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Musical-Darsteller Christopher Murray im Interview

Chris Murray - Ein Amerikaner in Berlin

Jeder spricht von Uwe Kröger in der Rolle als Inspektor Javert in Les Miserables in Berlin. Doch wer kennt seine Zweitbesetzung Christopher Murray, der nicht nur den Javert, sondern bei Bedarf auch seinen Gegenspieler Jean Valjean verkörpern kann. Wir sprachen im Interview mit dem sympathischen Amerikaner, der Dank seiner Rollen in The Scarlet Pimpernel in Halle und zuvor in Disneys DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME eine wachsende Fangemeinde bekommen hat und längst auf der Bühne nicht mehr nur die zweite Geige spielt.

Christopher Murray als Jean Valjean in Berlin © privat

Kindheit und Ausbildung

Musical-World: Wie hast Du Deine Kindheit erlebt und wann kam der Wunsch auf, Musicaldarsteller zu werden?

Chris Murray: Ich bin in Braunschweig geboren und habe meine Kindheit in Deutschland verbracht, in München und dann größtenteils in Berlin. Dann ist meine Familie nach New York zurückgegangen und meine Geschwister und ich natürlich mit. Dort habe ich dann die High School und das College besucht und in 1000 verschiedenen Jobs gesungen und auch gearbeitet, bis hin zu einer Lehrposition an einer Schule in den Fächern Drama und Schauspiel. Eher zufällig ergab sich die Möglichkeit, bei der Gesangslehrerin meines Vaters in Stuttgart zu studieren, und da ergriff ich die Chance. Dieser Weg brachte mich nach Deutschland zurück in meine zweite Heimat. Ich lernte meine Frau kennen und bin nun hier und sehr glücklich. Mein Vater, Kammersänger William Murray, hat mir natürlich wahnsinnig viel in die Wiege gelegt, aber es bestand eigentlich nie Druck, auch Darsteller zu werden – obwohl es irgendwie ein Virus in der Familie sein muss, da mein Bruder auch Sänger geworden ist und sehr erfolgreich bis hin zur MET im Opern-Tenorfach singt. Meine Schwester, eine angehende Psychologin, wohnt in Los Angeles und ist die Normale in unserer Familie der verrückten Künstler.

Christopher Murray © privat

Ausbildung zum Musical Darsteller in Amerika

Musical-World: Du bist in Berlin und Amerika zur Schule gegangen und hast auch in beiden Ländern Deine Ausbildung zum Musicaldarsteller absolviert. Wie unterscheidet sich die Ausbildung hier von der in Amerika?

Chris Murray: Meine Güte, wo fängt man da an? Über das Musikhochschulsystem in Deutschland kann ich nicht so viel berichten, da ich nicht hier studiert habe, sondern nach dem Uni-Studium in den USA hier eher auf privater Basis mit guten Lehrern meine Ausbildung vervollkommnet habe. Der größte Unterschied, den ich sehe, ist wohl die Länge des Studiums im Vergleich der beiden Länder. In den USA wird sehr konsequent durchstudiert, da die Universitäten ein sehr hohes Studiengeld verlangen und keiner sich höher als nötig verschulden möchte. Die Qualität ist hier wie dort sehr, sehr unterschiedlich, und ich kann nur jedem raten, den Ort seines Studiums sehr genau unter die Lupe zu nehmen und im Sinne einer Dienstleistung zu betrachten. Die Schule ist da, um etwas zu lernen! Man sollte ganz genau fragen, ob und wie viel Praxis man bekommt oder ob nur die Lieblinge oder die „Stars“ der Professoren in den Aufführungen die guten Rollen spielen. Es sollte immer nach pädagogischen Maßstäben besetzt werden und nicht nach „die-Schule-muss-glänzen“-Maßstäben. Da konnte ich eine sehr schöne Erfahrung in der Freiherr-vom-Stein-Oberschule in Berlin machen, wo ich den Schülern bei den Endproben zu einer Schülerproduktion von „Les Misérables“ ein bisschen mit Rat und Tat beigestanden habe. Dort wurde konsequent pädagogisch besetzt, damit jeder eine Chance hatte zu lernen. Bravo!

