• Musical Pinkelstadt - Urinetown
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Musical Pinkelstadt - Urinetown in Essen

  • Musical Pinkelstadt an der Folkwang Hochschule Essen #1 © Stephan Drewianka
  • Musical Pinkelstadt an der Folkwang Hochschule Essen #2 © Stephan Drewianka
  • Musical Pinkelstadt an der Folkwang Hochschule Essen #3 © Stephan Drewianka
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  • Musical Pinkelstadt an der Folkwang Hochschule Essen #6 © Stephan Drewianka
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Pinkelstadt Abschlussprojekt der Folkwang Hochschule Essen

Die diesjährigen fünf Absolventen des Studiengangs Musical an der Folkwang Hochschule Essen präsentierten in der Neuen Aula zunächst insgesamt viermal das mehrfach ausgezeichnete Broadway-Musical mit dem wohlklingenden Namen Pinkelstadt - Urinetown von Greg Kotis und Mark Hollmann. In Deutschland feierte das Stück 2004 mit Ilja Richter in der Hauptrolle im Schloßparktheater Berlin seine Europapremiere. Nach den vorhergehenden Abschlussprojekten Wild Party (2005) und Bat Boy (2006) führte erneut Prof. Gil Mehmert Regie in dieser bitterbösen Sozialgroteske, die in der deutschen Übersetzung von Ruth Deny und Wolfgang Ardenberg für nachdenkliches Schmunzeln sorgte.

Handlung des Musicals Pinkelstadt: Pinkeln im Pott

Nach einer ökologischen Katastrophe herrscht akuter Wassernotstand. Die Regierung muss das Wasser streng rationieren und überträgt die zur Verpflichtung gewordene Nutzung öffentlicher Toiletten einem einzigen Konzern, der Gesellschaft mit beschränktem Harndrang (kurz GmbHarn und Klo KG) unter der Leitung von Herrn von Mehrwerth (Markus Schneider), der sich mit den täglichen Bedürfnissen der Bevölkerung eine goldene Nase verdient hat. Wer die ständig steigenden Kosten der Toilettenbenutzung nicht mehr an die resolute Friede Fennichfux (Sabine Ruflair) bezahlen kann und sich illegal hinter einem Busch erleichtert, wird von Wachtmeister Kloppstock (Stefan Igeler) in die mysteriöse Pinkelstadt gebracht, aus der noch niemals jemand zurückkehrte. Kloputzer Jonny Stark (Tim Hüning) setzt sich nach der Verschleppung seines Vaters für kostenloses Pinkeln ein und findet in Millionärstochter Freya von Mehrwerth (Anais Lueken) eine Fürsprecherin für seine Revolution. Das frisch gebackene Liebespaar wird durch die Verhaftung Jonnys getrennt. Die Aufständischen müssen in die Kanalisation fliehen und nehmen Freya als Geisel. Jonny erfährt am eigenen Leibe, wo Pinkelstadt eigentlich liegt, denn diese Stadt existiert gar nicht, sondern jeder Aufmüpfige wird einfach vom nächsten Hochhaus geworfen und verscharrt. Als Freya die Augen geöffnet werden, wie ihr Vater tatsächlich an seinen Reichtum gekommen ist, stellt sie ihn im Firmenhochhaus zur Rede und kann nicht verhindern, dass auch er durch den wütenden Mob die Reise nach Pinkelstadt antreten muss. Als neue Leiterin der Bedürfnisanstalten gibt sie grünes Licht für freies Pinkeln, doch schon wenige Monate später gibt es dank Dauerklospülen kein Trinkwasser mehr…

Wie schon Klein-Erna (Nicole Güttling) im Epilog auf der Bühne bemerkte, eignet sich weder der Titel des Stücks noch die >traurige< Handlung für einen witzigen Musicalabend - sie würde lieber in einem lustigen Musical mitspielen. Doch auch wenn sich die Handlung düster und dramatisch anhören mag, hat das Publikum an der zynischen Satire und der starken Gesamtleistung der jungen Absolventen sichtlich seinen Spaß. Wenn der Cast zu Beginn des Musicals das Wasser buchstäblich bei zusammengekniffenen Beinen bis zum Halse steht, weil niemand die Toiletten benutzen darf oder später die Öffnung der Toiletten mit einem raffinierten Ballett mit Toilettenpapier gefeiert wird, bleibt kein Auge trocken. Auch die Rededuelle zwischen Wachtmeister Kloppstock und der naiven Klein-Erna, bei denen auch schon mal verraten wird, was noch im zweiten Akt passieren wird, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Stück und sind ein humoristisches Highlight.

Musikalisch bleibt man frei nach dem Motto »Jeder Strahl hat seinen Preis« permanent immer knapp unterhalb der Gürtellinie. Die fünfköpfige Band unter der Leitung von Patricia Martin swingt sich souverän durch die Musicalpartitur, die mit so manchem herrlich zuckersüßem Liebesduett oder auch einer A-capella Gospelnummer das Genre Musical herrlich auf die Schippe nimmt. Die fünf Absolventen und das weitere Ensemble haben mit ihrer soliden Leistung im Musical Pinkelstadt - Urinetown einen guten Einstand in ihre kommende und hoffentlich erfolgreiche Karriere gegeben.

Wer die pinkelnden Hochschulabsolventen in der Neuen Aula verpasst hat, hat am 10. und 11. November im Theater am Kirchplatz in Lichtenstein eine zweite Chance, wo diese Produktion des Musicals Pinklelstadt - Urinetown zwei Gastspiele geben wird. Und benutzen Sie vor Beginn des Stückes ruhig noch einmal unbeschwert die Toilette, man kann ja nie wissen…

Lesen Sie auch das Interview mit Prof. Gil Mehmert über die Abschlussprojekte der Folkwang Hochschule!

© Text & Fotos: Stephan Drewianka, Musical-World.de; Dieser Bericht erschien ebenfalls in der Fachzeitschrift BLICKPUNKT MUSICAL, Ausgabe 04/07, Juli-August 2007

Alles zum Musical Pinkelstadt bei Sound Of Music!