und ethische Kommission des Krankenhauses gewährt Dr. Jekyll keine Versuchspersonen, woraufhin er seine Formel an sich selbst austestet und damit den unheimlichen Mr. Hyde entfesselt. Während Dr. Jekyll mit der bezaubernden Lisa Carew aus der Oberschicht verlobt ist, zieht es Mr. Hyde zur Prostituierten Lucy Harris und ein gefährliches Spiel beginnt. Gleichzeitig häufen sich in London mysteriöse Mordfälle…
70 Darsteller und riesiges Orchester bei Jekyll & Hyde
1997 verarbeitete Frank Wildhorn diese düstere Novelle zu einem Musical, das 1999 in Bremen Deutschlandpremiere feierte und seitdem auch gerne von Stadttheatern inszeniert wird. Das Freie Musicalensemble Münster FME brachte bereits vor 20 Jahren dieses Musical auf die Bühne. Seitdem hat sich nicht zuletzt durch die Corona-Krise im Amateurverein viel verändert. Im Vorstand und bei den Darstellern tummeln sich viele neue, junge Gesichter, von denen für viele die 12 Vorstellungen vom 31.10. bis 23.11.25 die erste Bühnenerfahrung bereithielten. Regisseur und musikalischer Leiter Ingo Budweg, der sein 38-köpfiges Orchester und die rund 70 Darsteller souverän durch knapp 4 Stunden exzellenter Musicalunterhaltung leitet, darf zurecht stolz auf die Leistung seines Vereins sein. Dabei zelebriert das gesamte Ensemble buchstäblich jede Note, die Frank Wildhorn jemals zu „Jekyll & Hyde“ geschrieben hat, vom Konzept-Werk über diverse Theater-Inszenierungen, bei denen einige Songs gekürzt oder gestrichen wurden, bis hin zum „Resurrection“-Album, mit einer Intensität und Leidenschaft, wie ich sie bisher in keiner anderen Inszenierung erleben durfte. Neben der phänomenalen Ensemble-Leistung, die selbst die immer wiederkehrenden Leitmotiv-Versionen von „Fassade“ zu einem Erlebnis werden lassen, können auch die Solopartien von Maximilian Dreyer in der Doppelrolle Henry Jekyll und Edward Hyde, Chiara Bonventre als Lisa Carew und Wenyi Xie als Prostituierte Lucy Harris sowohl darstellerisch als auch gesanglich restlos überzeugen.
2-Etagen Kulisse mit Labor, herrliche Kostüme, kreative Regieeinfälle und Choreografie
Dazu kommen eine optisch sehr ansprechende Bühne von Adriana Linke, Christian Dabringhaus und Frank Kasuch, die Jekylls Labor ungewohnt in die obere Etage der zweietagigen Kulisse unterbringt und herrlich anzuschauende Kostüme von Alexandra Dummel, Fabienne Puschmann und Leonie Cohaus, die das viktorianische London zum Leben erwachen lassen. Was diese Aufführung so besonders macht, sind weitere kreative Regieeinfälle, die man in dieser Form noch nicht erleben durfte. So wird Hyde bei seinen Morden von einer Schar schwarzgewandeter, gesichtsloser Kreaturen mit Klauenhänden begleitet, die in der Choreografie von Greta Winkhaus und Marie-Sophie Weber auch der Konfrontations-Sequenz ganz neue Impulse geben. Der Ton von Thorsten Brinkmann ist perfekt abgemischt und lässt Stimmen und Orchester klar und dreidimensional erklingen. Das Licht von Marc Feld, Max Brokbals und Nils Hälker trägt wie ein lebendiger Charakter viel zur düsteren Stimmung bei.
Ausverkaufte Vorstellungen
Der gute Ruf des FME sorgte bereits 14 Tage nach Eröffnung des Kartenvorverkaufs und lange vor der Stückpremiere für restlos ausverkaufte Vorstellungen und die Vorschusslorbeeren wurden keine Sekunde enttäuscht. Egal welches Stück das FME für 2026 aus dem Hut zaubern wird, darf man davon ausgehen, dass auch die nächste Produktion ein Hit werden wird, der selbst längere Anreisen nach Münster rechtfertigt.
© Text & Fotos by Stephan Drewianka, Musical-World.de; dieser Bericht erschein ebenfalls in der Musical Fachzeitschrift Blickpunkt Musical 01-2026 – Augabe 139
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