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Technische Daten:

Original Besetzung Musical Show Boat: Milica Jovanovic, Jan Ammann, Michael Schanze, Inez Timmer, Sophie Berner, Andreas Christ, Nini Stadlmann, Petter Bjällö, Walter Reynolds, Siggy Davis; Stiftruine, Bad Hersfelder Festspiele; Musical von Jerome Kern & Oscar Hammerstein II.; Inszenierung: Melissa King; Aufführungsdauer: 130 min.; Premiere: 19.06.2013; Letzte Vorstellung: 04.08.2013

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Musical Show Boat in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
Musical Show Boat in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Musical Show Boat in Bad Hersfeld

Musical Show Boat in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Musical Show Boat in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
Musical Show Boat in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Musical Show Boat in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Premiere des Musical Klassikers bei Bad Hersfelder Festspielen

In der Stiftsruine Bad Hersfeld hat sich Der Sturm zur zweiten großen Musical Premiere am 19. Juni 2013 gelegt. Es herrscht schwüle Hitze und bei einem offenen Dach sitzt auch das Publikum tatsächlich mal Open Air und wartet gespannt, dass der Schaufelrad-Dampfer Show Boat an der Fulda anlegt. Der Musical Klassiker von Jerome Kern (Musik) und Oscar Hammerstein (Text) von 1927 darf beweisen, dass Themen wie Rassendiskriminierung, Spielsucht und gesellschaftliche Ausgrenzung immer noch aktuell sind auch 86 Jahre nach der Uraufführung des ersten „echten“ Musicals, bei dem die Songs nicht mehr Revuecharakter aufwiesen, sondern erstmalig im Musiktheater die Handlung auf der Bühne aktiv weitertrugen und essentieller Bestandteil des Geschehens waren. Dazu wurde nicht an Ausstattung und Personal gespart. Schon während der Ouvertüre beweist das 27 Mann Orchester unter der exzellenten Leitung von Christian Wohlleben, dass die Showstopper „Ol Man River“, „Make Believe“ und „After The Ball“ in Bad Hersfeld in routinierten Händen liegen.

Üppige Inszenierung von Show Boat mit pfiffigen Einfällen

Die imposanten 1600 qm Bühnenfläche der Stiftsruine Bad Hersfeld ziert nach der Idee von Knut Hetzer auf der linken Seite ein gigantischer Schriftzug der Lettern von Show Boat, der den am Anlegesteg vor Anker gegangenen Vergnügungsdampfer symbolisiert und perspektivisch bis zur Bühnenmitte reicht. Die vier BOAT Buchstaben sind zudem mobil einsetzbar und bieten gedreht weitere Spielräume wie Kassenhäuschen oder Küche. Die Musical-Hinterbühne beherrscht ein symbolisiertes Baumwollfeld, in denen sich farbige Landarbeiter mit Baumwollballen plagen, während der rechte Teil der Bühne Platz für individuelle Schauplätze wie Hotelzimmer oder Theaterinnenräume schafft. Für die Trocadero-Szene, einem quirligen Nachtclub in Chicago im Jahre 1904, tauchen violette Scheinwerfer aus zwei aufklappbaren Türmen die Szene in das passende Licht von Ted Meier. Die historischen Kostüme von Judith Peter teilen die rund 40 Musical-Darsteller von Show Boat auch optisch in ärmlich graue Feldarbeiter der farbigen Sklaven und die spitzenbesetzten, hellen Kleider der „weißen“ Gesellschaft, wobei die bunten Mitglieder der Schauspieler des Show Boats Farbakzente setzen, die das Schwarz-Weiß Denken der Oberschicht aufweichen.

