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Musical Der Medicus in Fulda © Stephan Drewianka
Musical Der Medicus in Fulda © Stephan Drewianka
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Weltpremiere des Musicals „Der Medicus“ im Schlosstheater Fulda

Musical Der Medicus in Fulda © Stephan Drewianka
Musical Der Medicus in Fulda © Stephan Drewianka
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Religiöse Regeln gegen den Geist der Wissenschaft

Das Produktionsteam von Spotlight Musicals schreibt seit über 12 Jahren erfolgreiche Musicalgeschichte. Nach historischen Auftragsarbeiten mit Musicals über Bonifatius, die Heilige Elisabeth, Kolping und Friedrich den Großen setzten sich Peter Scholz und Dennis Martin in ihrer selbstgeschaffenen, aber streng katholischen Musicalmetropole Fulda mit der heiklen Musicaladaption des Erfolgsromans „Die Päpstin“ durch. Über 250.000 begeisterte Zuschauer sahen die grandiose Umsetzung der fiktiven Roman- und Filmvorlage. Nach einem Ausflug auf „Die Schatzinsel“ im letzten Jahr, die das Leben von Autor Robert Stevenson mit seiner Piratengeschichte eindrucksvoll verwob, suchte Spotlight eine noch größere Herausforderung. Die Angst vor dicken Weltbestsellern war schon mit der Päpstin verflogen, und so konnte Geschäftsführer Peter Scholz am Telefon Michael Gordon von der Idee überzeugen, den Roman seines Vaters Noah Gordon „Der Medicus“ in der ersten Bühnenumsetzung weltweit als Musical zu adaptieren.

Autor Dennis Martin holte sich für die Musik Unterstützung bei Marian Lux, bei Liedtexten und Libretto wirkten zusätzlich Christoph Jilo und Wolfgang Adenberg mit. Die größte Aufgabe bestand darin, die komplexe und umfangreiche Romanhandlung geschickt auf ein dreistündiges Gesangsspektakel zu kürzen. Das Grundthema eines forschenden Mannes, der sich gegen alle religiösen Gesetze von Christen, Juden und dem Islam stellen muss, um eine Karte des „gläsernen Menschen“ erstellen zu können, die ihm bei der Heilung von tödlichen Krankheiten helfen kann, sollte dabei unverändert bleiben. Obwohl der Roman schon 30 Jahre alt ist, erscheint die Thematik von drei harmonisch koexistierenden Weltreligionen in einer von Fortschritt geprägten Stadt aktuell wie nie.

In London stirbt im Jahr 1021 Zimmermann Cole und hinterlässt eine Frau und seine drei Kinder. Der älteste Sohn Rob spürt durch seine Gabe beim Berühren der Hände seiner Mutter die tödliche Seitenkrankheit. Der herbeigeholte Bader kann sie nicht retten, nimmt sich aber des elfjährigen Coles an, während seine Schwestern als Hilfskräfte bei anderen Familien unterkommen. Cole begleitet den fahrenden Heiler jahrelang, doch obwohl er die Grundkenntnisse der Medizin schnell erlernt, stößt er immer dann an seine Grenzen, wenn er durch seine Gabe den bevorstehenden Tod eines Patienten spürt, diesen aber wie bei der eigenen Mutter nicht verhindern kann. Der Bader erzählt ihm vom größten Heiler seiner Zeit Ibn Sina, der in der Hauptstadt des fernen Persiens Isfahan in der Madrassa seine Schüler zu angesehenen Ärzten ausbildet. Rob Cole beschließt, die jahrelange, weite und gefährliche Reise auf sich zu nehmen, um ein Medicus zu werden. In Bulgarien überrascht ihn ein früher Wintereinbruch, der viele Reisende in einer kleinen Bergstadt aufhält. Dort heilt er den gebrochenen Knöchel des irischen Schafzüchters James Cullen, in dessen Tochter Mary er sich verliebt. Als der Pass im Frühjahr frei ist, trennen sich die Wege der Verliebten und Cole erfährt von einem Reisenden aus Isfahan, dass in der Madrassa keine Christen ausgebildet werden. Cole beschließt deshalb, sich fortan als der Jude Jesse Ben Benjamin auszugeben und lernt eifrig die jüdische Sprache. Als er nach Sandstürmen in der Wüste endlich vor der Schule in Isfahan steht, lässt ihn der Verwalter nicht passieren und zusammenschlagen. Eine Gruppe Medizinstudenten findet den verletzten Jesse, der mit seinem Wissensdurst einen alten Heiler beindruckt, der Ibn Sina selbst ist und Jesse zur Probe in die Madrassa aufnimmt. Sein jüdischer Mitstudent Mirdin verschafft ihm eine Unterkunft im Judenviertel und auch in Karim findet Jesse einen weiteren Freund. Karim ist als Neffe des Schahs recht großzügig, genießt das Nachtleben und bringt Jesse das Spiel des Schahs – Schach – bei. Während ihrer Ausbildung zeigt sich Jesses Gabe erneut und er prophezeit den Tod eines soeben erfolgreich behandelten Patienten. Tatsächlich stirbt dieser Mann kurze Zeit später und Ibn Sina diagnostiziert als Todesursache die Pest, die sich danach schnell in der Stadt ausbreitet und zahlreiche Opfer fordert.