Zu meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass Amerika eines der größten und besten Ausbildungssysteme der Welt für die darstellenden Künste hat, aber leider nicht so viele Jobs. Es gibt sehr viel zu tun für sehr niedrige oder auch gar keine Gagen und dann das gut bezahlte Broadway-Level. Das goldene Mittel wie hier in Deutschland fehlt komplett! Da könnte Amerika viel von Deutschland lernen. Ich kann nur jedem raten, sich guten, nicht egoistischen Lehrern anzuvertrauen und hart zu arbeiten. Während des Studiums habe ich meinen Unterhalt mit vielen kleinen Auftritten vom Kirchensolisten bis zum Unterhaltungssänger auf Partys der Superreichen finanziert. Es waren tolle Erfahrungen, die ich sammeln konnte, die mir heute noch helfen.

Abschluss Bachelor of the Fine Arts in New York

Musical-World: Du hast Deinen „Bachelor of the Fine Arts” an der Purchase School of the Performing Arts in New York gemacht. Was ist das genau für ein Abschluss und womit kann man das in Deutschland vergleichen?

Chris Murray: Der BFA ist ein genereller Musikdarstellerabschluss, in allem vergleichbar mit den Musikhochschulabschlüssen hierzulande. Natürlich variieren die Anforderungen und der Wert des Abschlusses sehr, so wie hier auch nicht jede Hochschule den gleichen Anspruch und das gleiche Leistungsniveau hat. In der Uni in Amerika muss man sich immer ein Haupt- und ein Nebenfach aussuchen. Bei mir waren das Gesang und Regie.

Rückkehr nach Deutschland

Musical-World: Danach bist Du wieder nach Deutschland gekommen. Warum?

Chris Murray: Ich bin Sängerdarsteller im wahrsten Sinne des Wortes. Nach einigen Umwegen kam ich zurück nach Deutschland und habe im Opernstudio Hertha Kaltcher an meiner Gesangstechnik gefeilt, da ich nicht das mit der Stimme tun konnte, was ich wollte. Die Stimme ist mein Ausdrucksmittel, und ich wollte nicht in der Situation sein, dass ich wegen stimmlicher Probleme nicht das sagen kann, was ich in einer Vorstellung sagen möchte. Der einzige Unterschied, den ich zwischen Klassik, Musical und Pop feststellen kann, ist der Stil der Musik. Man muss Musical singen, wie es der Musical-Stil verlangt, und Klassik wie Klassik. Jede musikalische Stilrichtung hat ihre eigenen Gesetze, die zwingend befolgt werden müssen. Das erwartet der Hörer. Selbst Richard Wagner hat viel und oft darüber geschrieben, dass er Musik-Darsteller wollte und keine „Rampensingerei“.

Chris Murray über Unterschiede zwischen Musical und Oper

Leider sind beide Welten immer sehr mit Vorurteilen über die andere beschäftigt. Von der Musicalwelt höre ich oft, dass Opernsänger ja nur rumstehen, nichts darstellen und röhren, und von der Opernwelt, dass die Musicaldarsteller ja alle keine Stimmen haben und eh nur seichte Sachen daherträllern. Ich habe sogar in einer Bank von einer Angestellten zu hören bekommen: "Na? Für die Oper hat’s wohl nicht gereicht!" Ich bin im Musiktheater groß geworden und muss ehrlicherweise sagen, dass ich zu jeder Zeit in der Oper wie im Musical tolle, mitreißende Sängerdarsteller erlebt habe sowie absolute "Was-tue-ich-hier?"-Luschen, die echt fehl am Platz waren. Jeder war bemüht, die beste Vorstellung zu spielen, egal ob Oper oder Musical. Da könnten beide Welten viel voneinander lernen und sich toll ergänzen. Leider herrscht in der Musicalwelt auch der Irrglaube, das sie ein „Sprechical“ aufführen und nicht ein „Musical“.

Ausbildung beim Vater

Musical-World: Wie war die Ausbildung bei Deinem Vater – einfach oder besonders kritisch?

