





Bauch, Beine, Muskelkater - Musical-Komödie 2026 am theater im centrum (tic) Kassel
Hart, Härter, Degenhardt
Frau Degenhardt leitet ihren Tanzkurs mit eiserner Hand. Gestretcht, trainiert, gedreht und gesprungen wird nach ihrem Kommando und wehe, jemand tanzt aus der Reihe! Doch dann betritt ein neuer Teilnehmer den Kursraum, und mit ihm kommt das unvermeidliche Chaos in die Gruppe, die sich längst in ihrer geregelten Routine eingerichtet hatte. Was als lästige Störung beginnt, entpuppt sich als Wendepunkt für die Gruppe...
Neues Compilation-Musical Bauch, Beine, Muskelkater
Mit "Bauch, Beine, Muskelkater" feierte am 24. April 2026 die nunmehr über 30. Eigenproduktion des Kasseler Musicaltheaters theater im centrum tic Premiere, und das Haus im Akazienweg 24 bewies einmal mehr, warum es sich über zwei Jahrzehnte lang erfolgreich in der nordhessischen Kulturlandschaft behauptet hat. Die neue Leitungsriege aus Fabian Joel Walter (Buch und Regie) und Juliane Wetzel, die das Theater zum Jahreswechsel 2025 von Gründer Michael Fajgel übernommen haben, knüpft mit dieser Produktion nahtlos an die bisherigen erfolgreichen Kompilation-Musicals der vergangenen Jahre an. Wer bei "Bauch, Beine, Muskelkater" an ein Set in einem Fitness-Studio gedacht hat, liegt knapp daneben, denn es geht um Tanz, der „What a Feeling“ verspricht, wenn man die „Staying Alive“-Phase erst einmal hinter sich gebracht hat.
Darsteller, Bühne und Kostüme
Mit Annabelle Nebe (hippe Bloggerin Lea, bitte ein Like!), Nadine König („Ich kann das nicht und ich will das nicht“-Bianca), Anke Fiedler (strenge Tanzlehrerin Degenhardt mit unerschütterlichen Prinzipien), Yevgeniya Schott („Wie war das?“-Natascha mit sympathischem Akzent), Andreas Schneider (Neuzugang und Unruhestifter Hannes, der „das alles“ nur für seine Freundin tut) und Sasha Bornemann (Möchtegern-Ballerina Stefan mit Aversion gegen Schwulen-Witze) steht ein Team auf der Bühne, das mit Hits aus Rock, Pop und Schlager nicht nur gesanglich überzeugt, sondern sich zu der Choreografie von Jessica Krüger auch locker, leicht und manchmal grazil bewegen kann. Oliver Doerr liefert ein stimmiges Bühnenbild zwischen heruntergekommenem Ersatz-Tanzstudio, verlassener Bushaltestelle und Glitzer-Fernsehstudio ab, während die Kostüme von Mason Schier eine Billig-Klamotten-mit-Fitness-Label-Ästhetik erster Güte ausstrahlen.
Fazit
"Bauch, Beine, Muskelkater" ist weit mehr als die Komödie, die der Titel verspricht, auch wenn die Lacher in dem gemütlich-familiären 171-Plätze-Haus an diesem Abend keineswegs zu kurz kommen. Hinter dem augenzwinkernden Tanzstudio-Humor mit den charaktertypischen Klischees verbirgt sich ein Stück über Heilung, Selbstfindung und die erstaunlich befreiende Kraft des Tanzens. Das Premierenpublikum erlebte einen vergnüglichen, warmherzigen Abend mit hohem Unterhaltungswert, regionaler Verwurzelung und einem Gespür dafür, was das Kasseler Publikum bewegt. Der Muskelkater in der Lachmuskulatur nach diesem Premierenabend war rein emotional und durchaus angenehm.
Text und Fotos © Stephan Drewianka; dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe







