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Elisabeth – Legende einer Heiligen in Marburg

Musical Elisabeth - Legende einer Heiligen in Marburg © Stephan Drewianka
Musical Elisabeth - Legende einer Heiligen in Marburg © Stephan Drewianka
Musical Elisabeth - Legende einer Heiligen in Marburg © Stephan Drewianka
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Musical Elisabeth - Legende einer Heiligen in Marburg © Stephan Drewianka
Musical Elisabeth - Legende einer Heiligen in Marburg © Stephan Drewianka

Musical Heilige Elisabeth auf dem Weg ins dritte Jahr

Die Spotlight Musical GmbH landete nach dem Überraschungserfolg von Bonifatius mit dem Musical Elisabeth – Legende einer Heiligen 2007 ihren zweiten Hit, der, wie schon der Vorgänger am historischen Originalschauplatz in Fulda, diesmal in Eisenach uraufgeführt wurde. Die heilige Elisabeth von Thüringen zog massenweise das begeisterte Publikum ins Landestheater, alle Vorstellungen waren ausverkauft und das Stück wurde zum Musical des Jahres 2007 gewählt. Es war daher nicht verwunderlich, dass Elisabeth 2008 auf die Bühne zurückkehren würde. Nach einer längeren Sommerspielzeit erneut in Eisenach, zog das Musical von Dennis Martin und Peter Scholz vom 18. bis 20. Oktober für fünf (natürlich ausverkaufte) Vorstellungen nach Marburg, wo die historische Elisabeth ihre letzten Jahre im Spital verbrachte und schließlich starb.

Die Produzenten konnten für die zweite Spielzeit erneut viele hochkarätige Darsteller des Premierenjahres verpflichten. Shooting-Star Sabrina Weckerlin (Die 3 Musketiere, Dirty Dancing, Wicked und im Januar 2009 in Marie Antoinette in Bremen) schlüpfte erneut in die Rolle der Heiligen, die sie bereits im Vorjahr mit ihrer imposanten Stimme geprägt hatte. An ihrer Seite steht Armin Kahl als liebender Landgraf Ludwig, der erneut von Christian Schöne als Ludwigs Thronrivale Heinrich Raspe terrorisiert wurde und nur wenig Trost und Verständnis bei Mutter Sophie (Mara Dorn) fand. Erzählt wurde die wahre Begebenheit aus den beiden Blickwinkeln des Wolfram von Eschenbach , von Kristian Vetter wieder bodenständig und realitätsbewusst gespielt, und des ewig romantisch-verklärenden Walther von der Vogelweide, der mit Jesse Garon erneut komödiantische Höhepunkte setzten konnte, auch wenn einige Dialoge dieses Komiker-Duos in der Neufassung 2008 der Schere zum Opfer fielen.

Während noch im Sommer die Rolle des Konrads von Marburg von Musicaldarsteller Christopher Murray verkörpert wurde, musste für die letzten Vorstellungen in Marburg Alternate Norbert Conrads (Gaudi, Les Miserables, aber auch die Daily-Soaps Verbotene Liebe und Unter Uns) diesen Part übernehmen. Die Rolle des Konrad von Marburg erfuhr bei der Überarbeitung des Musicals für die neue Spielzeit in Kombination mit der individuellen Rollenauslegung von Norbert Conrads die sicherlich größte Imageänderung: vom skrupellosen Hetzprediger, der Elisabeth für seine hohen Ziele einspannte, wandelte sich dieser Charakter zu einer eher wohlwollenden Vaterfigur, der Elisabeth überzeugender folgen konnte. Conrads – vom äußeren Erscheinungsbild her (abgesehen von den spitzen Ohren) ein Ebenbild von Spocks Vater Sarek aus dem Star Trek Universum – kann in dieser neuen Rollenauslegung mit seiner Tenorstimme überzeugen, auch wenn der ein oder andere Besucher den fatalistischen Wahn eines Christopher Murray aus der ersten Saison vermissen mochte. Der Handlung tat diese Sinneswandlung jedoch gut, versteht der Zuschauer nun viel besser, warum sich die zarte Elisabeth diesen Mann als Vaterfigur zum Vorbild nahm. Weiterhin wurde auch das Finale umgearbeitet, so dass das Musical hier nicht mehr Konrad von Marburg, sondern weiterhin die Titelfigur im Mittelpunkt behält, vielleicht der einzige Knackpunkt, den es nach der Weltpremiere noch zu bemängeln gab. Weitere personelle Änderungen erfuhr die Rolle des Bischofs Eckbert mit Wolfgang Postlbauer, der Artur Ortens ersetzte, sowie Melanie Gebhard, die Katrin Wiedmann als gutmütige Freundin Guda ablöste.

