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Tecklenburger Sommer-Plaudereien: Interview mit Zodwa Selele und Willemijn Verkaik

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer
Zwei, die sich blendend verstehen, nicht nur auf der Bühne: Willemijn Verkaik und Zodwa Selele.

Starke Frauen, Blutergüsse und Magie – oder wer singt „Alle meine Entchen“ fehlerfrei in der Badewanne?

„Am Brunnen vor dem Tore…“ gehört jetzt nicht gerade zu Willemijn Verkaiks Repertoire. Aber genau an einem solchen hätte sie fast der Schlag getroffen. Und die Tecklenburger hätten sich nach einer neuen Pharaonentochter umschauen müssen. Aber die zierliche Niederländerin ist hart im Nehmen. Ein paar große blaue Flecken, die im übrigen harmonisch zu ihrer Wicked-Berufsfarbe Grün passen, werfen sie nicht aus der Bahn. Zähne zusammen beißen – und weiter geht’s. Der kleine, aber nicht ganz schmerzlose Zwischenfall ereignete sich am Rande eines kleinen, zwanglosen Schwätzchens. Nennen wir diese Form der Kommunikation einfach Tecklenburger Sommerplaudereien.

Es passierte beim Fototermin mit den beiden starken Frauen der diesjährigen, und inzwischen zu Ende gegangenen Freilichtspielsaison, zu dem sich neben „Wilhelminchen“ auch Aida Zodwa Selele eingefunden hatte. Eine alter, rustikaler, von dicken, schweren Eichenbalken überdachter Brunnen schien als Kulisse für das Foto-Shooting wie gemacht, erwies sich aber in Folge als tückisch. Aus irgendeinem Grunde hatte sich eine der wuchtigen Holzbohlen gelöst und krachte - Autsch! -  Prinzessin Amneris auf die Schulter. Heiner Schäffer, dem entsetzten Fotografen, fiel vor Schreck fast die teure Nikon Canon aus den Händen, während das Opfer dieses hinterhältigen Anschlags nach ein paar Sekunden der lähmenden Stille zur Tagesordnung überging. Nein, keinen Rettungswagen! Und: Krankfeiern ist auch nicht. Doch ein paar saftige Blutergüsse behielt die Patientin als Erinnerung schon zurück.

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer
„Aida“ und „Amneris“ in Zivil: Im Tecklenburger Puppenmuseum posieren die beiden Ladies vor einem historischen Webstuhl.

Spontaner Beifall für Aida-Darstellerin Zodwa Selele

Nein, dieser Zwischenfall konnte ihren guten Gesamteindruck und den ihrer Kollegin von dem malerischen Münsterländischen Festspielstädtchen nicht trüben. „Wir haben jeden Tag hier genossen“, resümmierten die beiden stimmstarken Ladies unisono. Und dazu mag sicherlich auch die Herzlichkeit der Einwohner, mit der sie ihren Künstlern jeweils begegnen, beigetragen haben. Ein nachhaltiges Erlebnis widerfuhr der sympathischen Südafrikanerin Zodwa Selele, als sie nach einer Vorstellung am Arm ihrer Frau Mama auf dem Fußweg von der Bühne in die Pension an einem dicht bevölkerten Biergarten vorbeikam. Die Gäste erhoben sich spontan und spendeten Beifall. „So etwas habe ich noch nie erlebt! Wie schön. Ein doppeltes Lob für mich, auf das ich sehr stolz bin“. „Das haben sie bei mir aber nicht getan“, wirft Willemijn Verkaik augenzwinkernd ein. Was aber auch daran gelegen haben könnte, dass die Leute sie in der Dunkelheit, ohne Maske und textilen „Sinn für Stil“ gar nicht erkannt haben. „Es ist einfach super, wie die Menschen uns hier aufnehmen, wie familiär es zugeht und welchen Enthusiasmus das Publikum zeigt“, freut sich Elphaba. Das sei sehr auffällig und an anderen Spielstätten nicht so ausgeprägt. Zodwa Selele, diplomierte Musical-Darstellerin, hatte die Rolle der Aida ja schon im Rahmen der sich an die Produktion im Essener Colosseum Theater anschließenden Europa-Tournee sowie zuletzt bei den Wörthersee-Festspielen im vergangenen Jahr übernommen. Was denn an der Tecklenburger Inszenierung im Vergleich zu den vorangegangenen Aufführungen anders sei?

