School Of Rock Kassel © Stephan Drewianka
School Of Rock Kassel © Stephan Drewianka
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HBF – Verspätung gibt es immer - Uraufführung des Bahnhofsmusicals 2026 am Theater an der Niebuhrg

Es fährt kein Zug nach Oberhausen

Zugverspätungen gehören in Deutschland seit Jahren zum festen Inventar des Alltags, und kaum eine Institution hat den kollektiven Seufzer „Schon wieder!" so tief in der Volksseele verankert wie die Bahn. Dass man daraus ein richtig gutes Rock-Pop-Musical machen kann, beweist das Theater an der Niebuhrg in Oberhausen eindrucksvoll mit seiner Uraufführung des Bahnhofsmusicals „HBF – Verspätung gibt es immer" von und mit Markus Psotta, die am 18. April 2026 von einem begeisterten Premierenpublikum mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

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Marions Kiosk im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Handlung steht kein Held, kein Liebespaar und kein großes Schicksal, zumindest zunächst nicht. Im Mittelpunkt steht ein Kiosk, Marions Kiosk, genauer gesagt, jener vom Aussterben bedrohte pott-typische Anlaufpunkt inmitten der Halle eines Ruhrgebietsbahnhofs, an dem das Leben in all seinen skurrilen, berührenden und absurden Facetten vorbeizieht. Pendler, Penner, Polizisten, Reisende, Gestrandete, Liebende, Einsame, Fußballfans, Feierzug-DJs und sogar Drogendealer, sie alle landen früher oder später an Marions Tresen, während die Anzeigetafel zuverlässig neue Verspätungen verkündet. Dass der Bahnhof dabei unverkennbar an den Oberhausener Hauptbahnhof angelehnt ist, sorgt bei den einheimischen Zuschauern für wissende Lacher und ruhrgebietstypische Schmunzelmomente, die das Ensemble mit sichtlicher Freude und Ortskenntnis zelebriert. 

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Typisches Gesellschaftspanorama im Ruhrgebiet

Das junge Ensemble meistert das „Rollenfeuerwerk", das die Produktion verspricht, mit Bravour: Die Darsteller schlüpfen in rascher Folge in die unterschiedlichsten Charaktere und zeichnen dabei ein Gesellschaftspanorama, das Klischees mit menschlicher Wärme und überspitzter Glaubwürdigkeit kombiniert. Nina Barton ist als Kiosk-Besitzerin Marion Tiller die einzige Darstellerin, die in ihrer omnipräsenten Rolle „einzigartig“ ist, alle anderen Sänger spielen mehrere Rollen, auch wenn Markus Psotta hauptsächlich als Thommy Heinrich den Traum eines Musicaldarstellers verwirklichen möchte, was seine elitären Eltern Elisabeth (Kira Maxein) und Walter (Marcus Konrad) nicht wirklich unterstützen würden, weshalb Schwester Sophie (Rebecca Stutz) Thommys Traum als Geheimnis hütet. Patricia Psotta verdreht als Roxie Marions Ex-Mann Rainer (Thomas Lange) den Kopf, während sich Bahnhofsvorsteher Achim (Gordon Heckes) anhören muss, dass Rainer keinen Unterhalt zahlt. Weiterhin gibt Katrin Peters u.a. die gewissenhafte Gutachterin.



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Songs aus Rock, Pop und Musicals

Musikalisch setzt „HBF" auf einen abwechslungsreichen Mix aus Rock und Pop und zitiert in kraftvollen Ensemblenummern und mit intimen Solopassagen Ruhrpott-Hymnen sowie einige Songs aus bekannten Musicals wie „Chicago“, „Falco meets Amadeus“, „Hamilton“, „Ich war noch niemals in New York“, und zeigt auch sympathische Rollator-Omis wie aus „The Producers“. Das Bühnenbild nutzt die Möglichkeiten des Hauses klug aus und verwandelt die Spielfläche überzeugend in eine Bahnhofshalle, die nüchtern-funktional und zugleich voller Leben ist. 

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Spielfreudige Musicalunterhaltung

Und neben der reinen Comedyunterhaltung lässt das Stück auch nachdenkliche und stille Momente zu. Was die „Heiße Ecke“ für Hamburg ist, könnte Marions Kiosk im Oberhausener „Hauptbahnhof“ für den Ruhrpott werden. Das Theater an der Niebuhrg, seit 1996 auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Concordia beheimatet und mit seinem 185 Plätze fassenden Saal eines der charmantesten Kleintheater der Region, hat sich mit diesem Eigenprodukt wieder einmal als verlässlicher Ort für warmherzige, spielfreudige und handwerklich solide Musicalunterhaltung erwiesen. Schauen Sie mal vorbei, solange die erste Spielzeit bis 7. Juni 2026 noch läuft.

© Text und Fotos © Stephan Drewianka; Dieser Bericht erschien ebenfalls in der Musical Fachzeitschift Blickpunkt Musical  Ausgabe



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