»Maya goes solo« im Oberhausener Ebertbad
Maya Hakvoort als Musical-Lady in Red
Am 14. Oktober hieß der »Musicalstar in Concert« Maya Haakvoort ihre Fans willkommen bei der Deutschlandpremiere ihres Solo-Abends »Maya goes solo«. Doch ganz so solo wie der Konzerttitel es vermuten ließ, war die sympathische Niederländerin nicht, hatte sie im Vorprogramm das Ex-»Phantom« Ian Jon Bourg im Reisegepäck, der sich mit fünf Songs aus Musical und Pop von seinem Essener Publikum verabschiedete. Der gesundheitlich etwas angeschlagene Bourg schmetterte die »Jekyll & Hyde«-Hymne »This is the moment« im kraftvollen Bariton bevor er butterweich, doch ohne verbindende Zwischenmoderation etwas hilflos auf die Halbplaybackeinspielungen wartend, seine weiteren Titel präsentierte. Mit der »Music of the Night« verabschiedete sich Herr Bourg nach 20 Minuten und gab die Bühne frei für die bestens aufgelegte Maya Hakvoort, die live von Aaron Wonesch am Flügel durch den Abend begleitet wurde.
»As If We Never Said Goodbye« war der stimmstarke Auftakt und gleichzeitig die herzliche Begrüßung ihrer Fans, die umso stimmiger ausfiel, da der Song aus Webbers »Sunset Blvd.« in der textlich modifizierten Version von Barbra Streisand dargeboten wurde. Maya plauderte daraufhin locker vom Barhocker darüber, wie sie nach ihren ersten Erfolgen bei »Chicago« und »Les Miserables« in Holland neue Erfahrungen im Ausland suchte und bei der Audition zu »Gaudi« 1993 zum Streisand-Song »Don´t Rain on My Parade« aus »Funny Girl« Probleme mit einem unzüchtig nach oben rutschenden Samtkleid hatte. Der Karriere geschadet hatte dieses Missgeschick nicht, folgte nach der Isabella in »Gaudi« auch die Titelrolle in »Catherine« in Aachen. Doch eigentlich kennt man Maya Hakvoort als Kaiserin Elisabeth, die sie 1994 bis 1998 in Wien beeindruckend verkörperte. Ihre Einreise nach Österreich, die sich bürokratisch gar nicht leicht gestaltete, jedoch mit einem beherzten »Ich bin die neue Elisabeth« dann doch reibungslos über die Bühne ging, schlug die Künstlerin gekonnt einen Bogen zum Thema Ausländer und Ausbeuter anderer Kulturen, das sie mit dem »Farbenspiel des Winds« aus Disneys »Pocahontas« auch musikalisch unterstrich.
Als Auflockerung folgte ein längerer Jazz-Part – »Weil er auf Jazz«, wobei mit >er< durchaus der Mann am Klavier gemeint war. Es schlossen sich Reiseimpressionen als Bossa-Nova-Medley an sowie ein augenzwinkernder Seitenhieb auf Sextourismus als erotische Einlage auf dem roten Sofa zu der deutlichen Einladung »Schafft die Männer ran« aus »Jekyll & Hyde«. Maya beschwor das »Gold von den Sternen« und besang die »Stars and the Moon«, bevor sie Tipps für lang anhaltende und glückliche Ehen gab (»Wives and Lovers«). Besinnlicher wurde an geliebte Menschen, wie der Oma im Schaukelstuhl (»Better Days«) und dem Vater (»Papa can you hear me« aus »Yentl«) erinnert, bevor es für Sohnemann Joshua ein »Here´s to Life« gab. Mit »Defying Gravity« aus dem Broadwayhit »Wicked« verabschiedete sich Maya Hakvoort von ihren Fans, die sie aber nicht ohne Zugaben, den »Seasons of Love« aus »Rent« und natürlich ihrem »Elisabeth«-Showstopper »Ich gehör nur mir«, gehen lassen wollten.
»Maya goes solo« ist als starkes Frauenpower-Konzert 120 Minuten lang ein bestens unterhaltendes Programm auf hohem Niveau, das in Oberhausen nach vielen Aufführungen in Österreich und einem Gastspiel in Italien endlich seine Deutschandpremiere feiern durfte. Ein Wehrmutstropfen für weit gereiste Fans mag einzig in der Tatsache liegen, dass das Programm seit seiner Weltpremiere am Sylvesterabend 2004 im Theater an der Wien praktisch unverändert auf Tour gegangen ist – doch Maya Hakvoort ist auch mit festem Repertoire immer eine Reise wert.
© Text & Photos by Stephan Drewianka; dieser Bericht ist ebenfalls in der Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe Nr.05/06, September-Oktober 2006 erschienen
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