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Cabaret in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
Cabaret in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Musical Cabaret bei den Bad Hersfelder Festspielen

Cabaret in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Bildgewaltige High-End Inszenierung des Kander-Ebb Musical-Klassikers Cabaret

Der bisherige Intendant der Bad Hersfelder Festspiele Holk Freytag musste nach Streitigkeiten am Ende der Spielzeit 2014 nach vier Jahren Amtszeit das Feld räumen. Dieter Wedel ist 2015 der neue Intendant in der Stiftsruine und machte schon im Vorfeld der Festspieleröffnung Schlagzeilen mit einem Spielplan, bei dem sich viele Top-Schauspieler aus Deutschland die Türklinke in die Hand geben sollten. Doch nicht nur für hochkarätige Namen sorgte Wedel, er bestand auf Neugestaltung des Sitzplans der Stiftsruine mit leichter zugänglichen (und weniger) Plätzen, so dass es nun auch eine Pause geben sollte. Wedel setzt bekanntlich mehr auf Schauspiel als auf Musical und so werden Musicalfans der Zukunft in Bad Hersfeld aufmerksam entgegensehen. Denn das Kander-Ebb Musical Cabaret hatte bereits Vorgänger Freytag fest mit Helen Schneider in der Titelrolle als weiblichen Conférencier eingeplant und vertraglich auf den Weg gebracht.

Prominente Darsteller beim Musical Cabaret in Bad Hersfeld

Doch nicht nur Helen Schneider, die sich bereits 2011 als Norma Desmond in Sunset Blvd. in Bad Hersfeld in einer imposanten Inszenierung zurückmeldete, sollte Zuschauer nach Bad Hersfeld locken, ihr damaliger Joe Gillis Rasmus Borkowski steht erneut als erfolgloser Autor Cliff Bradshaw auf der Besetzungsliste und auch Helmut Baumann (Max von Mayerling in Sunset Blvd.) ist als Herr Schulz dabei. Dazu Shreks Fiona Bettina Mönch als Sally Bowles, die wunderbare Judy Winter als Vermieterin Fräulein Schneider und die Rolle der quirligen Prostituierten Fräulein Kost wird von Jessica Kessler gespielt. Folkwang Professor Gil Mehmert, der sich unlängst für die atemberaubende Inszenierung des Musicals „Das Wunder von Bern“ verantwortlich zeichnete, bleibt als Regisseur auch in Bad Hersfeld am Ball und präsentiert mit Co-Regisseur Erik Peterson eine visuell überwältigende Produktion des vermeintlich angestaubten Musical-Klassikers.

Opulente Inszenierung

Denn Cabaret braucht eigentlich nicht viel, um überzeugend auf die Bühne gebracht zu werden. Eine Handvoll guter Darsteller, eine kleine Band und ein Bühnenbild, das zwischen schwülem Nachtklub und Berliner Mietshauswohnung wechselt, sind eigentlich vollkommend ausreichend. Doch Mehmert kleckert nicht, er klotzt – und das gewaltig. Angefangen beim 19-köpfigen Orchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben, das für eine imposante musikalische Untermalung sorgt und noch durch drei Bühnenmusiker (Kati Brien, Bastian Ruppert, Karsten Schnack) verstärkt wird. Die komplette Mitte der Stiftsruine füllt eine riesige Drehbühne, die neben einer zweistöckigen Wohnung mit einem Dach, das die beleuchteten Buchstaben B-E-R-L-I-N zieren, auf der Rückseite Platz bietet für den Kit-Kat-Klub als überdimensionales, schräges Klavier mit Backstage-Seitennischen (Bühne: Heike Meixner). Die Kostüme von Falk Bauer sind historisch zurückhaltend in der Berliner Vorkriegszeit, doch im Nachtklub glitzern Pailletten und bei den Songs wird tief in einer einfallsreichen Ausstattungskiste gewühlt, die teilweise anmutet wie ein knallbunter Karnevalszug inklusive politischer Anspielungen überdimensionierter Köpfe. Alle Auftritte im Kit-Kat-Club sind atemberaubend choreografiert von Melissa King, die die Kit Kat Girls (Yael de Vries, Yara Hassan, Nicky Milford, Vera Weichel, Jane Reymonds, Eva Zamostny) and Boys (Tobias Brönner, Ben Cox, Adrian Hochstrasser, Michael B. Sattler) zu erwähnenswerten Darstellern über normale Ensembleleistungen hebt. Das Licht Design von Ulrich Schneider ist direkt und schnörkellos, Jörg Grünfelder sorgt für einen guten Sound.

Grandiose Leistungen der Darsteller: Helen Schneider

Bei der Premiere von Cabaret am 19. Juni 2015 überzeugten aber nicht nur glanzvolle Bilder der opulenten Inszenierung die Zuschauer, sondern auch die grandiosen schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Mit „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ begrüßt uns der weibliche Conférencier Helen Schneider als weißgeschminkte Erzählerin mit überdimensionierten Mickey Mouse-Händen an langen Stangen. Helen Schneider passt perfekt als androgyner Charakter in die wechselnden Rollen, die sie während der Show übernimmt, egal ob es sich dabei um einen Bahnschaffner oder einen Frauenarzt handelt. Ihre rauchige, akzentbehaftete Stimme ist wie geschaffen für ihre Songs, egal, ob man nun ein Fan von Helen Scheider ist, oder eben nicht – hier vermag sie bei jeder gesungenen Note zu fesseln. 

