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Musical Hair in Kassel

  • Musical Hair am Staatstheater Kassel © Dominik Ketz
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  • Musical Hair am Staatstheater Kassel © Stephan Drewianka
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  • Musical Hair am Staatstheater Kassel © Stephan Drewianka
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American Tribal Rock Musical Hair am Staatstheater Kassel

Love, Peace, Freedom and Happiness

Hair – das ist ein LSD-Trip zurück in die Zeit der Hippie-Ära Ende der 60er Jahre, in der das patriotische Amerika vom Vietnam-Krieg, den Morden an John F. Kennedy, Martin Luther King und Sharon Tate, dem Ku-Klux-Klan und vom Rassismus stark gebeutelt wurde. Die Jugend rebellierte gegen das Establishment, wollte anders und frei sein mit dem Zelebrieren freizügiger Liebe, Gewaltlosigkeit und Frieden. Die »Zeit des Wassermanns« war angebrochen…

Claude, Berger und Sheila lehnen sich gegen die Vorstellungen der älteren Generation (vertreten durch Claudes Eltern) auf und wollen sich von deren Pflichtbewusstsein und Moralvorstellungen lösen. Als Claude seinen Einberufungsbefehl in die Army erhält, gleicht dies seinem Todesurteil. Er will nicht in einem Krieg kämpfen, in dem Weiße Schwarze gegen die Gelben schicken, um das Land zu verteidigen, das die Weißen den Roten gestohlen haben. Doch weder Drogen noch freizügiger Sex können über die Realität hinwegtäuschen, Claude wird einberufen und verliert sein Leben in Vietnam.

Obwohl die Story hinter HAIR eher etwas dünn ist, strotzt das 2,5 Stunden Musical, das am 29.04.1968 seine Broadway-Premiere feierte, vor Gesellschaftskritik und Provokation. Der Bogen spannt sich von Luftverschmutzung (»Air«), altmodischer Schulerziehung (»Going Down«), ungewöhnlichen Sexualpraktiken (»Sodomy«), dem Schwarz-Weiß-Klischee farbiger Liebhaber (»Black Boys-White Boys«) über die Chancengleichheit zwischen den Rassen (»Colored Spade«) bis zum Fahnenkult der Amerikaner (»Don´t Put It Down«), um nur einige Aspekte der zynisch-bissigen Songs aus der Feder von Galt McDermont (Musik) und Gerome Ragni und James Rado (Texte) zu zitieren. HAIR geht mit dieser Gesellschaftskritik über die Hippie Zeit der Spätsechziger hinaus und kann auch in heutiger Zeit durchaus noch aktuelle Akzente setzten.

Am Staatstheater in Kassel steht die Spielsaison 2008/2009 ganz unter dem Motto »Macht/Rausch« – und für den »Rausch« steht die Premiere des Musicals Hair am 24.01.2009 im Opernhaus. Schon im Foyer bekommt jeder Besucher kleine rote Tütchen mit der Aufschrift »Rauschmittel«. Auch wenn sich die kleinen, blauen Pillen als harmlose Smarties entpuppen, erinnern diese Tütchen sehr an die Pillen, die sich die Darsteller auf der Bühne reihenweise gleich einem Abendmahl in der Kirche zu Beginn des Musicals einwerfen. Der Drogenkonsum ist ein beherrschender Punkt der Produktion in der Inszenierung von Philipp Kochheim, der dabei fast die Personen und den roten Faden in der Geschichte aus den Augen verliert, sich dafür aber in LSD-Träumen mit Rhett Butler, Scarlett O´Hara, Jane Fonda, Andy Warhol, John Lennon, Charles Manson und Popeye verliert. Die Dramaturgie von Stephanie Winter unterstützt die losen Handlungsfetzen mit eingestreuten, englischen Kommentaren zu überdimensionalen, historischen Filmeinspielungen von John F. Kennedy, Martin Luther King und der »Lucile Ball Show« auf dem geschlossenen Bühnenvorhang, der die Zuschauer jedoch eher verwirrt als in die Handlung hineinzieht. Denn eins schafft die Kasseler Inszenierung von HAIR nicht: Die Identifikation der Zuschauer mit den Darstellern auf der Bühne. Hier hätte man sich gewünscht, den zusammengewürfelten Hippie-Haufen irgendwann in sein Herz zu schließen und zu verstehen. Doch leider bleiben die einzelnen Charaktere zu steril und unpersönlich, um über ihr Schicksal zu bangen.

