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Musical West Side Story in Kassel

West Side Story beliebtes Musical in deutschen Theatern

Was macht Bernsteins West Side Story zu einem der meistgespielten Musical Produktionen in deutschen Stadttheatern? Neben der perfekten Symbiose zwischen hochkarätigem Ballett, ergreifendem Schauspiel und jazziger Musik ist es vor allen Dingen der zeitlose Shakespeare-Stoff zweier Liebenden, die sich über alle gesellschaftlichen Grenzen hinwegsetzen wollen und vergeblich ihr Glück zu finden suchen, der das beliebte Musical z. Zt. an sieben Spielstätten (Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Leipzig, Kassel, München und Osnabrück) sowie in einer spektakulären Tournee-Produktion spielen läßt. Am 31. Januar 2004 feierte die West Side Story unter der Regie von Altmeister Wolfgang Mehring im Opernhaus des Staatstheaters Kassel als „ein Spectacle Total mit Tanz, Musik, Dialog und Bewegung, als ein surreales, überwirkliches Symbol für die Gesellschaft“ seine Premiere.

Musical West Side Story 2004 im Staatstheater Kassel

Mehrings ungewohnte Bewegungschoreographie lässt die Protagonisten während der Ouvertüre des Stückes zackig-chaotisch ineinander rennen, sich trennen und in neuer Kombination wieder zueinander finden. Doch die tiefe Symbolik dieser Szenen wird nur noch in der Traumsequenz einer besseren Welt während des weltberühmten „Somewhere“ weiterverfolgt und weicht ansonsten einer eher klassischen Inszenierung der West Side Story, die sich weitgehend an die Originalvorlage hält. Dazu schuf Wolf Münzner eine in ihrer Schlichtheit geradezu spektakuläre Bühne, die mit nur einem Bild auskommt: Vor den heruntergekommenen Fassaden der Bronx, von denen die eine Hälfte aufgeklappt werden kann, stehen zwei begehbare Stahlgerüste für die traditionelle Balkonszene der Liebenden. Während der im Anschluss an die Vorstellung abgehaltenen Premierenfeier wurde dem Zentralstück der Requisite - einem ausfahrbaren Podium, welches die Darsteller bei den Proben oft zur Verzweiflung trieb, weil es nie zur rechten Zeit am rechten Ort war – gehuldigt, indem die Darsteller ihren „Peinigern“ T-Shirts mit der Aufschrift „Podest Side Story“ überreichten. In Kombination mit neun herabsenkbaren Lampen konnten so auf der Bühne immer neue Räume geschaffen werden, die in der Phantasie des Zuschauers zum Brautladen, in dem Maria arbeitet, ihrem Schlafzimmer, Docs Drugstore, in dem sich die Jugendlichen treffen, einem Dach, auf dem die Puertoricanerinnen von ihrem „America“ singen, der Sporthalle, in der ein Tanzabend stattfindet oder zur Autobahnbrücke, unter der der Kampf der „Sharks“ gegen die „Jets“ stattfindet, wurden. Leider erstrahlten selbst romantische Szenen in grell-weißem oder cool-blauem Licht, wo doch eine intimere Beleuchtung z.B. während der Hochzeitssequenz im Brautladen die Szene in passender atmosphärisches Licht gesetzt hätte.

Kostüme und Choreographie

Herausragend auch die Kostüme der Darsteller: Münzner steckt die Amerikaner in schwarze Anzüge und Röcke, den Puertoricanern gestattet er weiße Anzüge mit bunten Hemden, deren Farben sich in den Kleidern ihrer Partnerinnen wiederfinden. Dank dieses Kunstgriffs sind selbst in den komplexesten Choreographien (z.B. mit Schlagstöcken) von Ana Mondini, die nur selten auf die spektakuläre Originalchoreographie von Jerome Robbins zurückgreift, aber trotzdem ein Höchstmass an Perfektion vom Ensemble verlangt, die rivalisierenden Gangs ähnlich wie schwarz-weiße Schachfiguren einfach zu unterscheiden.

