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CD


Barbra Streisand: Encore – Movie Partners sing Broadway auf CD

Barbra Streisand: ENCORE auf CD © Sony Music

Neue Broadway CD mit ungewöhnlichen Duetten

Seit dem neuen Musicalboom in den Kinos ist es bei aktuellen Verfilmungen von Bühnenadaptionen „In“, Schauspieler singen zu lassen. Bei „Les Miserables“ funktionierte das wunderbar mit Hugh Jackman, der in seiner Heimat eben auch Musicaldarsteller ist, und Anne Hathaway, die für ihre Leistung als Fantine den verdienten Oscar gewann. Auf der Verliererseite war Russell Crowe als Inspektor Javert, dessen Gesangskünste nicht besonders geschätzt wurden. Ähnlich erging es Pierce Brosnan bei „Mamma Mia“, wohingegen Amanda Seyfried und Meryl Streep geradezu Blut geleckt hatten für weitere Produktionen. Frau Streep war dann auch erste Wahl als Hexe in „Into The Woods“, wo sie auf Johnny Depp traf, der bereits als „Sweeney Todd“ zusammen mit Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen schnuppern durfte. Die Liste an singenden Schauspielern wächst ständig und eigentlich macht es wirklich Laune, den neuen Captain Kirk Chris Pine als Cinderellas Prinz schmachtend an einem Wasserfall singen zu sehen.

Schon 2013 kam Barbra Streisand auf die Idee, ihr drittes Broadway-Album nach „The Broadway Album“ und „Back to Broadway“ mit Duetten ihrer Schauspiel-Kollegen aufzunehmen. Den ersten Versuch in diese Richtung startete sie bei Hugh Jackman, der natürlich sofort seine Zusage gab. Drei Jahre später präsentiert die erfolgreichste weibliche Sängerin der Welt, die in 6 Jahrzenten 52 Gold-, 31 Platin- und 13 Multiplatin-Alben produzierte und mit 33 Top-Ten Alben, von denen 10 die Spitze der Billboard Charts anführten, ihre neue CD „ENCORE“, die bereits eine Woche nach Verkaufsstart ebenfalls auf Platz 1 in Amerika, Australien und Großbritannien zu finden war.

Die 10 außergewöhnlichen Songs mit noch ungewöhnlicheren Duett-Partnern finden sich nicht auf den üblichen „Best Of Broadway“-Alben. Hier geht Barbra Streisand ihren eigenen Weg und findet auch ohne ihren leider 2012 verstorbenen Lieblings-Arrangeur und Dirigenten Marvin Hamlisch einen Weg, Dialoge in die Songs einzubinden, so dass jedes Lied eine komplette Geschichte erzählt auch ohne den Zusammenhang mit einem kompletten Bühnenmusical.

Der Opener der CD ist das über 7 min lange Paradestück „At The Ballett“ aus Marvin Hamlischs „A Chorus Line“. Drei Frauen erzählen dem Regisseur eines Musicals (auf der CD von Bradley Cooper gespielt), wie sie durch ihre zerrütteten Elternhäuser zum Tanzen kamen und warum ihnen die harte Ballettausbildung ein stärkeres zu Hause Gefühl vermittelte als ihre Eltern. Neben der 74-jährigen Streisand, die mit gewohnt routinierter Stimme die zänkische Sheila spielt, erleben wir die im echten Leben hochschwangere Anne Hathaway als Maggie und Daisy Ridley (Rey in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) als Newcomer Bebe. Die drei Frauenstimmen harmonieren fantastisch miteinander und hier wird deutlich, warum Barbra Streisand gute Schauspieler für dieses Album suchte, denn die Geschichte der drei tanzenden Damen kann den Hörer buchstäblich zu Tränen rühren. Das Orchesterarrangement überzeugt mit frischen Klängen, die zum Finale in der dargebotenen Opulenz aus finanziellen Gründen wohl nie in einem Theater gezeigt werden könnten. Aber wenn Barbra Streisand mehr Geigen möchte, gibt es auch mehr Geigen, ein absoluter Hochgenuss!