Musical Darsteller Jan Ammann und Michael Schanze setzen Glanzpunkte bei Show Boat

Bad Hersfeld bietet neben den optischen Leckerbissen beim Musical Show Boat durch die Auswahl einer prominenten Darstellerriege auch schauspielerisch und gesanglich mehrere Highlights auf. Publikums-Magnet Jan Ammann (Ludwig2, Jekyll & Hyde, Graf Krolock in Tanz der Vampire, Maxim de Winter in Rebecca) spielt den eleganten Gentleman Gaylord Ravenal, der durch seine Spielsucht Frau und Kind in den Ruin stürzt, als sei diese Rolle extra für ihn geschrieben worden. Bei den operettenhaften Songs kann der beliebte Musical-Darsteller durch seine klassische Gesangsausbildung voll auftrumpfen. Als Partnerin steht ihm Milica Jovanovic als Magnolia zur Seite, die sich vom unbeschwerten Mädchen zur sorgenden Mutter entwickeln darf. Jovanovic gelingt mit ihrer charmant-naiven Darstellung der etwas oberflächlichen und leichtgläubigen jungen Magnolia Hawks eine ähnliche Präsenz, die sie schon als Eliza in My Fair Lady (Magdeburg), als Hodel in Anatevka (Bad Hersfeld) oder als Hope in Anything Goes (München) so liebenswert machte.

Michael Schanze wiederholt als treusorgender Vater und Kapitän Andy des Show Boats seinen grandiosen Bad Hersfelder Erfolg des Tevje in Anatevka von 2012. Schanze, der 2013 sein 45 jähriges Bühnenjubiläum feiert, darf sein tragisch-komisches Talent ausleben, egal ob er bei einer verpatzten Vorstellung auf seinem Theaterschiff alle Rollen übernimmt und die begonnene Geschichte detailreich zu Ende spielt oder seine ängstliche Tochter bei ihrem ersten Auftritt vor einem mobbenden Publikum wie ein Löwe verteidigt. Der Gegenpol zum immer wohlwollenden Vater Andy ist Inez Timmer als dominante Mutter Parthy Hawks. Wenn ihr sirenenhaftes „AAAAAAndyyy!“ kraftvoll über die Bühne schallt, zuckt mancher Pantoffelheld im Publikum genauso wie der geplagte Show Boat Kapitän Andy zusammen, bahnt sich dann doch stets ein Gewitter zusammen, das Andy immer irgendwie besänftigen kann. Timmer (Les Miserables, Falco Meets Amadeus, das Schalke-Musical NullVier, Fame) setzt als strenge Mutter, die ihrer Tochter den Umgang mit Farbigen und dem Spieler Ravenal erfolglos verbietet, und als glaubwürdigster Charakter der Inszenierung von Show Boat lückenlos schauspielerische Highlights.

In dramatischen Rollen treten auf dem Show Boat Andreas Christ (The Black Rider, bekannt aus verschiedenen TV-Rollen, u.a. „Sinan Toprak ist der Unbestechliche“ oder „Gier“) als Steve Barker mit seiner Frau Julie La Verne auf. Doch als sich ihre Ehe als verbotene Mischlingsehe herausstellt, da in Julies Adern das Blut farbiger Vorfahren fließt, zerbricht die Ehe und Julie verkommt als trinkende Barsängerin. Die sicherlich anspruchsvollste Rolle des Stückes der Julie La Verne wird von Sophie Berner glanzvoll verkörpert. Ihr gesangliches Talent stellte die Münchnerin bereits eindrucksvoll als Die Päpstin, als Aldonza/Dulcinea in Der Mann von La Mancha oder als Mercedes in der St. Gallener Uraufführung von Der Graf von Monte Christo unter Beweis. Bei Show Boat geht ihr Song „Bill“ als verwahrloste Sängerin im Trocadeo besonders unter die Haut.

Als Komiker-Paar auf dem Show Boat treten Nini Stadlmann (On The Town, Crazy For You und Gründerin der Stammzellformation) als Ellie und Petter Bjällö (Die Schöne und das Biest, Wicked, Friedrich – Mythos und Tragödie) als Frank Schultz auf, die nicht nur einfach witzig agieren dürfen, sondern auch einen Großteil der auflockernden Tanzszenen der Show in der Show in der Choreografie von Melissa King und Andrea Kingston darbieten.

