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Musical Anatevka im Musiktheater Gelsenkirchen

  • Musical Anatevka im Musiktheater Gelsenkirchen #1 © Pedro Malinowski
  • Musical Anatevka im Musiktheater Gelsenkirchen #2 © Pedro Malinowski
  • Musical Anatevka im Musiktheater Gelsenkirchen #3 © Pedro Malinowski
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  • Musical Anatevka im Musiktheater Gelsenkirchen #9 © Stephan Drewianka
  • Musical Anatevka im Musiktheater Gelsenkirchen #10 © Stephan Drewianka

Musical Anatevka: Drei Hochzeiten und ein Exodus

Wenn Sie von Herrn Jauch am 22.11.2010 bei Wer wird Millionär für 125.000 Euro gefragt worden wären, wer oder was Anatevka im gleichnamigen Musical-Klassiker sei, hätten Sie hoffentlich auch ohne 50:50 Joker die Zarentochter, das Dorffest und die Kuh des Milchmanns links liegen lassen und sich wie die Kandidatin schließlich auch für den Ort der Handlung als richtige Antwort entschieden. Denn in dem kleinen Dörfchen Anatevka im zaristischen Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts träumt der jüdische Milchbauer Tevje mit Frau Golde und seinen fünf Töchtern im Showstopper „Wenn ich einmal reich wär…“ auch schon vom großen Geld. Seit dem 17.12.2010 spielt das Musical Anatevka mit dem amerikanischen Untertitel Fiddler On The Roof von Jerry Bock (Musik) und Joseph Stein (Buch) im Großen Haus des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen.

Karge Bühne beim Musical Anatevka 2010 im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen

Das Musical kommt mit einem kargen Bühnenbild (Etienne Pluss) aus. Zwei weiße Rahmen begrenzen die Spielfläche und im hinteren Rahmen zieht sich eine Batik-Stoffbahn über zwei Rollen, wodurch im Licht von Patrick Fuchs völlig unterschiedliche Wolkenformationen und Gefühlsstimmungen präsentiert werden. Die Requisiten sind ein Milch- und ein Heuwagen, vier winzige, drehbare Holzhäuschen, ein Tisch und ein omnipräsenter Mast mit 4 Lampen. Kann man vor so einem Hintergrund über 190 Minuten spannende Musicalunterhaltung bieten? Das MIR kann es!

Geschichte und Handlung des Musicals Anatevka

Gleich die Ouvertüre ‚Tradition‘ zeigt eine beindruckende Ensembleleistung in der Regie von Peter Hailer und der musikalischen Leitung von Bernhard Stengel, der die Neue Philharmonie Westfalen opulent durch jüdische Volksweisen und imposante Broadway-Hymnen führt und dabei der Solo-Violine von Takashi Bernhöft (Fiddler) genug Freiraum zur Entfaltung gibt. Schon die ersten Minuten vereinen Solo-Darsteller, Opernchor (Einstudierung Christian Jerub) und das phantastische Ballett Schindowski mit der aufregenden Choreografie von Kati Farkas zu einer selten erlebten Einheit. Als Erzähler tritt Tevje der Milchmann, souverän gelebt von Joachim G. Maass, häufig auf den Rundgang vor den Orchestergraben, um dort nahe am Zuschauer zu sein, ohne diesen direkt anzusprechen. Er hält Zwiesprache mit Gott und erklärt uns so hintersinnig und humorvoll seine Welt zwischen Glaube, dem Streben nach Reichtum und Glück und der allgegenwärtigen Tradition. Seine Frau Golde, gespielt von der Schauspielerin Lena Stolze (bekannt aus Tatort und Kino mit u.a. „Visionen – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ oder Joseph Vilsmeiers „Nanga Parbat“), hat das Herz zwar am rechten Fleck, glaubt aber nicht an die Heirat aus Liebe, sondern will das Glück ihrer drei ältesten Töchter der Heiratsvermittlerin (Christa Platzer) anvertrauen. Doch Zeitel (Judith Jakob) denkt nicht an die Heirat mit dem alten Metzger Lazar Wolf (Thomas Weber-Schallauer), sondern nimmt den jungen Schneider Mottel (E. Mark Murphy), Hodel (Filipina Henoch) schnappt sich den Hauslehrer Perchik (Navid Akhavan), der wegen politischer Ansichten nach Sibirien verbannt wird, und Chava (Jana Stelley) verliebt sich in den Russen Fedja (Andreas Schneider), den Tevje jedoch nicht akzeptieren kann, da er kein Jude ist.

Darsteller und Besetzung

Alle Darsteller sind phantastisch besetzt und garantieren einen herrlichen Musicalabend mit mitreißender Choreografie, bei der sogar mit Flaschen auf dem Kopf getanzt wird. Nach dem Feuerwerk an Humor und guter Laune ist der zweite Akt thematisch düsterer, bedrohen doch die Russen die Dorfidylle Anatevkas, die schließlich in der Ausweisung der Juden gipfelt. Dramaturgin Anna Melcher gelingt der Wechsel von humorvoller Leichtigkeit zum blutigen Ernst ohne Peinlichkeiten mit einem anrührenden Exodus der Juden, die nun in alle Welt verteilt werden.

Zunächst steht das Musical Anatevka bis zum 18. Juli 2011 insgesamt 20 Mal auf dem Spielplan des Musiktheaters, wobei die Vorstellungen zu Recht fast immer ausverkauft sind.

© Text: Stephan Drewianka, Musical-World.de; Szenenfotos: Pedro Malinowski; Schlussapplaus: Stephan Drewianka; dieser Artikel erschien ebenfalls in der Zeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 02/11, März-April 2011

Lesen Sie auch den Bericht zur Premiere von Anatevka in Bad Hersfeld!

Alles zum Musical Anatevka / Fiddler on the Roof bei Sound of Music!