Wie mitreißend die Handlung von HAIR sein kann, bewies die Filmadaption von Milos Forman aus dem Jahre 1979, der Berger kurzzeitig für Claude den Militärdienst übernehmen lässt, damit Claude Sheila seine Liebe gestehen kann; das Berger genau in dieser Nacht nach Vietnam abkommandiert wird und im Krieg fällt, verdeutlicht die tiefe Freundschaft der beiden Hauptdarsteller und bringt Dramatik und Tragik in ein eher oberflächliches Stück. Aber Kassel orientiert sich nicht am Film, sondern an der Theatervorlage und so bleibt Claude von der ersten Minute bis zu seiner Einberufung zum Militär ein Außenseiter im karierten Hemd und Khaki-Hosen, der nie wirklich zur Clique seiner Hippie-Community gehört.

Kultmusik und überragende Darsteller beim Musical Hair

Abgesehen von der schwachen Umsetzung der Geschichte gibt es in Kassel jedoch einige Lichtblicke, die einen Besuch des Musicals sehenswert machen. Die gesanglichen und tänzerischen Leistungen des gesamten Ensembles liegen auf hohem Niveau. Als Gäste in Kassel trumpfen Kai Hüsgen als stimmgewaltiger Claude Hooper Burkowsky mit seiner Schuljungen-Schüchternheit auf, Henrik Wager rockt in seiner Paraderolle als cooler Tribal-Anführer Berger alle an die Wand und Deutschland Sucht den Superstar-Aussteigerin Judith Lefeber überzeugt als Dionne restlos mit ihrer rauchigen Soulstimme bei »Aquarius« und im Trio mit ihren nicht minder talentierten Partnerinnen Dionne Wudu und Tertia Beryl Botha bei »White Boys«. Christof Maria Kaiser als gutmütiger Woof, Tanja Schön als strahlende Donna, Peggy Pollow als herrlich quietschende Jeanie, Sven Olaf Denkinger als fahnenverachtender Humphrey und Alvin Le-Bass als jazziger Hud lassen die Zeit der Blumenkinder kunterbunt in den authentischen Kostümen von Bernhard Hülfenhaus wieder auferstehen. Das Tanzensemble unter der Choreografie von Alonso Barros setzt die wenigen Tanzeinlagen als musikalische Höhepunkte in Szene. Giulia Glennon lässt als musikalische Leiterin die Kultsongs von »Let The Sunshine In« bis »Good Morning Starshine« von der nur 10 Mann starken Band kraftvoll und harmonisch arrangiert modern aus dem Orchestergraben schallen, so dass der Zuhörer manchmal denkt, dort säße ein viel größeres Symphonieorchester.

Das Bühnenbild von Thomas Gruber hält sich in dezentem Weiß im Hintergrund und schafft genug Raum für die bunten Hippie-Kostüme. Nur wenn im Schlussbild die runden Hohlwände umgedreht werden und die Schauspieler in der kargen Holzkonstruktion der Rückwand-Streben den Krieg in Vietnam spielen müssen, wirkt dies mehr als unpassend. Zudem endet das Stück recht abrupt mit dem letzten Song »Let The Sunshine In«.

Das Musical Hair in Kassel lebt von den überragenden Darstellern, der kraftvollen Kultmusik und einigen schönen Bildern. Doch fragen Sie einen Besucher nach der Handlung des Stückes, werden Sie nicht selten ein verständnisloses Schulterzucken als einzige Antwort bekommen. Aber vielleicht erschließt sich Ihnen die Handlung auch eher in der vielsagenden Textpassage: »Gliddy gloob gloopy, nibby nabby noopy, la la la – lo lo, sabba sibbi sabba, nooby aba naba, lee lee lo lo, tooby ooby wala, nooby aba naba, early morning singing song!«

© Text & Fotos Schlussapplaus/Zugabe (4) by Stephan Drewianka, Musical-World.de; Bühnenfotos (12) von Dominik Ketz

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