Als Vertreter der farbigen Sklaven besticht Walter Reynolds (Cats, Aida, Whistle Down The Wind, Porgy und Bess) mit seiner Interpretation des Leitmotivs der Show „Ol Man River“, die sich wie der stete Mississippi als roter Faden durch die 40 Jahre der Bühnen-Handlung zieht. Ebenso präsent, doch leider durch ihren starken Akzent in der deutschen Übersetzung der Songtexte von Frank Tannhäuser nur schwer verständlich, ist Siggy Davis als Joes liebenswerte Frau Queenie, die einen herrlichen Gegensatz zum „weißen“ Ehepaar Parthy/Andy Hawks bilden.

Im Ensemble finden sich einige bekannte Gesichter, u.a. Frederik Andersson (Rebecca, Marie Antoinette) als Jeb, Anastasia Bain (König der Löwen, We Will Rock You) als Ethel, Arne David (Kein Pardon, Mamma Mia!) als Unruhestifter Pete, Lemuel Pitts (Dirty Dancing, Der Schuh des Manitu) als Jake und Amanda Whitford (Hairspray, The Life).

Black & White: Die hellen und dunklen Aspekte der Bad Hersfelder Show-Boat Inszenierung

Melissa King inszenierte das Musical Show Boat in einer auf 130 min gekürzten Fassung, da in Bad Hersfeld traditionell wegen der räumlichen Gegebenheit der Stiftsruine ohne Pause gespielt wird. King wollte Show Boat nicht als „Klassiker“ auf die Bühne bringen, sondern durch ihre Regie aufzeigen, dass es auch in heutiger Zeit, in der Rassismus, Diskriminierung, Rassentrennung und Unterdrückung von Minderheiten oder Volksgruppen immer noch auf der Tagesordnung unserer Gesellschaft stehen, einen Gegenwartsbezug aufweist.

So platziert sie Fässer mit der Beschriftung „Black“ und „White“ auf die Bühne und trennt das Publikum auf dem Show Boat auch räumlich in weiße und farbige Zuschauer. Die Lynchjustiz symbolisieren zwei erhängte Sklaven, die permanent im Hintergrund am Galgen baumeln und die gemalten Baumwollfelder auf den seitlichen Türmen zieren Blutspritzer, was an den Trailer des Kinofilms „Django Unchained“ erinnert. In meinen Augen wird der Bogen der Kontroverse aber überspannt, wenn zur letzten Reprise von „Ol Man River“ am Ende des Musicals, in der der Sklave Joe davon singt, dass sein schweres Leben in 40 Jahren unverändert wie der alte Fluss dahin fließt, Mitglieder des Ku Klux Klans vermummt mit Fackeln durch die Baumwollfelder ziehen, einige Sklaven zusammenschlagen und einen weiteren erhängen, da das Auftauchen des Klans sicherlich einen Wendepunkt in Joes Leben dargestellt hätte.

Obwohl die Hauptfiguren charakterlich schön gezeichnet werden, mag es doch kritische Zuschauer verwundern, dass Gaylord Ravenal aalglatt alle Verfehlungen augenblicklich verziehen werden. Es scheint völlig egal zu sein, dass Magnolia einen Spieler als Ehemann aussucht, der des Mordes angeklagt wird, Ravenal die Geburt seiner Tochter verpasst, weil er im Spielcasino viel Geld gewinnt und er anschließend das gesamte Vermögen verspielt und schließlich Frau und Kind verlässt, weil sie es ohne ihn vielleicht besser haben. Selbst als Ravenal nach 20 Jahren wieder auftaucht, zeigt ihm Magnolia seine erwachsene und im Filmgeschäft tätige Tochter als sei er eben vom Zigarettenautomat zurückgekehrt. Trotz der handfesten Argumente der sorgenvollen Mutter verpuffen alle Bedenken gegen den Gentleman-Spieler unglaubwürdig ohne weiteren Kommentar. Das weibliche Publikum inklusive Magnolia verzeiht einem Gentleman-Gangster im Jan Ammann-Format offenbar alles. Ich jedoch hätte mir mehr Momente gewünscht wie den, als sich Ravenal von seiner vierjährigen Tochter in der Klosterschule verabschiedet. Auch wenn diese Szene klischeehaft auf die Tränendrüse drückt, zeigt sich hier Ravenel von einer menschlichen Seite, weil ihm seine Tochter wirklich am Herzen liegt.

