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Musical Rent in Essen

  • Musical Rent, Folkwang Hochschule Essen #1 © Stephan Drewianka
  • Musical Rent, Folkwang Hochschule Essen #2 © Stephan Drewianka
  • Musical Rent, Folkwang Hochschule Essen #3 © Stephan Drewianka
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  • Musical Rent, Folkwang Hochschule Essen #10 © Stephan Drewianka
  • Musical Rent, Folkwang Hochschule Essen #11 © Stephan Drewianka
  • Musical Rent, Folkwang Hochschule Essen #12 © Stephan Drewianka

Leben mit HIV: Musical Rent als Abschlussprojekt der Folkwang Hochschule in Essen

Die Ausbildung im Diplomstudiengang Musical an der Folkwang Hochschule in Essen endet für die Jahrgangsabsolventen immer mit der Aufführung eines Musical-Stückes in der Neuen Aula. So inszenierte Professor Gil Mehmert in den letzen Jahren erfolgreich die Off-Broadway Musicals The Wild Party (2005), Bat Boy (2006) und Pinkelstadt (2007), die in Deutschland eher selten auf dem Spielplan stehen, jedoch mit ihrem erfrischenden Charme eine spannende Abwechslung ins ewige West Side Story-Einerlei der deutschen Musiktheaterszene bringen. In diesem Jahr entschieden sich die Studenten für das Aids-Drama Rent von Jonathan Larson, das als moderne Interpretation von Puccinis La Boheme die Pariser Künstlerszene vom Ende des 19. Jahrhunderts ins moderne New York verlegt und aktuelle Themen wie Drogensucht, Homosexualität und HIV aufgreift. Regie und Choreografie des Musicals lagen diesmal bei der amerikanischen Gastdozentin Karen Babcock, die selbst am Broadway in vielen Musical-Produktionen auf der Bühne stand und an zahlreichen amerikanischen Theatern und Universitäten unterrichtete. Unter der künstlerischen Leitung von Prof. Patricia Martin stellten sich die sechs Absolventinnen und Absolventen am 23. Mai und in drei weiteren Vorstellungen des Musicals Rent dem Publikum vor.

Die Absolventen und Darsteller des Musicals Rent

Jonas Hein, Gewinner des Landes- und Bundeswettbewerbs Gesang, spielt den HIV-positiven Roger Davis, der vor seinem sicher baldigen Ableben noch einen Welthit komponieren möchte. Da er bereits eine Freundin an die Seuche verloren hat, will er sich nicht erneut binden, schon gar nicht an die ebenfalls infizierte drogensüchtige Prostituierte Mimi Marquesz, die von der rassigen Dionne Wudu gespielt wird. Wudu, die bereits 2001 bei einem Gesangswettbewerb von MTV den 1. Preis abräumen konnte und seit Januar bei der ARD -Wissenschaftssendung Kopfball als Moderatorin arbeitet, verkörpert die Rolle mit ihrer rauchig-erotischen Stimme virtuos und ist zusammen mit ihrem Partner Hein, der seine rockigen Balladen ebenfalls herrlich überzeugend auf die Bühne bringt, eine echte Entdeckung. Stefan Igeler, der seine ersten Erfahrungen in der eigenen Rockband und einem Gospel- und Musical-Chor sammelte, spielt den leicht lispelnden Filmemacher Mark Cohen, der das Künstlerleben seiner Freunde in Dokumentarfilmen aufzeichnet. Marks Ex-Freundin ist die schrille Performance Künstlerin Maureen Johnson, die sich mit einer extravaganten Aktion für Obdachlose einsetzt und dazu ebenfalls ihre neue Geliebte Joanne Jefferson einspannt. Das ungleiche Lesbenpärchen wird durch die quirlige Merle Hoch (Maureen), die sich bereits sechs Monate an der australischen Sydney Dance and Theatre Company weiterbildete und mit Leichtigkeit ihr Publikum zum Muhen bringt, sowie durch die Ukrainerin Natalya Bogdanis, die schon bei Sarah O´Connor im Background-Chor sang und als schüchterne Anwältin den Schritt zum erotischen Vamp schafft, gespielt.