Chris Murray: Es war nicht immer leicht, aber er konnte etwas, was ich lernen musste, und hat mir immer und zu jeder Zeit mit Rat und Tat beigestanden. Ich war bestimmt als Teenager nicht leicht zu nehmen, aber ich arbeite immer noch mit ihm. Ich verdanke ihm sehr, sehr viel.

Musical-World: Was war Dein erstes Engagement? Was ist das für ein Gefühl, endlich vor Publikum zu singen?

Chris Murray: Daran kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Da ich aus einer Sängerfamilie stamme, habe ich mit der ganzen Familie seit meiner Kindheit vor Publikum gestanden. Nicht, dass ich immer Darsteller werden wollte. Lange Zeit hatte ich das nicht vor und wollte Safarileiter in Afrika werden. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht nebenbei oft in jeder möglichen Situation vom Hauskonzert zum Restaurant, zur Band bis hin zur Bühne aufgetreten bin.

Erste Musical Hauptrolle beim Glöckner von Notre Dame

Musical-World: Du hast Dich in Berlin bei Walt Disney´s „Der Glöckner von Notre Dame“ aus dem Ensemble zur Erstbesetzung Clopin hochgearbeitet. Wie spielt man sich ins Rampenlicht?

Chris Murray: Als ich zu „Glöckner“ kam, hatte ich gerade neun Monate Tournee hinter mir mit Martin Doepkes Version von „Die Schöne und das Biest“ in der Rolle des Vaters und war doch bereit, das Reisen zu beenden. Da es eine Uraufführung war, wollte ich auf jeden Fall beim „Glöckner“ mit dabei sein. Dazu kam, dass ich sehr gerne mit Stephen Schwarz, Alan Menken und James Lapine arbeiten wollte, die ja in den USA Giganten ihres Genres sind. Da war es mir relativ egal, in welcher Position, Hauptsache dabei sein. In den USA ist es schon eine Menge wert, von diesen Leuten überhaupt gehört zu werden. Nach anderthalb Jahren habe ich dann für den Rest der etwas über 3-jährigen Laufzeit von „Der Glöckner von Notre Dame“ den Clopin als Erstbesetzung übernommen. Wie immer war das mit vielen Vorsingen und Vortanzen verbunden, und ich habe hart daran gearbeitet. Aber ohne Leute, die an einen glauben, geht gar nichts. Es war der Spielleiter Craig Simmons, der an mich geglaubt hat. Dafür bin ich ihm immer noch dankbar. Ich musste mich dann natürlich vor dem Creative Team aus NY beweisen und habe den Zuschlag endlich nach meiner Generalprobe als Einspringer bekommen. Ich habe dann in mehr als 600 Vorstellungen den Clopin gesungen, und es ist bis heute eines meiner Lieblingsmusicals. Es ist apropos bis heute immer noch das erfolgreichste Musical mit der längsten Spielzeit, das Berlin je hatte.

Christopher Murray als Chauvelin in Halle © privat

Chris Murray über seine Rolle in The Scarlet Pimpernel in Halle

Musical-World: An der Oper Halle hast Du in der deutschsprachigen Erstaufführung von „The Scarlet Pimpernel“ gleich eine tragende Rolle übernommen. Was sind die Unterschiede einer großen Disney-Produktion zu einer Stadttheater-Produktion?