Jesse erkennt den Zusammenhang zwischen Krankheit, Ratten und Flöhen und nach Einführung von Hygienemaßnahmen, zu denen auch das religiös nicht gestattete Verbrennen der Pestleichen gehört, kann die Seuche eingedämmt werden. Zu den Opfern gehört auch der Schah und seine beiden Söhne, so dass Karim unerwartet den Thron als neuer Schah von Persien besteigt. Karim ernennt den ausgebildeten Mirdin zu seinem Leibarzt und möchte auch Jesse ein Geschenk machen und bietet ihm eine seiner frisch eingetroffenen Sklavinnen an. Zu seinem Entsetzen erkennt Jesse in einer der Frauen Mary wieder, die er sofort erwählt. Mary erzählt davon, wie ihre Karawane überfallen, ihr Vater getötet und sie als Sklavin verschleppt und misshandelt wurde. Beide beschließen, nach Jesses Ausbildung nach Schottland zurückzukehren und heiraten. Karim will gegen seine Feinde in den Krieg ziehen und nimmt gegen Jesses Rat den verheirateten Mirdin mit. Als ein Patient an der Seitenkrankheit stirbt, möchte Jesse den Leichnam öffnen, um diese Krankheit endlich heilen zu können, doch Ibn Sina verbietet ihm dieses religiöse Tabu strengstens, da dies nicht nur mit dem Tode bestraft wird, sondern zudem auch dem geschändeten Toten das ewige Leben verwehrt. Doch Jesses Wissensdrang lässt ihn alle Warnungen vergessen. Er öffnet die Leiche und fertigt die erste Zeichnung der Anatomie des Menschen an und erkennt dabei auch, warum seine Mutter und der vor ihm liegende Tote gestorben sind. Während Karim siegreich und euphorisch aus der gewonnenen Schlacht zurückgeht, ist Mirdin schwer verletzt und stirbt in den Armen seiner Frau Fara. Als Jesse Karim zur Rede stellen will und ihn verurteilt, kommt es zum Streit zwischen den Freunden, den Karim mit einem Geschenk an Jesse beenden will. Doch Jesse lehnt das Geschenk des Schahs ab, ein Affront, der mit dem Tode bestraft werden muss. Karim sieht als einzige Möglichkeit, seinen Freund zu retten, in Jesses Demütigung, die er nur durch die Schändung seiner Frau Mary erreicht. Zur gleichen Zeit will Jesse seine Studien an der geöffneten Leiche abschließen, wird vom Verwalter aber auf frischer Tat ertappt. Zwar kann Jesse sich mit einer Ausrede aus der Affäre ziehen, erfährt aber vom Verwalter, was mit Mary passiert ist. Jesse will Karim zur Rede stellen, der die Regeln des Lebens mit dem Schachspiel vergleicht, das Jesse immer gegen Karim verloren hat. Als die geöffnete Leiche gefunden wird, nimmt Ibn Sina die Schuld auf sich und erwartet die Todesstrafe. Jesse besucht seinen Mentor im Kerker und erkennt die Wahrheit hinter Ibn Sinas Opfer. Doch alles scheint verloren, da die vermeintlich geschlagenen Feinde die Stadt mit neuen Verbündeten in einer letzten Schlacht dem Erdboden gleichmachen wollen…