Als letzter diesjähriger Absolvent geht mit Tim Ludwig, der mit der Oper Die Soldaten nach Auftritten bei der Ruhr-Triennale in diesem Jahr auch beim »Lincoln Festival« in New York gastieren wird, ein recht hochgewachsener Tom Collins an den Start. Der talentierte Computeranarchist verliebt sich im Musical in den Straßenmusiker und Transvestiten Angel Dumott Schunard, der von Lars Kempter als Gast aus dem Absolventenjahrgang 2006 gespielt wird. Wer bisherige Rent-Inszenierungen inklusive der Spielfilmadaption aus dem Jahre 2005 im Sinn hat, wird von diesem Pärchen sicher überrascht sein: Kempter spielt den Transvestiten vielleicht nicht ganz so flippig wie gewohnt und liegt mit seiner tieferen Stimme rund eine Oktave tiefer als der durchschnittliche Angel, überzeugt dann aber doch durch harmonische Duette mit seinem Partner, auch wenn diese beiden Männer optisch und stimmlich nicht die gravierenden Unterschiede aufweisen, die diese Konstellation sonst so besonders anders macht.

Ansteckende Spielfreude der jungen Absolventen

Die Inszenierung der Folkwang Hochschule überzeugt durchweg von der ersten bis zur letzten der rund 150 Minuten. Die Spielfreude der jungen Musical-Absolventen und der Kollegen aus den jüngeren Jahrgängen in den kleineren Rollen ist ansteckend, der Sound der vierköpfigen Band unter der Leitung von Patricia Martin erklingt satt und prall, und das Bühnenbild mit den stimmungsvollen Dia-Einblendungen von Cordula Körber, die szenische Umbauten praktisch unnötig machen, ist eine einfache und doch effektvolle Augenweide. Gesungen und gespielt wird die deutsche Fassung, die aber im Gegensatz zur deutschen Erstaufführung von Rent im Frühjahr 1999 im Düsseldorfer Capitol-Theater ungekürzt mit allen Reprisen zur Aufführung kommt. Wer die vier Aufführungen von Rent in Essen verpasst haben sollte, kann sich den 14. bis 18. Oktober im Kalender freihalten, an dem das Musical in Basel im Haebse Theater zu Gast sein wird, oder am 23. Oktober das Erholungshaus der Bayer AG in Leverkusen besuchen – es lohnt sich!

Podiums-Diskussion zum Thema AIDS nach dem Musical Rent

Im Anschluss an die Rent-Vorstellung vom 24. Mai lud der Studiengang Musical zur Podiums-Diskussion »Heute und Aids« ein. Manuel Izdebski von der Aidshilfe Unna und ein HIV-positiver ehemaliger Student der Folkwang Hochschule berichteten mit Beispielen aus dem eigenen Leben, wie unsere Gesellschaft heute mit dem Thema Aids umgeht. Die Professoren Patricia Martin und Michael Mills erzählten, wie Aids die Musicalszene erschüttert, aber zugleich auch künstlerisch inspirierte. Regisseurin Karen Babcock schlug dabei die Brücke zwischen der Fiktion Rent und der Realität am Broadway. Dieser gelungene Abschluss eines interessanten Musical-Abends wurde nur durch die Tatsache getrübt, dass das Interesse an dieser Zusatzveranstaltung ausgehend von der ausverkauften Neuen Aula mit knapp einem dutzend Zuhörern leider erschreckend gering ausfiel. Sind wir heute tatsächlich ausreichend über das Thema Aids informiert? Die Frage einer anwesenden Journalistin, warum denn im Stück der einzige Charakter ohne HIV-Infektion, Mark, nicht schreckliche Angst vor seinen Mitbewohnern habe und diese sogar umarmte, gibt vielleicht Anlass zur Sorge. Auch bei Erwachsenen tut augenscheinlich Aufklärung über das Leben mit HIV selbst in unserer Zeit immer noch Not!

© Text & Fotos: Stephan Drewianka, dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift BLICKPUNKT MUSICAL, Ausgabe 04/08, Juli-August 2008

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