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Interview mit Markus Kloster und Cornelia Löhr: Ein Treffen mit Harry & Sally

Musical-World: Können Männer und Frauen nun Freunde sein oder nicht?

Markus Kloster: Ich habe privat eine Menge Freundinnen, mit denen es noch nie etwas im Bett gegeben hätte. Natürlich gibt es das. Aber ich musste in dieser Produktion feststellen, dass es eine Gradwanderung sein kann, bei der es gefährlich werden kann.
Cornelia Löhr: Ich habe festegestellt, dass das wirklich schwierig ist. Wenn man das Gegenüber attraktiv findet, dann kommen früher oder später auch Gedanken an Sex. Und wenn der Gedanke erstmal da ist, fängt es an zu flirren. Aber das heisst nicht, dass es nicht trotzdem geht…

Musical-World: Harry und Sally ist für Euch beide die erste große Hauptrolle in einem Musical. Was habt Ihr vorher gemacht?

Cornelia Löhr: 2003 habe ich in Wien abgeschlossen an der Universität für Musik und darstellende Kunst, war danach bei der West Side Story in Kassel, habe mit Anna Maria Kaufmann und Ethan Freeman in Bremen Evita gemacht, in Bad Gandersheim war ich bei La Cage Aux Folles und Peter Pan dabei und danach noch mit Gunther Emmerlich und Ilja Richter in My Fair Lady auf Tournee. Im letzen Jahr war ich noch bei Nonnsense und  in Gelsenkirchen im Ensemble von Silk Stockings.

Markus Kloster: Ich komme grade frisch von der Schauspielschule und dies ist mein erstes Festengagement. Ich habe Glück gehabt. Ich habe direkt nach der Ausbildung am Theater der Keller in Köln habe ich zwei Stücke bei den Sommerfestspielen in Feuchtwangen gespielt, im Schinderhannes von Zuckmayer und den Birk in Ronja Räubertochter. Das ging 3 Monate und unmittelbar danach kam ich schon hier ans Landestheater Castrop-Rauxel, wo ich in Emilia Galotti den Grafen Apiani und in Vor dem Frost von Henning Mankell drei verschiedene kleinere, skurrile Rollen gespielt habe. Ich habe aber schon vor meiner Ausbildung viel Musical gemacht, 6 Jahre Freilichtbühne in Coesfeld mit Linie 1, Anatevka, Hair, Jesus Christ Superstar und der West Side Story. Bei der Uraufführung von Sarajevo Love in Münster habe ich mitgespielt, mit diesem Stück sind wir sogar nach Sarajevo geflogen, in das Bosnische Nationaltheater und haben das im großen Stil dort aufgeführt. Danach war mir klar, dass ich Schauspiel machen wollte. Ich bin auf Anraten meiner Eltern gelernter Erzieher im Behindertenbereich nach dem Motto Junge, lern erstmal was Vernünftiges.  Ich habe mich parallel zu dieser Ausbildung immer an Schauspielschulen beworben und bin irgendwann in Kiel für ein halbes Jahr genommen worden. Weil mir Kiel aber doch zu klein war, bin ich danach nach Köln gewechselt, wo ich eine sehr gute Ausbildung genossen habe. Jetzt habe ich hier am Westfälischen Landestheater eine Festanstellung für zwei Jahre und wir produzieren noch in diesem Jahr Der kleine Horrorladen, in dem ich auch mitspielen werde – hoffentlich als Seymore, das wäre mein Herzenswunsch. Ich bin nicht als Pflanze Audrey geeignet, das ist stimmlich irgendwo ganz im Keller, da würde ich mir die Stimme ruinieren und für den Zahnarzt bin ich nicht der richtige Typ. Als Seymore darf ich niedlich, knuddelig und tollpatisch sein, das liegt mir mehr.

Musical-World: Und in Harry & Sally spielt Ihr Eure erste Hauptrolle.

Markus Kloster: Sarajevo Love war auch schon die Hauptrolle, aber vom Umfang her nicht so viel wie dieses hier. Als Harry bin ich wesentlich mehr auf der Bühne, eigentlich die ganze Zeit…

Cornelia Löhr: Bei Peter Pan habe ich die Wendy gespielt, das ist auch eine größere Rolle, aber in einem Kinderstück.

Musical-World: Harry & Sally ist eine Filmadaption. Wie häufig habt Ihr den Film gesehen?