Unter der versierten Regie von Holger Hauer präsentierte sich der historische Stoff in seiner Musicalfassung, die näher an der Romanvorlage geblieben ist als die Verfilmung von 2013, am 17. Juni 2016 als Weltpremiere im Schlosstheater Fulda. Wie bei Spotlight üblich, wurde die instrumentale Musik als Playback in üppiger Orchestrierung von Michael Reed und Roy Moore unter musikalischer Leitung von Andreas Pabst eingespielt und dem gespannten Premierenpublikum mit einem erlesenen Musicalensemble live präsentiert.

Die Hauptdarsteller sind alte und gerngesehene Bekannte in Fulda. Im letzten Jahr überzeugte Hauptdarsteller Friederich Rau noch als Pirat und Romanautor in „Die Schatzinsel“, in diesem Jahr ist er „Der Medicus“. Rau entwickelt sich glaubwürdig vom einfachen Badergehilfen zum wissensdurstigen Medizinstudenten und gefällt dabei mit seiner einnehmenden Gesangsstimme, die besonders im heroischen „Ich muss es tun“ bei seiner Verwandlung vom Christen zum Juden zur Geltung kommt. Während der über 100 Vorstellungen bis zum 28.08.16 werden alternierend auch Sascha Kurth („Die Päpstin“) und Janko Danailow („West Side Story“ in Halle und Pforzheim) diese Rolle übernehmen.

Gefühlt viel zu selten sind im Stück die Auftritte von Sabrina Weckerlin als Mary. Im Medicus ist es ihr auf den ersten Blick nicht vergönnt, einen Smash-Hit wie „Einsames Gewand“ als „Die Päpstin“ zu präsentieren. Doch die gesungene Liebeshymne an ihre schottische Heimatstadt „Kilmarnock“ ist genauso bezaubernd wie das echte Liebesduett „Wenn die Sterne mit uns sind“ mit Partner Friedrich Rau. Dass auch in einem ernsten Stück Raum für etwas Humor ist, beweist Mary im Duett mit Fara, gespielt von der hinreißenden Devi-Ananda Dahm (Cosette in „Les Miserables“, „Tim Thaler“), beim Song „Ein Arzt in der Familie“, bei der beide Frauen beim Brotteigkneten die Vorzüge heilender Hände in der Ehe preisen.

Als gütig-gerechter Medizin-Mentor Ibn Sina, der schnell erkannt hat, dass Jesse Ben Benjamin eigentlich ein Christ ist und ihn trotzdem gerne weiter unterweist, ist der großartige Reinhard Brussmann („Sunset Blvd.“, „Zorro“, „Der Graf von Monte Christo“) zu sehen, der bereits im ersten Spotlight-Musical „Bonifatius“ mit seiner sonoren Stimme auftrumpfen konnte. Seine Highlights sind das Streit-Duett mit Jesse „Wenn wir jetzt nicht weitergeh´n“ über die Grenze zwischen Religion und Wissenschaft und sein Solo „Nimm die Last von meinen Schultern“ im Kerker mit dem Tod vor Augen. Ebenfalls ein echter Gewinn ist Andreas Wolfram („Rocky Horror Show“, „Starlight Express“) als freigiebiger Karim, der vom feiernden Studenten zum kalten Schah die größte Wandlung im Stück überzeugend durchlebt. Mit seinen Songs kommt Leben ins Theater, denn Karim steht für orientalischen Glanz in mitreißenden Ensemble-Gesangs- und Tanz-Nummern, die durch die ausgefeilte Choreografie von Kim Duddy wirklich sehenswert sind und erstmals in Fulda Broadway-Charakter haben. „Das Herz dieser Stadt“ und „Ala Schah“ überzeugen mit Bauchtanz und Akrobatik und wirken wie aus „Aladdin“, während das getanzte Schachspiel „Alles nur ein Spiel“ Erinnerungen an „Chess“ aufkommen lässt, ohne diese beiden Vorbilder plump zu kopieren.