Der Song „Loving You“ aus Sondheims „Passion“ ist eigentlich ein Solo der behinderten Fosca an ihren stattlichen Soldaten, der ihre Liebe (zunächst) nicht erwidern will. Mit Patrick Wilson erzählt Barbra Streisand die Geschichte eines Paares, dessen gemeinsame Zeit eigentlich abgelaufen ist, doch während für den Mann ihre Beziehung bereits Geschichte ist, lebt die Frau weiterhin allein für ihre Liebe. Sondheims innige Liebeserklärung ist im Original frei von Kitsch und die neue „Liebe Stirbt Nie“-Version von Barbra Streisand erzählt einfühlsam von einer noch nicht ganz vergangenen Romanze mit Gänsehautgarantie.

Der britische Popsänger Anthony Newley kam über das Schauspiel zum Musical und spielte u.a. an der Seite von Rex Harrison im Filmmusical „Doktor Doolittle“. Als Barbra Streisand 1965 mit „Funny Girl“ ihren Durchbruch im Winter Garden Theatre hatte, spielte Newley einige Straßen weiter im Bricusse Musical „The Roar Of The Greasepaint – The Smell Of The Crowed“, wo er den Song „Who Can I Turn To“ sang. Obwohl der Schauspieler bereits am 14.04.99 verstarb, schafft modernste Technik nun eine Duett-Version dieses Songs mit Barbra Streisand. Obwohl man der Gesangsaufnahme von Newley zur keinem Zeitpunkt ihr tatsächliches Alter anmerkt, muss man seine ungewöhnliche Stimme schon mögen, um Gefallen an dieser Interpretation zu finden. Zwar adelt Streisands Stimme den Song und wertet ihn um einiges auf, trotzdem ist für mich dieser Song der „schwächste“ auf der CD, der einfach nicht an das Niveau der restlichen Hochkaräter herankommt, zumal die Streisand hier durch die Starrheit der Originalaufnahme nicht ihre besondere Note einbringen kann, die die restlichen Lieder der CD zu etwas Besonderem machen.

Man sagt ein Song-Recycling eigentlich Andrew Lloyd Webber nach, der den Titelsong zu „Love Never Dies“ auch schon in „The Beautiful Game“ erklingen ließ. Doch auch Stephen Sondheim verwendete seinen Song „The Best Thing That Ever Happened To Me“ in seinen Musicals „Bounce“ und dem weiterentwickelten Stück „Road Show“. Barbra Streisand stellt das Liebeslied in einen neuen Kontext, in dem ein exklusives Ehepaar sich eigentlich auf einen Empfang vorbereiten sollte, beide aber lieber in gemütlicher Zweisamkeit den Abend zu Hause verbringen möchten. Doch mit humorvollen Erinnerungen an ihre gemeinsamen Erlebnisse und dem Kompliment, eben das Beste im Ehepartner zu finden, ziehen beide schließlich in den gesellschaftlichen Kampf, zu dem sie eigentlich keine Lust hatten. Alec Baldwin ist hier Streisands gefühlvoller Gesangspartner.

Ganz anders die Beziehung in Song 5, wo wir ein Ehepaar erleben, dass sich auseinandergelebt hat. Sie kommt heim von der Arbeit mit neuer Frisur, die ihm nicht auffällt, weil er als Autor gerade in seiner Kreativphase steckt und unbedingt das Kapitel noch zu Ende schreiben will und ihr gar nicht zuhört. Da er mit dem Essen nicht auf sie gewartet hat, verschwindet sie im Schlafzimmer. Insgeheim wünschen sich beide, dass „Any Moment Now“ einer von beiden nachgibt und sich versöhnt. Beide erinnern sich, wie schön es früher einmal war, doch sobald sie den Mund aufmachen, beginnen sie zu Streiten. Der Song stammt aus der Feder von Marvin Hamlisch für das Musical „Smile“, der es aber nicht über die Workshop-Phase hinaus geschafft hat und somit nie im Musical erschienen ist. Barbra Streisand brauchte für dieses Lied einen starken Gesangs- und Schauspielpartner und „X-Men“ Wolverine Hugh Jackman war genau der Richtige.

