• Musical Non(n)sens
    Musical Non(n)sens
Sie befinden sich hier: Theater / Musicals M-R / Non(n)sens
Theater
Musical Nonnsense im Theater
Musical Nunsense auf DVD
Musical Nunsense bei Wikipedia (englisch)

Tickets für Veranstaltungen suchen und hier bestellen!

Eventsuche

Ticket Auktion auf www.fansale.de

Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf

Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka
Musical Non(n)sens in der Komödie Düsseldorf © Stephan Drewianka

Himmlische Musical-Komödie Non(n)stop Non(n)sens

Die himmlische Musical-Komödie Non(n)sense wurde 1986 gleich dreifach mit dem Outer Critics Circle Award für das beste Musical, das beste Buch und die beste Musik ausgezeichnet. Über zehn Jahre begeisterten fünf Nonnen das Publikum am Off-Broadway und zogen daraufhin in göttlicher Mission in mehr als 5000 verschiedenen Inszenierungen in 26 Sprachen um die Welt. Der Komponist und Autor Dan Goggins schickte die Nonnen sogar in weiteren Fortsetzungen erneut ins Rennen mit Non(n)sens II, Schwester Amnesias Country & Western Non(n)sense und Nuncrackers. Die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Non(n)sens fand 1984 in Düsseldorf statt und in Düsseldorf – genauer gesagt in der traditionellen Komödie in der Steinstrasse – waren die Schwestern vom 11. Juli bis 18. August 2007 erneut zu Gast.

Handlung und Geschichte des Musicals Non(n)sense

Abgehetzt treffen die fünf Nonnen unter der Führung der resoluten Mutter Oberin Schwester Maria Regina mit etwas Verspätung im Theater ein, was verständlich ist bei dem starken Verkehr rund um Düsseldorf. Der Grund des Wohltätigkeitsabends, der nun stattfinden soll, ist schnell erklärt, fielen doch die restlichen 52 Mitglieder des Klosters einer verhängnisvollen Fischsuppe zum Opfer. Für die Beerdigung von 48 Nonnen reichte der Notgroschen des Klosters, aber dann wurde Schwester Maria Regina übermütig und gönnte sich eine skandinavische Urlaubsreise, was die Klosterkasse endgültig überstrapazierte. Nun liegen die letzten vier Nonnen im Kühlhaus des Klosters und die Gesundheitsinspektoren haben sich angekündigt. Die fünf Überlebenden der Fischsuppe müssen nun schleunigst Geld für die letzten Bestattungen auftreiben und veranstalten deshalb einen bunten Abend mit Spendenaufruf, bei dem jede Nonne ihre göttlichen Talente einmal anders unter Beweis stellen will.

Mutter Oberin Maria Regina gesteht sehr schnell: »Ich will im Spot steh´n«. In der Düsseldorfer Komödie teilen sich diesen Part Dagmar Biener, die schon mit Loriot in Ödipussi und Pappa ante Portas spielte und durch zahlreiche Fernsehkrimis (SOKO) bekannt ist, und der RTL-Samstag-Nacht-Star Tanja Schumann, die diese Rolle bereits erfolgreich in Berlin verkörperte. Während Tanja Schumann, die bereits in der West Side Story Musicalerfahrung sammeln konnte, sicherlich ebenfalls ihr komödiantisches Talent in dieser Rolle voll ausspielen kann, überzeugte Dagmar Biener in der besuchten Vorstellung nicht zuletzt auch durch ihre physische Ausstrahlung als perfekte Mutter Oberin, eben genauso, wie man sich eine strenge Ordensschwester vorstellt. Umso krasser fällt der Wandel am Ende des ersten Aktes aus, bei dem durch ein zufälliges Schnüffeln an einem Fläschchen suspekten Inhalts ganz neue himmlische Höhen erreicht werden: die Nonne ist echt high und rafft ihre Sutane zum frivolen Can-Can.

Die Nummer 2 in der stark umkämpften Kloster-Rangordnung ist Schwester Maria Hubert, die gerne die Leitung von Maria Regina übernehmen würde (wo genau kam eigentlich das dubiose Fläschchen her, das Maria Regina dazu trieb, mit Obstkopfschmuck und Rasseln einen Fruchtbarkeitstanz a la Josephine Baker aufzuführen?). Die ehrgeizige Nonne ist mit dem Comedy- und Wie bitte?!-Fernseh-Star April Hailer ebenfalls sehr prominent besetzt. Frau Hailer versteht es, aus der schwarz -weißen Rolle mit unnahbarer Reserviertheit eine Glanzleistung abzuliefern und auch gesanglich weiß sie auf ganzer Linie zu überzeugen, hat sie in der Vergangenheit schon in zahlreichen Musicals von Cabaret über Kiss Me Kate und Annie get your gun bis hin zu »Linie 1« mitgewirkt. Ihr »Holier than you« ist eine Gospel-Nummer, die jeden Katholiken oder Protestanten zum Mitklatschen animiert.