Besonderheiten der Aida-Inszenierung in Tecklenburg

Zodwa Selele: Da ist erst einmal die Größe, die Ausdehnung der Spielfläche. Das ist eine echte Herausforderung, diese Bühne zu füllen und nicht in einer Ecke kleben zu bleiben. Ja, und dann die Unberechenbarkeit des Wetters. Man weiß ja nie. Es regnet mitunter den ganzen Tag – und abends ist es dann fast immer schön. Das scheint ein magischer Ort hier zu sein.

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer

Musical-World: Und darüber hinaus?

Zodwa Selele: Die Aida-Tournee war ja eine Disney-Produktion. Da ist alles festgeschrieben. Man bewegt sich in einem relativ festen Rahmen. Das war hier ganz anders – und deshalb auch so schön. Man konnte sich selbst einbringen und auch eigene Vorschläge machen. Es war einfach ein schönes, auf gegenseitigem Respekt beruhendes Miteinander.

Musical-World: Willemijn, welches ist denn Deiner Meinung nach die dankbarere Rolle, die der Aida oder die Deinige, also die der Prinzessin Amneris?

Willemijn Verkaik: Oh, das ist schwer zu beantworten. Ich kann ja nur für mich und die Figur, die ich in dem Stück verkörpere, sprechen. Ich bin absolut zufrieden und glücklich mit meinem Part, weil er so differenziert und facettenreich ist. Da kann ich einerseits durch Komik die Leute zum Lachen bringen, sie andererseits aber auch emotional packen. Was will man mehr? Ich kannte die Rolle vorher eigentlich nicht, hatte das Stück nur mal vor vielen Jahren einmal in den Niederlanden gesehen, konnte mich aber nicht mehr an die Details erinnern.

Zodwa Selele: Da muss ich jetzt mal etwas ergänzen. Gerade weil Willemijn ja so unvorbelastet an diese Aufgabe herangehen konnte, hat sie die Rolle so ungemein eindringlich intensiv und nuancenreich gestalten können. Ihre Interpretation ist einfach super, weil die Figur sehr vielschichtig ist und die größte Entwicklung in dem Stück hat. Ich habe ja als ‚Aida’ schon viele Kolleginnen in dieser Rolle erlebt, aber Willemijn ist da eindeutig meine Lieblingspartnerin!

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer
Sie dreht am Rad: Willemijn Verkaik versucht sich in der alten Kunst des Spinnens.

Musical-World: Betrachten wir das Ganze doch mal vom anderen Ende des Saales aus, aus der Perspektive des Publikums. Und darunter sind ja immer oder meist welche, die es besser wissen oder können – behaupten sie zumindest. Wie geht Ihr beide mit Kritiken um?

Willemijn Verkaik: Es kommt immer darauf an, wer das schreibt oder sagt. Andererseits: Ich bin sehr selbstkritisch. Bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich mich schon hunderte Male selbst unter die Lupe genommen. Und ich habe ein paar gute Freunde und Kollegen, die ich immer frage, weil mir ihre Meinung, von der ich weiß, dass sie fundiert ist, wichtig ist. Und sie sind offen und ehrlich – und mitunter schonungslos. Das sind für mich konstruktive Kritiker und Kritiken, aus denen ich auch Gewinn erziele. Wenn ich dann irgendwo lese, dass das, was ich gemacht habe, schlecht gewesen sei, finde ich das zwar schade, aber dadurch bekomme ich keine Lebenskrise.

Zodwa Selele: Dem kann ich, was die Selbstkritik und die fundierte, konstruktive Kritik von Freunden und Kollegen betrifft, nur zustimmen. Und da gibt es ja auch diese Foren, in denen sich die Fans austauschen. Das sind vom Ansatz her ja ganz gute Einrichtungen. Aber ich schaue da aus Prinzip nicht hinein. Ganz einfach deshalb, weil da viele Diskussionen die Ebene der Sachlichkeit verlassen und weil sie mitunter verletzend und ehrrührig sein können. Bevor ich mich da vielleicht ärgere oder selbst zerfleische, lese ich es nicht. Man kann ja es ja sowieso nie allen Recht machen.

