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Musical Tommy im Theater Dortmund

Ansprache von Andreas Bieber zu den Terrorakten

Am 14.09.2001, 3 Tage nach den tragischen Terrorakten in New York, wurde das Publikum in Dortmund vor Beginn der Vorstellung vom gesamten Ensemble des Theaters mit einer Rede von Musicalstar und Hauptdarsteller Andreas Bieber begrüßt. Gerade ein Musical wie Tommy, in dem ein Kind durch brutale Gewalt den Kontakt zur realen Welt verliert, könne in diesen Zeiten zum Nachdenken anregen, auch wenn es in erster Linie unterhalten soll.

Handlung und Geschichte des Musicals Tommy

1944 muss Captain Walker seine junge Frau in der Hochzeitsnacht wegen eines Einsatzes, bei dem sein Flugzeug abgeschossen wird, verlassen. Neun Monate später bekommt Mrs. Walker ihren Sohn Tommy. Da der Vater noch 4 Jahre später vermisst wird, sucht die vermeintliche Witwe Trost bei ihrem Liebhaber. Doch genau zum 21. Geburtstag kehrt Captain Walker gesund und munter zu seiner Frau zurück, es kommt zum Streit mit dem neuen Liebhaber und der vierjährige Tommy muss im Spiegel mit ansehen, wie sein Vater in Notwehr vom Liebhaber ermordet wird. Bestürzt schreit die Mutter Tommy an, er solle alles vergessen, was er gesehen und gehört hat und niemals darüber sprechen: von diesem Moment an ist Tommy blind, taub und stumm.

Von den Richtern freigesprochen, setzen Mutter und Stiefvater nun alles daran, den kleinen Tommy, dessen lebendiges Ich er nur in seinem Spiegelbild zu finden scheint, zu heilen. Während die Ärzte scheitern , findet Onkel Ernie, der auf den 10 jährigen aufpassen soll, in Tommy ein wehrloses Opfer für seine unbefriedigten sexuellen Phantasien. Sein sadistischer Cousin Kevin erfindet mit seiner Gang immer neue Ideen, den Prügelknaben zu quälen - bis Tommy durch Zufall an einen Flipperautomaten gerät. Mit Intuition entwickelt er ein bisher unerreichtes Gefühl für das Spiel mit der silbernen Kugel und schlägt als Pinball Wizard alle Rekorde.

Die verzweifelten und reumütigen Eltern gehen immer abstrusere Wege, um Tommy zurück in die reale Welt zu führen, doch Begegnungen mit dem Führer einer Untergrunddrogensekte und der Wunderheilerin Acid Queen führen genauso wenig zum Erfolg, wie Musiktherapie oder teure Spezialisten und Psychater. Schließlich reißt Mrs. Walker der Geduldsfaden als Tommy wieder mal stundenlang apathisch in den Spiegel starrt: sie stößt Tommy durch den Spiegel, worauf er endlich aus seinem Trancezustand erwacht. Schnell bekommen die Medien Wind von der Wunderheilung des Jungen. Onkel Ernie vermarktet die Sensation Tommy als Markenartikel. In den nächsten Jahren findet Tommy als “Sektenführer” großen Zuspruch, doch als ein weiblicher Fan durch seine Bodyguards fast zu Tode geprügelt wird, lädt er sein Gefolge zu sich nach Hause ein. Alle wollen so sein wie Tommy, doch Tommy erklärt seinen Fans, dass er immer nur so sein wollte, wie sie. Durch diese Erkenntnis verliert Tommy schnell seine Anhänger: doch nun ist er endlich frei, um sein eigenes Ich anzunehmen...

Rock-Oper Tommy der Gruppe The Who

Die Rock-Oper Tommy der provokanten Gruppe The Who hat seit dem ersten Konzeptalbum von 1969 über Konzerte, Ballettfassungen und dem berühmten Film von 1975 mit Eric Clapton, Jack Nicholson, Oliver Reed und Tina Turner viele Änderungen erfahren, bis sie 1993 mit neuem Co-Autoren Des McAnuff in der endgültigen Fassung als Musical am Broadway Premiere hatte. Das ambitionierte Projekt zwischen epochalem Rock und Revolution heimste 5 Tonys für Beste Regie, Beste Choreographie, Beste Musik, Bestes Bühnenbild und Beste Lichtgestaltung ein und auch in Deutschland durfte sich in einer großartigen Inszenierung ein Theater in Offenbach allabendlich in einen überdimensionalen Flipperautomaten verwandeln.

Musical Tommy in Dortmund

Nun hat es das Musical Tommy nach Dortmund verschlagen. Die Presse urteilte nach der Premiere eher negativ und verurteilte insbesondere die hektischen Kostümwechsel in der zu überfrachteten Inszenierung. Doch ist es nicht gerade die grell-bunte und groteske Überzeichnung der Realität, die gleich einem LSD-Trip das Wesen von Tommy ausmacht?Natürlich hat die Inszenierung einige kleine Schwachstellen (z.B. die langatmigen, instrumentalen  Zwischenspiele, in denen einmal das Orchester, oder sollte ich besser sagen, die Band, vorgestellt wird, oder das Publikum im 2. Akt bei geschlossenem Vorhang nach Tommys Wunderheilung denkt, dass Stück sei bereits zu Ende), doch im großen und ganzen präsentiert hier ein Stadttheater eine gelungene Show. Nicht zuletzt dem beeindruckend großem Ensemble und tanzstarken Ballett, den abwechslungsreichen Kostümen, dem bunten Lichtdesign und den einfachen, aber effektvollen Kulissen ist es zu verdanken, dass man sich fast wie in einer großen open-end Inszenierung fühlt. Ein Wermutstropfen für das ältere Publikum, das in Stadttheatern durch Platzmieten zahlreich vertreten ist, ist sicherlich die Tatsache, dass das Stück im englischen Original vorgetragen wird und die raren deutschen Dialoge die Handlung nur grob verständlich machen.

Großartige Besetzung des Musicals Tommy

Dank einer großartigen Besetzung mit Ex-Joseph Andreas Bieber und Andreas Ströbel in der doppelten Titelrolle werden Songs wie “Amazing Journey”, “See Me, Feel Me”, “Sensation”, “I´m Free” und “Pinball Wizard” zu einem Erlebnis. Auch wenn Susanne Panzner nach Victor/Victoria immer noch nicht ihre perfekte Stimmlage gefunden hat, sind auch ihre Duette mit Partner Holger Hauer, insbesondere die emotionsgeladenen Stücke “Twenty-One” und “I Believe My Own Eyes”, echte “Hinhörer”. Besonders stimmgewaltig fallen Walter Louis (Cousin Kevin), Lemuel Pitts (Pinball Wizard) und Valerie Simmonds (Acid Queen, bei deren Performance in der besuchten Vorstellung leider das Mikro mehrmals Störungen hatte) aus dem Ensemble angenehm auf. Hannes Brock präsentiert seinen Onkel Ernie mit humorvollem Witz, so daß man ihm fast seine perversen Abartigkeiten verzeihen will.

Fazit: Tommy in Dortmund ist eine gelungene, nachdenklich stimmende Hardrock-Oper mit Musicalstar Andreas Bieber.

Technische Daten:
Theater Dortmund
Musik: Pete Townshend

Texte: Pete Townshend
Aufführungsdauer: 145 min
Uraufführung: 02. September 2001
Letzte Vorstellung: 21. April 2002

© by Stephan Drewianka, Musical-World.de

Das Interview mit Hauptdarsteller Andy Bieber lesen Sie hier!

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