So detailverliebt und unterhaltsam auch die komödiantischen Nummern des Musicals Show Boat herausgearbeitet werden, vermisse ich einen essentiellen Aspekt der tragischen Handlung des Musicals in Bad Hersfeld. Aus welchem Grund wird Julie La Verne von der erfolgreichen Schauspielerin auf der „Cotton Blossom“ zur versoffenen Sängerin im Trocadero? Ihre Liebe zu Ehemann Steve besingt Julie im ersten Teil mit „Lässt er mich allein, stürzt der Himmel ein, doch kommt er zurück, dann strahlt das Glück, die Sonne scheint. Ich steh am Fenster, seh nach ihm aus, er ist mein Kind, mein Mann, mein zu Haus. Lieb ihn, weil ich ihn lieben muss.“ Als herauskommt, dass Julie nach amerikanischem Gesetz eine Farbige ist und ihre Ehe gegen geltendes Recht verstößt, steht Steve zu ihr, ritzt ihre Hand auf und küsst diese, um ebenfalls „schwarzes Blut“ in sich zu haben. Dann verlässt das Paar das Show Boat und Magnolia tritt in ihre Fußstapfen. Hier setzt sich Mutter Parthy sogar durch und verhindert, dass sich Magnolia von ihrer besten Freundin verabschieden darf. Im zweiten Teil des Musicals sieht man Julie als Trinkerin.

Leider fällt in Bad Hersfeld die angespannte Beziehung von Steve und Julie der gekürzten Spieldauer des Musicals zum Opfer. Da das Ehepaar eine Mischlingsehe führt, bekommt das ehemals erfolgreiche Duo keine Rollen mehr angeboten, Steve beginnt zu trinken und verlässt schließlich die Ehefrau, die seine Karriere beendet hat. Julies Abstieg und der trotzige Versuch, den Boss des Trocadero mit dem Song „Bill“, der inhaltlich das genaue Gegenteil ihres Songs aus dem ersten Teil darstellt, bekommt mit diesem Hintergrundwissen eine noch tragischere Bedeutung.

Bedauerlich ist ebenfalls, dass der zweite Verzicht Julies zu Gunsten der nun ebenfalls mittellosen Jobsucherin Magnolia im Trocadero nur aufmerksamen Zuschauern bewusst wird. Zwar sehnt sich Julie am Rand der Szene danach, ihre Freundin Magnolia ein letztes Mal zu umarmen, doch sie verschwindet aus Scham. Es bleibt der relativ plakative Satz ihres ehemaligen Kollegen Frank Schultz der bemerkt, dass Magnolia wie damals nur eine Anstellung bekommt, weil eine andere Frau gerade „zufällig“ gekündigt hat.

Doch vielleicht urteile ich als klassischer Show Boat Fan hier auch etwas zu hart mit der ansonsten sehr stimmigen und straffen Inszenierung von Show Boat in Bad Hersfeld. Denn Zuschauer, die in der Stiftsruine den Erstkontakt zu diesem in Deutschland recht selten gespielten Musical finden, geizen zu Recht nicht mit lang anhaltendem Applaus für Musical-Darsteller und Orchester.

Die Musik von Show Boat ist zeitlos und die Handlung (leider) immer noch aktuell. Schön, dass das Show Boat nach längerer Bühnenabstinenz in Bad Hersfeld vor Anker gegangen ist!   

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© Text & Fotos: Stephan Drewianka, Musical-World.de