Musical-World: Du sprichst jetzt von Fachleuten, die selbst nicht ‚Alle meine Entlein’ fehlerfrei unter der Dusche pfeifen, einen Notenschlüssel nicht von einem Semikolon unterscheiden können können, dann aber tiefschürfende Analysen über modulare Inhärenz von eines Dominant-Septim-Akkorden abliefern…?

Zodwa Selele: Whow, was für ein Satz! Aber ja, genau, diese Herrschaften meine ich. Andererseits: Ich komme ja nicht zu einer Produktion und behaupte perfekt zu sein. Das ist ein lebenslanger Lernprozess. Und wenn dann da Kollegen sind, zu denen man Vertrauen hat, dann frage ich schon von mir aus, was sie von diesem oder jenem halten. Und dann kriegst Du auch eine ehrliche, hilfreiche Antwort, die Dich weiter bringt.

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer

Musical-World: Zodwa ist ja in Hof geboren und auch dort in der Gegend aufgewachsen. Willemijn, aber Du bist Niederländerin. Trotzdem hört man bei Dir nicht den leisesten Akzent heraus…

Willemijn Verkaik: Doch, doch, wenn ich jetzt hier spreche, schon…

Musical-World: Aber nicht auf der Bühne! Wie machst Du das?

Willemijn Verkaik: Immer dran bleiben, immer lernen und studieren. Ich habe in Stuttgart auch wieder einen Sprechlehrer bzw. Phonetik-Trainer engagiert. Und am Anfang von Wicked haben wir fast jeden Tag zusammen gearbeitet. Ich bin zwar schon ein Weilchen hier in Deutschland, aber trotzdem ist man oft nicht ganz sicher, wie etwas ausgesprochen wird. Und ich fordere meine Freunde immer auf, dass sie mich darauf aufmerksam machen sollen, wenn ich mit der Aussprache daneben liege.

Musical-World: Thema Casting-Shows? Eure Meinung dazu...

Zodwa Selele: Inzwischen scheint es irgendwie hilfreich zu sein, dahin zu gehen, weil das den Bekanntheitsgrad enorm steigert. Das war’s denn aber auch schon. Irgendwann trennt sich doch die Spreu vom Weizen – und dann scheitern leider viele hoffnungsfrohe junge Leute, vor allem die, die in unserem Beruf als Musicaldarsteller bestehen wollen, weil sie glauben, auf eine lange Ausbildung verzichten zu können. Natürlich gibt es Ausnahmen… Dennoch geht es nicht darum, ob man ‚nur’ eine tolle Stimme hat. Man muss sie auch pflegen und weiter entwickeln und sie mitunter achtmal in der Woche in einer Großproduktion mit derselben ,tollen Leistung’ Tag für Tag unter Beweis stellen. Eine TV-Show allein kann das alles nicht ersetzen.

Willemijn Verkaik: Es gibt in Deutschland sehr gute Ausbildungsstätten, um talentierte Leute für den schwierigen, anstrengenden Job als Musical-Darsteller vorzubereiten. Casting-Shows zeigen nicht unbedingt immer, dass Kandidaten für diese harte Arbeit geeignet sind.

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer
Zodwa Selele hat sich in Tecklenburg pudelwohl gefühlt.

Zodwa Selele: Ja, genau: Wenn ein Mauerblümchen es von der Tellerwäscherin zur Millionärin bringt, ist das für die Medien weitaus reizvoller, weil dramatischer und emotionaler, als wenn die hervorragenden Leistungen einer bereits bühnenerprobten Aktrice bestätigt werden. Da gibt es ja passende Beispiele aus der jüngeren TV-Geschichte….

Musical-World: Aber das steigert die Qualität des Musiktheaters nicht gerade?

Zodwa Selele: Nee, nicht unbedingt. Deshalb machen wir ja auch eine mehrjährige Ausbildung, um den Anforderungen entsprechen zu können.