Chris Murray: Das war eine sehr schöne Sache. Ich habe nur eher zufällig von dem Vorsingen gehört, welches zwei Tage später stattfinden sollte, und habe mich spontan dazu angemeldet. Ich wurde eingeladen, die Musik wurde mir zugefaxt, die ich mir so schnell wie möglich raufprügelte. Nur vier Tage nach dem Vorsingen bekam ich die Rolle des Chauvelin angeboten, was wirklich klasse war. Chauvelin ist eine tolle Rolle mit super Musik und vielen Facetten. Der Vergleich zwischen einer "Disney"- Produktion und dieser Stadttheaterproduktion war schon interessant. Bei der „Glöckner“-Produktion gab es irgendwie unzählige Köche, die alle mitbestimmten, was die Arbeit doch etwas kunterbunt machte. In Halle gab es Robert Herzl und Koen Schoots, die bestimmend waren in der Richtung. Es gab keine übergeordneten Personen oder Gremien, was bei Riesenfirmen wie Walt Disney und dem deutschen Produzenten Stella ja wegen deren Größe zwangsläufig der Fall war und ist. Natürlich steht eine Produktion einer millionenschweren Firma auf anderen Füßen als eine Stadttheaterproduktion, keine Frage. Was man Wildhorn hoch anrechnen muss, ist, dass er nicht auf eine Produktion oder Bühnenversion seines Stückes versteift war und man durchaus etwas Neues finden konnte. Koen Schoots und Robert Herzl haben, wie ich finde, die spannendste Version von „The Scarlet Pimpernel“ geschaffen, die es je gab. Sie haben das Stück in eine sehr spannende Beziehungssituation vor dem Hintergrund der Revolution verwandelt und das Triviale heruntergefahren und in echtes menschliches Theater verwandelt.

Aufnahmen für die erste CD von Chris Murray

Musical-World: Deine außergewöhnliche Stimme kann man zu dieser Produktion auch auf CD bewundern. Wie liefen die Aufnahmen? Wenn Du morgen eine Maxi-CD einsingen könntest, welche drei Titel wären darauf zu hören und warum?

Chris Murray: Danke erstmal für das Kompliment. Die Aufnahmen liefen sehr unkompliziert und angenehm in den Musical-Net-Studios. Es war meine erste CD-Produktion, wo ich eine große Rolle aufgenommen habe, und es war sehr aufregend. Eine lustige Geschichte passierte während der Aufnahmen: Wir haben gerade eine der Schlussphrasen aufgenommen, und da das Orchester ja schon vorher aufgenommen worden war und wir zum Orchesterplayback sangen, haben wir sehr oft einige der super hohen lang gehaltenen Spitzentöne aufgenommen, damit ich zusammen mit dem Orchester aufhöre und nicht darüber hänge. Ich wollte nichts Künstliches dabei haben, deshalb wiederholte ich die Schlussphrasen mit den Spitzentönen immer wieder, bis es genau passte. Nach einem schon wieder lang gehaltenen Ton stand jemand an der Tür und fragte ganz aufgeregt, ob wir nicht unsere Musikanlage etwas leiser spielen könnten und warum wir denn immer den gleichen hohen Ton spielen würden, da er sich eh immer gleich anhöre. Wir hatten einfach vergessen, da es sehr heiß draußen war, nach der Pause eine Dachluke wieder zu schließen. Wir haben alle sehr gelacht. Ich bin als großer Sammler von Live-Aufnahmen und Aufnahmen per se aufgewachsen, und daher war ich sehr glücklich, bei dieser deutschen Erstaufnahme mitwirken zu können.

Christopher Murray als Jesus Christ Superstar in Halle © privat

Musical-World: Wenn Du morgen eine Maxi-CD einsingen könntest, welche drei Titel wären darauf zu hören?

Chris Murray: Hmm..., es käme mir, glaube ich, darauf an, für welchen Markt ich sie machen würde. Im Musicalbereich würde ich gerne die großen Nummern aufnehmen, die die Fans von mir kennen. "Bring ihn Heim" und "Sterne" aus „Les Misérables“ und "Gethsemane" aus „Jesus Christ Superstar“, was ich bald wieder in Erfurt im Sommer singen werde.

4 anspruchsvolle Rollen gleichzeitig

Musical-World: Du warst zeitgleich auch noch in Berlin in „Les Miserables“ als Zweitbesetzung Valjean und Javert zu sehen. Sind vier Hauptrollen „gleichzeitig“ nicht eine besondere Belastung?

