Das Licht auf der Piazza © Pedro Malinowski, MiR
Das Licht auf der Piazza © Pedro Malinowski, MiR
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Das Licht auf der Piazza - Musical 2025 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Wenn man aus dem Rahmen fällt

Die junge Clara ist seit einem Reitunfall, bei der sie sich ein Schädelhirntrauma zuzog, in ihrer Entwicklung zurückgeblieben und für ihr Alter noch kindlich naiv. Ihre Mutter Margaret Johnson will sie vor den schädlichen Einflüssen der Welt beschützen. Auf einer Reise nach Florenz verliebt sich Clara in den Italiener Fabrizio. Zunächst will Margaret die Hochzeit verhindern, willigt aber schließlich in die Heirat ein. Doch als Fabrizios Eltern erfahren, dass Clara sechs Jahre älter als ihr Sohn ist, sind sie nicht mehr davon überzeugt, dass eine Ehe eine gute Idee ist.

Das Licht auf der Piazza - Entstehung des Musicals

Diese Geschichte siedelt der Enkel von Musical-Legende Richard Rodgers Adam Guettel (Musik und Songtexte) mit Craig Lucas (Buch) für sein Musical The Light in The Piazza“ in den 1950er Jahren an, wo der Begriff „kognitive Entwicklungsstörung“ mit dem heutigen Verständnis noch gar nicht geprägt war. 2003 war das Stück am Broadway mit über 500 Aufführungen recht erfolgreich und gewann 6 Tony Awards, u.a. für die beste Musik und Orchestrierung. In Deutschland gibt es nach den Landesbühnen Sachsen 2018 erst die zweite Inszenierung dieses Musicals in deutsch-italienischer Sprache in der Übersetzung von Roman Hinze. In Kooperation mit der Oper Wuppertal, wo das Stück vom 07.03.26 bis 18.07.26 zu sehen sein wird, feierte das Musical „Das Licht auf der Piazza“ unter der feinfühligen Regie von Carsten Kirchmeier bereits am 02.11.25 Premiere im Großen Haus des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen und steht dort noch bis zum 15.02.26 auf dem Spielplan.

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Bühnenbild, Kostüme und Musik, italienisches Flair

Opulente Bilderrahmen, mal gefüllt mit barocken Gemälden und Statuen, mal als Rahmen für die agierenden Personen im Stück, beherrschen die Bühne von Julia Schnittger und versetzen den Zuschauer in die Kunstmetropole Florenz. Die eleganten Kostüme von Heide Mohr erinnern an Spielfilme der 50er Jahre mit italienischen Diven wie Sophia Loren oder Gina Lollobrigida. Und dieses Flair verströmt auch die anspruchsvolle Partitur, die schwelgerisch zwischen Filmmusik und Oper von der neuen Philharmonie Westfalen unter der musikalischen Leitung von Mateo Peñaloza Cecconi und Askan Geisler wandelt und den Opernchor des Hauses passend ins Musical integriert.

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Die Rollen und Darsteller von Das Licht auf der Piazza

Katherine Allen ist eine perfekte Clara, die ihre geistige Behinderung mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl darstellt, so dass lange unklar bleibt, was mit ihrem Charakter eigentlich nicht stimmt. Ihre Balance zwischen kindlicher Naivität und überbordender Exzentrik könnte einfach auch „italienische Impulsivität“ sein, die die Familie Naccarelli und insbesondere Luc Steegers in der Rolle des verliebten Fabrizio auch lange als genau das ansehen. Die Charaktere der Italo-Drama-Familie werden bewusst stereotyp gezeichnet, von Sebastian Schiller als Gigolo Giuseppe, dessen Ehefrau Franca mit Rebecca Davis permanent eifersüchtig agiert, Elpiniki Zervou als gutmütige „Mamma Miracoli“ Signora und Patrick Imhof als „Papa Pate“ Signor Naccarelli. Anke Sieloff als Claras Mutter Margaret Johnson ist gluckenhaft um das Wohlergehen ihrer Tochter besorgt und will sie am liebsten komplett von der Außenwelt abschirmen, bis es für sie final heißt „Was du liebst, lass gehen“.

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Aufruf zum respektvollen Umgang mit Behinderung

So schön die im Musical eindringlich verpackte Botschaft zum respektvollen zwischenmenschlichen Umgang mit behinderten Menschen sein mag und wie schön sie in der Gelsenkirchener Inszenierung verpackt ist, weist die ansonsten etwas dünne Handlung, in der sich strenggenommen nur ein Paar seine Liebe erklärt, zeitweise einige Längen auf, deren ausgedehnte Erzählweise man aus modernen Musicals nicht mehr gewohnt ist. Auch auf den opernhaften Charakter muss man sich als Musical-Zuschauer einlassen können. Wer das kann, erlebt in Gelsenkirchen und sicher auch in Wuppertal (mit anderer lokaler Besetzung) einen klassisch-traditionell angehauchten Abend, der an Sondheims „Sunday in the Park with George“ erinnert.

© Text: Stephan Drewianka, Bühnenfotos: Pedro Malinowski, MiR

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