Elisabeth will Gutes tun und so engagierten sich die Schauspieler wie schon in der ersten Spielzeit am Ende des Stückes für die José Carreras Stiftung für krebskranke Kinder und riefen das Publikum zu Spenden auf. So konnte bereits 2007 der stolze Betrag von 22.000 Euro für den guten Zweck gesammelt werden; eine Aktion, die sicherlich ganz im Sinne der heiligen Elisabeth gewesen wäre. Doch Elisabeth will als Musical mit vielen Ohrwürmern vorrangig unterhalten. Das Stück ist durch die Nachbearbeitung besser und runder geworden, erscheint vom Handlungsablauf klarer und verständlicher als in der Urversion. Dies sind die besten Voraussetzungen, auch im Jahr 2009 erneut das Landestheater Eisenach (im Juli) und die Stadthalle Marburg (im Dezember) zu füllen.

© Fotos & Text by Stephan Drewianka, Musical-World.de

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Heimspiel und furioses Finale für Elisabeth: Die Marburger feierten ihre Heilige

Das packende Historien-Musical legt nach drei Spielzeiten 2010 erst einmal eine Pause ein – Jetzt ist „Bonifatius“ wieder am Zug

Die Heilige Elisabeth als Wiedergängerin? Todsicher! Als Musical-Titelheldin liegt sie, wie die gesamte Produktion auch, jetzt erst mal auf Eis – bleibt dadurch aber auch länger frisch. Das (vorläufige)  „Aus“ bedeutet für das tapfere Mädel jedoch nicht das durch „Konrad von Marburg“ in einem anderen Zusammenhang dunkel prophezeite Ende aller Zeiten bzw. Tage. Die „spotlight“-Musicalproduktion hat bereits angekündigt, das Stück nicht in der Versenkung verschwinden zu lassen. Die Verantwortlichen wären ja auch mit dem Klammerbeutel gepudert….  Bestärkt in diesem Entschluss haben Produzent Peter Scholz und die Seinen auch die enthusiastischen Reaktionen des Publikums im Hessischen Marburg, der Wirkungsstätte der historischen Figur, über deren Grabmal im frühen 13. Jahrhundert auch die nach ihr benannte Elisabethkirche errichtet wurde – ein Meisterwerk der deutschen Frühgotik übrigens.

Die prächtig-prunkvolle Hallenkirche wurde in Folge zu einem bedeutenden Wallfahrtsort des späten Mittelalters. Noch heute zehrt die Universitätsstadt vom Ruhm und den (guten) Taten der hier im blühenden Alter von 24 gestorbenen ungarischen Königstochter (1207-1231). Der Erfolg des Musicals, das, so der Untertitel, die „Legende einer Heiligen“ skizziert, mag zum Teil ebenfalls Ausfluss dieses ungebrochenen Hyps sein – aber nicht nur. Er beweist nämlich zugleich, dass nicht nur der „fliegende Holländer“ oder die anderen mit ihm konkurrierenden großen Platzhirsche der Branche packende und stimmige Inszenierungen auf die Bühnen bringen können, und zwar durchaus auch solche, die (trotz ihres Lokalkolorits) bundesweite Beachtung finden und Bedeutung haben. Und die kleine Fuldaer Produktionsfirma hat ja noch mehr Eisen im Feuer.

In Marburg, wo Elisabeth - kurzfristig wegen der großen Nachfrage anberaumte Zusatzvorstellungen inklusive - nur in der letzten Dezemberwoche antrat und dabei ob der historischen und örtlichen Wurzeln quasi ein Heimspiel hatte, war es irgendwie auch eine Abstimmung mit den Füßen. Die Veranstalter erzielten mit einer durchschnittlichen Auslastung von 93 Prozent eine Marke, von der andere nur träumen können. Und das in einer profanen, nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Grabmahl der Titelfigur entfernten Stadthalle. (Viel-)Zweckbauten dieser Art sind im Gegensatz zu den meisten festen Theaterspielstätten atmosphärisch jenseits von Gut und Böse und haben etwa so viel Ambiente wie ein mit Neonlicht ausgeleuchtetes Einkaufszentrum nach Ladenschluss. Dass sich der Zauber des laut Eigenwerbung „erfolgreichsten deutschen Historien-Musicals“ selbst in einem solchen tristen Umfeld entfalten konnte, ist selbstredend und spricht für dieses von Reinfried Schießler inszenierte Werk und seine inhaltliche Kraft. Von der mitreißenden Musik ganz zu schweigen. Da besitzt fast jeder Song, ob wuchtige, dynamische Ensemblenummer oder schlichte, gefühlvolle Ballade, Ohrwurmqualität.

