„Sister Act“ von CAG Musicals 2025 in Solingen
Von Nonnen und Nachtklubsängerinnen
Warum faszinieren uns Nonnen? Ist es ihre Seelenruhe, Güte, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und manchmal sogar weltoffene Aufgeschlossenheit? Irgendetwas steckt im Habit, dass diese schwarz-weiße Ordenstracht, die eigentlich anonymisiert, so viel Persönlichkeit beherbergt und dieses „Kostüm“ auch beim Karneval ganz hoch im Kurs steht. Whoopi Goldberg nutzte diese Popularität in ihrem Kinohit Sister Act von 1992, bei dem sie selbst als Nachtklubsängerin Deloris van Cartier im Kloster Schutz vor mörderischen Gangstern suchte und den unmusikalischen Nonnen im Kirchenchor als Chorleiterin schließlich himmlische Töne entlockte, die nicht nur eine Kirche vor dem Ruin rettete, sondern sogar den Papst mit dem Nummer-1-Hit „I Will Follow Him“ bestens unterhielt. Als 2006 die Musicalversion von „Sister Act“ in Pasadena Welturaufführung feierte, waren die Zuschauer enttäuscht, dass dieser ikonische Hit-Song und die übrige Filmmusik in der Bühnenadaption nicht zu hören waren. Urheberrechtliche Gründe „zwangen“ den Musicalkomponisten Alan Menken dazu, eine völlig neue Musik für das Musical zu schreiben, doch „Zeig mir den Himmel“, „Lasst die Liebe rein“ oder „Schütz die Show“ schlichen sich ganz schnell in die Herzen des deutschen Publikums, das „Sister Act – ein himmlisches Musical“ erstmals 2010 im Operettenhaus Hamburg erleben konnte, bevor es nach Stuttgart, Oberhausen und Berlin zog. Und nachdem Stage Entertainment an den Rechten kein Interesse mehr hatte, trällern die Nonnen seit 2020 durch Open-Air und Stadttheater.
Ein himmlisches Theater-Vergnügen von CAG 2025
Der Musicalverein Creative Arts Group e.V. zeigte in vier fast ausverkauften Vorstellungen im Theater- und Konzerthaus Solingen, dass auch Amateure einen heißen Draht zum Himmel haben, die mit ihrer Show ein wahrhaft himmlisches Theatervergnügen auf Profi-Niveau abliefern. Hier überzeugen nicht nur die schönen Kostüme, das liebevoll gestaltete Bühnenbild, das mitreißend aufspielende, große Orchester unter der versierten Leitung von Timo White, die pfiffige und synchron getanzte Choreografie, sondern vor allen Dingen die phantastischen Darsteller und Darstellerinnen, die aus den vermeintlich anonymisierten Nonnen mit Namen Schwester Mary Angela bis Schwester Mary Sebastian viele individuelle Charaktere erschaffen haben. Der göttliche Chor klingt nach anfänglichen Startschwierigkeiten unter der frischen Leitung von Deloris van Cartier in ihrer neuen Rolle als Schwester Mary Clarence voluminös und mitreißend. Mit Jennifer Schall van Bellen als Deloris ist beim Casting der CAG ein echter Glücksgriff gelungen. Als Neuling im Verein singt und schauspielert sie sich wie ein echter Nachtklub- Bühnenstar mühelos in die Herzen des Publikums und wird dabei von dem bewährten Darstellerteam von CAG Musicals tatkräftig unterstützt. In Friederike Schwarz als Mutter Oberin hat sie eine herrliche „Gegenspielerin“ und Vertreterin der alten Werte, die sich erst dem Neuen öffnen muss, bevor aus anfänglicher Skepsis und Ablehnung langsam Akzeptanz und sogar Zuneigung und Bewunderung werden kann. Und Deloris lernt von den Nonnen, was Liebe und Aufopferung bis zum Tod bedeutet – hier darf im Zuschauerraum dann auch ein Tränchen der Rührung vergossen werden. Das Ensemble kreiert aus jeder Nonne einen individuell einzigartigen Charakter. Seien es Lena Hogekamp als schüchterne Novizin Mary Robert, die noch unsicher in ihrer Berufung ist, aber als Solo-Sängerin aus dem Chor heraustritt, Nicole Kuhnke als immer fröhliche Mary Patrick oder Rebecca Wierig als strenge, ehemalige Chorleiterin Mary Lazarus, in der auch andere Talente stecken. Bei CAG werden übrigens alle Rollen doppelt besetzt, wobei jede Besetzung in zwei Shows auf der Bühne steht: Rebecca Jürgens, Dorina Joch, Sophie Haase, Anna Schnepp und Ilka Flindt sind die alternierenden Besetzungen der oben genannten Rollen. Bei so viel Schwester-Mary-Nonnen-Power hat das vermeintlich „starke Geschlecht“ das Nachsehen, trotzdem sollen hier Dennis Theilmann (alternativ Dominique Batista) als sympathisch-schwitzender Polizist Eddie Fritzinger mit seinem Saturday-Night-Fever-Moment und Peter Groß als Spendenbarometer-Monsignor O´Hara Erwähnung finden.
Mit „Sister Act“ präsentierte CAG Musicals die in meinen Augen bisher beste Produktion der langen Vereinsgeschichte und für den grünen Oger „Shrek“, der 2026 auf dem Spielplan steht, ist die Messlatte hoch angesetzt, um die Nonnen-Spielfreude zu übertrumpfen.
© Text und Fotos: Stephan Drewianka
Homepage der CAG: https://www.cagev.com/
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