Chris Murray: Es war schon eine sehr große Belastung, vier sehr anspruchsvolle Rollen zur gleichen Zeit zu singen. Ich hatte Wochen, wo ich fast alle hintereinander gespielt habe, das war schon hart. Da muss man sehr vorsichtig sein, dass man auf seine Stimme aufpasst, damit man auch das geben kann, was der Zuschauer erwartet. Gott sei Dank ist Halle an der Saale nicht so weit von Berlin entfernt, und man ist in anderthalb Stunden da. Hier in Berlin habe ich das große Glück gehabt, in „Les Misérables“ über 180 Vorstellungen entweder als Valjean oder Javert auf der Bühne stehen zu können. Jesus und Chauvelin verteilten sich auf das ganze Jahr. Ich habe alle Rollen separat in einem Extraheft, das ich immer vor der Vorstellung durcharbeite, damit ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Ich habe einmal gelernt, dass das Einzige, was auf der Bühne zählt, die Figur in der Situation ist. Wo bin ich, wer bin ich, was geschieht um mich herum, alles andere versuche ich jeden Abend neu zu erleben. Nicht, dass ich mich beklage, es ist eine Freude, so tolle Herausforderungen zu haben, und ich sehe es als Pflicht, jeden Abend dem Zuschauer ein einmaliges Erlebnis zu bieten. Was auch hilft, ist, dass ich mich im Vorfeld sehr intensiv mit den Rollen und dem Stück als ganzem beschäftige, damit ich später von dem Erlernten zehren kann. Ich versuche, alle Aufnahmen zu hören, Filme und Bücher zu sehen und zu lesen und wenn möglich die eigentlichen Orte des Geschehens vor Ort zu besuchen. Bei „Der Glöckner von Notre Dame“ war das zum Beispiel der Justizpalast in Paris, von wo aus Frollo regiert hat. Meine Frau ist Historikerin und steht mir auch immer mit viel Rat und Tat zur Seite.

Christopher Murray als Javert in Berlin © privat

Valjean oder Javert

Musical-World: Valjean oder Javert – welche Rolle spielst Du lieber und aus welchem Grund?

Chris Murray: Javert und Valjean! Die beiden großen Antipoden des Musicals, total gegensätzlich und doch sehr gleich. Dem einen geht es um Recht und Unrecht, dem anderen um Falsch und Richtig, und beide gehen für ihre Ziele konsequent bis ans Äußerste. Den Valjean spiele ich schon lieber als Javert, da die Rolle sehr viel höher liegt, dreimal so lang ist und ich mehr Entfaltungsmöglichkeiten für den Charakter in ihr finden kann. Javert auf der anderen Seite hat auch seinen Reiz, da er sehr geradlinig ist und ein super Charakter. Beide sind eigentlich in ihrem Sinne "gut", und das ist, was auf der Bühne zählt. Ich versuche das Stück immer aus der Gedankenwelt der Rolle zu sehen und zu spielen, und da hat Javert leider schon recht. Wenn jemand seine Bewährungsauflagen verletzt wie Valjean, würde ihn die Polizei auch heute noch jagen. Valjean hat aber auch recht, womit wir wieder bei falsch und richtig / Recht und Unrecht angelangt sind. Wie wir alle leider wissen, ist „recht“ nicht synonym mit „richtig“. Die Geschichte ist mit vielen traurigen Beispielen gespickt. In Sachen Rolleninterpretation hat man, abgesehen von den Positionen auf der Bühne, die stimmen müssen, hier am Theater des Westens sehr individuell gearbeitet, so dass meine Interpretation meine eigene ist und nicht ein Abziehbild von jemand anderem. Das hat das Publikum auch gesehen, und ich bin immer wieder erstaunt und beeindruckt, von woher Fans anreisen, um mich in Rollen zu sehen. Seitdem ich „Les Misérables“ spiele, hat sich die Größe meines Fanclubs verfünffacht, und ich freue mich immer wieder über die lieben Überraschungen und tollen Abende, die wir gemeinsam erleben können. Es freut mich sehr, dass ich anderen mit meiner Arbeit eine Freude machen kann.

Chris Murray über seine Rolle im Musical Jesus Christ Superstar in Halle

Musical-World: Eine weitere Hauptrolle im letzten Jahr war der Jesus in Webbers „Jesus Christ Superstar“. Was gab es Neues an der Inszenierung in Halle? Muss man ein gläubiger Mensch sein, um Jesus zu spielen?