Cornelia Löhr: Nur einmal während der Produktionszeit. Vorher hab ich ihn ein-, zweimal im Fernsehen gesehen, aber nie komplett. Ich habe z.B. nie die Autofahrt zu Beginn gesehen.

Markus Kloster: Als ich hörte, dass ich in Harry & Sally mitspielen sollte, habe ich mir gleich die DVD gekauft und das noch bevor ich wusste, wen ich spielen würde. Natürlich habe ich gehofft, dass es der Harry wird und so ist es ja dann auch gekommen. Aus dem Blickwinkel habe ich mir schon genau angesehen, was Billy Christal im Film macht, was ich vielleicht anders machen würde. Insgesamt kommt im Film die Freundschaft der beiden viel stärker zum Ausdruck. Da gibt es diese vielen kleinen Szenen, in denen man sieht, was die in ihrer Freizeit zusammen machen. Von Weihnachtsbaum schlachten gehen über die Renovierung der Wohnung – diese kleinen Geschichten, die auf der Bühne leider fehlen, das kann man leider nicht umsetzen. Das fehlt mir im Verglich zum Film leider, dass der Zuschauer merkt, dass die beiden wirklich echte Freunde sind. Dafür werden im Musical die Klischees eindeutiger bedient durch Stücke wie Traumfrau oder Machos. Der ewige Konflikt zwischen Männern und Frauen wird im Film nicht so deutlich.

Musical-World: Es ist aber schon so, dass viele Dialoge aus dem Film übernommen wurden?

Markus Kloster: Ja, auf jeden Fall. Die wurden zwar in kleinen Details verändert, nachdem wir den Film noch einmal gesehen hatten, einfach um die Beziehung von Harry & Sally noch besser herauszuarbeiten.

Musical-World: War es schwer, den Orgasmus vorzutäuschen?

Cornelia Löhr: Beim ersten mal hatte ich schon Hemmungen. Beim ersten mal waren nur Markus, der Regisseur und die Regieassistentin dabei. Das war relativ intim und da ging das. Danach waren schon einige Schauspielkollegen mit auf der Bühne, die Szene spielt ja in einem Restaurant. Ich habe das halt einfach mal so technisch gemacht, richtig entwickelt hat sich das von mal zu mal. Ich hätte nie damit gerechnet, dass vom Premierenpublikum dann so eine starke Reaktion kommt. Innerlich konnte ich mich vor Lachen kaum halten, musste mich aber sehr darauf konzentrieren, was ich da eigentlich mache. Nachdem ich dann gekommen bin, mir das Brot in den Mund stecke und Markus ins Gesicht schaue, wollten die Leute gar nicht aufhören, zu klatschen. Das hat mir genug Zeit gegeben, um mich zu beruhigen und ganz lässig meine nächsten Zeilen zu sprechen. Wir haben lange an diesem Bruch geübt. Das war total schwer, sich erst in etwas reinzusteigern und dann am absoluten Höhepunkt einfach abrupt abzubrechen und zu sagen: Isst Du nichts? Mittlerweile macht mir der Orgasmus einfach Spaß, obwohl es sehr anstrengend ist. Wenn ich mich beim Orgasmus so anhören würde wie Sally, würde ich mir sofort einen Arzttermin geben lassen…

Markus Kloster: Das hat auch noch lange nachgewirkt. Danach kommt die Szene, in der ich mit meinem Freund Jason und seiner Freundin Maria an einem Spiegel stehen und über den öffentlichen Orgasmus reden. Das Lachen an dieser Stelle war bei uns alles vollkommen echt, wir haben uns nicht mehr eingekriegt.

Musical-Word: Die musikalische Umsetzung der Geschichte ist sehr gut gelungen. Welche Stücke sind Eure Lieblingslieder?

Cornelia Löhr: Das ist schwer zu sagen, ich mag sehr viele dieser Songs. Ich habe zwei sehr schöne Balladen, obwohl ich mich bei Uptempo-Nummern viel wohler fühle. Ich finde Balladen immer schwer – ich bin einfach kein Balladen-Typ. Ich hatte schon Angst davor, diese zwei Balladen zu singen. Mittlerweile fühle ich mich  wesentlich sicherer bei Balladen. Trotzdem kann ich mehr zeigen bei Uptempo-Nummern, weil ich mehr Spaß an der Sache habe.

