Artus Excalibur - Musical 2026 am Theater Osnabrück
Die Nebel Camelots - Handlung
Britannien versinkt im 5. Jahrhundert im Chaos. König Uther Pendragon ist in einem blutigen Krieg gegen den skrupellosen Lot von Orkney gefallen, der sich daraufhin selbst zum Herrscher aufschwingt. Hoffnung bringt einzig der weise Zauberer Merlin, der das sagenumwobene Schwert Excalibur in einen Felsen rammt und prophezeit, dass nur der wahre König Britanniens die Waffe aus dem Stein zu ziehen vermag. Ausgerechnet der junge Bauer Artus, unwissend über seine Herkunft als unehelicher Sohn Uthers, erfüllt im Eifer eines Gefechts die Prophezeiung und will die damit verbundene Verantwortung zunächst nicht annehmen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Lanzelot und dem Ratgeber Merlin nimmt er schließlich das Zepter in die Hand, besiegt Lot und lässt in Camelot die Ritter der Tafelrunde entstehen, ein Ideal von Gerechtigkeit und gemeinsamem Frieden.
Doch das Glück währt nicht lange. Artus heiratet die schöne Guinevere, ahnt aber nicht, dass sie eine leidenschaftliche Zuneigung zu seinem engsten Vertrauten Lanzelot entwickelt. Gleichzeitig sinnt Morgana, Artus‘ verstoßene Halbschwester, auf Rache. Durch dunkle Magie und skrupellose Bündnisse mit dem besiegten Lot, untergräbt sie Camelots Fundament von innen. Sie entzieht Merlin seine Kräfte, deckt den Verrat Lanzelots und Guineveres auf und versucht schließlich, Artus zu töten. Nur das beherzte Eingreifen Guineveres verhindert das Schlimmste. Am Ende bleibt ein König, der zweifelt, kämpft und sich behauptet, und die Hoffnung, dass die Tafelrunde eines Tages neu ersteht.
Weltpremiere des Wildhorn-Musicals Artus 2014 in St. Gallen
Frank Wildhorn, der amerikanische Komponist hinter Erfolgsmusicals wie „Jekyll & Hyde", „Dracula" und „Der Graf von Monte Christo", knüpfte mit „Artus Excalibur" an eine langjährige und fruchtbare Partnerschaft mit dem Theater St. Gallen an. Nach dem großen Erfolg von „Der Graf von Monte Christo", das ebenfalls dort seine Uraufführung erlebt hatte, vertraute das Schweizer Haus dem Komponisten erneut eine Welturaufführung an. Am 15. März 2014 hob sich der Vorhang für das neue Wildhorn-Werk seiner eigenen Interpretation der Artus-Sage mit dem Buch von Ivan Menchell und den englischen Songtexten von Robin Lerner. Die deutschsprachige Fassung übernahm Nina Schneider und die Orchestrierung besorgte Koen Schoots.
Cast-CD mit Starbesetzung
Mit Regisseurin Francesca Zambello und einem Staraufgebot mit Patrick Stanke als Artus, Mark Seibert als Lanzelot, Thomas Borchert als Merlin, Annemieke van Dam als Guinevere und Sabrina Weckerlin als Morgana, war die Uraufführung hochkarätig besetzt wie kaum ein anderes europäisches Wildhorn-Projekt zuvor. Zur Premiere erschien auch eine Cast-CD, die in keiner Musicalsammlung fehlen sollte. Wildhorns Musik überzeugte mit ihrem charakteristischen Mix aus Popballaden, sinfonischen Klängen und ungewohnten, keltisch-irischen Einflüssen inklusive eines Dudelsack-Spielers.
Cast CD von Artus Excalibur im Sound Of Music Shop
Deutschlandpremiere 2016 in Tecklenburg
Nach dem Erfolg in der Schweiz folgte 2016 die deutsche Erstaufführung bei den Freilichtspielen Tecklenburg, noch im selben Sommer die österreichische Erstaufführung auf der Felsenbühne Staatz. Das Musical reiste in den Folgejahren weiter nach Südkorea, wo 2019 eine grundlegend überarbeitete Fassung mit neuen Songs und verändertem Buch unter dem Titel „Xcalibur" in Seoul Premiere feierte. Am 07. März 2026 kehrte „Artus Excalibur" rund zehn Jahre nach Tecklenburg in die Osnabrücker Region zurück.