Auf Tragik folgt Komik. „Anything You Can Do“ aus Berlins „Annie Get Your Gun“ ist eigentlich ein Kräftemessen zwischen Annie und Frank, wer was besser kann. Barbra Streisand tritt in einem Casting für einen neuen Spielfilm gegen Melissa McCarthy an, denn die Hauptrolle ist zu besetzen und es kann nur eine geben. Doch anders als Annie und Frank gelangen Barbra und Melissa während der komplett neuen Songtexte zu dem Schluss, dass die als Team gemeinsam viel besser sind als alleine. Nun gut, den Vorschlag als Mutter und Tochter gecastet zu werden, geht Frau Streisand dann doch etwas zu weit, beide könnten eher Schwestern sein. Insgesamt ein Gute-Laune-Song der Extraklasse, frei nach dem Motto „Wie nennt man einen Mann, der komplett seinen Verstand verloren hat?“ „Witwer!“

Um einer einer harten, unwirtlichen Welt zu entkommen, hilft die reine Vorstellungskraft „Pure Imagination“. Der Finalsong aus dem aktuellen Hit-Musical „Charlie And The Chocolate Factory“ in London (und ab 2017 auch am Broadway), der bereits im Film von 1971 „Willy Wonka And The Chocolate Factory“ zu hören war, interpretieren Seth MacFarlane und Barbra Streisand harmonisch als Aufruf, nie die kindliche Fantasie zu verlieren.

Kaum jemand erinnert sich an das Musical „Evening Primrose“ von Stephen Sondheim von 1966, in dem ein Mann sich in ein geschlossenes Kaufhaus flüchtet, um der realen Welt zu entfliehen und dort auf Ella trifft, in die er sich verliebt und die ihn wieder in die echte Welt herausführt. Als Partner für den Song „Take Me To The World“ suchte sich Barbra Streisand die charismatische Stimme von Antonio Banderas aus, der bereits sein Gesangstalent in den Verfilmungen von „Evita“ (mit Madonna) und „Nine“ demonstriert hat. Ein wunderschöner Song über Ängste und wie man sie aus Liebe überwindet.

Wie perfekt ein Medley aus zwei völlig unterschiedlichen Songs im richtigen Arrangement wirken kann, so dass das Ergebnis wie aus einem Guss anmutet, zeigt die Kombination von „I´ll Be Seenig You“ aus „Right This Way“ von 1938 und dem Klassiker „I´ve Grown Accustomed To Her Face“ aus „My Fair Lady“ von 1956. Der Song vermittelt die Vertrautheit eines Paares selbst über Zeit und Tod hinaus. Als Movie-Partner steht hier Enterprise-Captain Chris Pine vor dem Mikro und überrascht mit seiner sehr reif klingenden Stimme.

Das Album schließt mit einem Lied, das Hoffnung und Stärke gibt: „Climb Every Montain“ aus „The Sound Of Music“. Streisands Philosophie „Wenn Du es Dir vorstellen kannst, kannst Du es auch erreichen – ergreife Deine Chancen“ streut sie als Dialog mit ein. Als Duett-Version überzeugt der entstaubte Klassiker nicht opernhaft von einer alten Nonne interpretiert, sondern als Jazz-Fassung mit Oscar-Preisträger Jamie Foxx als furioses Finale.

Barbra Streisand © Sony Music

Man darf Barbra Streisand wirklich zu diesem Album gratulieren, die das Konzept entwickelt und bei Ihren Partnern Regie geführt hat. Wer nach (leider nur) 10 Songs noch nicht genug hat, kann auf eine Deluxe-Version der CD zurückgreifen, die um vier Solo-Titel mit Barbra Streisand erweitert wurde:

  • I DIDN’T KNOW WHAT TIME IT WAS 
  • NOT A DAY GOES BY
  • FIFTY PERCENT 
  • LOSING MY MIND

Zum Release des Albums verlosen wir in Kooperation mit Sony Musical 1 Exemplar der CD.
Das Gewinnspiel läuft noch bis Sonntag, 18.09.16 12:00 Uhr.

Alles von Barbra Streisand bei Sound Of Music.

© Stephan Drewianka