Schwester Robert Anna hat es ebenfalls nicht leicht. Ihr Motto: »Ich spiel die zweite Geige« beschreibt ihre Nicht-Rolle in der Show, denn die hochgewachsene Schwester soll nur die zweite Besetzung spielen, falls eine der Erstbesetzungen durch einen Unfall ausfallen sollte. Ihr hartes Los (»Ich wär so gern ein Star«) wird von Anja Karmanski beeindruckend umgesetzt. Die Vollblut-Musicaldarstellerin, die ihre Ausbildung am Theater an der Wien absolvierte, kann den Frust einer Zweitbesetzung sicherlich nachvollziehen, obwohl sie selber auf viele Erstbesetzungen in ihrer Karriere zurückblicken kann (u.a. Grease in Wien, Crazy for you in Gelsenkirchen, Chicago in Berlin und der Rocky Horror Show in Bad Hersfeld, für deren Darstellung der Columbina sie 1997 mit dem Hersfeldpreis für Schauspieler ausgezeichnet wurde).

Das Nesthäkchen der quirligen Pinguine ist die junge Novizin Schwester Maria Leo, die sich als Alternative zur Nonnenkarriere auch die Profession Balletttänzerin vorstellen könnte. Ihr Schwan im »Nonnensee« stirbt jedoch nicht durch den Jäger Robert Anna, sondern ganz aktuell an der Vogelgrippe. Das Tanzen übernimmt in Düsseldorf die 23-jährige Elena Zvirbulis, die mit der HipHop-Formation What´s Up 2002 Vize-Norddeutscher Meister wurde und im Ensemble zu »Is Someone Out There? An Evening With Maurie Yeston« im Stage Club der Neuen Flora in Hamburg zu hören war.

Das absolute Highlight des Abends ist aber ohne Zweifel die dankbare Rolle der Schwester Amnesia, die komplett ihr Gedächtnis verloren hat und eigentlich nie genau weiß, was sie gerade macht. Ihr katholisches Quiz mit Publikumsbeteiligung, bei dem als verlockende Belohnung ein Foto von Papst Benedikt winkt, ist sicherlich ein komödiantischer Höhepunkt des Abends. Erst spät fällt ihr ein, eigentlich eine Country-Sängerin auf dem Weg nach »Nashville« gewesen zu sein, bevor sie ihr himmlisches Schicksal ereilte. Als Retterin in der Not erinnert sich Schwester Amnesia dann sogar noch an einen Lotto-Gewinn, der die letzten vier Nonnen mit Gefrierbrand aus dem Kühlhaus dann endlich in ihr ruhiges Grab bringt. Die Amerikanerin Mary Harper, die in der Rolle der Amnesia schon in Berlin zu sehen war, spielt diesen Charakter mit einer sympathischen Naivität und ohne übertriebene Aufgesetztheit, die immer wieder Lachtränen in die Augen der Zuschauer treibt. Selbst wer kein Country-Fan ist, wird ihre Western-Stimme zu schätzen wissen. Mary Harper hat vor Amnesia schon als Evita, Eliza (My Fair Lady) und Ellen (Miss Saigon) von sich hören lassen.

Musikalisch hält Stephan Ohm, der schon 1986 bei der deutschen Erstaufführung des Musicals Non(n)sens in Düsseldorf als musikalischer Leiter verantwortlich war und jetzt sein neuestes Musicalprojekt »Excalibur« vorbereitet, die Nonnen unter einer Haube. Zwar wünscht man sich manchmal die sonst übliche kleine Band aus Ordensbrüdern, doch schlägt sich Stephan Ohm als Einzelkämpfer am Synthesizer erstaunlich vielseitig und durchaus nonnendeckend. Andreas Gergen (Regie) und Titus Hoffmann (Associate Director) haben die Nonnen 21 Jahre nach der Uraufführung mit Bravour ins Jahr 2007 und mit viel Lokalkolorit an die Ruhrmetropole gebracht. Regina Schill hatte bei der Ausstattung ein leichtes Händchen, überrascht jedoch mit einigen pfiffigen und doch einfachen Elementen, was genauso für Melissa Kings Choreographie gilt.

Sollten Sie als streng gläubiger Katholik nicht grundsätzliche Probleme mit den Stück haben, genießen Sie in der Komödie in der Steinstrasse einen leichten und humorvollen Abend, der in bester Off-Broadway-Manier dank guter Darsteller auch ohne bombastische Bühnentechnik selbst so manchen Seitenhieb auf die großen Megamusicals (eine herrliche Mini-Parodie auf Das Phantom der Oper) wagt. Dieser Non(n)sens ist immer noch top!

© Text & Fotos by Stephan Drewianka, Musical-World.de; Dieser Artikel ist ebenfalls in der Zeitschrift Blickpunkt Musical, Ausgabe Ausgabe 05/07, September-Oktober 2007 erschienen

Alles zum Musical Nonnsense auf Deutsch und Englisch bei Sound Of Music!

>