• Musical Anything Goes
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Theater
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Technische Daten:

Original Besetzung: Anke Sieloff, Regine Hermann, Sabine Schreittmiller, Gaines Hall, Eric Minsk
Musiktheater im Revier MIR, Gelsenkirchen
Musik/Texte: Cole Porter
Aufführungsdauer: 165 min.
Termine: 22., 28. Februar, 12.,18. März, 1.,3.,12. April

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Musical Anything Goes in Gelsenkirchen

  • Musical Anything Goes in Gelsenkirchen © Rudolf Finkes
  • Musical Anything Goes in Gelsenkirchen © Rudolf Finkes
  • Musical Anything Goes in Gelsenkirchen © Rudolf Finkes
  • Musical Anything Goes in Gelsenkirchen © Rudolf Finkes

Alles ist möglich im Gelsenkirchener Musiktheater

Nach dem grandiosen Erfolg von Gershwins Musical Crazy For You der letzten Spielzeit, entschloss man sich im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier (MIR), mit Cole Porters Hochseeklamotte, dem Musical Anything Goes, ein zweites Mal in die klassische Kerbe der Broadway-Musicals der 20er und 30er Jahre zu schlagen. Regisseur Stefan Huber, der als Musical-Darsteller (z.B. in Les Miserables) mit dem Genre auch von der Scheinwerfer bestrahlten Seite bestens vertraut ist, präsentiert mit Anything Goes eine unterhaltsame Gesellschaftssatire, bei der „man den Kopf mit gutem Gewissen auch mal ausschalten kann und sich nicht schämen sollte, sich dem Nonsens hinzugeben“. So erlebt der Zuschauer 165 kurzweilige Minuten an Bord des Luxusliners MS America, auf dem sich die unterschiedlichsten Passagiere einschiffen:

Handlung und Geschichte des Musicals Anything Goes

Hope Harcourt (Regine Hermann) soll den reichen englischen Lord Evelyn Oakleigh (Urs Affolter) heiraten, doch eigentlich hat sie sich bereits in den Habenichts Billy Crocker (Stepp-Star Gaines Hall) verliebt, der als blinder Passagier versuchen will, diese Heirat in eigenem Interesse zu verhindern. Die ehemalige Nachtclubsängerin Reno Sweeney (Mezzosopranistin Anke Sieloff), die als Predigerin mit ihren “Novizinnen” ihre Gemeinde vergrössern will, und das Gangsterduo Moonface Martin (Joachim G. Maaß) und Erna („Miami Nights“-Star Sabine Schreittmiller) wollen Billy unterstützen. Dessen Boss, der Börsenmakler Elisha Whitney, ist ebenfalls an Bord und darf seinen Angestellten natürlich nicht entdecken. Leider wird Billy vom FBI obendrein noch für den Staatsfeind Nr.1 gehalten und gejagt, doch ein echter Priester wird schliesslich verhaftet, dessen Begleitung - zwei bekehrte Chinesen - allein zurückbleiben und illegale Würfelspiele starten. In dem ganzen Verwechslungs-Durcheinander behält nur der Obersteward den Überblick, der die verwöhnten Passagiere mit Prominenten unterhalten möchte, in Ermangelung der versprochenen Stars zumindest mit dem grössten Verbrecher, dem Staatsfeind Nr.1, auftrumpfen will. Moonface und Billy werden erst inhaftiert, dann als Ehrengäste an den Kapitänstisch geladen. Lord Evelyn ist eigentlich ein Zigeuner und hat in China das Mädchen Pflaumenblüte verführt und da Pflaumenblüte gerade nicht zur Hand ist, schlüpft Reno in deren Rolle. Der Skandal wird bekannt gemacht, Billy kann seine Hope heiraten, während der Lord seine Pflaumenblüte heiraten muss, einen Part, den Reno gerne übernimmt - Ende gut, alles gut!

Musikalische Leitung des Musicals Anything Goes Kai Tietje

Unter der musikalischen Leitung von Kai Tietje erstrahlen die unvergesslichen Evergreens aus Cole Porters Feder mit der neuen Philharmonie Westfalen in frischem Glanz: „I Get A Kick Out Of You“, „Bon Voyage“, „You´re The Top“, „Easy To Love“, „There´ll Always Be A Lady Fair“, „Friendship“, „It´s De-Lovely“, „Blow Gabriel Blow“, „All Though The Night“, „Gypsy In Me“ und der Titelsong „Anything Goes“ werden mit deutschen Übertiteln im englischen Original gesungen und sind dem Publikum nicht nur durch Kaffe-Werbung („Night And Day“, bei der Musicalpremiere 1934 von Fred Astaire gesungen), sondern durch viele aktuelle Coverversionen (von U2 bis Sinead O´Conner) bereits ein hartnäckiger Wurm im Ohr.