Neue Inszenierung 2026 in Osnabrück
Das Theater Osnabrück produziert das Werk in einer eigenen Inszenierung von Oliver Klöter unter der musikalischen Leitung von Seong-Bin Oh mit dem Osnabrücker Symphonieorchester. In der besuchten Vorstellung rund einen Monat nach der umjubelten Premiere, bei der wohl noch das Orchester die Stimmen der Darsteller übertönte, ist der Ton von Jan van Triest, Ralf Berning und Manuel Sieg so abgemischt, dass alle Darsteller gesanglich kristallklar mit jedem Wort zu verstehen sind, während der symphonische Sound mit nur wenigen E-Gitarren-Riffs leider seinen Charakter als bombastisches Rock-Musical etwas einbüßt und gewaltige Nummern wie „Morgen triffst Du den Tod“ zwar immer noch für Gänsehaut sorgen, aber an die Originalinstrumentierung aus St. Gallen nicht heranreichen.
Optisch präsentiert Ausstatter Darko Petrovic eine archaische Steinwelt aus massiven Felsbrocken, die sich im Laufe des Abends auf der rotierenden Drehbühne immer wieder neu zusammenfügen und dabei auch zur Tafelrunde werden, während sich dahinter ein mit geheimnisvollen Ornamenten verzierter, leuchtender Halbkreis erhebt, der die Burg Camelot symbolisiert. Dieses Einheitsbühnenbild bleibt während der gesamten Vorstellung präsent, kann aber modifiziert werden durch spärlich, aber effektvoll eingesetzte Rückprojektionen von Wäldern oder einem Kloster, in dem Morgana eine Bibel bei Beschwörung heidnischer Rituale in Flammen aufgehen lässt.
Das Lichtdesign von Ingo Jooß taucht alles in mystisches Halbdunkel mit Nebel. Besonders effektvoll ist dies auch gleich zu Beginn des Stückes, wenn sich zur Ouvertüre „Das Feld der Ehre“ beginnend mit einem einzelnen Dudelsackspieler zu einem sich ähnlich wie Ravels „Bolero“ gestalteten Rhythmus die Bühne langsam mit Darstellern füllt, die vom Krieg gezeichnet, verletzt oder tot gerne helleren Zeiten unter einer neuen Führung entgegensehen. Sabrina Steins Choreografie gibt der Hochzeit von Guinevere und Artus den richtigen Drive, während die Fecht- und Kampfchoreografie von Jean-Loup Fourure auf dem Schlachtfeld die Duelle der Protagonisten ansehnlich gestalten.
Jannik Harneit übernimmt souverän und mit kraftvoller Stimme die Titelrolle eines Herrschers, der durch Zufall in seine royale Rolle gedrängt wird und erst vom naiven Bauernlümmel zu einem verantwortungsvollen König in goldener Rüstung reifen muss, der dann zwischen Macht, Moral und Mitgefühl zerrieben wird. Vikrant Subramanian spielt den feinfühligen Lanzelot, der sich unglücklich in die Frau seines besten Freundes verliebt und seine gesamte seelische Zerrissenheit in die wundervolle Ballade „Nur sie allein" legen darf, die zu einem Highlight der Show wird.
Susanna Edelmann verkörpert das Objekt der Begierde beider Freunde überzeugend, ist als Edeldame Guinevere aber nicht nur unnahbare, zerbrechliche Porzellanfigur, sondern ist vielmehr emanzipiert und steht auch mit dem Schwert ihren Mann. Jan Friedrich Eggers zeigt einen Merlin, der weniger ein starker Zauberer und viel mehr eine leitende Vaterfigur ist, während Daniela Tweesmann eine Morgana zeichnet, die keine gütige Fee, sondern eine ernstzunehmende Rivalin mit wahren mystischen Kräften ist, die mit den Waffen einer Frau auch einem Zauberer jegliche Kraft rauben kann.
Mark Hamman berührt als Ziehvater Ector besonders in seiner Todesszene, Anton Pallaske gibt Lot von Orkney als ersten Antagonisten, der aber von Artus noch leicht bezwungen werden kann, bevor Lanzelot ihm das Liebesleben und Halbschwester Morgana das Regentenleben schwer machen. Neun Nebenrollen wurden mit Studierenden des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück bestens besetzt. Hauptdarsteller und Opernchor beherrschen die anspruchsvolle Partitur perfekt, bei der sie nicht selten im Gesang ihre eigene Melodie finden und sich gegen den peitschenden Rhythmus der Instrumente des Orchesters behaupten müssen – ein Stilmittel, das Komponist Frank Wildhorn gerne einsetzt und bei diesem Musical geradezu perfektioniert hat.
Fazit: Das Theater Osnabrück liefert mit „Artus Excalibur“ eine sehenswerte Produktion eines Wildhorn-Musicals ab, das in Deutschland viel zu selten gespielt wird und auf jeden Fall eine Entdeckung wert ist!
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