Musical-World: Ich war überrascht, dass bei Harry & Sally elf Personen in 39 Rollen schlüpfen. Bei dem Titel denkt man eher an ein Zwei Personen Stück wie Baby Talk oder Die letzten 5 Jahre…

Markus Kloster: Ich finde, es wertet das Stück ungeheuer auf, wenn man sieht, wie Harry & Sally mit ihrer Umwelt interagieren. Diese Christmas-Girls z.B. gibt ja nur in der Fantasie von Harry, sie sind nicht real und werden von Harry aus seinem Kopf verbannt, indem er sie rausschmeißt. Das szenisch darzustellen, finde ich unheimlich spannend. Das Publikum lacht über solche Momente, die eigentlich nur in der Fantasie der Hauptperson stattfinden.

Musical-World: Überraschend für mich war, dass das Musical aus Spanien kommt.

Cornelia Löhr: Ja, das ist tatsächlich ein spanisches Stück. Hartmut Forcher hat die Übersetzung der Texte ins Deutsche vorgenommen. Hier in Castrop-Rauxel ist es auch nicht das erste mal, dass das Stück in Deutschland aufgeführt wurde. Es gab schon seit 2, 3 Jahren Vorstellungen in Berlin, Hamburg und bei den Schloßfestspielen in Bad Vielbel. Harry & Sally wird in Deutschland momentan echt häufig gespielt, es ist richtig in bei den Stadttheatern, die stürzen sich regelrecht auf dieses Stück.

Musical-World: Ihr habt auch recht häufig Kostümwechsel.

Markus Kloster: Bei mir sind es insgesamt 12 Umzüge in 140 Minuten. Insgesamt haben wir 120 Kostüme hinter der Bühne für das gesamte Ensemble. Da steckt eine unglaubliche Logistik mit zwei Kostümfrauen dahinter, die immer wissen müssen, an welcher Seite bei einem Abgang eines Schauspielers von der Bühne sie ihm ein neues Kostüm verpassen müssen. Das war noch in der Woche der Premiere ein ziemliches Chaos, bis sich das so eingespielt hatte, dass man sich darauf verlassen konnte, das diejenige zur rechten Zeit am rechten Ort steht.

Musical-World: Und mit diesem Stück geht ihr jetzt auf Tournee.
Cornelia Löhr: Tournee ist sicherlich zu viel, es sind eher Abstecher zu verschiedenen Theatern.

Markus Kloster: Manchmal fahren wir morgens irgendwo hin, spielen nur eine Vorstellung und kommen in der Nacht zurück…

Cornelia Löhr: Im Moment haben wir insgesamt nur 8 Vorstellungen, es wäre natürlich toll, wenn noch weitere dazukommen, wenn die Publikumsnachfrage groß ist. Wenn man nur eine oder zwei Vorstellungen im Monat hat, ist das sehr hart, weil das Hirn ja dann schon ganz woanders ist, besonders wenn man zwischendurch auch immer mal wieder etwas anderes macht – man vergisst dann natürlich so einiges. Ich muss im Stück verschiedene Bestellungen in einem Restaurant machen und weiß nicht wirklich, was ich will. Die Songtexte dazu zu lernen, fällt mir eigentlich sehr leicht, das ist nur stupides Auswendiglernen. Das Schlimme ist nur, wenn man in dem langen Monolog einmal die falsche Abzweigung genommen hat, dann ist man raus! Verwirrend ist es, dass ich neben dem großen Lied noch drei weitere Bestellungen im Stück mit dem gleichen Thema habe, muss ich mich genau darauf konzentrieren, was ich grade bestelle, was muss oben drauf und was mag ich nicht, war es jetzt Schinken oder Thunfisch – ich weiß es nicht mehr. Da hatte ich während der Proben große Probleme. Wir haben einmal im Studio eine Version vom Chefsalat eingesungen, doch diese Version unterscheidet sich von der jetzigen auf der Bühne in einigen Kleinigkeiten. Doch seitdem ich das einmal in einer anderen Version gesungen habe, fällt mir die richtige Version echt schwer. Wir wollten mal einen kompletten Mitschnitt der Show haben, doch da haben die Techniker gesagt, das wäre ein zu großer Aufwand, aber wenn die Nachfrage groß genug wäre, vielleicht wird dann noch so etwas produziert.

Musical-World: Ich wünsche Euch beiden alles Gute und weiterhin eine steile Musicalkarriere!

© Interview & Fotos by Stephan Drewianka

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