Musical-World: Könntet ihr beide Euch vorstellen, vor einem Dieter Bohlen vorsingen zu müssen? (Aus dem „Off“ meldet sich Intendant Radulf Beuleke mit einem inbrünstigen „Ich schon!“ zu Wort.

Willemijn Verkaik: Ich habe schon vor so vielen unterschiedlichen Leuten vorsingen müssen, da würde ich einen Dieter Bohlen auch noch überleben…

Musical-World: Was wären Eure Traumrollen?

Zodwa Selele: Meine Traumrolle war Aida. Darüber hinaus würde ich allzu gerne einmal die Rolle der „Celie“ aus Die Farbe Lila übernehmen. Das gibt es ja inzwischen auch als Musical. (Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Film von Steven Spielberg aus dem Jahre 1985. Es ist in den Südstaaten Anfang des vorigen Jahrhunderts angesiedelt. Die vierzehnjährige Celie ist von ihrem Vater zum 2. Mal schwanger. Wie auch schon bei ihrem ersten Kind, einem Sohn namens Adam, verkauft ihr Vater das Neugeborene. Zudem muss Celie den Missbrauch geheim halten, da ihre todkranke Mutter von alldem nichts erfahren soll…)

Willemijn Verkaik: Für mich ist Elphaba das Non-plus-Ultra. Und die grüne Hexe darf ich ja glücklicherweise aktuell spielen. Da ging und geht für mich bisher nichts drüber. Aber ich denke, die „Schöne aus dem Schilf“ im Musical Spamalot, das hätte auch etwas. Das wäre eine riesige Herausforderung für mich, weil es nur Comedy ist. Und das ist vom Schauspiel und vom Timing her ungemein schwierig. Das würde mich echt einmal reizen.

Musical-World: Eure privaten-persönlichen musikalischen Präferenzen?

Zodwa Selele: Sehr viel Jazz und klassische Musik, aber auch beispielsweise viel Salsa und andere lateinamerikanische Musik, Reggae, südafrikanische Chormusik oder Oldies. Aber kaum Musik aus den aktuellen Charts, da ich die Texte meist wenig ansprechend finde. Darüber ärgere ich mich nur. Auch über die Interpreten, oder das, was die jeweiligen Produzenten und Marketingstrategen aus ihnen gemacht haben. Die müssen eigentlich nur hübsch oder sexy und nicht unbedingt gute Sängerinnen sein. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu altmodisch.

Willemijn Verkaik: Ich mag Theater-Musik, aber auch Jazz und Pop. Da bin ich nach allen Seiten offen. Der Stil muss aber immer zu meiner jeweiligen Stimmung und Laune passen.

Musical-World: Wenn Ihr Long-Run-Produktionen in festen Häusern mit saisonal begrenzten Freilicht-Inszenierungen wie die der Tecklenburger vergleicht, was ist schwieriger?

Willemijn Verkaik: Open-Air ist irgendwie schon eine größere Herausforderung. Man ist einfach gezwungen, die Bedeutung einer Rolle stärker rüberbringen und selbst eine Art von Magie zu erzeugen, ohne dass dies von einer komplizierten Licht- und Kulissentechnik unterstützt und verstärkt wird.

Zodwa Selele: Das ist Theater- und Musical pur. Man wird nicht von technischen Raffinessen abgelenkt, sondern muss sich voll auf den Part und seine Auskleidung konzentrieren und versuchen, das Publikum allein durch seine Interpretation der Rolle mitzunehmen und zu fesseln. Das ist reizvoll und sehr schön.

Musical-World: Das heißt doch im Umkehrschluss, dass die Magie, für die Ihr hier im Freilichttheater selbst sorgen müsst, in einem festen Haus durch Technik ersetzt wird?

Zodwa Selele: Nicht ersetzt, aber unterstützt. Nehmen wir die Puppets im König der Löwen. Das Spiel mit den Masken würde nicht funktionieren, wenn der Mensch, der darunter ist, sich nicht auch entsprechend bewegen würde. Das meine ich mit unterstützend.