Das Musical Anything Goes kommt nach einem kurzen Intro in einer amerikanischen Bar (dem berühmten Bild „Boulevard of broken dreams“ nachempfunden) mit nur einem weiteren, imposanten Bühnenbild an Bord des Luxus-Schiffes aus, welches durch den Einsatz diverser frei beweglicher Kabinen und eines riesigen Schornsteins, in dem eine komplett beleuchtete  Showtreppe integriert ist, erfreulich wandelbar und elegant zweckmäßig zugleich ist. Perfekt in die goldene Ära von Swing und Jazz passen die cremefarbenen Charlston-Kostüme der reichen Passagiere und die weißen Matrosenanzüge, die einen krassen Gegensatz zum bunten Vaunderville -Glamour der predigenden Nachtclubsängerin Reno mit ihren drei leichtbekleideten „Novizinnen“ bilden. So werden die grandios choreographierten Tanzsequenzen zu einem wahren Augenschmaus, denn durch den raffinierten Einsatz steppstarker Gäste bilden die Mitglieder des Balletts Schindowski eine harmonische Einheit, die man beim Vorgänger Crazy For You noch an mancher Stelle vermisste. Und auch in  kleinsten Details bewies man Sinn für Humor, wenn z.B. die Souffleuse im Orchestergraben mit einem Föhn den Fahrtwind im Kleid der Hauptdarstellerin simuliert und diese mit ihrem Partner am Bug des Schiffes zu den Klängen von Celine Dions „My Hart Will Go On“ Erinnerungen an den Film Titanic wecken.

Alle Darsteller sind erfreulich engagiert bei der Sache und die Spielfreude ist ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben; da stört es nur wenig, wenn die Stimme der sonst so züchtigen Operndiva Anke Sieloff bei „Blow Gabriel Blow“ einen touch verrauchter und verruchter klingen sollte und ihre blonde Mähne unter einer ungewohnten schwarzen Kurzhaarperücke versteckt ist. Sabine Scheitmiller als platinblonde Barbie-Puppe verdreht jedem strammen Matrosen den Kopf und kann mit ihrer kräftigen Musicalstimme gehörig einheizen. Gewohnt souverän und ganz in seinem Element ist der männliche Star der Show, Stepp-Talent Gaines Hall. Der Amerikaner aus Alabama hat sich seit seinem Engagement als Bobby Child in „Crazy For You“ in die Herzen der Zuschauer getanzt und ist seitdem ein gerngesehener Gast nicht nur im Musiktheater im Revier, sondern auch am Staatstheater Kassel, wo er neben den Gelsenkirchener Vorstellungen auch noch in die Verlängerung vom Bernstein Musical-Klassiker On The Town geht.

Bereits mit zwei Jahren stand der kleine Gaines auf der Bühne der Tanzschule seiner Mutter. Auf der Universität in Washington D.C. wurde seine Leidenschaft Steppen, die er von der Mutter erlernte, um Modern Dance und afrikanische Tänze erweitert. Nach sechs Jahren Ausbildung bekam er nach zweitägigem Vorsingen unter 150 Mitbewerbern eine Rolle für die Europatournee von 42nd Street – angeblich nur weil er die richtige Hut- und Hosengröße für das Kostüm besaß. Während der Tournee kam Gaines auch nach Berlin, wo er später am Theater des Westens die Rolle des Freddy in My Fair Lady spielte. Noch lange nicht sicher im Umgang mit der deutschen Sprache sang er den Song „In der Straße, mein Schatz, wo Du lebst“ beim Vorsingen noch rein phonetisch, doch das änderte sich schnell, als er immer neue Angebote (z.B. Hello Dolly mit Angelika Milster, Blue Jeans und die Tourneeproduktion von Die Schöne und das Biest) in Deutschland erhielt. Schließlich musste Gaines Hall als Joe Gillis in Andrew Lloyd Webbers Sunset Boulevard in Niedernhausen bei Wiesbaden beweisen, dass seine Ambitionen auch zum Hauptdarsteller in einem Mega-Musical reichten. Wiesbaden ist auch heute noch Gaines Wahlheimat in Deutschland, wo er in einer Tanzschule jeden Montag Unterricht erteilt und seine drei erfolgreichen Soloshows (Step out of Hell, Seaside und Gaines Hall in concert) kreierte. Es folgten noch die deutschsprachigen Erstaufführungen von The Life und Chess (beide am Staatstheater Kassel), bevor er mit Crazy For You in Gelsenkirchen einen so großen Erfolg hatte, dass die Pläne, Kander & Ebbs Cabaret am Musiktheater im Revier zu spielen, zu Gunsten von Anything Goes über Bord geworfen wurden.

Gaines Hall bereut nicht, dass er durch seinen vollen Terminkalender das Angebot, bei der Neuinszenierung von 42nd Street in Stuttgart die Hauptrolle zu spielen, zunächst auf Eis legen musste, denn so bleibe ihm neben den wundervollen Rollen in Gelsenkirchen und Kassel noch genug Zeit, sein neuestes Soloprogramm „Gaines Hall in concert“, in dem das Hauptaugenmerk weniger auf Tanzen, sondern viel stärker bei Gesang und Darstellung aus Musicals wie Kuss der Spinnenfrau, Jekyll & Hyde, Elisabeth, Miss Saigon, Tanz der Vampire, Cabaret, La Cage aux Folles und Sunset Blvd. liegt, erfolgreich umzusetzen.

Fazit: Eins ist schon jetzt sicher: Das Musical Anything Goes am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen ist optisch und akustisch ein Hit, wie die begeisterte Zuschauerreaktion bei der Mega-Mix-Zugabe bewies! Wer diese Show selbst einmal erleben will, sollte sich zeitig um Karten bemühen oder auf Zusatzvorstellungen, wie sie schon bei Crazy For You eingerichtet werden mussten, hoffen.

© by Stephan Drewianka, Musical-World.de; Fotos: Rudolf Finkes mit freundlicher Genehmigung des Musiktheaters (Anything Goes), Stephan Drewianka (Gaines Hall)

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Gaines Hall.

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Nicht ganz so aktuell, aber ebenfalls ein Hit: Bestellen Sie sich die CD der Gesamtaufnahme aus London von 1989 bei Amazon.de!

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