Lutz Standop ist der freundliche und zuvorkommende Jude von Nebenan, der Jesse stets ein guter Freund ist und der im „Jüdischen Gebet“ sein verdientes Solo abliefert, aber mit „Unter diesem Dach“ ein harmonisches Trio präsentiert, in dem die Wunder der Madrassa eindrucksvoll beschrieben werden. Sebastian Lohse ist in einer Doppelrolle zunächst der gütige Bader, der mit „Für Leib und Seele“ zusammen mit Rob ein Tonikum anpreist, dass den „Knoblauch“ aus „Tanz der Vampire“ locker in den Schatten stellt, später im Musical dann der fiese Religionsfanatiker Quandrasseh, dem Jesses wissenschaftlicher Forschungsdrang ein Dorn im Auge ist. Dorothea Maria Müller als Coles Mutter Agnes trumpft mit dem kleinen Lied „Verlier den Glauben nicht“ auf, dessen Melodie sich bis ins Finale „Es fühlt sich nach Heimat“ als Leitmotiv durch das gesamte Musical zieht. Leon van Leeuwenberg überzeugt als Marys Vater James Cullen und als Großwesir, der dem neuen Schah Mary als Sklavin vorstellt. Alle weiteren Darsteller im 33-köpfigen Ensemble runden den positiven Eindruck ab und sind dank dem gut abgestimmten Sounddesign von Maximilian Becker in jeder Szene gut zu verstehen.

Als weiterer Star dieser 2 Millionen Euro-Produktion muss das wundervolle Bühnenbild von Christopher Weyers („Poe“, „Ich will Spaß“, „Die Päpstin“) erwähnt werden, das abwechslungsreich die unterschiedlichsten Spielorte auf der doch recht kleinen Bühne eindrucksvoll zum Leben erweckt, die durch die stimmigen Videoanimationen von Petr Hlousek im Lichtdesign von Pia Virolainen, programmiert von Svein Slevik, real wirken, obwohl sie plakativ gemalt sind wie aus einem Märchenbuch aus „1001 Nacht“. Die 526 detailverliebten Kostüme von Ulli Kremer und die Maske von Elke Quirmbach erheben den Medicus tatsächlich auf eine noch höhere Stufe als alle bisherigen Spotlight-Produktionen.

Die 700 Plätze des Schlosstheaters waren für alle 100 Vorstellungen in diesem Jahr bereits vor der Premiere zu über 95% ausgebucht. Dies beweist das große Vertrauen der Musicalfans in die Produktionen von Spotlight Musicals, und die Premiere bewies, dass Peter Scholz und Dennis Martin diese Vorschusslorbeeren nicht nur verdient haben, sondern sogar übertreffen konnten. Der Medicus wird auch im kommenden Musicalsommer Fulda vom 14.06. bis 27.08.2017 auf dem Spielplan stehen, reservieren Sie sich also rechtzeitig Ihre Eintrittskarten!

Alles zum Musical Der Medicus bei Sound Of Music.

© Text & Fotos: Stephan Drewianka; Dieser Bericht erschien als Titelstory ebenfalls in der usical-Fachzeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 83 (04/16), Juli-September 2016

Musical Der Medicus in Fulda © Stephan Drewianka
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