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American Operetta Candide in Gelsenkirchen

Candide in Gelsenkirchen © Stephan Drewianka
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Pedro Malinowski
Candide in Gelsenkirchen © Stephan Drewianka

Ode an den Optimismus - Bernsteins Candide 2008 am Musiktheater im Revier

Das Musiktheater in Gelsenkirchen steht in dieser Spielzeit unter der neuen Intendanz von Michael Schulz, der sich am 12. Oktober mit der American Operetta Candide dem Publikum vorstellte. Der Schöpfer der unvergleichlichen West Side Story Leonard Bernstein schrieb insgesamt 30 Jahre an dem skurrilen Stück nach Voltaires Roman, mit dessen Uraufführung 1956 er noch lange nicht zufrieden war und der die letzte autorisierte Version erst 1990 – im Jahr seines Todes – in konzertanter Fassung ein einziges Mal persönlich dirigierte. Nicht zuletzt durch diesen Entwicklungsprozess entstand mit Candide ein wilder Mix aus Oper, Musical und Revue mit deutlichen Akzenten zu europäischen Tänzen wie Polka, Walzer und Gavotte. Candide steht somit außerhalb der konventionellen Regeln zur Einordnung in eine bestimmte Musikrichtung, obwohl die liebenswürdige Karikatur der europäischen Oper deutlich im Vordergrund steht. Sicherlich kein leichtes Stück für eine neue Theaterleitung, um sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen, zumal die dubiose Handlung viele unbefangene Theatergänger schlichtweg überfordert.

Inhalt und Handlung der American Operetta Candide

Candides Odyssee durch >die beste aller möglichen Welten< beginnt in Westfalen, wo er zusammen mit seiner angebeteten Cunigunde, deren Bruder Maximilian und der Dienerin Paquette, den Lehren von Dr. Pangloss lauscht. Doch seine ungetrübt optimistische Weltanschauung wird erschüttert, als die bulgarische Armee sein Land verwüstet, Cunigunde vergewaltigt und erschießt. Über die Leichen all seiner Freunde flieht Candide nach Holland, erkennt in einem Bettler Dr. Pangloss wieder, der an der Syphilis leidet und zieht zusammen mit ihm nach Lissabon, wo er einen Vulkanausbruch zwar knapp überlebt, aber von der Inquisition ausgepeitscht wird, während Pangloss erhängt wird. Candide kommt nach Paris und erkennt in einer Hure seine Totgeglaubte Cunigunde. Er ersticht zwei rivalisierende Freier und flieht mit ihr und einer alten Lady nach Cádiz. Sie schiffen sich auf einem Sklavenschiff nach Buenos Aires ein, auf dem Maximilian und Paquette als Sklaven an den Gouverneur verkauft werden sollen. Der Gouverneur verliebt sich in Cunigunde, Candide flieht als gesuchter Mörder in den Dschungel und trifft in Montevideo auf einen Jesuiten, der sich als Maximilian entpuppt. Als Maximilian Candide erneut die Hand seiner Schwester Cunigunde verwehrt, tötet Candide Maximilian und flieht vor den wilden Indianern bis nach Eldorado. Mit dem Gold der Azteken erreicht Candide die holländische Kolonie von Surinam, wo er sich nach Venedig einschiffen will, um dort Cunigunde zu treffen. Doch Candides Schiff sinkt durch einen Betrug, er wird jedoch von einem Handelsschiff auf dem Weg nach Konstantinopel gerettet. In Venedig treffen alle Ex-Toten im Casino aufeinander und Candide verzeiht Cunigunde ihren unredlichen Lebenswandel, um sich auf einem Bauernhof mit ihr niederzulassen. Doch in der Gartenarbeit sieht Cunigunde nicht die Erfüllung ihres Lebens…

Candide: 3-stündiger Ausflug in die beste aller Welten

Rund 180 Minuten dauert Bernsteins Ausflug in >die beste aller möglichen Welten< und diese phantastische Reise in all ihrer Komplexität mit der verwirrenden Anzahl an Handlungssträngen und Orten wird im Musiktheater im Revier mit erstaunlich wenigen Requisiten beeindruckend simpel umgesetzt. Die Welt ist ein Zirkus und die Bühne von Alissa Kolbusch hat die Form einer runden Manege mit Drehboden und goldenem Glitzervorhang. Der allwissende Erzähler – hier verkörpert durch den pfiffigen Joachim G. Maass, der in die Rollen von Voltaire, Pangloss, dem Sklaven Cacambo und des Pessimisten Martin schlüpft – bändigt die wilde Handlung zeitweilig sogar im Kostüm eines Zirkusdirektors und führt seinen Helden Candide (Lars Rühl) streng nach Voltaires Regeln des Optimismus zynisch von einer zur nächsten Katastrophe.

Was die schlichte Bühne an Vorstellungskraft vom Zuschauer fordert, wird durch die zahlreichen schillernden Kostüme von Steffi Bruhn wett gemacht, so dass man anhand der Kleidung immer erkennt, ob wir uns gerade im Casino oder im bulgarischen Bürgerkrieg befinden. Diana Petrova brilliert als Cunigunde bis in die höchsten Töne ihrer anspruchsvollen Partitur (ihr »Glitter And Be Gay« gehört zu den Höhepunkten des Abends). Lokal-Matadorin Anke Sieloff als Paquette spielt nur eine unbedeutende Nebenrolle und geht im bunten Treiben auf der Bühne nahezu verloren, obwohl Pangloss Song von der Reise ihrer Syphilis im Lied »Autodafé« ein humoristisches Highlight setzt, welches zudem durch die comichaften Zeichnungen von Fufu Frauenwahl in überproportionaler Rückprojektion bestens unterstrichen wird. Auf die Spitze treibt es dann jedoch die quirlige >alte Lady< Ariane Arcoja, die das Quartett »What´s The Use« auf einer imaginären Toilette ansingt und dann nacheinander ihren tapferen Mitstreitern, die allesamt die Hosen herunterlassen, die Klopapierrolle unter der Tür weiterreicht.

Solche grandiosen Einfälle sind in der Candide Inszenierung von Folkwang-Professor Gil Mehmert leider viel zu selten und zwischendurch stellt sich beim Zusehen der Endlossaga vom Abmurksen und Wiederauferstehen doch etwas Langeweile ein. Nicht jeder kann der Handlung konsequent folgen, obwohl die Verständlichkeit der ins Deutsche übertragenen Texte eigentlich hervorragend sein sollte, doch leider wurde, wie in der klassischen Oper üblich, ohne Mikrofon-Verstärkung gesungen, was in leiseren Passagen dann doch zu Verständnisproblemen führte.

Eigentlich ein großes Plus in Gelsenkirchen stellt das exzellente Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen dar, doch konnte Dirigent Rasmus Baumann, der mit seinen Film Ab!-Konzerten mit sattem Symphoniesound in Kassel Maßstäbe setzte, seine Musiker beim Musical Candide nicht zur Höchstleistung anspornen. Dies mochte auch mit dem Tarifstreit deutscher Orchester, von dem der Theaterbesucher noch vor der Vorstellung von einem Streikposten informiert wurde, zusammenhängen. Spätestens hier trifft >die beste aller Welten< wieder auf die Realität des Alltags!

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© Text by Stephan Drewianka, Musical-World.de; Fotos: Pedro Malinowski (10), Stephan Drewianka (2)

Dieser Bericht erschien ebenfalls im Update zur Zeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe 05, 2008