Interview mit Willemijn Verkaik und Zodwa Selele © Heiner Schäffer
Der „Brunnen vor dem Tore“ sieht massiver aus als er ist: Der obere, wuchtige Eichenbalken hätte Willemijn Verklaik fast erschlagen. Trotzdem wagte sich die Niederländerin und ihre Kollegin mutig noch einmal darunter – dem Fotografen zu Liebe.

Musical-World: Ich meinte eher die technischen Spezialeffekte, die ja gerne eingesetzt werden und an die sich die Leute eher erinnern, als an den Inhalt des Stücks. Also, wenn beispielsweise ein Hubschrauber vom Bühnenhimmel herabschwebt….

Willemijn Verkaik: Habe ich verstanden. Aber andererseits, wenn Elphaba nicht fliegen würde, fände ich das auch sehr schade. Das macht die Magie ja erst komplett. Aber wenn ich mir vorstelle, Wicked würde hier in Tecklenburg aufgeführt, das wäre eine Herausforderung! Und ich bin sicher, es würde auch ganz ohne die erwähnte Technik funktionieren!

Musical-World: Sehen wir mal von Marie-Antionette, das ein finanzielles Desaster war, ab, es gibt ja eigentlich kaum noch wirklich neue, eigenständige Produktionen ‚Made in Germany’. Haben die deutschsprachigen Musicalmacher ihr Pulver inzwischen verschossen, gehen ihnen die Ideen aus?

Willemijn Verkaik: Auf gar keinen Fall. Es gibt so viele fantastische Komponisten und Autoren hier bei uns. Aber es traut sich kaum ein Produzent an neue Stoffe heran, weil das finanzielle Risiko momentan einfach zu hoch ist.

Zodwa Selele: Das ist schade. Die deutsche Literatur ist andererseits eine unerschöpfliche Quelle. Hier liegen die Themen auf der Straße bzw. zwischen den Buchdeckeln. Die Komponisten und die Produzenten müssen einfach nur loslegen. Und es darf ja ruhig mal eine Nummer kleiner sein. Es müssen ja nicht immer die ganz großen Hochglanz-Shows daraus werden. Eine pfiffige, liebevoll inszenierte Show in einem kleinen Haus, in einem Stadt- oder Landestheater, kann so bezaubernd sein.

Musical-World: Aber letztlich geht es auch da immer ums Finanzielle, muss ja wohl auch. In Bremen haben wir gesehen, was passieren kann, wenn die Besuchererwartungen nicht erfüllt werden und die Wirtschaftlichkeit in den Keller rutscht. Nach dieser Erfahrung wird sich kein Intendant eines solchen Hauses mehr an so ein ehrgeiziges Projekt wie MA herantrauen. Apropos Geld: Die Eintrittspreise. Findet Ihr die angemessen? Ich rede nicht von Tecklenburg, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als ausgewogen ist. Ich meine solche Shows, wo man für den Gegenwert einer Samstagabendvorstellung in PK 1 auch eine Woche Griechenland-Urlaub bekommt.

Zodwa Selele: Es wird hier und da schon übertrieben, vor allem bei den so genannten Familienstücken. Wenn da Vati, Mutti und vier Kinder hingehen, weiß man, die haben monatelang dafür sparen müssen. Das können sich oft nur Bessergestellte leisten – und das ist bedauerlich – und bestimmt nicht im Sinne des Erfinders.

Musical-World: Ihr beide habt in dieser Saison zum ersten Mal in Tecklenburg gespielt, von den beiden Gala-Shows, die Willemijn hier bestritten hat, mal abgesehen. Könntet Ihr Euch vorstellen, wieder hier anzutreten?

Beide: Oh ja. Sofort. Jederzeit wieder. Anruf genügt.

Zodwa Selele: Wenn ich nach einer Woche spielfrei nach Tecklenburg zurückkommen, fühle ich mich, als würde ich nach Hause zurück kehren. Ich fühle mich hier sauwohl! In der Stadt und vor allem auch auf der Bühne.

Musical-World: Dann auf Wiedersehen – bis hoffentlich im nächsten - oder übernächsten Jahr!

© Interview: Jürgen Heimann; Fotos by Heiner Schäffer

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