Es regnete Rosen

Über hundert rote Rosen regneten nach der Derniere aus dem Zuschauerbereich auf die Künstler herab, aber das hatte nichts mit dem „Rosenwunder“ zu tun, das romantisierende Religionschronisten der Witwe des Thüringer Landgrafen Ludwig schon sehr früh angehängt bzw. angedichtet hatten und das natürlich auch die Autoren nicht unberücksichtigt lassen konnten. Für Buch, Komposition und Liedtexte zeichnen Dennis Martin und Peter Scholz gemeinsam verantwortlich. Die Cast  - eine exquisite und homogene Ansammlung herausragender Akteure, die sich mit einer souveränen Leistung aus dem Hessischen verabschiedeten. Dazu zählten neben der brillant agierenden Hauptdarstellerin Sabrina Weckerlin u.a. Kristian Vetter (Wolfram von Eschenbach), Mara Dorn („Bettis“ Schwiegermama Sophie), Chris Murray, Nobert Conrads (Konrad von Marburg), Lucius Wolter (Elisabeths Gemahl Landgraf Ludwig), Christian Schöne (Heinrich Raspe) und Jesse Garon (Walther von der Vogelweide). Hinter den Akteuren lag eine anstrengende Zeit mit zumeist zwei Vorstellungen pro Tag.

„Work in  Progress“

Das Ensemble war seit der Uraufführung im Jahr 2007 im Landestheater Eisenach personell nahezu konstant geblieben. Warum auch während eines erfolgreichen Rennens die Pferde wechseln? Inhaltlich hingegen hat es im Laufe der Zeit mitunter gravierende Veränderungen gegeben. Und die beschränkten sich nicht nur auf dem Handlungstempo zugute kommenden szenische Straffungen oder Dialog-Kosmetik. So ist beispielsweise in der letzten Spielzeit die ans Herz rührende Finalnummer  „Es gleitet ein Traum durch die Zeit“ weggefallen. Dies, um die Zuschauer nicht mit einem Zuviel an Epilogen zu überfordern. Stattdessen rückte als neues Element und veritabler Showstopper ein auf Konfrontation ausgelegtes Duett zwischen Elisabeth und dem zum Inquisitor mutierten fanatischen Priester-Taliban Konrad in den Brennpunkt. 

166 Shows mit knapp 100.000 Besuchern

Fast 100.000 Besucher haben das 166 mal aufgeführte Stück seit seiner Uraufführung gesehen.  Das erscheint im Hinblick auf die dreijährige Laufzeit zunächst nicht viel. Aber „Elisabeth“ war ja  von Anfang an nicht als „Long-Run“ konzipiert, sondern wurde pro Saison an beiden Standorten jeweils nur für wenige Wochen bzw . Tage gespielt. Vielleicht liegt gerade auch in dieser  Verknappung der große Zuspruch mit begründet. Und ganz nebenbei fielen noch 80.500 Eurodollars an Spenden für die Carreras-Stiftung und 15.000 EUR für die Fassadenrestaurierung des Eisenacher Theaters ab.  Auch das eher ungewöhnlich, dass die Künstler nach jeder Show für einen guten Zweck die Spendenbüchse herumreichen. 

„Boni“ schwingt die Axt in Fulda und Erfurt

Dass es eine Wiederaufnahme von „Elisabeth – Legende einer Heiligen“ geben wird, steht fest. Das Wann wäre noch zu klären. Doch jetzt geht es erst einmal ein paar Jahrhunderte auf der Zeitschiene zurück. Missions-Guru „Boni“ ist am Drücker, die heidnischen Germanen auf den rechten Glaubensweg zu losten und Odins Heerscharen Saures zu geben. Ganz nebenbei schwingt der streitbare Bischof die Axt und legt Donars Eiche flach. Das 2004 im Fuldaer Schlosstheater uraufgeführte, ebenfalls von der „spotlight“ produzierte und nicht minder eindringliche Erstlingswerk des jungen Komponisten Dennis Martin kehrt vom 23. Juli bis 8. August 2010 in die nordhessische Bischofsstadt zurück. Im Anschluss daran gibt es vom 19. bis 22. August ein kurzes „Auswärtsspiel“ (sieben Vorstellungen) in Erfurt. Thüringens Landeshauptstadt ist eng mit dem Namen „Bonifatius“ verbunden. Auf  ihn geht ihre urkundliche Ersterwähnung zurück. Die Titelrolle übernimmt der „Held der ersten Stunde“: „Altmeister“ Reinhard Brussmann. Er hatte dem eigentlich auf den Namen  „Wynfried von Crediton“ getauften Missionar in der Welturaufführung des Stücks Gesicht und Profil gegeben. Dies sei eine der Rollen, die ihn selbst am meisten geprägt hätten“, sagt der Künstler.

© Text by Jürgen Heimann

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