Chris Murray: Die Inszenierung war recht frei und grundsolide. Es war eine schöne Arbeit in Halle. Die Rolle ist einfach klasse, und ich würde sie nie gegen Judas eintauschen wollen, obwohl ich in Halle mit Stefan Vinzberg einen der intensivsten Judas-Darsteller hatte, die ich je gesehen habe. Die Chance, diese tolle Figur zu spielen, ist eine Ehre, da dort viele Erwartungshaltungen auf einen zukommen und ich alles daran setze, niemanden zu enttäuschen, aber dennoch etwas eigenes zu zeigen. Wenn Jesus ein Waschlappen ist, funktioniert die Show für mich einfach nicht. So jemandem wäre niemand gefolgt, und der hätte auch nichts bewirkt. Es ist ganz einfach eine Geschichte über einen Mann, der einen schweren Weg gehen muss, egal was er persönlich will. Damit können wir uns alle identifizieren, glaube ich. Der Film von Mel Gibson kam zeitgleich mit meiner Premiere in Halle heraus und war mir eine große Hilfe, mich wieder mit der Figur zu beschäftigen, obwohl ich als lebenslanger Kirchgänger mich bestens in der Materie auskenne. Muss man gläubig sein, um ihn zu spielen? Auf keinen Fall. Ich muss auch niemanden umbringen, um einen Mörder zu spielen, und nicht Polizist sein, um Javert zu spielen.

Zukunftspläne von Chris Murray

Musical-World: Die obligatorische Frage zum Schluss: In welcher Rolle kann man demnächst Christopher Murray bewundern?

Chris Murray: Bewundern? Danke. Ich freue mich im Frühling auf die Arbeit mit Matthias Davids und Koen Schoots bei der Europapremiere von „Dracula“ in St. Gallen, wo ich den Vampirjäger Abraham van Helsing spiele. Dazwischen werde ich in Erfurt vor der grandiosen Kulisse des Erfurter Doms im Sommer wieder Jesus von Nazareth in „Jesus Christ Superstar“ spielen. Ich freue mich sehr darauf, da ich JCS noch nie Open Air gespielt habe, und wenn das Wetter mitspielt, könnte das ganz toll werden. Ich werde jedenfalls alles daran setzen. Danach gibt es im Herbst ein anderes Angebot, das noch in der Schwebe ist. Aber in unserer Branche gilt: Bevor etwas nicht auf Papier ist, sollte man nicht von der Couch aufstehen und darüber reden. Im Herbst spiele ich dann wieder in „Dracula“.

Im Moment erarbeite ich einen „Musical unplugged“ - Abend mit ehrlichem geradlinigem Musicalgesang mit einem der talentiertesten Musiker, den ich kenne: Ratan Jhaveri. Ich hoffe dieses Programm im nächsten Jahr in mehreren Städten Deutschlands aufzuführen, aber auch hier stehen die Verträge noch aus, also wie gesagt, die Couch.… Die erste Solo-CD mit Musical - „greatest hits“ wird im Frühjahr aufgenommen, wo ich die bekanntesten Nummern des Musicalgenres singe, basierend auf den von mir gespielten Rollen und einer großen Umfrage des Fanclubs bei den Fans. Zum Schluss möchte ich nur sagen, dass ich hoffe, mit meiner Arbeit zu entführen und zu verzaubern. Wenn mir das einmal gelingt, so habe ich gewonnen, und die ganze Mühe und Arbeit und Hoffen haben sich gelohnt.

Weitere Meinungen von Chris Murray erfahren Sie im gemeinsamen Interview mit Anne Welte!

Die CD-Kritik zu seiner CD Musical Hits lesen Sie hier!

© Interview by Stephan Drewianka; Fotos: Manuela Kippes - dieses Interview ist ebenfalls in der Zeitschrift Blickpunkt Musical (Ausgabe Nr.1/05, Januar-Februar 2005) erschienen.

Den Link zu seiner offiziellen Webseite finden Sie hier!

Alles von Christopher Murray bei Sound Of Music!