Darsteller des Musicals West Side Story in Kassel

All dies unterstreicht einen außergewöhnlich guten Cast: Eva Gullvag Aasgaard als Maria überzeugt mit ihrer kristallklaren Stimme und einem akzentfreien Deutsch, welches man der Norwegerin, die erst seit 2001 in Deutschland in Kiss Me Kate (Deutschlandtournee), Ludwig II (Füssen) und Miss Saigon (St . Gallen) spielt, gar nicht zugetraut hätte. Doch die kühle Blonde aus dem Norden (kaum wieder zu erkennen ohne die braune Perücke der Maria!) ist schließlich auch in Ex-Musicalpartner Nikolaus Freyer verliebt, den sie bei Kiss Me Kate und Ludwig II so sehr ins Herz schloss, dass nun im nächsten Jahr gleich doppelt geheiratet wird: standesamtlich in Deutschland und in einer romantischen Dorfkirche in Norwegen. Ebenfalls Augen- und Ohrenschmaus ist die Griechin Vasiliki Roussi als Anita, die neben perfektem Gesang und Tanz auch beeindruckende schauspielerische Fähigkeiten (z.B. in der Vergewaltigungsszene) zeigt. Alen Hodzovic als Tony ist zwar ein exzellenter Musicalsänger (zuletzt Raoul im Phantom der Oper), jedoch bereiten ihm die hohen Passagen seiner Partitur bei „Maria“ und „Tonight“ hörbar Schwierigkeiten. Das restliche Ensemble, hier nur durch Andreas Wolfram als Bernardo, Stephan Brauer als Riff, Joachim Quirin als Action und Romeo Y. Salazar als Chino stellvertretend erwähnt, zeichnet sich ebenfalls durch überdurchschnittliches und ausgewogenes Können in Tanz und Gesang aus.

Alle Darsteller laufen, unterstützt durch den noch neuen musikalischen Leiter des Staatstheaters Kassel, Rasmus Baumann, zur Höchstform auf, auch wenn dem klassischen Sound aus dem Orchestergraben manchmal ein letzter Funke an peppigem Musical-Drive fehlt. Gesungen wird die West Side Story fast ausschließlich in der Originalsprache Englisch ohne eingeblendete Übertitel mit der Ausnahme des gesellschaftskritischen Slapsticksongs „Officer Krupke“, der in Deutsch präsentiert wird. Schauspielerisch hat Mehring neben Rassismus und Klassenhass den Konflikt zwischen Jugendlichen und den Erwachsenen, verkörpert durch den gutmütigen Doc (Peter Cieslinski) und die voreingenommenen Polizisten Schrank (Dietmar Durand) und Krupke (Sebastian Meder), in den Vordergrund gestellt. Dabei gibt er allen Akteuren genug Zeit, ihren Frust genügsam auszuspielen, wobei bei einer Gesamtspielzeit von 170 Minuten letztendlich doch einige Längen entstehen.

Fazit: In Kassel präsentiert sich 2004 eine klassische West Side Story ohne experimentelle Gimmicks, die jedoch den bundesweiten Vergleich nicht zu scheuen braucht und ihr begeistertes Publikum gefunden hat.

Technische Daten:

Musical West Side Story
Spielort: Staatstheater Kassel
Musik: Leonard Bernstein
Texte: Stephen Sondheim
Aufführungsdauer: ca.170 min
Uraufführung: 31. Januar 2004
Weitere Vorstellungen: 08. Februar bis 27. Juni 2004

Weitere Infos lesen Sie im Bericht in der März/April 2004 Ausgabe der Zeitschrift Blickpunkt Musical.

© by Stephan Drewianka, Musical-World.de; Fotos: Dominik Ketz Design, Kassel

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