Bettina Mönch in der Rolle der Nachtklubsängerin Sally Bowles

Die Rolle der Nachtklubsängerin Sally Bowles ist seit der Verfilmung von 1972 untrennbar mit Liza Minelli verbunden. Bettina Mönch versucht erst gar nicht, irgendeine Kopie der Minelli zu verkörpern. Ihre Sally ist eine hochgewachsene Modelikone im Stile eines Playboy Center-Folds, die verletzlich bei einem mittellosen Fremden Unterschlupf suchen kann, aber auch emanzipiert über ihre Karriere und somit auch über ihren Körper bestimmt und sich von niemandem Vorschriften machen lässt, auch wenn die Liebe dabei auf der Strecke bleibt. 

Rasmus Borkowski als erfolgloser Schriftsteller

Rasmus Borkowski spielt den mittel- und erfolglosen Schriftsteller naiv liebenswert und elegant charmant. Leider stellt die Inszenierung seine unterschwellige Homosexualität so weit in den Hintergrund, dass sie nur in einer kurzen Randszene Erwähnung findet. Schade, denn wie viele Berlin-Real-Life-Szenen wird auch das Thema Diskriminierung und Andersdenken direkt im Anschluss im Nachtklub in einem Song aufgegriffen, was ja den besonderen Reiz des Musicals ausmacht. 

Judy Winter, Helmut Baumann und eine Ananas der Liebe

Schön herausgearbeitet ist kontrastierend zur oberflächlichen Beziehung von Sally und Cliff die tiefe Verbundenheit zwischen dem älteren Pärchen Fräulein Schneider und Herr Schulz. Helmut Baumann, der selbst schon als Regisseur Cabaret in Berlin mit Helen Schneider als Sally Boules inszenierte, spielt den schüchternen Gemüsehändler auf Freiersfüßen sehr sympathisch. Mit Judy Winter steht ihm eine grandiose Partnerin zur Seite, deren Liebeslied um eine Ananas einer der vielen Höhepunkte darstellt. Die aufkeimende Liebe der beiden wird zerstört, als der aufkeimende Nationalsozialismus den jüdischen Schulz einholt und die Hausbesitzerin Schneider an ihren weltlichen Werten festhalten lässt. 

Jessica Kessler als Fräulin Kost mit ihren leichten Matrosen

Um den ernsten politischen Hintergrund aufzulockern, begrüßt die lebensfrohe Fräulein Kost einen zahlenden Matrosen nach dem anderen in ihrem Schafgemach – eine Paraderolle für Jessica Kessler, die dann aber ihre nationalsozialistische Gesinnung an der Seite von Ernst Ludwig (Björn Bonn) findet. Abgerundet wird das Ensemble durch Oliver Morschel als Max und Matthias Trattner als Piccolo. 

Sehenswerte Inszenierung mit überwältigender Bilderflut

Bis zum 21. Juli 2015 verzaubert Cabaret insgesamt 26 Mal das Musicalpublikum in Bad Hersfeld. Dank der großen Nachfrage und der positiven Zuschauerresonanz wurden noch zwei nachmittägliche Zusatzvorstellungen mit ins Programm genommen. Denn diese Inszenierung ist tatsächlich sehenswert. Die Bilderflut ist so überwältigend, dass man getrost mehrmals Vorstellungen besuchen kann und immer noch weitere versteckte Details entdecken kann, so viel spielt sich gleichzeitig auf der großen Bühne der Stiftsruine ab. Jemand, der das Musical nicht kennt, wird vielleicht sogar überfordert sein, da die Handlung und manchmal sogar die Leistung der Darsteller in der gewaltigen Bildsprache der Szenen untergehen. Alte Hasen freuen sich indes über ein Cabaret, dass sie in dieser Pracht noch nicht gesehen haben. Etwas betrüblich ist auch die Tatsache, dass der Open-Air-Charme der Stiftsruine nicht in die Inszenierung mit eingebaut wurde, denn die Drehbühne könnte in jedem Theater Deutschlands stehen.

Grandioser Einstand für Dieter Wedel in Bad Hersfeld

Trotzdem ist Cabaret ein grandioser Einstand für Dieter Wedel in Bad Hersfeld und hoffentlich werden auch in den nächsten Spielzeiten ähnlich hochkarätige Musicals auf dem Spielplan der Stiftsruine stehen. Mit in der Diskussion ist übrigens auch eine Verlegung des Veranstaltungsbeginns auf vor 21:00 Uhr, denn durch die neu hinzugekommene Pause erlebt man bei Cabaret schon einmal die Geisterstunde in der Stiftsruine, was bei Spielterminen innerhalb der Woche doch für lange Nächte für Musical-Weitgereiste sorgt.

© Text & Fotos: Stephan Drewianka, Musical-World.de

Weitere Infos zu Handlung und Hintergrund des Musicals Cabaret lesen Sie hier!

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Cabaret in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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Cabaret in Bad Hersfeld © Stephan Drewianka
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